#118 Die heilsame Kraft der Eigenverantwortung

Transformations - Inspiration

In dieser Folge komme ich einmal wieder einem Hörerinnen, bzw. einem Hörerwunsch nach. Es soll um das Thema Eigenverantwortung gehen.... 

 

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In dieser Folge erfährst Du:

  • dass Eigenverantwortung eine Haltung ist
  • wie frühe traumatische Erfahrungen einen Mangel an Eigenverantwortung verursachen
  • wieso fehlende Eigenverantwortung für viel Schmerz verantwortlich ist
  • dass es wichtig ist, anzuerkennen und anzunehmen

 

Um die heilsame Kraft der Eigenverantwortung, um die Frage, warum viele Menschen mit Eigenverantwortung so ihre Probleme haben, was das unter Umständen auch für Verbindungen oder für Verknüpfungen mit Entwicklungstraumatisierung oder frühen Traumata hat und natürlich auch, was uns helfen kann, unsere Eigenverantwortung zu stärken und die grundlegende Frage, warum wir sie überhaupt brauchen. Bevor ich loslege, möchte ich dich einladen, im Vorfeld eine andere Folge zu hören. Denn es gibt schon eine Folge, in der ich über Verantwortung spreche. Dort spreche ich, wie ich finde, einige wesentliche Punkte zum Verständnis und zu wichtigen Hintergründen dieses Themas an. Ich wünsche Dir jetzt zunächst einmal viel Freude und Inspiration beim Lauschen/Lesen der Folge #59, die du in den Shownotes verlinkt findest. Dann wünsche ich dir wertvolle und wohltuende Inspirationen beim Lauschen/Lesen dieser Folge.

Verantwortung

Zunächst einmal mag ich dich einladen, noch einmal kurz nachzufühlen, was du gedacht, gespürt oder in dir wahrgenommen hast, als du den Titel der Podcastfolge gehört oder gelesen hast. Was löst das Wort Selbstverantwortung oder Eigenverantwortung in dir aus? Ist das etwas, wo du eher positiv darauf ansprichst oder etwas, wo du merkst, dass du unwillkürlich oder sogar mit einem deutlichen inneren Impuls wegstreben möchtest? Diese Frage ist ohne jede Wertung. Es ist einfach nur eine Einladung nachzuspüren, was dein Inneres, vielleicht schon seit langer Zeit, für Assoziationen zu Eigenverantwortung auf Lager hat. Bevor ich zum Thema Eigenverantwortung komme, möchte ich gerne noch einmal kurz das Wort „Verantwortung“ generell definieren, in dem Sinne, wie ich es hier in unserem Kontext betrachte. Hier zitiere ich nochmal aus der Folge #59, die du vielleicht gerade gehört hast. Es schadet jedoch sicher nicht, es noch einmal zu wiederholen. In meinem Empfinden bedeutet Verantwortung, die Bereitschaft für die Konsequenzen, die sich aus den eigenen Handlungen und Kreationen ergeben, einzustehen. Mit Kreationen ist auch gemeint, die Gedanken und die Handlungen, die wir vollziehen oder eben nicht vollziehen. In meinen Augen ist Verantwortung ein Bindeglied zwischen den eigenen Handlungen, den daraus folgenden Konsequenzen und dann der Haltung, die man dazu einnimmt. Also der Haltung, die man zu den Konsequenzen einnimmt. Genauer gesagt, wenn ich für etwas verantwortlich bin, dann fühle ich mich damit verbunden. Ich fühle mich mit den Konsequenzen, mit dem Verlauf und mit den gesamten Auswirkungen verbunden. Das macht etwas mit mir, wenn ich Verantwortung fühle. Wenn ich Verantwortung empfinde und trage, dann fühle ich mich mit den Wirkungen, die sich aus meinen Handlungen und Kreationen ergeben in einer gewissen Weise identifiziert. Ich spüre und erlebe, dass das was mit mir zu tun hat. Dass diese Situationen oder Ergebnisse durch mich in diese Welt gekommen sind. Diese Art Bewusstheit, dieses identifiziert sein mit den Ergebnissen meiner Handlungen oder Kreationen, kann sehr, sehr unterstützend sein, um damit umzugehen und um für das, was dabei herausgekommen ist, einzustehen und um es entweder zu feiern oder daraus etwas zu machen, was eben positiv oder wertvoll sein kann. Wichtig ist in diesem Kontext, Verantwortung und Schuld zu differenzieren. Hierzu mag ich dir gerne eine andere Podcastfolge empfehlen, wenn du dir die Zeit einmal nehmen möchtest, dann kannst du zum Thema Schuld ein wenig lauschen. Sie lautet „Trauma & Schuld“ und du findest sie in den Shownotes verlinkt.

Eigenverantwortung

Noch einmal zu dem einfachen Satz zurück „Verantwortung bedeutet, die Bereitschaft für die Konsequenzen, die sich aus meinen Handlungen und Kreationen ergeben, einzustehen.“ Was ist nun aber mit der Eigenverantwortung gemeint, wenn wir beispielsweise mit Folgen oder Konsequenzen zu tun haben, die wir nicht selbst zu verantworten haben? Darum soll es hier heute auch gehen. Nun möchte ich dir gerne noch ein paar Impulse geben, zu dem Wort Eigenverantwortung. Ich möchte mit dir teilen, was Eigenverantwortung für mich nach Jahren der therapeutischen, begleitenden Arbeit bedeutet. Für mich ist Eigenverantwortung ein heilsamer Ausweg aus Ohnmacht und Gefühlen des Ausgeliefertseins. Eigenverantwortung ist ein Aspekt von Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung. Man könnte in dem Sinne auch sagen, dass Eigenverantwortung ein Gegenstück, ein Gegenteil von erlernter Hilflosigkeit ist. Wenn du den Begriff erlernte Hilflosigkeit noch nicht kennst, dann lausche gerne der vorangegangenen Folge zu Entwicklungstrauma und Depression. Eigenverantwortung ist in meinem Empfinden eine Kraft, die hilft, die eigenen Grenzen aufzuzeigen, also sich selbst über eigene Grenzen bewusst zu sein und diese eigenen Grenzen auch nach außen kommunizieren zu können. Sie ist auch eine Kraft, die es mir möglich macht, die Grenzen des anderen zu achten, mich auch gegenüber anderen Menschen selbstverantwortlich zu verhalten. Dort, wo mir Eigenverantwortung fehlt, passiert vieles, dazu gleich mehr, unter anderem, dass wir anderen Verantwortung über uns selbst zumuten oder aufbürden. Eigenverantwortung ist also sozusagen etwas wie eine Haltung, eine innere Haltung, eine innere Ausrichtung, die mich ermächtigt, für mich selbst und meine Bedürfnisse und auch meine Meinungen und meine Befindlichkeiten einzustehen. Manche Menschen würden sagen, dass Eigenverantwortung eine erwachsene Haltung ist, ein erwachsener Zustand und dass ein Mangel an Eigenverantwortung eher ein kindlicher Zustand, eine kindliche innere Haltung darstellt. Ich glaube, dass Eigenverantwortung ein, wie gesagt, wichtiger Schlüssel oder Ausweg aus Ohnmacht und Gefühlen des ausgeliefert seins ist. Deswegen glaube ich, dass Eigenverantwortung auch ein großer Schlüssel für uns als Kollektiv und Gemeinschaft ist.

Was sind Symptome von fehlender Eigenverantwortung?

Woran erkenne ich bei mir oder bei anderen, dass ich die Verantwortung für mich selbst nicht wirklich trage? Es gibt einige Symptome, die recht bedeutsam sind und die ein Leben sehr stark beeinflussen können. Unter anderem und ziemlich prominent ist da das Gefühl oder die innere Überzeugung, dass die anderen schuld sind. Dass die anderen dafür verantwortlich sind, wie es mir in diesem Augenblick geht. Das ist ein kritischer Punkt. Der möchte gerne differenziert betrachtet werden. Denn, wie vorhin angedeutet, es ist selbstverständlich für viele Menschen eine bittere Realität, dass sie heute unter Symptomen, Lebensumständen, Einschränkungen und was alles mehr leiden, weil andere Menschen ihnen Leid zugefügt haben. Weil sie versehrt wurden und dadurch an Selbstbestimmungsmöglichkeiten eingebüßt haben. Nehmen wir bspw. an, jemand hat aufgrund seiner traumatischen, frühen Kindheit, eine komplexe traumatische Belastungsstörung entwickelt oder ein sogenanntes Entwicklungstrauma davongetragen. Vielleicht ist dieser betroffene Mensch deshalb nicht in der Lage, so Beziehungen zu führen, wie er es sich eigentlich wünschen würde. Vielleicht hat dieser Mensch körperliche Folgen, leidet unter Autoimmunerkrankungen oder vielleicht unter schweren Symptomen wie depressiven Verstimmungen oder allem möglichen mehr. Nehmen wir also das Beispiel zur Hand, jemand hat durch die Versäumnisse und vielleicht sogar die Boshaftigkeit eines anderen Menschen Schaden erlitten. Dann ist es natürlich wichtig hier anzuerkennen, dass sich hier jemand anderes sogenannt schuldig gemacht hat und sein Handeln Konsequenzen hatte, für die er oder sie natürlich verantwortlich zeichnen müssen. Gleichzeitig und das ist dieser kritische Punkt, ist es jedoch so, dass wir, wenn wir davon betroffen sind, eine wichtige Differenzierung leisten müssen. Die, dass diese klare Zuweisung von Verantwortlichkeit oder Schuld einerseits bestehen kann, während ich andererseits trotzdem noch eine gewisse Wirkmacht, also Selbstbestimmung und Gestaltungsmöglichkeit in meinem Leben habe. Wenn ich bei der inneren Haltung verharre, dass die anderen schuld sind, nicht nur an meiner Versehrtheit, sondern an dem, was heute und hier ist, dann schränke ich mich in meiner Gestaltungsmöglichkeit ein. Vor allem erst einmal in meinem Inneren, in meiner inneren Wahrnehmung von mir selbst. Hier kommen wir wieder zu dem Begriff der erlernten Hilflosigkeit. Ich habe wirklich etwas dagegen, wenn man Leuten, die auf diese Art Opfer geworden sind, unterstellt, sie würden sich in einer Opferhaltung suhlen und sie würden sich selbst im Wege stehen. Das kann vielleicht zu einem Teil hier und da so sein, aber vor allem ist es so, weil schreckliche Dinge vorgefallen sind und weil es ein komplexer und anspruchsvoller und besonders spezieller Weg ist, aus diesen Dynamiken herauszuheilen. Verstehe mich an dieser Stelle bitte nicht falsch. Derartiges will ich hier keinesfalls unterstellen. Sondern ich möchte auf diese Differenzierung hinweisen, dass wir in einer Haltung verharren können, dass die anderen Schuld sind, aus der unbewussten Überzeugung, dass wir nichts an dem Hier und Jetzt ändern können. An der Stelle ist es wichtig zu differenzieren, da es im Hier und Jetzt, in unserem erwachsenen Dasein immer so ist, dass wir die allermeiste Verantwortung für uns selbst und unser Leben tragen. Selbst wenn wir in einem großen Maß vielleicht sogar abhängig sind, weil wir bspw. angewiesen sind auf Hilfe aus Hilfesystemen, weil wir vielleicht ein körperliches Handicap haben und tatsächlich abhängig und angewiesen sind auf die Hilfe von außen. Trotzdem ist auf einer mindestens inneren Ebene das höchste Maß an Verantwortung und auch Gestaltungsmöglichkeit immer bei uns selbst. Manchmal zeigt sich diese innere Prägung, bzw. Überzeugung, dass die anderen Schuld sind bzw. dass ich an den Umständen, die durch die Schuld der anderen entstanden sind, heute nichts ändern kann, auf eine ganz subtile Weise. Z.B. indem wir darauf warten, dass eine Erlösung von außen kommt. „Wenn das und das endlich eintritt, dann kann ich dies und das.“, „Wenn diese oder jene Entscheidung von außen fällt oder diese oder jene äußeren Umstände sich ändern oder dieser oder jene Mensch sich endlich verändert, dann werde ich frei, heiler oder leichter oder glücklicher oder was auch immer.“. Hier zeigt sich auf eine subtile Art und Weise die innere Überzeugung, selbst nichts tun zu können, bzw. keine Eigenverantwortung zu fühlen. Wie gesagt, ich glaube nicht, dass Menschen sich darum drücken, bzw. wenn es so aussieht, oder sich auch manchmal so anfühlt, dann aus guten, inneren Gründen, die einfach noch wirksam sind und die noch heilsamer Transformation bedürfen. Zu diesem inneren Programm, zu dieser inneren Ausrichtung gehört auch das stetige Zurückschauen und sich ärgern, dass man nicht zu einem anderen Zeitpunkt im Leben etwas anders gemacht hat. Das ist das „Hätte, hätte, Fahrradkette...“-Phänomen. Dass wir immer wieder drüber nachdenken, was wir hätten anders machen können oder was hätte anders sein müssen, damit es heute besser wäre. Mit diesen inneren Haltungen verkleinern wir massiv unsere eigene Wirkkraft, weil wir dafür überhaupt nicht wahrnehmend und nicht empfänglich sind. Das heißt, unterm Strich gesagt, ein großes Symptom fehlender Eigenverantwortung, ist die Überzeugung, nichts tun zu können. Anders ausgedrückt die Ergebnisse erlernter Hilflosigkeit und das daraus folgende Kleinreden der eigenen Kraft. Das mangelnde Vertrauen in die eigene Kraft, in die eigene Wirksamkeit im eigenen Innern und in der Welt da draußen. Diese innere Haltung, derartige innere Überzeugungen führen dazu, dass wir leider u.U. sehr leicht manipulierbar sind von außen. Wir sind leicht verführbar, weil man uns das, was uns fehlt und was wir nicht aus eigener Kraft zu schaffen glauben, anbieten kann und uns dadurch um den kleinen Finger wickeln kann. Wir sind dann sehr empfänglich für all diese Angebote von außen, die uns so etwas vermitteln wie „Ich werde das für dich tun, dann kannst du dich entspannen oder dann kannst du endlich glücklich sein.“. Alles, was uns das Gefühl vermittelt, dass wir selbst gerettet werden müssten oder natürlich auch Suggestionen wie, dass wir selbst nicht stark genug oder nicht in der Lage wären, sind Eindrücke, die uns manipulierbar machen und das Gefühl der mangelnden Selbstwirksamkeit stärken. Somit könnte man sagen, dass zu dem Mangel an Eigenverantwortung auch die Tendenz zur Obrigkeitshörigkeit gehört. Also zu der Bereitschaft, sich massiv unterzuordnen, um bspw. nichts falsch zu machen.

Mangelnde Eigenverantwortung durch Angst

Hier, du merkst es vielleicht schon, komme ich jetzt in eine neue Schleife oder Ebene, die wichtig ist bei diesem Thema. Ich möchte jetzt darauf eingehen, wieso Menschen so starke Schwierigkeiten damit haben, ihre Eigenverantwortung zu übernehmen oder weshalb es ihnen so schwer fällt, damit wirklich kraftvoll präsent zu sein. Ich würde sagen es hat vor allem zwei Gründe. Wenn Menschen Schwierigkeiten haben ihre Eigenverantwortung zu übernehmen, dann entweder aus Angst oder weil sie es noch nicht können, weil sie es nicht gelernt haben. Zunächst ein paar Worte zur Angst. Wieso muss man Angst empfinden, wenn man Eigenverantwortung übernimmt? Man muss es natürlich nicht, aber wieso fühlt es sich so an? Wahrscheinlich u.a. deswegen, weil unsere Eigenverantwortung, die Verantwortung für uns selbst, also fpr unser Glück, unsere Umstände, unsere innere und äußere Lebensqualität zu übernehmen bedeutet, dass wir sichtbarer werden. Dass es weniger leicht ist, sich anzupassen und lieb und brav und nett zu sein. Wenn wir unsere Eigenverantwortung übernehmen, dann hat das etwas mit dem Annehmen der eigenen Größe zu tun. Dazu habe ich in der anderen Podcastfolge zum Thema einiges gesagt. Es ist dementsprechend auch so, wenn wir also sichtbarer, greifbarer, wahrnehmbarer werden in unserer Energie, dass wir dadurch auch in unserer Fehlbarkeit sichtbarer werden. Fehlbarkeit ist hier ein Wort, das keinesfalls einen Mangel ausdrückt, sondern einfach nur Menschlichkeit beschreibt. Menschen machen Fehler. Verantwortung für die eigenen Fehler zu übernehmen, bedeutet, etwas Gutes daraus zu machen, auch wenn etwas schiefgegangen ist. Oder im schlimmsten Falle wenigstens Schadensbegrenzung zu betreiben. Wenn wir Angst haben in unsere Eigenverantwortung zu gehen, aus Angst vor Fehlern oder der eigenen Größe, dann hat das etwas damit zu tun, was wir bisher gelernt haben. Wenn wir beispielsweise frühe Traumatisierungen erfahren haben, dann kann es gut sein, dass wir es erfahren haben in unserer Sichtbarkeit oder wenn wir Fehler gemacht haben, beschämt zu werden. Dann ist es eine logische Folge zu empfinden: "wenn ich mich zeige, wenn ich sichtbar werde, wenn ich zu mir stehe, dann riskiere ich, beschämt zu werden, zurückgewiesen zu werden oder bestraft zu werden mit, z.B. Liebesentzug". All das, all diese Erfahrungen/Prägungen können dazu führen, dass wir vor der Eigenverantwortung zurückweichen. Etwas zusammengefasst könnte man sagen, dass all die frühen Traumatisierungen, die unsere Entwicklung eines gesunden Selbstwerts beeinträchtig haben, uns Schwierigkeiten machen, unsere Eigenverantwortung zu übernehmen. Wir lernen in solchen Erfahrungen, dass wir nicht unsere eigenen Bedürfnisse äußern können und damit willkommen sind. Wir lernen, dass wir nicht in unsere eigene Kraft vertrauen können, weil die anderen, in diesem Falle, u.U. schädigenden Bezugspersonen uns überwältigt haben, durch ihre Bestrafung, durch die Zurückweisung, durch die Beschämung oder was auch immer sie getan haben. Angst kann also unbewusst eine große Rolle spielen, sich vor der Eigenverantwortung sozusagen zu schützen.

Mangelnde Eigenverantwortung durch übermäßige Verantwortung für andere

Ich möchte noch auf zwei weitere wichtige Aspekte eingehen, die frühe Traumatisierungen hier mit einspielen. Viele Kinder, die in ihren Familien früh traumatisiert werden, weil die Eltern bspw. nicht in ihrer Kraft sind, werden auf eine schlimme Art und Weise dazu gezwungen, sehr früh Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Sie werden vielleicht sogar in die Rolle gezwungen, sich um ihre Bezugspersonen, bspw. die Eltern, kümmern zu müssen, was man in der Fachsprache „Parentifizierung“ nennt, also dass Kinder in die Rolle der Eltern rutschen. Das kann später starke Auswirkungen haben. Wenn wir uns einmal vor Augen führen, dass hier ein Kind lernt, vor allem die Verantwortung für andere zu tragen und die Verantwortung für sich selbst tragen zu müssen, um sich um die anderen kümmern zu können, dann lernt dieses kleine Wesen nicht, dass es versorgt ist und dass es z.B. auch einmal loslassen kann. Das bedeutet aus diesem Lernen, aus dieser Konstellation ergibt sich häufig ein Mensch, der viel zu viel Verantwortung für andere übernimmt und viel zu wenig für sich selbst. Solche Menschen identifizieren häufig in sich das Gefühl von Verantwortung ausschließlich über das Versorgen von anderen. Damit generieren sie für sich Sicherheit. "Indem ich die anderen Versorge, indem ich dafür sorge, dass alles hier glatt läuft, sorge ich auch gut für mich." Das ist dann ein großer Mangel an Eigenverantwortung, bzw. ein eigenes kommt in diesem inneren Modell/Konzept nicht wirklich vor. Das was ich gerade gesagt habe, trifft auch für Traumatisierungen durch Vernachlässigung zu. Das bedeutet im Weiteren, dass diese Kinder nicht gelernt haben, die Verantwortung für sich selbst zu tragen, obwohl sie dazu gezwungen wurden, sie für sich zu tragen. Sie haben keine Eigenverantwortung gelernt, sondern ein verantwortlich sein für die Umstände, die sie brauchten, um zu überleben. Das passt auch wieder sehr zu dem Begriff der erlernten Hilflosigkeit. Aus all diesem Geschehen, der Parentifizierung, der Vernachlässigung, dem übermäßigen verantwortlich sein für die anderen, ergibt sich die eine oder andere Überlebensstrategie. Z.B. und sehr zu erwarten, die eigene Bedürfnislosigkeit. Also als Überlebensstrategie die eigenen Bedürfnisse auszublenden, weil dadurch mehr Sicherheit gewährleistet ist. Das bedeutet in der Folge, dass es sehr schwer ist, für sich selbst einzustehen, weil um das zu können bräuchte man einen Zugang zu den eigenen Bedürfnissen. Eigenverantwortung bedeutet, für sich einzustehen, für seine eigenen Bedürfnisse wahrnehmend zu sein und sich dafür einzusetzen und damit die Verantwortung für das eigene Wohlergehen zu übernehmen. Ich vermute in dem, was ich bisher gesagt habe, wird deutlich, wie sehr ein Mangel an Eigenverantwortung mit frühen Traumatisierungen zu tun haben kann. Wenn wir früh traumatisiert wurden, wirkt sich das auf unsere Selbstwertgefühle aus, auf unser Selbstbewusstsein, auf die Empfindung von Selbstwirksamkeit und dadurch geraten wir in Überlebensstrategien, die viel damit zu tun haben können, übermäßig Verantwortung für andere zu übernehmen, dadurch keine Verantwortung für uns selbst zu übernehmen oder sich ganz rauszuhalten aus irgendeiner Verantwortungsübernahme und zum einsamen Wolf am Rande der Gesellschaft zu werden, auch das kann eine Überlebensstrategie sein.

Hin zur Kraft der Eigenverantwortung

Vielleicht erinnerst du dich, was ich zu Beginn gesagt habe über die Kraft der Eigenverantwortung, dass sie ein heilsamer Ausweg aus Ohnmacht und ausgeliefert sein darstellt. Ich habe auch angesprochen, dass es eine Haltung ist. Darauf möchte ich jetzt gegen Ende noch einmal zurückkommen. Wenn wir Eigenverantwortung verstehen wollen als eine heilsame Kraft, als eine transformierende Kraft, die Ohnmacht und mangelnde Selbstwirksamkeit und erlernte Hilflosigkeit transformieren kann, dann lohnt es sich, das noch einmal genauer anzuschauen. Wenn es mir gelingt, in eine Haltung der Eigenverantwortung zu gelangen, also in das Bewusstsein meiner Selbstwirksamkeit, in das Bewusstsein meiner Selbstbestimmtheit, dann komme ich in die Lage, das was da ist anzunehmen und zu gestalten. Das Annehmen ist hier ein wichtiger Punkt. Vor dem Annehmen steht noch der Schritt des Anerkennens. Wenn ich etwas annehmen und verändern möchte, dann muss ich erst mal in meiner Gänze dazu stehen, dass es anzuerkennen ist, dass es ist. Indem ich anerkenne, dass es ist, komme ich an im Hier und Jetzt. Indem ich anerkenne, dass etwas heute und hier so ist wie es ist, kann ich es annehmen. Annehmen bedeutet nicht mehr als die Tatsache, zu bejahen, dass es mit mir etwas zu tun hat. Die Tatsache, dass das, was in meinem Leben stattfindet, etwas mit mir zu tun hat, ins Bewusstsein zu bekommen. Wenn ich das tue, dann kann ich beginnen zu gestalten, also zurückzukehren in meine Selbstwirksamkeit, sie zu entdecken, sie zu entfalten, sie vielleicht auch erst zu erlernen, indem ich gestalte. Indem ich kleine Dinge verändere, indem ich mit kleinen Gedanken anfange, indem ich mich bspw. in Wohlwollen mir selbst gegenüber übe. All das meine ich mit Gestalten. Wenn mir das gelingt, anzuerkennen, anzunehmen und zu gestalten, dann gelange ich wieder zurück in die Kraft meiner Würde. Dann bin ich nicht verführbar und nicht manipulierbar. Wenn ich in der Haltung der Eigenverantwortung bin, dann lebe ich auf eine integre Art und Weise. Denn für mich einzustehen und eigenverantwortlich zu sein, bedeutet auch, mir meiner Werte bewusst zu sein. Das wäre jetzt nochmal eine Ebene, wo man tief reingehen könnte. Ich lasse es nur berührt und du kannst schauen, wie es vielleicht in dir wirken mag. Eigenverantwortlich zu sein bedeutet, dir deiner Selbstbestimmung, deiner Selbstwirksamkeit bewusst zu sein, gleich oder abgesehen davon, wie sehr du sie schon spürst, aber Dich ihr zumindest bewusst zu sein. Anzuerkennen was ist, anzunehmen was ist, indem du wahrnimmst, dass es etwas mit dir zu tun hat, weil es in deinem Leben vorkommt und es dann zu gestalten, sodass du es entweder integrierst in dein Leben oder Wege findest, es zu transformieren bzw. es aus deinem Leben zu verabschieden. All das ist wie Balsam und goldenes Licht für deine vielleicht versehrte Würde. Für das, was dich so verletzt hat, dass du deine Eigenverantwortung nicht annehmen oder nicht entwickeln konntest. Dazu mag ich dich so herzlich einladen. Erlaube dir nachzuspüren, wo du dich in deinem Leben ohnmächtig fühlst, ausgeliefert fühlst, denn genau an diesen Stellen hast du vermutlich noch nicht erkannt, dass du etwas dazu beitragen kannst, hier etwas zu verändern. Sei es deine Selbstregulation. Vielleicht fühlst du dich deinem Körper ohnmächtig ausgeliefert, weil er Symptome hervorbringt, die dich fertigmachen. Dann erkenne, dass du hier etwas tun kannst, wenn du dich dir zuwendest und wohlwollend und stetig auf dem Weg bleibst. Wenn du Verantwortung übernimmst für deinen Körper und seine Symptome. Wenn du ihn pflegst, unterstützt, ihn ernst nimmst, ihn achtest und anerkennst, dass es so ist, annimmst, dass dieser Körper etwas mit dir zu tun hat und dann gestaltest was ihm gut tut und hilft. Mit diesen Worten möchte ich gerne an dieser Stelle schließen und ich freue mich sehr, wenn dir das, was ich gesagt habe Unterstützung ist, mehr in deine Kraft zu kommen, solltest du betroffen sein oder andere Betroffene zu ermutigen und zu unterstützen, mehr in ihre Kraft zu kommen. In diesem Sinne wünsche ich dir wohltuende und transformierend heilsame Erlebnisse und Ergebnisse mit der Kraft deiner Eigenverantwortung.

Shownotes: 

 

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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