#113 Trauma und Schlaf

Transformations - Inspiration

In dieser Folge geht es um das Thema Schlaf im Zusammenhang mit Trauma. Ich möchte dir aus der traumatherapeutischen Sicht etwas darüber erzählen, wieso sich Traumafolgen sehr auf den Schlaf auswirken können, was das für Hintergründe hat, auch neurobiologisch, und was es für Möglichkeiten gibt, mit einer solchen Problematik umzugehen... 

 

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In dieser Folge erfährst Du:

  • welche Teile unseres Nervensystems für erholsamen Schlaf sorgen
  • wie sich Dauerstress auf den Schlaf auswirken kann
  • dass es erholsamen Schlaf und Schlaf vor Erschöpfung gibt
  • welche prägende Erlebnisse zu Schlafstörungen führen können
  • was der Schlüssel zu einem erholsamen Schlaf ist

 

In meiner jahrelangen Erfahrung als Traumatherapeutin sind mir unzählige Menschen begegnet, die mit Schlafstörungen zu kämpfen hatten. Schlafstörungen sind ein sehr, sehr weit verbreitetes Phänomen. Ich würde sagen, dass fast keine oder keiner meiner traumatisierten Klienten/Klientinnen nicht unter Schlafstörungen litt oder eine Zeit lang im Leben unter Schlafstörungen gelitten hat. Ich werde in dieser Podcastfolge im Speziellen auf die Arten von Schlafstörung bzw. die Phänomene eines gestörten Schlafes eingehen, die mit Traumafolgen im Zusammenhang stehen. Es gibt auch andere mögliche Ursachen für Schlafstörungen. Viele davon wird man sich mit dem, was ich nun über Traumafolgen erzählen werde, erklären können. Ich möchte hier jedoch nicht den Eindruck erwecken, dass alle Menschen, die unter Schlafstörungen leiden, zwangsläufig traumatisiert wären.

Was sorgt für Entspannung, Regeneration und gesunden Schlaf?

Schlafstörungen wie Ein- und Durchschlafstörungen und auch Albträume gehören zu den beshriebenen Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Es ist also auch klinisch anerkannt, bzw. klar, dass Menschen, die unter Traumafolgen leiden, häufig auch mit dem Schlaf ein Problem haben. Das Gleiche gilt auch für einen Großteil der entwicklungstraumatisierten Menschen. Auch diese haben häufig Schwierigkeiten mit einem erholsamen, entspannten und guten Schlaf. Nun also zu den Gründen, warum das so ist. Bevor ich darauf eingehe, möchte ich einmal ein paar Worte dazu verlieren, was eigentlich echte Entspannung, echte Regeneration und ein gesunder und kraftspendender Schlaf sind. Entspannung, Regeneration und auch Schlaf sind Aspekte, die durch unser autonomes Nervensystem gesteuert werden. Entspannung, Regeneration, ein gesunder Schlaf sind Zustände, die durch unser autonomes Nervensystem herbeigeführt werden. Hierbei spielen einmal wieder unser parasympathisches Nervensystem und unser sympathisches Nervensystem eine Rolle. Wenn dir diese Begriffe noch nichts sagen sollten oder du mehr darüber erfahren möchtest, mag ich dich an dieser Stelle einladen, bevor du weiterhörst, eine andere Podcastfolge zu genießen. Denn ein paar wichtige, grundlegende Infos wären hier für das Verständnis hilfreich. Es ist eine Folge zur Polyvagaltheorie und du findest sie in den Shownotes verlinkt, sodass du direkt draufklicken kannst, wenn du möchtest. Ganz oberflächlich und kurz zusammengefasst, könnte man es so ausdrücken: In unserem autonomen Nervensystem gibt es zwei Zweige. Den Sympathikus und den Parasympathikus. Der Sympathikus oder das sympathische Nervensystem ist dafür zuständig, uns im Wachzustand in Handlungsbereitschaft zu versetzen oder uns unter Stress zur Kampf- oder Fluchtreaktion zu verhelfen. Der Sympathikus ist also für Erregung und wache Zustände zuständig. Der Parasympathikus ist dem gegenüber für Entspannung, Integration, Ruhen und Verdauen zuständig. Unser Nervensystem ist dann in Balance, wenn zwischen Sympathikus und Parasympathikus ein harmonisches Zusammenspiel besteht. Wenn wir also in Anspannung geraten können und z.B. Leistung abliefern können und danach aber entspannen können. Wenn wir spontan reagieren können, auch auf vielleicht herausfordernde oder stressige Situationen und danach in die Entspannung, in die Integration wechseln können. Wenn du meinem Podcast schon eine Weile folgst, ist das für dich inzwischen klar und das ist wunderbar, weil dieses Wissen uns so sehr hilft, die menschliche Psyche und die menschliche Biologie zu verstehen.

Dysbalance und Dauerstress

Dass ein Nervensystem im Gleichgewicht ist, setzt voraus, dass sich der Mensch mit diesem Nervensystem in Sicherheit fühlt und wahrnimmt. (Dazu lausche gerne der vorangegangenen Podcastfolge „Trauma und die Suche nach Sicherheit“. Hier gibt es auch viele wichtige Informationen zu unserem Nervensystem, die hilfreich sind, um tiefer zu verstehen.) Ein Empfinden von Sicherheit ist eine Voraussetzung dafür, dass unser parasympathisches Nervensystem wirklich aktiv werden kann. Dass Entspannungszustände und auch ein Hineingleiten in einen entspannten und erholsamen Schlaf möglich ist, setzt das Erleben und das Empfinden von Sicherheit voraus. Wenn sich ein Mensch nicht in Sicherheit fühlt, dann ist das sympathische Nervensystem latent aktiv. Wenn unser sympathisches Nervensystem durch einen Mangel an Sicherheitsempfinden aktiviert ist, dann ist das in anderen Worten ein Stresszustand. In Stresszuständen ist der Sympathikus recht hoch aktiviert, was auch dazu führt, dass gewisse Stresshormone in unseren Stoffwechsel entlassen werden, durch hormonproduzierendes Gewebe. Diese Stresshormone, die dann im Blutkreislauf unterwegs sind, sind sozusagen Antagonisten für den Parasympathikus. Das bedeutet, solange diese Stresshormone in unserem Blutkreislauf aktiv sind, wird der Parasympathikus nicht aktiv werden können. Diesen Zustand kennen viele Menschen, die sich dauerhaft im Stress befinden. Menschen, die vielleicht in dieser so leistungsorientierten Welt, in einem Beruf unterwegs sind, wo es keine wirklichen Regenerationspausen gibt, sondern wo man dauerhaft online und innerlich verbunden ist mit der Arbeit und dem Stress auf der Arbeit, sodass man auch Zuhause nicht mehr loslassen kann und sich selbst zuhause gestresst fühlt. (Auch hierzu mag ich dir eine weitere Podcastfolge ans Herz legen. Sie ist schon etwas älter und dreht sich um das Thema Dauerstress. Sie heißt „Raus aus der Stressfalle“ und auch dort beleuchte ich einiges aus unserer Neurobiologie.) Dauerhafter Stress führt dazu, dass wir eine Stoffwechsellage haben, in der es der Parasympathikus schwer hat, seine Arbeit zu tun und uns wirklich gut zu tun. Die moderne Stressforschung geht davon aus, dass dieser latente Dauerstress einer der Hauptgründe dafür ist, dass eine so große Zahl an Menschen unter Schlafstörungen leidet. Da wirken noch andere Parameter mit rein, die z.B. unseren Lebenswandel überhaupt betreffen. Aber der Aspekt des Stresses und der Stressstoffwechsellage ist überhaupt nicht zu unterschätzen.

Was hat das Ganze jetzt mit Trauma zu tun?

Vielleicht hast du schon etwas von Entwicklungstrauma gehört, vielleicht hast du schon einige Informationen über Traumafolgestörungen. In der Psychotraumatologie spricht man von einem chronisch übererregten Nervensystem. Im somatic experiencing, einer traumatherapeutischen Lehre/Methode, spricht man von einer globalen, hohen Aktivierung des Nervensystems. Diese Begriffe beschreiben, dass es eine Prägung im Nervensystem gibt, die verhindert, dass der Parasympathikus ausgleichend aktiv wird und die den Menschen in seinem Nervensystem in einer Haltung fixiert, die von ständiger Gefahr ausgeht. Noch einmal anders ausgedrückt, Menschen, die unter frühen Traumatisierungen leiden mussten, die Entwicklungstrauma erlebt haben, haben lange oder dauerhafte Zustände chronischen Stresses erlebt. Sie haben sich nicht sicher gefühlt, sie waren nicht in Sicherheit. Unser autonomes Nervensystem hat den Auftrag und ist immerzu dabei, nach Sicherheit zu suchen. Das bedeutet, dass in den Momenten, in denen keine Sicherheit vorhanden ist, ein Mensch z.B. ein Kind, aber auf Sicherheit angewiesen ist, stets und ständig der Sympathikus aktiv sein wird und je nachdem, wie stressreich die Situation ist, Stresshormone im Blutkreislauf unterwegs sind. Wenn du dir nun vorstellst, dass ein Kind in solch einer Stoffwechsellage aufwächst, unter solch einem Stress, dass ständig auch Stresshormone im Blutkreislauf unterwegs sind, dann wirst du dir vorstellen können, dass das zu einer Prägung im Nervensystem (auch neurobiologisch) führen wird. Dass also der chronische Stresszustand so etwas ist, wie das normale Erleben eines solchen Kindes und eines solchen werdenden Erwachsenen. Für Menschen mit Entwicklungstrauma ist also häufig ein latenter, unbewusster Zustand ein Zustand der Hypervigilanz, der übermäßigen Wachheit, der ständigen Suche nach Sicherheit, also einer Aktivierung des Sympathikus.

Erschöpfung statt Entspannung

Das ist natürlich hochgradig erschöpfend, das ist ein sehr kostspieliger Zustand, der den Körper viel Energie und Kraft kostet. Das bedeutet, es entwickelt sich selbstverständlich immer wieder und auch grundlegend eine tiefe Müdigkeit, die dann auch in Richtung Schlaf zieht. Manche Menschen, die unter Entwicklungstraumafolgen leiden, leiden unter einer chronischen Müdigkeit. Sie sind nie richtig wach, obwohl ihr Nervensystem die ganze Zeit auf Hochtouren fährt. Das hat damit zu tun, dass dieser Zustand so kostspielig ist. Wenn dann die Müdigkeit einsetzt und in Richtung Schlaf zieht, dann ist das eine Müdigkeit, die nichts mit Entspannung zu tun hat, sondern eine Müdigkeit, die mit Erschöpfung zu tun hat. Leider ist es so, dass in diesen Fällen häufig genau dann, wenn die Müdigkeit, die Erschöpfung, den Organismus in den Schlaf zieht, das sympathische Nervensystem wieder angetriggert wird, weil Schlafen bzw. vor Erschöpfung wegzudriften einen Kontrollverlust bedeutet und damit einen Verlust der Sicherheit, die man in dieser Prägung selbst kreieren muss. Das ist leider eine fiese Dynamik, weil das dazu führt, dass man zwar dem Schlaf nahekommt oder leicht einschläft, aber dann immer wieder aktiviert wird im System. Es kann sein, dass dann die Gedanken anfangen zu kreisen, dass man mit Gedanken und dem, worüber man nachdenkt, wieder versucht Sicherheit zu kreieren, oder man ist einfach schlaflos und findet nicht in die Entspannung, obwohl die Müdigkeit so schwer und fast bleiern ist. Als würde Blei durch die Adern fließen. Das Dilemma ist hier also, dass Loslassen und Einschlafen in einer tief unbewussten Ebene gekoppelt sind an Kontrollverlust und dadurch sozusagen an ein „nicht dürfen“.

Anästhesie als prägendes Erlebnis

Es gibt auch einschneidende, prägende Erlebnisse, besonders wenn sie früh stattfanden, die sich sehr im Nervensystem einprägen können und die Fähigkeit zur Entspannung und Regeneration beeinträchtigen können. Hierzu zählen u.a. Operationen und Erfahrungen mit Anästhesie. Was hier geschieht, kann man sich ganz einfach erklären und vor Augen führen. Wenn ein menschlicher Organismus/Körper in eine Narkose geleitet wird, dann ist das etwas, was das autonome Nervensystem komplett überwältigt. In einer solchen Situation ist ein Mensch in der Regel aktiviert, der Sympathikus ist hochaktiv. Der Körper möchte in solchen Situationen gerne fliehen, weil diese Art "unterworfen zu werden" bei allem Verstand und bei aller kognitiven Klarheit und Ausrichtung trotzdem für den Körper bedrohlich ist. Der menschliche Organismus erlebt also in diesem Moment unter einer hohen sympathischen Aktivierung eine Runterregulierung seines Stoffwechsels bis hin zur vollkommenen Bewusstlosigkeit. Das ist medizinisch natürlich alles gut begründet und sicherlich in der modernen Medizin auch so gut es nur geht organisiert und durchdacht. Trotzdem hat es häufig Folgen auf einer tiefen Ebene, also unbewusst in unserem Nervensystem. Ich mag dir hierzu ein kleines Fallbeispiel geben. Der kleine Sohn einer sehr lieben Freundin musste im Alter von ungefähr einem Jahr operiert werden, weil er einen Leistenbruch hatte. Aus verschiedenen Gründen wurde diese Situation zu einer Notsituation und der Kleine musste spät abends ins Krankenhaus. Zunächst wurden die Eltern mit dem Kleinen in der ersten Klinik abgewiesen und in eine andere Klinik geschickt. Es war sehr aufregend, es ging dem Kleinen nicht gut und die Eltern hatten große Angst. Allein das ist für ein Kind schon ziemlich stressig. Der Kleine hatte schlimme Schmerzen und seine Eltern waren in hoher Alarmenergie. Als sie dann in der zweiten Klinik ankamen, wurde den Eltern das Kind ziemlich grob, vielleicht auch der Situation angemessen, aber dennoch leider in einer sehr überwältigenden Weise „entrissen“. Das heißt, der Kleine kam allein in die Vorbereitung und dann auch zur Narkose und zur Operation, die glücklicherweise vollkommen reibungslos verlief und auch keine körperlichen Folgen nach sich zog. Meine Freundin berichtete mir kurz nach dieser Operation, dass ihr kleiner Sohn nicht mehr einschlafen konnte. Sie schilderte mir folgende Beobachtung: Immer, wenn der Kleine auf ihrem Arm begann einzuschlafen, schreckte er plötzlich schreiend und weinend wieder hoch. Sie beobachtete auch, dass er sich komplett gegen das Einschlafen wehrte. Er wurde bereits in dem Moment, wenn er müde wurde, unruhig. Als wollte er sich wehren gegen den sich anschleichenden Schlaf. Das allein war für ihn natürlich schon sehr stressig, sodass er in einen Erschöpfungszustand geriet, da er immer, wenn der Schlaf ihn übermannte, plötzlich in dieser Art Panikreaktion weinend und schreien hochschreckte. So kreiselte sich meine Freundin mit ihrem Sohn durch mehrere Nächte, bis sie allesamt völlig erschöpft waren. Was ist hier geschehen? Eine Erklärung dafür könnte sein, sie ist sehr naheliegend und wahrscheinlich, dass die Erfahrung in eine Narkose gezogen worden zu sein, hier gekoppelt wurde an das Gefühl des Einschlafens. Dass also das sympathische Nervensystem des kleine Knopfes immer in dem Moment, wenn sein Nervensystem in einen ähnlichen Zustand geriet, wie dem Zustand der eintretenden Narkose, in voller Alarmiertheit aktiviert wurde, um diesen Zustand zu bekämpfen. Im Erleben dieses kleinen, winzigen Menschen, wurde das Gefühl von einsetzender Erschöpfung, einsetzendem Schlaf, in dem Moment der Operation bzw. dieser traumatischen Erfahrung von Anästhesie, miteinander verkoppelt. Für den Kleinen war nach dieser Erfahrung, durch diese prägende Erfahrung, das Gefühl von Einschlafen sehr belastet und belegt mit Angst und gekoppelt an ein grauenvolles Gefühl aus einer traumatischen Erfahrung. Durch die wunderbar stabile Bindung, die Mutter und Sohn miteinander hatten, durch die Möglichkeit, dass die Mutter ihn sanft mit ihrer Stimme und mit ihrer Präsenz co-regulieren konnte und die Zustände vor dem Einschlafen immer mehr regulieren konnte, konnte sich dieser Zustand wieder zurückentwickeln und ausschleichen. Das ist leider nicht bei allen Kindern so, denen so etwas geschieht. Natürlich kannst du dir vorstellen, was das bedeutet, wenn man in diesem Kreislauf als kleiner Knopf gefangen bleibt und sich dadurch die Prägung immer tiefer ins Nervensystem hineinprägt, dass Einschlafen gefährlich ist.

Dissoziative Zustände durch Dauerstress

Hier möchte ich jetzt auf einen anderen oder weiteren Aspekt eingehen, wie sich Traumafolgen auf Schlaf und Erholungsfähigkeit auswirken können. Wenn der sympathische Stress, der sympathikotone Stress in einem Organismus zu hoch wird, sodass der Parasympathikus keine Chance hat einzugreifen, dann gibt es einen Mechanismus im menschlichen Körper und Organismus, der hier eine Notlösung darstellt. (Dazu hörst du übrigens auch mehr in der Folge zur Polyvagaltheorie.) Wenn der Stress zu hoch ist, dann ist es einem menschlichen Organismus nicht möglich, dauerhaft in dieser hohen Stresslage zu sein. Dann greift ein Teil des parasympathischen Nervensystems aktiv ein. Man nennt ihn,, nur um den Begriff zu nennen den dorsalen Vaguspfad, der in diesem Moment aktiviert wird. Du kannst dir das so vorstellen, dass in diesem Moment der ganze Organismus sozusagen auf Not-Aus gestellt wird. Das bedeutet, dass eine komplett andere Hormonlage im Körper entsteht. Dass andere Hormone und Botenstoffe ausgeschüttet werden, die den Körper in einen recht gefühllosen und emotional unbeteiligten Zustand versetzten, der dann auch zu so etwas führen kann, wie einen schlafähnlichen Zustand. Man zählt das in der Psychotraumatologie auch zu den dissoziativen Zuständen. Es ist kein Zustand, in dem Erholung oder Regeneration möglich sind, sondern ein Zustand eines hoch gestressten Nervensystems, der aber nach außen hin ruhig oder vielleicht sogar friedlich aussehen kann.

Babys/Kinder in Not brauchen Co-Regulation

Ein auf schreckliche Weise gutes Beispiel für diese Dynamik ist das sogenannte Schlaftraining. So ein furchtbares Buch namens „Jedes Kind kann schlafen lernen“, war schon vor vielen Jahrzenten für viele Kinder ein Albtraum. Einige Generationen, viele Menschen wurden mit dieser Literatur, durch ihre Eltern geprägt. In diesem Schlaftraining geht man davon aus, dass man, vereinfacht gesagt, ein Kind eine gewisse Zeit lang schreien lassen kann, denn dann würde es schlafen lernen. Wenn ein Kind, ein kleines Kind, ein Säugling schreit, dann ist er in Not und das Bindungssystem ist aktiv. Das heißt, der Sympathikus ist massiv aktiviert, es kommt sogar zu Todesangst. Wenn in diesem Moment keine Co-Regulation stattfindet, keine Hilfe, keine Zuwendung, die den Stress nimmt, dann ist es selbstverständlich, dass der Organismus in diesem hohen Stresszustand nicht lange aushalten kann. In diesem Moment, wenn der Stress zu lange zu hoch ist, greift der dorsale Vagus unseres parasympathischen Nervensystems und das Kind hört auf zu schreien. Es fällt aber nicht in einen wohligen Schlummerschlaf, sondern es fällt in den Zustand der Untererregung, der Dissoziation, in einen Stoffwechselzustand, der nichts aber auch gar nichts mit Entspannung zu tun hat. Aber das Kind ist ruhig. Menschen, die so etwas in ihren frühsten Jahren leider erleben mussten, haben häufig eine starke Prägung in ihrem Nervensystem, die es ihnen sehr erschwert in einen erholsamen Schlaf zu finden. Man könnte so weit gehen zu sagen, dass an die Stelle des erholsamen Schlafs im wohligen parasympathischen Zustand, die Stelle des dorsalen Vaguspfades kommt und man sich nur in einer Untererregung und in einem abgeschalteten Zustand befindet, statt in einem erholsamen Schlaf. Das bedeutet, nicht erholt aufzuwachen und völlig gerädert und verkrumpelter als vor dem Einschlafen morgens im Bett zu erwachen. Hier ist also auch eine starke Prägung im autonomen Nervensystem vollkommen an unserem Bewusstsein vorbei aktiv, die es uns nicht ermöglicht, in einen wirklich erholsamen Zustand zu finden, in dem auch Zellregeneration, emotionale und mentale Entspannung wirklich stattfinden können. Diese Zustände eines autonomen Nervensystems sind in den Augen vieler Stressforscher oder auch Psychotraumatologen mit auslösend für Auto-Immunkrankheiten und derartige chronische Krankheiten, die wir psychosomatisch nennen. Das ist nachvollziehbar, denn wenn ein Organismus nie wirklich zur Regeneration kommt, muss er gewissermaßen aus der Balance geraten. Ich mag dich einladen, einmal kurz durchzuschnaufen, denn sollte etwas davon für dich zutreffen, sei an dieser Stelle einmal beruhigt, ich werde auch noch etwas zur heilsamen Hinwendung zu diesen Phänomenen sagen. Es geht hier natürlich nicht nur darum, aufzuzählen, wie schwierig und schrecklich das alles sein kann, sondern es gibt auch Lösungswege aus diesen Dynamiken heraus.

Alter Überlebensstress führt zu Panikattacken

Bevor ich dazu komme, möchte ich aber noch einen Aspekt beleuchten, der auch einige Menschen betrifft. Nämlich das Aufwachen in Panik. Auch das beschreiben sehr viele Klientinnen und Klienten, die unter Traumafolgen leiden und die sich in Traumaaufarbeitungsprozessen befinden. Eine Panikattacke, das ist ein ziemlich ungerechtes Wort, umschreibt das Aktivieren von Überlebensstressenergie. Wenn wir eine Panikattacke erfahren, dann ist in uns Überlebensstress aktiviert, das heißt, es überfällt uns nicht eine Panik aus dem Nichts, sondern ein alter Überlebensstress wird aktiviert. Du kannst dir vielleicht, nach dem, was ich schon beschrieben habe, vorstellen, dass das häufiger der Fall ist, wenn man z.B. eine Nacht oder eine Schlafphase in der Untererregung verbracht hat, statt in erholsamem Schlaf. Dass dann statt eines entspannten Aufwachprozesses, ein Shift im Nervensystem stattfindet, von der Untererregung heraus in die Übererregung, in die Panik oder wie eben gesagt, in die Empfindung einer Überlebens-stressreaktion. Wichtig ist mir hier, dass sichtbar und spürbar wird, dass in all diesen Symptomen, in all diesen Phänomenen der Versuch des Körpers steckt, Sicherheit zu generieren. Dass hier also im Grunde der Körper versucht, etwas richtig zu machen aber durch eine Prägung, eine unverarbeitete Stresserfahrung, eine unverarbeitete traumatische Erfahrung, keine Chance hat, es richtig zu machen. Ich mag dich also einladen, falls du betroffen sein solltest, einmal kurz deinen Körper dafür wertzuschätzen, dass er versucht, immerzu für Sicherheit zu sorgen, auch dann, wenn sie eigentlich theoretisch schon da ist. Das waren nun also einige Erklärungen dazu, wie es zu Schlafstörungen und gestörtem Schlaf kommen kann, wenn Trauma unverarbeitet im Hintergrund wirkt.

Verbindung mit dem eigenen Nervensystem als Schlüssel

Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, ist es in solchen Fällen schwer möglich, über Achtsamkeitstechniken oder kognitive Techniken diesem Phänomen beizukommen, denn immer, wenn wir etwas mit unserem Willen tun wollen, wenn wir Druck ausüben, ist unser Sympathikus aktiv. Wenn wir also versuchen uns mit einer Affirmation oder einer speziellen Meditation in den Schlaf zu bringen, dann kann es sein, dass wir viel zu viel unseres bewussten Verstandes aktivieren müssen und dadurch unser Körper nicht in das Gefühl von Entspannung und Sicherheit kommen kann. Man bräuchte also für diese Art von Schlafschwierigkeit einen etwas anderen Ansatz. Du kannst es dir vielleicht schon vorstellen, wenn du schon etwas von mit kennst, wir landen hier wieder einmal bei der Nervensystemregulation. Sollte dein Organismus in einer solchen Art und Weise geprägt sein, dass er global übererregt ist oder in einer latenten Übererregung schwingt, dann ist es unermesslich wichtig für deinen Körper zu lernen, dass das Nervensystem reguliert werden kann. Hierzu ist es wichtig, all die Theorie zu verstehen, die zur Nervensystemregulation nötig ist. Dazu findest du viele Ressourcen in meinen vergangenen Podcasfolgen. Um Nervensystemregulation zu lernen, ist es wichtig, dass du mit deinem Körper in Kontakt bist. Es gibt einige Körperübungen, auch dazu findest du etwas in den Ressourcen. Dann ist es wichtig, dass wir das immer und immer und immer wieder üben, üben, üben. Denn je stärker deine Verbindung zu deinem Nervensystem ist, je mehr du selbstwirksam dich selbst regulieren kannst, desto mehr Kapazität entsteht in deinem Körper, um die Zustände, die noch nicht verarbeitet sind, nach und nach zu verarbeiten. Das ist das, was wir Containment nennen, das ist das, was man auch wachsende Resilienz nennen kann. Das heißt also anders gesagt, um solcherlei Schlafstörungen in eine heilsame Bewegung zu bringen, brauchen wir die Hinwendung zur Nervensystemregulation. Es ist also nicht in erster Linie wichtig am Einschlafen, am Durchschlafen oder am Aufwachen zu arbeiten, sondern am grundlegenden Zustand deines Nervensystems. Hier findest du viel Zugang über deinen Körper, über das, was wir Körperarbeit nennen können oder körperliche Erfahrung in der Nervensystemregulation. Darüber gewinnst du dann langsam Zugang zu deiner Stoffwechsellage, zu dem inneren Zustand und der subtilen Grundeinstellung deines Nervensystems. Sei also hier zutiefst ermutigt, dich dem zuzuwenden und dich auf einen Prozess einzustellen, der dir nicht nur einen besseren Schlaf bescheren kann, sondern auch heilsames für all die unbewältigten Erfahrungen, die noch im Inneren schlummern. Hier spreche ich nicht von dem Hinwenden zu Inhalten, sondern schlicht von dem Hinwenden zu deinem Körper, also deinem Nervensystem. Zum Abschluss dieser Folge, mag ich dir hierfür noch ein paar Ressourcen nennen, die du auch in den Shownotes findest. Es gibt eine 7-teilige, Webinarreihe, in der ich in 7 Webinaren Übungen zur Nervensystemregulation zeige. Ich lade dich herzlich ein, solltest du betroffen sein, bitte beschäftige dich damit, denn das ist wirklich der Ansatz, der helfen wird. Außerdem findest du in den Shownotes den Link zu meiner Wunderschlafmeditation. Hier habe ich sowohl für Menschen mit Traumafolgen als auch für Menschen, die „einfach so“ unter Schlafstörungen leiden, etwas kreiert. Du findest eine Checkliste, wie du dich vorbereiten kannst auf einen gelingenden Schlaf, hier spielen viele Parameter, die ich hier gar nicht erwähnt habe, eine Rolle und du findest eine wohltuende Meditation, die dich unterstützt, aus der sympathische Aktivierung des Tages sanft in eine parasympathische Aktivierung hinüber zu wechseln. Du findest all das kostenlos für dich bereitgestellt.

Shownotes:

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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