#121 Trauma und Würde - wie wir unsere Würde wiedererlangen können

Transformations - Inspiration

In dieser Folge soll es um die Rolle der Würde bei Heilungsprozessen gehen, insbesondere bei Menschen, die Traumafolgen tragen..... 

 

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In dieser Folge erfährst Du:

  • wie kraftvoll Würde ist
  • dass Entwürdigung häufig Teil von Trauma ist
  • dass die Folgen daraus häufig auch später zu Entwürdigungen führen
  • welch heilsame Kraft die Bewusstwerdung über die eigene Würde hat
  • was wir gemeinsam erreichen können, wenn wir allen Wesen würdevoll begegnen

 

Es soll um die Frage gehen, wie wir Würde zurückerlangen können, wenn sie angetastet oder versehrt wurde. Es soll auch darum gehen, welche wunderbare Kraft in unserer natürlichen und unversehrten Würde schwingt und darum, wie uns diese Kraft helfen kann, ein Leben zu führen, das unserem eigenen Innern zutiefst entspricht. 

Die Kraft der Würde – Würde ist ein Menschenrecht

Zu Beginn möchte ich dich einmal einladen, kurz innezuhalten und dich zu fragen und nach innen zu lauschen, was spürst du und was fühlst du, was regt sich in dir, wenn du an Würde denkst? Viele Menschen assoziieren Würde ganz unbewusst und ganz natürlicherweise mit etwas, was innerlich aufrichtet, mit etwas Kraftvollem, etwas Strahlendem und etwas Großem, Berührendem. Laut Duden ist Würde "ein Achtung gebietender Wert, der einem Menschen innewohnt und die ihm deswegen zukommende Bedeutung". Was für eine interessante Definition. Und laut Duden ist Würde auch "das Bewusstsein des eigenen Wertes und die dadurch bestimmte Haltung". Die Würde eines Menschen wird als schützenswert betrachtet, sodass in unserem Grundgesetz, in Artikel 1. Absatz 1 der bekannte Satz geschrieben steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“. So gehört also die Unantastbarkeit der Würde in unsere Grundrechte. Sie ist ein Menschenrecht. Dieses Menschenrecht wurde definiert, um ein würdevolles Dasein zu sichern. Diese Definitionen von Würde und ihre Bedeutung für unsere Menschenrechte, macht deutlich, was Würde für eine große Kraft ist.

Das Bewusstsein der Würde

Wir können auch emotional und intuitiv gut erspüren was Würde eigentlich bedeutet. Menschen, die ihre Würde natürlicherweise ausstrahlen, die vielleicht ein Bewusstsein ihrer eigenen Würde haben, sind zumeist Menschen, vor denen man ganz selbstverständlich einen stillen und angenehmen Respekt empfindet und bei denen man sich gleichzeitig sicher fühlt. Ein Mensch, der Würde ausstrahlt, ist in meinen Augen jemand, der abgegrenzt wirkt und zugleich offen und zugänglich. Wohlwollend und zugewandt. Denn jemand, der sich der Würde seiner selbst bewusst ist, ist sich auch der Würde eines anderen Menschen oder eines anderen Wesens bewusst. Sich seiner eigenen Würde und der Würde eines anderen Wesens bewusst zu sein, bedeutet wohl, sich des Wertes des anderen und sich selbst bewusst zu sein. Vielleicht sogar sich des Wertes des Lebens bewusst zu sein. Vielleicht ist das Bewusstsein der Würde ein hohes Bewusstsein, das etwas mit Reife oder auch mit vollkommener Natürlichkeit zu tun hat. Ich bin der Überzeugung, wenn wir einander in Würde begegnen könnten, wenn es uns gelänge, unsere eigene Würde zu fühlen und uns ihrer bewusst zu sein und dadurch auch andere Menschen und andere Wesen aus den Augen der Würde betrachten zu können, hätten wir eine Welt, in der Frieden herrschen würde.

Verletzte Würde führt zu Objektifizierung

In meiner Praxis als Traumatherapeutin erlebe ich immer wieder starke Resonanz bei meinen KlientInnen auf das Thema Würde. Der Begriff der Würde ist in meiner Praxis Gegenstand der Traumatherapie. Denn das Gefühl einer verletzten Würde zieht sich durch das Leben vieler traumatisierter Menschen. Das hat große Auswirkungen auf ihre Beziehung zu sich selbst, auf die Beziehung zu anderen Menschen, auf die Beziehung zum Leben. Häufig ist es tatsächlich auch so, dass sich Entwürdigung wie ein roter Faden durch das Leben vieler frühtraumatisierter Menschen zieht. Warum das so ist, wirst du in dieser Folge vermutlich verstehen. Professor Gerald Hüther beschreibt in seinem Buch „Würde“, das du selbstverständlich in den Shownotes verlinkt findest, was passiert, wenn wir das Bewusstsein für unsere Würde und damit auch für die Würde anderer verlieren. In diesem Moment machen wir unser Gegenüber zu einem Objekt. Wir nehmen das Gegenüber nicht mehr in seiner Subjekthaftigkeit wahr, sondern nehmen es als Objekt wahr. Das bedeutet in meinen Worten, dass in diesem Moment die Verbundenheit verschwindet, oder gar nicht erst zustande kommt. Dass dieses zum Objekt machen einen Ausdruck von Mangel an Verbundenheit darstellt. Nur, wenn wir mit uns selbst nicht verbunden sind, können wir jemand anderen und damit auch uns selbst zum Objekt machen und damit entwürdigen. Ein Merkmal von Traumatisierungen, die durch Menschen hervorgerufen werden, ist, dass die Würde verletzt wird. Überall dort, wo sogenannter Missbrauch stattfindet, wird die Würde verletzt. Im emotionalen Missbrauch, wo ein Mensch mit einem anderen Menschen verbal und durch verschiedene Verhaltensmuster gewaltvoll umgeht, wird das Gegenüber zum Objekt gemacht. Vielleicht zur Projektionsfläche, vielleicht schlicht zum Objekt der eigenen unerfüllten Bedürfnisse. In der körperlichen Misshandlung, wo ein Mensch einen anderen benutzt, um seine Gewalt auszuleben, wird der andere nicht mehr als Subjekt wahrgenommen, als Mensch mit Gefühlen und Emotionen und einem empfindsamen Wesen, sondern hier wird ein Objekt wahrgenommen. Natürlich auch und vielleicht ganz besonders auf der Ebene der sexualisierten Gewalt, wird das Gegenüber nicht mehr als ein fühlendes Wesen, sondern als ein Objekt wahrgenommen. Überall dort, wo Menschen andere Menschen verletzen, fehlt die Würde und das Gegenüber wird nicht wahrgenommen als warmes, schlagendes Herz. Natürlich gibt es leider auch Menschen, die Lust daran haben, anderen Schmerz zuzufügen oder sie leiden zu sehen. Die also etwas sadistisches in sich tragen. Diese Menschen haben wohl gänzlich ihre Verbindung zu irgendeiner Würde verloren.

Folgen von Entwürdigung

Was passiert einem Menschen, der Entwürdigung erlebt, der es erfährt, auf so klare und deutliche Weise, wie ich es eben beschrieben habe oder auch viel subtiler, zum Objekt gemacht zu werden? Nehmen wir einmal an, ein Kind erlebt Entwicklungs- oder Bindungstrauma. Es wird in seinen Bedürfnissen nicht wahrgenommen. Es bekommt das Gefühl vermittelt, so wie es ist, nicht richtig zu sein, nicht wertvoll zu sein oder nicht erwünscht zu sein. In seiner Bedürfnisbekundung und in seiner Emotionalität falsch und störend zu sein. Wie du vielleicht schon aus vorangegangenen Folgen von mir weißt, müssen Menschen, also Kinder, die in solchen Situationen aufwachsen, Überlebensstrategien entwickeln. Die Überlebensstrategien, die entwickelt werden müssen, damit man Entwürdigung überstehen kann und sich trotzdem zu einem Menschen entwickeln kann, der in dieser Welt klarkommt, enthalten das Abspalten der eigenen Empfindung für die eigene Würde. Damit wir es aushalten können, entwürdigt zu werden, ist es der vermutlich „leichteste“ Weg, die eigene Würde abzukoppeln und sie nicht mehr zu spüren. Das bedeutet auch, dass wir in der Konsequenz mit dieser Überlebensstrategie unsere eigene, natürliche Reaktion abspalten, unsere Würde zu schützen. Vermutlich kannst du dir vorstellen, dass das ziemlich ungünstige Wirkungen hat auf weitere Lebens- und Beziehungsgestaltungen. Diese Art Überlebensstrategie birgt verschiedene ungünstige Folgen. Zum einen wird durch diese Art frühe Traumatisierung die Verbundenheit zu uns selbst stark belastet. Die Verbundenheit zu uns selbst ist eine Voraussetzung dafür, die eigene Würde wahrzunehmen. Das bedeutet, sich selbst in seiner Würde nicht mehr zu spüren, ist eine natürliche Folge früher Traumatisierungen. Menschen, die früh traumatisiert werden, Entwicklungs- oder Bindungstrauma, Kindheitstraumata erfahren, lernen also häufig, mit einem Gefühl der Würdelosigkeit statt der eigenen Würde groß zu werden. Das führt zu einer inneren Haltung, das führt zu einem Selbstbild, das sich auf alles weitere, was sich entwickeln mag, zunächst einmal, auswirkt. Wenn ich ein Selbstbild in mir trage, in dem meine eigene Würde nicht vorkommt oder versehrt ist, dann bin ich vermutlich sehr empfänglich dafür, meine Versehrtheit zu kompensieren.

Wie kompensiere ich einen Mangel an eigenem Würdeempfinden oder Wertgefühl?

Vieles dazu habe ich auch schon in vorangegangenen Podcastfolgen zu frühen Traumatisierungen gesagt. Zu den klassischen Kompensationsstrategien gehört das Kompensieren über Leistungsdenken und Leistung. Oder auch das Suchen nach Anerkennung auf anderem Wege. In jedem Falle durch die Orientierung nach außen und den Versuch, die eigene Wertempfindung und Würde von außen bestätigt und geschenkt zu bekommen. Das führt leider zu einem gewissen Maß an Abhängigkeit von anderen Menschen und leider auch zu einem gewissen Maß an Manipulierbarkeit von außen. Wenn wir fehlende Würde und fehlendes Wertempfinden kompensieren müssen, dann sind wir recht anfällig dafür, uns Werte zu eigen zu machen, die an unserer Würde vorbeigehen. Beispielsweise den hohen Wert der Leistung, des Funktionierens. So gelangt so mancher Mensch auf einen Irrweg und weit weg von seinen eigenen Potenzialen und seinem eigenen, inneren, tiefen, natürlichen Antrieb. Eine weitere sehr schmerzliche Folge aus dem verletzten Würdeempfinden ist, dass wir uns auch selbst häufig zum Objekt machen. Das bedeutet, einfach gesagt, dass wir uns selbst innerlich immer wieder abwerten, dass wir uns selbst nicht betrachten und nicht so mit uns umgehen, als wären wir Menschen mit einer Würde. Auch das kennen sehr viele frühtraumatisierte Menschen, dass sie bspw. das Gefühl haben, generell falsch zu sein oder schuldhaft zu sein, dass Fehler zu machen etwas katastrophales und vollkommen inakzeptables ist. Hinter diesen Überzeugungen steht zum einen die verletzte Würde und damit verbunden auch die Angst vor Beschämung.

Die Angst vor Beschämung

Ein wirklich wirksames Mittel, um einen Menschen in seiner Würde zu verletzen, die Würde im Kern anzugreifen, ist die Beschämung. Beschämung bedeutet von einem anderen Menschen oder von mehreren anderen Menschen so sehr in der eigenen Würde gekränkt oder verletzt zu werden, dass man das Gefühl hat, in seiner Identität an Wert zu verlieren. Nicht mehr bezogen auf einen Fehler, den man gemacht hat, auf eine mangelhafte Leistung, die man gemacht hat, sondern Beschämung ist ein Gefühl, das an die Wurzel unserer Identität reicht. Wenn dich das Thema Scham und Beschämung interessiert, findest du dazu explizit eine Podcastfolge in den Shownotes verlinkt. Ich sagte gerade, dass die Angst vor Beschämung, hinter den Kompensationsstrategien wartet. Wir versuchen also fortan, nach solchen heftigen, schwerwiegenden Erfahrungen, die uns prägen in unserer Kindheit, uns zu schützen, vor weiterer Verletzung und weiterer Entwürdigung. Das wiederum kann zu einem weiteren, schwierigen Kreislauf führen. An dieser Stelle sei einmal kurz erwähnt, dass es am Ende natürlich wieder hilfreiche und heilsame Impulse geben wird, auch wenn ich hier gerade erst einmal die ganze Misere aufzeigen möchte. In dem Moment, wenn wir versuchen wollen, unsere Würde zu schützen aus Angst, beginnen wir uns zu verbergen. Wenn wir jedoch wollen, dass unsere Würde geachtet wird, ist es wichtig, dass wir sichtbar sind.

Der Kreislauf der Entwürdigungen

Hier komme ich nun zu der Frage, wie es dazu kommt, dass nach frühen Traumatisierungen, die die Würde verletzt haben, im weiteren Leben immer wieder Entwürdigungen stattfinden. Zum einen, wie eben gesagt, durch die Angst vor weiterer Verletzung, z.B. durch Beschämung und unsere daraus folgenden Schutzmechanismen, die mit Rückzug oder vielleicht Unterwerfung und Gefälligkeit und Vermeidungsverhalten einhergehen. Zum Anderen durch Angst. Angst ist etwas, was tatsächlich zu weiterer Entwürdigung oder Würdeverletzung führen kann. Wenn unsere Angst stark genug wird, dann steigt gleichzeitig damit unsere Bereitschaft unsere Würde zu opfern. Jedes Anbiedern, jedes gefällig sein, jede Unterwerfungsgeste, die aus Angst vor Verletzung oder einem mangelnden Selbstwertgefühl herrührt, birgt die Gefahr, dass unsere Würde vom anderen verletzt wird. Der Versuch sich also vor weiterer Verletzung zu schützen, geht häufig auf Kosten unserer Würde.

Bedürftigkeit und Abhängigkeit

Eine weitere Folge aus frühen Traumatisierungen, die zu Entwürdigung und Würdeverletzung führen kann, ist die Bedürftigkeit. Wenn wir frühe Traumatisierung erlebt haben, haben wir eine Menge unerfüllter, sehr wichtiger Bedürfnisse in uns. Z.B. das unerfüllte Bedürfnis nach Verbundenheit. Daraus, aus unerfüllten Bedürfnissen, besonders wenn sie nicht reflektiert sind, ergibt sich Bedürftigkeit. Bedürftigkeit ist ein Zustand, eine emotionale und mentale Lage, in der wir uns nicht ebenbürtig verhalten. Wenn wir bedürftig sind, sind wir tendenziell dabei, um etwas zu betteln. Wir sind tendenziell bereit, etwas abzugeben, um das zu bekommen, wonach wir uns so sehr sehnen. Unter Umständen auch unsere Würde. Bedürftigkeit kann zu Abhängigkeit führen. Abhängigkeit ist immer etwas, was auf Kosten unserer Würde geht. Diese Belastung unserer Würde führt wiederum zu Schamgefühlen, die wiederum zur weiteren Distanzierung oder Schmälerung unseres Würdegefühls beiträgt. Es wird sichtbar, dass viele Muster, die aus frühen Traumatisierungen entstehen, die Würde verletzen. Angst, die Bedürftigkeit, die alte Scham, das versehrte Selbstwertgefühl, die mangelnde Verbundenheit zu uns selbst und anderen, all das sind hervorragende Vorlagen, um die eigene Würde zu verletzen oder an ihr vorbei zu leben.

Was brauchen wir, um die eigene Würde wiederherzustellen und aus dem Gefühl der Versehrtheit wieder herauszuheilen?

In meiner Folge über Posttraumatisches Wachstum, habe ich dir Beispiele genannt von Menschen, die aus traumatischen Lebensgeschichten leuchtend und stark hervorgegangen sind. Dazu zählen Nelson Mandela und Victor Frankl. Diese beiden Persönlichkeiten, die stellvertretend hier genannt sind für unzählige andere Menschen mit weniger berühmten Biografien, zeigen deutlich, dass trotz starker Entwürdigung, furchtbarer Beschämung und Demütigung und Bestrafung usw., etwas in ihnen, nämlich ihre Würde, unversehrt geblieben ist. Natürlich haben auch diese Personen schlimme Entwürdigung und Beschämung erfahren. Etwas blieb jedoch unversehrt oder hat sich in ihnen herausgebildet. Ich vermute es ist das Bewusstsein über die eigene Würde. Das Bewusstsein darüber, dass, egal was ein anderer Mensch mit dir macht, etwas in dir unversehrt bleibt. Zum einen dein tiefstes Inneres und zum anderen deine Freiheit, aus der Erfahrung etwas zu machen, was die eigene Würde wiederherstellt. Es ist also nie zu spät in das eigene Bewusstsein für die eigene Würde zurückzufinden oder dieses Bewusstsein ganz neu für sich zu entdecken. Die eigene Würde zu fühlen hat sehr viel zu tun mit der Verbundenheit zu dir selbst und mit einem Bild was du von dir selbst hast und mit einer Haltung, die du in dir selbst trägst.

Selbstachtung

Die eigene Würde schützen zu können oder wiederherstellen zu können, hat sehr viel zu tun mit Selbstachtung. Damit wir unsere eigene Würde wiederherstellen können, müssen wir in eine innere Haltung kommen, in der wir uns selbst achten. Ich weiß, dass das sehr schwierig oder ein schwieriger Teil des Weges sein kann, da wir aus unseren Traumatisierungen innere Überzeugungen gebildet haben und aus diesen inneren Überzeugungen haben wir ein Selbstbild und eine Haltung entwickelt. Eine Haltung, aus der sich ein Verhalten ergeben hat, das weitere Entwürdigungen erlaubt hat. Jede Selbstabwertung ist sozusagen eine selbstgemachte Missachtung der eigenen Würde. Deswegen ist das Wiedererlangen von Selbstachtung an sich schon ein großer Schritt oder sagen wir mal ein wirklicher Prozess. Ich bin jedoch der Überzeugung und es ist meine Erfahrung aus jahrelanger, therapeutischer Arbeit mit zahlreichen traumatisierten Menschen, dass es etwas im Inneren gibt, was diese Selbstachtung und die eigene Würde, wie eine tiefe Gewissheit, ein tiefes Wissen, eine Weisheit oder ein Bewusstsein in sich geborgen hält. Ich denke, niemand wird sich beginnen mit sich selbst zu beschäftigen aus dem Bedürfnis heraus, sich selbst weiter zu verletzen. Niemand wendet sich sich selbst zu oder begibt sich auf einen Heilungsweg oder einen Bewusstseinsweg, um sein eigenes Leid zu vergrößern, sondern das Gegenteil ist der Fall. Jeder Mensch, der sich auf den Weg begibt in eine bessere Lebensqualität, in eine heilsame Qualität, ist auf dem Weg der Selbsterkenntnis im Sinne von der Erkenntnis der eigenen, unversehrten Würde, des eigenen unversehrten Wertes, des eigenen wahren Wesens. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Ich denke auch deswegen sind Menschen in meinen therapeutischen Sitzungen immer tief berührt, wenn ich das Thema Würde ins Spiel bringe. Weil etwas im Inneren dann erwacht, als wäre es ein Stichwort von außen, ein Codewort von außen, das etwas im Inneren aktiviert, was dann wiederum wirkt wie ein innerer Kompass.

Die innere Revolution - durch Bewusstwerdung mehr in die eigene Würde kommen

Als ich vor einer ganzen Weile mit einer Klientin arbeitete, die frühe Traumatisierungen und daraus folgend weitere, viele Traumatisierungen in ihrem Leben erfahren hat, machte sie eine erstaunliche Entdeckung. Nachdem wir in einer Sitzung intensiv über Würde gesprochen hatten und dieses Thema auch emotional erforscht hatten, beschrieb sie mir in der darauffolgenden Zeit, dass ihr ihre Körperhaltung sehr bewusst geworden sei. Bereits in unserer Sitzung und in unserem Gespräch, stellten wir beide fest, dass sie sich in dem Gespräch immer mehr aufrichtete. Als würde etwas in ihrem Inneren ihren Rücken stärken und sie größer wirken lassen. Sie beschrieb mir im Folgenden, dass sie in der darauffolgenden Zeit häufig wahrnahm, in welchen Situationen sie in sich zusammensank oder so ein bisschen abknickte. Das waren immer die Momente, in denen sie die Verbindung zu sich und ihrer Würde oder ihrem Gefühl für Würde verloren hatte. Sobald sie das beobachten konnte, richtete sie sich wieder auf, was sie sehr dabei unterstützte, auch wieder in ihr Gefühl, nicht nur in der äußeren Haltung, sondern auch in die innere Haltung von Würde zurückzufinden. Für diese Klientin war das Thema Würde ein wirklicher Durchbruch. Es half ihr sehr dabei, sich besser abzugrenzen und so manches Thema anzusprechen, wovor sie sich vorher gedrückt hatte oder einfach Angst hatte. Diese Entwicklung in die eigene Würde hinein war bei dieser Klientin eine leise und sanfte ganz klare, ich möchte sagen, innere Revolution. Die Erkenntnis, dass auch sie ein Mensch voller Würde und Wert war und ist und schon immer gewesen war, auch zu den Zeiten, als sie nicht würdevoll behandelt wurde, oder mit sich selbst nicht würdevoll umging, wirkte wie ein helles Licht, das in die dunkleren Bereiche ihres Bewusstseins hineinleuchtete. Für viele innere Anteile meiner Klientin war die Information zur eigenen Würde wie ein Heilungselixier, was das Gefühl von innerer Sicherheit sehr verstärkt hat. In dem Moment, als sie ihre eigene Würde wieder in den Fokus nahm und anerkannte, war für sämtliche innere Anteile endlich die Möglichkeit gegeben, ihr selbst zu vertrauen. Denn in dem Moment, in dem ich meine Würde ernst nehme, wenn ich beginne, meine Würde zu schützen, schütze ich meine Zartheit, meine Feinheit, meine versehrten inneren Anteile und im Grunde einfach mein gesamtes fühlendes Wesen.

Essenzen zur Wiederherstellung der eigenen Würde

Um die eigene Würde wiederzuerlangen, sie zu stärken und zum Strahlen zu bringen, brauchen wir also all das, was uns hilft, uns uns selbst zuzuwenden. Auf eine leise Art, ohne Forderung, ohne Lärm, ohne Leistungsdruck, ohne Erwartungen. Auf eine sanfte Art, die das Versehrte liebevoll und achtungsvoll umarmt und auf eine klare Art und Weise, die verdrehtes klarstellt. All die inneren Überzeugungen und Glaubenssätze und die alte innere Haltung, die würdelos war, wird klargestellt im Bewusstsein um die eigene Würde. Dann kann eine wunderschöne, leise, sanfte und klare innere Revolution stattfinden. Die ganz von selbst einen großen Unterschied in einem Leben macht. Auch wenn auch das ein Prozess ist, der Geduld braucht. So mag ich dich einladen, mit diesen Informationen und diesen Inspirationen einmal in nächster Zeit deinen Blick zu weiten und dich dir zuzuwenden, um deine eigene Würde in den Blick zu nehmen und sie zu achten, zu würdigen, zu stärken und ich mag dich einladen, auch zu prüfen, was dich in deinem Leben umgibt, was vielleicht deine Würde belastet. Ich mag dich einladen, dich zu fragen, wo du dich selbst noch zum Objekt machst oder machen lässt und wo du andere Menschen zum Objekt machst. Ich mag dich einladen, auch zu schauen, welche inneren Anteile du zu Objekten machst, indem du sie abwertest oder nicht haben möchtest. Und ich mag dich zutiefst einladen, öffne dein Herz und erlaube dir, dich selbst liebevoll zu betrachten, um dich selbst und alles, was zu dir gehört als Subjekt, als Lebendes, Fühlendes und Würdevolles wahrzunehmen.

Was wir mit Achtung der Würde erreichen können

Ich wünsche dir wohltuende, nährende und heilsame Erlebnisse in deiner Selbstreflexion und in dem, was du nach außen trägst. Lass uns gemeinsam zusammenwirken für eine Welt, in der die Würde eines jeden Menschen und eines jeden Wesens geachtet und geschützt wird, sodass wir diese Welt zu der Welt machen können, die sie eigentlich wäre, wenn wir mit unserem verdrehten und verwickelten Geist nicht etwas viel Komplizierteres daraus machen würden. Eine Welt voller Menschlichkeit, Empathie und Verbundenheit.

Shownotes:  

 

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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