#111 Warum Abgrenzung so komplex ist

Transformations - Inspiration

Einige Folgen der vergangenen Wochen haben sich schon um das Thema Abgrenzung gedreht. Mein ganzer neuer Onlinekurs dreht sich um dieses Thema... 

 

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In dieser Folge erfährst Du:

  • dass Bindung und Autonomie menschliche Grundbedürfnisse sind
  • dass unerfüllte Bedürfnisse Fallstricke für gelingende Abgrenzung sind
  • wie verschiedene Selbstbilder Konflikte erzeugen
  • was der Schlüssel zu mehr Balance und mehr Abgrenzung ist

 

Ich habe mich mit diesem Thema so eindringlich und tief beschäftigt, dass ich einfach noch auf einen wichtigen Punkt hinweisen möchte, der auch sehr hilfreich sein kann für Menschen, die Entwicklungs- oder Bindungstrauma in ihrer Biografie tragen. Der Titel dieser Folge lautet „Warum Abgrenzung ein komplexer Prozess ist“. Ich habe mich für diesen Titel entschieden, weil das Thema Abgrenzung eine gewisse Tücke hat. Nämlich die, dass es in der Essenz ganz einfach ist und trotzdem sehr komplex. Wenn wir versuchen die Einfachheit zu greifen, dann ist das einerseits sehr hilfreich, aber andererseits kann man sich mit der Einfachheit auch unter Druck setzen. Deswegen möchte ich mit dieser Folge für ein bisschen mehr Balance sorgen, auf die Komplexität des Themas hinweisen und auf die Logik darin hinweisen, sodass es auch in der Komplexität einfach werden darf. Mir ist wie immer essenziell wichtig, ein Bewusstsein zu wecken für verborgene Dynamiken, um dadurch ein Bewusstsein entstehen zu lassen, für die Wichtigkeit eines inneren Prozesses, jenseits von Druck und Stress. Bevor ich gleich in Ruhe ins Thema einsteige, sei noch kurz erwähnt, dass mein Kurs zwar schon gestartet hat aber du jederzeit einsteigen kannst. Ich freue mich so sehr darüber, dass wir eine so große Gemeinschaft an feinen Menschen sind, dass bereits über 500 Leute an diesem Kurs teilnehmen. Es ist eine riesige, wunderschöne Freude. Jetzt wünsche ich dir viel Freude und Inspiration und liebevolle Begegnung und Berührung mit dir und deinem Inneren.

Alles dreht sich um Beziehung

In unserem Leben dreht sich im Grunde alles um Beziehung. Wir sind als soziale Wesen stets darauf ausgerichtet, in harmonischen Beziehungen zu leben. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen pauschal und vielleicht sogar ein bisschen schmalzig. Aber als soziale Wesen sind Beziehungen für uns etwas sehr Wichtiges. Nicht nur um es schön zu haben oder das Leben genießen oder feiern zu können, sondern auch, weil wir auf einer tiefen, inneren Ebene auf Beziehung angewiesen sind. In Beziehung fühlen wir uns mit dem Leben verbunden. In der Bezogenheit zu einem anderen Menschen, fühlen wir uns lebendig, auch in unserer Entwicklung. In einer Verbundenheit, in einer Beziehung und in Interaktionen mit anderen Menschen, werden wir gespiegelt und erhalten dadurch Inspiration und Möglichkeit uns zu entwickeln, uns zu reflektieren, uns immer besser kennenzulernen. Als soziale Wesen sind wir, wie Säugetiere, wie andere Spezies, die in Verbünden leben, so etwas wie Herdentiere. Unser Unterbewusstsein und auch unsere Neurobiologie sind sehr darauf ausgerichtet, in Gemeinschaft zu leben. Das ist etwas, das uns bewusst sein darf, wenn wir über solche Themen wie Abgrenzung sprechen, wenn wir über solche Themen wie Kommunikation sprechen und natürlich auch, wenn wir versuchen zu verstehen, was für teilweise sehr verdrehte Dynamiken uns als komplexe Wesen in dieser Welt so ad absurdum führen. Du hast vielleicht schon vorangegangene Folgen von mir angehört. Es gibt eine Folge, die du in den Shownotes verlinkt findest, in der ich viel über Bindung und Autonomie spreche. Auf diesen Aspekt möchte ich hier noch einmal ganz kurz eingehen.

Bindung und Autonomie als Grundbedürfnisse

Weil wir so soziale Wesen sind, sind wir sehr auf Bindung ausgerichtet. Bindung ist für uns ein Elixier, das uns ein Lebensgefühl von Geborgenheit, Zugehörigkeit und auch Sicherheit vermittelt. Sicherheit ist ein Zustand in unserem Nervensystem. Wenn wir uns sicher fühlen, ist unser Nervensystem in einem regulierten Zustand, was für uns bedeutet, dass wir in diesem Zustand und unter diesen Umständen in der Lage sind, zu lernen, zu leben, lebendig zu sein, uns zu entwickeln oder einfach nur zu erholen und zu integrieren. Sicherheit ist also etwas sehr Wichtiges und ein Bestandteil von dem Gefühl der Verbindung und Bindung in dieser Welt. Dem großen Bedürfnis nach Bindung, das unter anderem mit dem begründet ist, was ich gerade gesagt habe, steht ein weiteres, wichtiges Bedürfnis gegenüber. Das ist das Bedürfnis der Autonomie. In unserem Bedürfnis nach Autonomie, das sich schon relativ früh in der Kindheit entwickelt, jedoch viel später als das Bedürfnis nach Bindung, mit dem wir bereits geboren werden, schwingt unser Bedürfnis nach Entfaltung, nach Selbständigkeit, nach Selbstwirksamkeit, nach selbst erschaffen können, nach Ich-Identität und nach ganz viel dynamischem, lebendigem Dasein. Das heißt, unser Autonomiebestreben ist auch etwas sehr Essenzielles und gehört zu unseren Grundbedürfnissen. Autonomie ist ein Grundbedürfnis. Über das möglicherweise bestehende Spannungsverhältnis zwischen Bindung und Autonomie findest du viele Informationen in der verlinkten Podcastfolge, die ich dir nochmal ans Herz legen mag. Wie angedeutet, zwischen Bindung und Autonomie kann es ein Spannungsverhältnis geben. Kurz gesagt, wenn wir uns in der Bindung nicht sicher fühlen, fällt es uns schwer unsere Autonomie zu leben, weil wir dadurch die Bindung gefährden könnten. Wenn die Bindung in Gefahr ist, dann sind wir in Gefahr. Bindungslosigkeit, Einsamkeit, Unverbundenheit, gehören zu den größten Nöten, zu den tiefsten Ängsten und den unangenehmsten Gefühlen. Leider ist Bindungslosigkeit, Einsamkeit, Unverbundenheit eines der Hauptsymptome bei früher Traumatisierung. Die Informationen aus dieser Podcastfolge sind also auch sehr treffend, wenn frühe Traumatisierung vielleicht in deiner Biografie eine Rolle spielen sollte. Dazu noch ein Hinweis auf eine weitere Folge, in den Shownotes findest du sie verlinkt. Eine Folge, in der es darum geht, warum Abgrenzung für Menschen mit Entwicklungstrauma so schwierig ist.

Abgrenzung – eine hoch emotionale Angelegenheit

Jetzt habe ich etwas darüber gesprochen, wieso Bindung und Autonomie im Spannungsverhältnis stehen. Nun ist die Frage, was hat das alles mit Abgrenzung zu tun? Weil für uns Bindung so ein wesentlicher Bestandteil für das Leben von Sicherheit ist, sind wir unterbewusst sehr darauf ausgerichtet, nichts zu tun, was Bindung gefährden könnte. Wir sind alle in komplexen Beziehungsmustern in dieser Welt präsent. So komplex wie unsere Beziehungen im Außen oder auch unsere innere Beziehungswelt ist, so komplex ist das Thema Abgrenzung für uns. Nun also zu der Frage, warum ist Abgrenzung ein komplexer Prozess? Viele Menschen werden sich bewusst, dass Abgrenzung für sie ein Thema ist, wenn sie merken, dass sie nicht gut für sich einstehen können, dass sie immer wieder in Kontexten Dinge tun, die sie gar nicht tun wollen. Sie landen vielleicht in Beziehungen, in denen sie schlecht behandelt werden, manchmal sogar in toxischen Beziehungen. Es fällt ihnen schwer, sich zu trennen, sich zu distanzieren. Für manche Menschen ist es bedrohlich, überhaupt unter anderen Menschen zu sein, weil es so schwer ist, sich zu schützen. Dann kann es sein, dass man einen Ratschlag bekommt. So etwas wie „Du musst einfach mal Nein sagen.“, oder „Sorge für dich!“, oder „Lass' dir das nicht gefallen!“. Diese Ratschläge sind vielleicht in ihrem Inhalt richtig, aber sie sind nicht so leicht anzunehmen oder gar umzusetzen. Die Entscheidung allein sich abgrenzen zu wollen, für sich einstehen, für sich sorgen zu wollen, reicht noch nicht. Denn Abgrenzung ist nicht allein ein kognitives Geschehen, das man dann in eine Handlung umsetzen kann, sondern Abgrenzung ist eine hoch emotionale Angelegenheit, eine auch mental anspruchsvolle Angelegenheit. Abgrenzung hat unglaublich viel mit unserem Unterbewusstsein zu tun und mit Anteilen in unserem Unterbewusstsein, die mit dem Anliegen Abgrenzung ihre Probleme haben.

Unklarheit

Diese Gemengelage an emotionaler, mentaler, unterbewusster Herausforderung, führt in der Folge zu einer gewissen Unklarheit. Unklarheit ist etwas, was uns sehr, sehr verunsichert. Wenn etwas unklar und diffus ist, dann haben wir keine Richtung, in die wir unsere Energie fließen lassen können. Wir haben keine Klarheit, auf die wir uns ausrichten können und der wir folgen können. Diese unangenehme und hemmende Unklarheit stammt häufig aus Ambivalenzen im Inneren. Aus Ambivalenzen, die daraus resultieren, dass verschiedene Bedürfnisse im Inneren kollidieren. Zusammengefasst bedeutet das unter Umständen, dass deine Werte von heute im Konflikt stehen mit Bedürfnissen von damals. Dazu ein konkretes Beispiel.

Unerfüllte Bedürfnisse als Fallstricke für Abgrenzung

Nehmen wir an, Tine lebt in einer Beziehung, die sie nach einigem reflektieren und einigem an Prozessarbeit als toxisch bezeichnen würde. Sie hat große Probleme mit ihrem Partner/ihrer Partnerin und sie erlebt sich immer wieder in Situationen, in denen sie sich im Nachhinein darüber stark grämt, dass sie sich so etwas gefallen lässt. Situationen, in denen sie sich sehr übergangen fühlt, in denen sie teilweise emotional schwer verletzt wird und in denen sie in ihrer Würde beschämt wird. Tine hat schon viel über sich verstanden, aber sie kriegt es nicht klar, warum sie sich aus dieser Beziehungsdynamik nicht lösen kann. Tine ist hier stellvertretend für ganz viele Menschen und man könnte hier auch unterschiedliche Kontexte um Tine herumbauen. Es muss nicht unbedingt eine Partnerschaft sein, es kann auch eine Arbeitsstelle sein, eine Freundschaft oder irgendein anderes Beziehungskonstrukt. Mental ist sich Tine klar darüber, dass sie sich trennen müsste, damit es ihr besser ginge. Emotional fühlt sie aber gleichzeitig immer dann großes Leid, wenn sie sich abgrenzt. Wenn sie sich von ihrem Partner / Ihrer Partnerin distanziert, was auch eine Art Abgrenzung ist, fühlt sie sich emotional schwer in Not. In ihrem Unterbewusstsein ist einiges los. In Tines Unterbewusstsein sind verschiedene Anteile aktiv, die unterschiedliches gelernt haben. Vor allem über Bindung und Beziehung. Tine hat in ihrer frühen Kindheit leider erleben müssen, dass ihr Bedürfnis nach Bindung nicht stabil erfüllt wurde. Tine hat viele Bindungsabbrüche erlebt und sie hat sehr darunter gelitten, häufig sehr allein zu sein. Tine hat auch die Erfahrung gemacht, mit ihren Bedürfnissen nicht willkommen zu sein, und sie hat die Erfahrung gemacht, dass es ihr am besten ging in ihrer Familie, wenn sie sich schön angepasst hat und sehr hilfsbereit zugegen war. Das ist ein klassisches Muster. Ich stelle hier ein klassisches Beispiel dar, damit wir einfach in einer Klarheit reflektieren können, um was es im Kern geht. Das Beispiel von Tine soll dazu dienen, klarzumachen, dass es eine Rolle spielt, ob in unserer Kindheit Grundbedürfnisse erfüllt wurden. Für Tine wurde beispielsweise das Grundbedürfnis nach Bindung nicht erfüllt. Das Bedürfnis nach gesehen werden, wurde nicht erfüllt. Das heißt, ihr grundlegendes Bedürfnis nach Sicherheit wurde erschüttert. Vielleicht wurden auch noch weitere Bedürfnisse von Tine nicht wahrgenommen. Vielleicht konnte sie ihr Bedürfnis nach Autonomie nicht entfalten oder ihm nachgehen, weil sie sonst fürchten musste, noch einsamer zu sein und Bindungsabbrüche zu erleiden. Das bedeutet also, es gibt viele unerfüllte Bedürfnisse in Tines Unterbewusstsein. Jedes unerfüllte Bedürfnis, auch alle möglichen anderen unerfüllten Bedürfnisse, die dir nur einfallen können, werden unter Umständen zu Fallstricken im Thema Abgrenzung. Weil wir durch die unerfüllten Bedürfnisse in eine Ambivalenz geraten.

Klarheit bringt mehr Balance

Wenn wir ein unerfülltes Bedürfnis bspw. nach Bindung in unserem Inneren haben aus den Erfahrungen heraus, die ich gerade beispielhaft dargestellt habe, dann wird es uns sehr unter Druck bringen, wenn wir uns abgrenzen wollen. Denn an unser Abgrenzungsbedürfnis, an das Bedürfnis, gut für uns zu sorgen, ist unterbewusst gekoppelt, was alles Negatives daraus folgen könnte. Z.B. „Wenn ich mich abgrenze, bin ich ganz allein.“ oder „Wenn ich mich abgrenze, werde ich bestraft.“, all diese Dinge, die ich schon in anderen Formen beschrieben habe. Es ist also von enormer Wichtigkeit, wenn wir gelingende Abgrenzung leben wollen bzw., wenn wir schlicht gelingende Beziehungen gestalten wollen, dass wir uns dieser inneren, unerfüllten Bedürfnisse bewusst werden. Denn kindliche unerfüllte Bedürfnisse, haben eine hohe emotionale Ladung und wir können uns das wiederum in der Form von Anteilen vorstellen. Wir haben also quasi innere Anteile, die all die Emotion, die Körperempfindung, das Wahrnehmen, den ganzen Zustand von damals noch tragen. Wenn wir dann eine Abgrenzung vollziehen wollen, wenn wir uns sozusagen distanzieren wollen, oder für uns einstehen wollen, dann werden genau diese alten Gefühle Wahrnehmungen, Zustände u.U. getriggert. Manchmal passiert das auf eine ganz subtile Art und Weise, nicht so plakativ wie das jetzt vielleicht klingt, dass man in dem Moment regrediert, also wieder zu einem kleinen Kind wird und sich ganz unvermögend fühlt, sondern es kann auch so subtil gehen, dass man auf einer mentalen, kognitiven Ebene eine Handlung vollzieht, vielleicht auch weil man gelernt hat ein tougher Mensch zu sein und dann im Nachhinein, des Nachts, kriecht langsam eine subtile Angst, vielleicht sogar eine Panikattacke nach oben und bringt das Nervensystem in Dysbalance, weil die Sicherheit, die man sich aufgebaut hat, wieder einmal gefährdet wird. Wenn diese inneren Anteile oder ihre neuronalen Netzwerke getriggert werden, dann kann das dazu führen, dass wir uns subtil schlecht fühlen, obwohl wir auf einer kognitiven Ebene klar sind. Das ist diese feine Ebene, auf die ich hier hinweisen möchte, warum Abgrenzung komplex ist. Es ist also sehr anzuraten und es ist sehr wesentlich hilfreich, wenn wir uns bewusst machen und wenn wir klarkriegen, was unsere inneren, unerfüllten Bedürfnisse sind. Wenn wir sie klar haben, haben wir schon etwas, womit wir arbeiten können aber wir brauchen noch ein bisschen mehr, um uns dann später einer heilsamen Bewegung und Entstrickung dieser Verstrickungen, einer Entwicklung dieser Verwicklungen hingeben zu können. Dazu gleich mehr.

Unsere verschiedenen Selbstbilder

Ich möchte gerne noch auf einen weiteren Aspekt eingehen, der Abgrenzung, klare Kommunikation und klares für sich Einstehen zu einem komplexen Thema machen kann. Hier betrifft das unsere Selbstbilder, die wir von uns haben. Unser Selbstbild ist nichts Singuläres und auch nichts Statisches. Wir haben häufig viele unterschiedliche Selbstbilder von uns und manche davon sind fest im Unterbewusstsein verdeckelt. So hast du vielleicht ein Selbstbild von dir in deinem Beruf, wo du dich kompetent fühlst und am Platz fühlst und wo irgendwie alles klar ist. Vielleicht hast du gleichzeitig ein Selbstbild von dir, wo du dich in Beziehungen eher nicht so klar und nicht so strukturiert wahrnimmst, sodass du beispielsweise das Selbstbild von dir hast, dass du in Beziehungen nicht so gut für dich einstehen kannst oder dich schnell verlierst. Viele unserer auch unbewussten Selbstbilder stammen auch aus unseren frühen Jahren. Hierzu gibt es übrigens auch eine Podcastfolge, die du in den Shownotes verlinkt findest. Dein Selbstbild von heute oder deine verschiedenen Selbstbilder von heute, können also auch u.U. in einem starken Kontrast stehen zu Selbstbildern, die du aus deiner Kindheit noch in dir trägst, die also Anteile in dir noch tragen. Als Beispiel noch einmal das Selbstbild von dir als selbstbewusster Person in deinem Beruf und das Selbstbild von dir als eine nicht so selbstbewusste Person in Beziehungen. Dein Selbstbild von dir im Beruf hat sich vielleicht erst später in deinem Leben entwickelt. Dein Selbstbild von dir in Beziehungen ist etwas, was dir schon sehr früh geprägt wurde, bzw. was sich sehr früh entwickeln musste, nämlich in deinen ersten Beziehungen mit deinen Bindungs- und Bezugspersonen. Wenn es verschiedene Selbstbilder in dir gibt, die vielleicht auch ein wenig in Kontrast oder manchmal sogar im Widerspruch zueinander stehen, dann hat das u.U. zur Folge, dass du leicht zu verunsichern bist. Wenn dich jemand im Beruf anspricht und du auf einer emotionalen Ebene berührt wirst, kann es sein, dass das andere Selbstbild in dir angerührt wird. Dass du zwar äußerlich in der Klarheit bleiben kannst, aber innerlich etwas ins Wanken gerät. Dieses Bild, was ich hier gerade zeichne, mit den unterschiedlichen Selbstbildern, weist im Grunde darauf hin, dass wir uns manchmal nicht ganz klar sind, wer wir eigentlich sind. Ich glaube, es wäre ziemlich genial, genau zu wissen, wer man ist. Das möchte ich gar nicht als Anspruch in den Raum stellen, aber es wäre doch ein schöner Zustand, wenn wir wahrnehmen könnten, unsere unterschiedlichen Selbstbilder also die Bilder von uns selbst, sind ein Stückweit kohärent miteinander. Dass wir also das Gefühl von einer Identität haben, die in irgendeiner Weise doch recht schlüssig ist. Dass wir wahrnehmen, wir haben klar ein paar Anteile, die ein bisschen schwächer sind oder noch lernen müssen. Aber wir haben wiederum auch ein paar Anteile, die dem schon so gut entwachsen sind und recht kompetent geworden sind dass das irgendwie zueinander passt. Manchmal jedoch, wie beschrieben durch Bindungs- und Entwicklungstrauma und frühe Erfahrungen, kann es jedoch sein, dass unsere Selbstbilder ein bisschen auseinander laufen. Hier wäre es also wunderschön, etwas Heilsames tun zu können, um in ein Gesamtselbstbild zu finden, was zu deinem heutigen Dasein passt und was dich unterstützt dann klarer für dich einzustehen. Dazu noch einmal ein Verweis zu der Podcastfolge über Selbstbilder. Dort findest du ein paar inspirierende Anstöße. Eines sei hier noch gesagt: Je bewusster du dir deiner unbewussten inneren Anteile wirst, desto klarer wirst du dir auch über deine Selbstbilder und auch die, die vielleicht noch nicht im Bewusstsein waren. Das heißt, dein steigendes Bewusstsein wird dir schon alleine helfen, dich mehr in eine Klarheit zu bringen, in deiner Selbstwahrnehmung und in deinem Selbstbild. Das kann sehr heilsam sein, auch sehr nützlich für gelingende Kommunikation und damit eben auch für gelingende Abgrenzung. Hierzu mag ich dich also herzlich ermutigen.

Kognitiv reflektieren

Was kann uns helfen, wenn wir unerfüllte Bedürfnisse in unserem Inneren tragen, die uns in Unklarheiten oder Ambivalenzen führen? Was kann uns helfen, wenn unsere Selbstbilder noch nicht ganz kohärent sind? Was kann uns helfen, in einen inneren Zustand zu finden, der uns Abgrenzung, ein selbstbestimmtes Dasein, ein autonomes und verbundenes Dasein möglich macht? Wie gesagt, es ist ein Prozess. Ich möchte dir ein paar Impulse geben, wie du dich in diesem Prozess Schritt für Schritt in Richtung mehr Klarheit und damit mehr Sicherheit, mehr Freiheit und mehr Genuss bewegen kannst. Zum einen wäre es, wie vorhin schon angedeutet, wunderbar, wenn es gelingen könnte, den inneren und auch dann äußerlich stattfindenden Konflikt klarzukriegen. Das ist die kognitive Aufgabe. Es ist hilfreich, wenn du dich selbst klar kognitiv reflektierst. Wenn du dich hinsetzt und einen Blick von außen auf dich selbst wirfst. Einen Blick auf dein Leben wirfst, auf deine Beziehungen, auf die Bereiche in deinem Leben, in denen du fühlst, hier läuft das mit dem für sich einstehen, mit der Klarheit oder mit der Verbundenheit nicht so rund. Es ist also sehr hilfreich, wenn du dich wirklich kognitiv auseinandersetzt. Wenn du dir erlaubst, dich aufrichtig auseinanderzusetzen und dir auch erlaubst, ganz nüchtern und ohne einen daraus folgen müssenden Handlungsdruck deine Beziehungen zu reflektieren. Hier ganz klar und nüchtern zu reflektieren, auf welche Weise leidest du unter diesen Mustern und wodurch werden sie genährt.

Zuwendung zu inneren Anteilen

Dann ist es wichtig auf der emotionalen Ebene zu schauen, was spielt auf der emotionalen Ebene in diesen Konflikt hinein? Einfach gesagt könntest du die Frage stellen, was brauchen deine inneren Anteile, deren ursprüngliche Bedürfnisse nicht erfüllt wurden? Wie kannst du diese Bedürfnisse deiner Anteile im Hier und Jetzt beginnen zu erfüllen? Das heißt, die emotionale Hinwendung zu deinen inneren Anteilen, ist ein wesentlicher Schlüssel, um Klarheit in diese Bereiche zu bringen, die immer noch verletzlich machen für das verletzende, das passiert, wenn man Grenzen nicht klar setzen kann. Für diese emotionale Hinwendung zu deinen inneren Anteilen hilft sehr, dass du dich vorher begonnen hast, damit kognitiv auseinanderzusetzen.

Körperwahrnehmung

Dann ist es natürlich wunderbar, wenn du in diesem Prozess auch deinen Körper mit einbeziehst und dich immer wieder auch fragst, wie reagiert mein Körper? Wie kriege ich klar, was mein Körper für eine Rolle spielt? Denn ein enorm wichtiger Teil des Heilungsweges ist, unwillkürliche Muster zu erkennen. Sehr viel des Unwillkürlichen läuft über unseren Körper. Manche Zustände, in die wir geraten, können wir vor allem wahrnehmen, wenn wir wahrnehmen, was mit unserem Körper passiert. Manchmal merken wir nicht, dass wir emotional getriggert sind und denken, wir hätten nur einen körperlichen Zustand. Manchmal ist es umgekehrt, wir fühlen uns nur emotional getriggert oder aus der Balance und übersehen ganz, wie sehr unser Körper aus dem Lot geraten ist. Über deine Aufmerksamkeit für deinen Körper kannst du also dich selbst unterstützen, klarer zu werden in deiner Selbstwahrnehmung, um dann leichter, schneller und gezielter auf dich einzugehen.

Wohlwollend und Schritt für Schritt zur Transformation

Ich weiß, dass das alles jetzt gerade keine leichten Hinweise sind und ich möchte noch einmal betonen, dass ich damit auf eine Umgangsweise mit dir selbst für einen Prozess hinweise. Super ist natürlich, wenn du dir dafür Unterstützung holen kannst, von jemandem, der fachlich kompetent ist, der für dich die Rolle eines Begleiters, eines Coaches oder eines Therapeuten übernimmt, mit dem du ganz klar und sauber reflektieren und arbeiten kannst. Wenn es dir gelingt, in diesem Prozess kognitiv, emotional und körperlich klarzukriegen, was läuft, wenn du deinen unwillkürlichen Mustern mehr auf die Spur kommst, dann ergibt sich automatisch daraus eine Ermächtigung. Dann wird automatisch Abgrenzung wieder zu etwas einfachem. Das für dich Einstehen, das für dich in der Welt stehen, wird wieder zu etwas einfachem, nicht immer konfliktfreiem aber zu etwas klarem, weil du dich selbst dann nicht mehr übergehst. Weil du selbst nicht mehr in Mustern handelst, die zu Verletzungen führen. Weil du dich selbst so gut kennst, dass du mit einem Selbstbild in dieser Welt bist, das zu deinem wahren Wesen passt, das zu deiner unversehrten Natur passt, das zu dir als dem Menschen passt, der du wirklich bist. Auch wenn das jetzt fulminant klingt, mag ich dich sehr einladen, davon auszugehen, dass dir das gelingen kann, Schritt für Schritt, vielleicht mit Unterstützung, sanft und behutsam und wenn möglich, bitte immer ohne Druck. Erlaube dir, neugierig zu sein, erlaube dir, mit dem, was ich dir hier an Informationen dargeboten habe, ein bisschen in einen neugierigen Forschergeist zu finden und einfach dich selbst aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Dann kann es dir gelingen, Schritt für Schritt, mehr in deine Selbstermächtigung zu kommen, rauszuheilen aus alten Mustern, die Fähigkeit deiner Abgrenzung, des für dich Einstehens, für dich Sorgens in eine Leichtigkeit zu bringen und dadurch die Komplexität und das ganze drunter stattfindende Gewusel und Gewirke sanft zu transformieren. In diesem Sinne wünsche ich dir viel Zuversicht und Mut und ganz viel Inspiration hier und da und dort und ich wünsche dir viel Freude damit, in diesem Prozess, auch mit ganz kleinen Erfolgen, Schritt für Schritt weiterzukommen.

Shownotes:

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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