#110 Mit Veit Lindau im Gespräch über Feinheit und Grenzen

Transformations - Inspiration

In dieser Folge teile ich ein inspirierendes Interview mit dir, das der fantastische Veit Lindau vor ein paar Tagen mit mir geführt hat... 

 

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In dieser Folge erfährst Du:

  • wozu es führt, wenn Emotionen in einer Gesellschaft unerwünscht sind
  • mein Plädoyer für gelingende Abgrenzung
  • dass Grenzen zu mehr Verbundenheit verhelfen
  • was Hochsensibilität ausmacht
  • dass am Sonntag mein neuer Onlinekurs „Ein feiner Mensch braucht starke Grenzen“ startet und für wen dieser konzipiert ist

 

Ich finde, es ist viel mehr ein Gespräch als ein Interview, denn wir gehen tief in verschiedene Themenbereiche, rund um das große Thema Abgrenzung hinein. Es geht unter anderem darum, welche Traumatisierungen uns in unserer Abgrenzungsfähigkeit einschränken, was hinter so mancher harten Schale für ein vielleicht ganz besonders weicher und sensibler Kern wohnt. Es geht auch um den Begriff Hochsensibilität und es geht darum ein wenig zu reflektieren, was unsere Gesellschaft mit ihren Werten und ihren Ansprüchen an uns als feine Menschen für ungünstige Wirkungen entfalten kann. Da am 04.10.2020 mein Onlinekurs „Ein feiner Mensch braucht starke Grenzen“ veröffentlicht wird und losgeht, wird es auch ein wenig um die Inhalte des Kurses gehen. Du erfährst also auch was dich in diesem Kurs erwartet, falls du gerne teilnehmen möchtest. In jedem Falle, ganz abgesehen, ob du das möchtest oder nicht, ist diese Folge sehr interessant und inspirierend. Jetzt wünsche ich dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen oder Lesen.

Veit: Ich möchte gerne ein Missverständnis aus dem Weg räumen. Manche Menschen denken tatsächlich, wenn sie mich auf der Bühne sehen, da habe ich ja oft eine große Schnauze und mache gerne Witze über die menschlichen Gegebenheiten, dass ich nicht besonders sensibel wäre. Tatsächlich ist die Wahrheit, dass ich ultra, ultrazart bin. Deswegen weiß ich, dass es in unseren Beziehungen genauso wichtig ist, wie es ist Wünsche zu äußern, nach vorne zu gehen, sich hinzugeben, sich einzubringen, auch unsere Kunst ist, Grenzen zu setzen. Ich freue mich ganz doll, dass es uns gelungen ist auf Homodea jemanden einzuladen, der sich mit den feinsten, feinen Ebenen des menschlichen Daseins auskennt. Im wahrsten Sinne des Wortes auf der Zellulären Ebene, mit der feinen Seele des Menschen arbeitet und gleichzeitig auch weiß, wie man auf eine gesunde Art und Weise Grenzen setzt. Herzlich Willkommen Verena König, bei uns in Homodea.

Verena: Ich freue mich total hier zu sein!

Veit: Für alle da draußen zum Hintergrund. Als wir Homodea aufgebaut haben war klar, das soll keine Lindau Show sein. Sondern, sobald das Ding steht, wollen wir gerne richtig gute Experten und Expertinnen einladen. Du bist mittlerweile auch eine wirklich wertvolle, schöne Freundin von uns geworden und gleichzeitig schätze ich dich sehr für deine Arbeit. Das heißt, ich freue mich sehr, dass du zu Homodea gekommen bist. Magst du den Menschen, die dich noch nicht kennen, ganz kurz sagen, was du eigentlich machst?

Verena: Sehr gerne. So herzwärmende Worte, vielen Dank dafür. Ich bin Verena König, ich bin Traumatherapeutin und arbeite seit über 15 Jahren mit Menschen auf ganz feinen und auch intimen tiefen, seelischen Ebenen in meiner Praxis. Ich habe meine Arbeit sehr spirituell begonnen, hatte noch keine Ahnung von Trauma, zumindest nicht theoretisch und war immer sehr daran interessiert Menschen zu verstehen. Das ist so der tiefste Antrieb in meinem Inneren. Weil Verständnis so sehr hilft Dinge in der Tiefe zu verändern also natürlich zu verändern. Mit verstehen meine ich auch begreifen und durch fühlen. So kam ich auch dann eben zur Traumatherapie. Das ist im Laufe der Zeit mit zu meinem Schwerpunkt geworden, weil da einfach so viel Heilungspotenzial liegt und so viel Wesentliches verstanden werden kann über die Spezies Mensch. Ich habe ein wirkliches Herzensanliegen, das Wissen über Traumadynamiken in die Welt zu tragen und freue mich so sehr damit auch hier sein zu dürfen. Die Feinheit des Menschen spielt dabei eine ganz große Rolle.

Veit: Ich würde gerne, bevor wir tiefer einsteigen, auf das Thema Grenzen setzen, nochmal diesen Begriff Trauma beleuchten. Weil ich glaube, dass viele Menschen, wenn sie das zum ersten Mal hören an ganz gewaltige Sachen denken. Vielleicht an Krieg, sexuellen Missbrauch und das ist ohne Zweifel Trauma. Wenn ich dich aber richtig verstanden habe, ist es tatsächlich so, dass Menschen auch mit viel „geringeren“ Ereignissen Traumata erfahren können.

Verena: Richtig. Der Traumabegriff ist oft sehr missverstanden, er ist sehr indifferent zurzeit, er kommt mehr ins Bewusstsein und ist deswegen auch ein bisschen inflationär. Es ist zwar gut, dass er immer mehr ins Bewusstsein kommt, jedoch hat das den Nebeneffekt, dass man immer weniger klar hat, worüber man eigentlich spricht. Das was du nanntest, ist tatsächlich eine alte Definition von Trauma. Ein einzelnes Ereignis oder ein auch längeres aber deutlich eingegrenztes Ereignis, was einen so überfordert, dass es einen einfach verändert. Heute weiß man, dass auch ganz andere Ereignisse traumatisch wirken können, in der menschlichen Psyche, im Körper, in der Seele. Dazu gehören grob gesagt alle Ereignisse, die in irgendeiner Weise so bedeutsam sind in ihrer Wucht, dass sie die eigenen Bewältigungsstrategien überfordern. Dass man nicht gewachsen ist, dieser Intensität und dadurch nicht in die Lage kommt es direkt und einfach zu verarbeiten. Dazu gehört vieles auch sehr individuell dann, je nachdem wie man innerlich so aufgestellt ist. Ein Bereich, der so wichtig ist ihn zu verstehen und ihn ins Bewusstsein zu bekommen, ist das was wir Entwicklungstrauma nennen in der Fachsprache. Das sind die Traumatisierungen, die uns in der Kindheit betreffen und die eben nicht diese Schwere haben müssen, von „wir müssen vor dem Krieg fliehen“ oder „wir sitzen in einem Flüchtlingslager fest“. Sondern auch die Mutter ist nicht präsent, emotional nicht anwesend, vielleicht ein suchtkrankes Elternteil oder eine schwere Belastung, die in der Familie liegt, sodass die Bindung zwischen Kind und Bezugsperson belastet wird und das grundlegende Bedürfnis nach Sicherheit im Kind erschüttert wird. Das hat auch traumatische Wirkungen in vielfältiger Weise. Wenn wir das bewusst kriegen, auch in unserer Wahrnehmung von Gesellschaft, dann kriegen wir ganz andere Ideen, wie wir miteinander umgehen können und was wir brauchen, um in ein anderes Miteinander zu finden.

Veit: Mich berührt sehr, was du sagst, weil es für mich ein ganz wichtiger Part meines Heilungsprozesses gewesen ist oder immer noch ist. Ich habe lange Zeit an manchen Stellen mich selbst nicht verstanden. Letzten Endes innerlich gedacht, „Du hast ´ne Macke! So reagiert man nicht in Beziehungen, das ist völlig unangebracht!“. Ich habe lange Zeit gedacht, dass das gar nicht an meiner Kindheit liegen kann, weil ich habe nicht diese „krassen Prägungen erlebt“, zumindest nicht, dass ich mich erinnern kann. Dann ist mir, im Laufe meiner Prozessarbeit klargeworden, dass ich ursprünglich als Kind immer so zart gewesen bin und es einfach, ich übertreibe es mal ein bisschen, so war wie als hätte mich jemand in ein Haifischbecken geworfen hätte und gesagt hätte „Schwimm jetzt mal!“ und ich habe es gelernt, mir ´ne große Klappe zugelegt, ne toughe Schale aber vieles ist wirklich untendrunter einfach ungelöst geblieben. Das möchte ich auch gerne mit einbringen, weil ich glaube gerade Männer assoziieren damit ganz oft „Pff, ich doch nicht“. Aber ich glaube gerade ganz viel von diesem „Bully sein“ hat damit zu tun, oder?

Verena: Das glaube ich auch. Das hat vermutlich auch viel von unserer gesellschaftlichen Ausrichtung zu tun, dass wir Kindern schon früh beibringen, gesamtgesellschaftlich gesehen, dass es nicht so angemessen ist, starke Emotionen zu haben oder zart zu sein, sondern, wir lernen früh wir sollen leisten oder für die Männer/die Jungs „Indianerherz kennt kein Schmerz“, die Mädchen sollen keine „Heulsusen“ sein. Wir verteilen viele Botschaften, die uns irgendwie latent suggerieren, dass Feinheit und Sensibilität hinderlich sind, für das was wir als Werte definiert haben in dieser Gesellschaft. Das ist sehr schmerzlich für das Zarte und Feine in uns, was so wertvoll ist und auch eine so riesige Ressource darstellt. Was du beschrieben hast, im Haifischbecken schwimmen zu lernen, bedeutet im Grunde Überlebensmechanismen und Überlebensstrategien zu entwickeln, mit denen man dann in solchen Umfeldern klarkommt.

Veit: Womit wir dann schon bei dem spannenden Thema wären. Wenn ein Mensch in Kontakt kommt mit dieser Zartheit, die Gesellschaft ist darauf ja gar nicht vorbereitet bzw. ich unterstelle, dass sie an vielen Stellen gar nicht daran interessiert ist, weil so ein zarter Mensch dann vielleicht gar nicht mehr so funktioniert. Jetzt bin ich in einer wirklich sehr glücklichen Situation. Ich habe eine Arbeit, in der bin ich primär umgeben von wohlwollenden Menschen. Ich darf über die Liebe sprechen, ich darf Meditation lehren, ich habe eine zauberhafte Frau an meiner Seite. Das heißt, ich habe ein Umfeld, was mir wirklich erlaubt diese Zartheit wieder vorzubringen. Jetzt weiß ich von unseren Leuten, auch in Homodea von unserem Netzwerk, dass gerade die Menschen die auf so einer Special Plattform landen, ganz oft Menschen sind, die so ein Stück nicht in diesen Groove der Gesellschaft kommen oder sehen sie sind ein Stück anders. Den Menschen jetzt zu sagen „Mach mal auf / Mach mal zart“, ist es eben auch nicht. Womit wir bei dem, finde ich, so spannenden Thema sind, Grenzen zu setzen, was erst einmal so negativ klingt und gerade so in der psychospirituellen Szene, wo es ja immer darum geht „Öffne dich. Vertraue“ usw., so einen negativen Touch hat. Magst du gerne ein Plädoyer für Grenzen halten?

Verena: Gerne! Ein sanft flammendes Plädoyer für Grenzen. Ich muss schauen, wo ich anfange, da könnte ich viel Plädoyer halten. Ich glaube etwas was viel mit dem Missverständnis zu tun hat, Grenzen als hart oder trennend zu bezeichnen, ist etwas womit ich beginnen will. Grenzen zu setzen, bedeutet seiner eigenen Natur Raum zu geben und sich klar zu sein über eigene Bedürfnisse, über eigene Wünsche und auch über eigene Anliegen im Kontakt bspw. Grenzen zu setzen ist nichts trennendes. Wir erleben das in Gesellschaften, dass Grenzen trennend sein können. Ländergrenzen die geschlossen werden usw. Aber in unserem zwischenmenschlichen Verbundensein bedeutet Grenzen zu setzen, dass ich bewusst in der Lage bin meinen Raum zu achten und deinen Raum zu achten und dadurch Berührung an der Grenze zuzulassen, wo man dann auch entscheiden kann, gehen wir mehr in deinen Raum oder eher in meinen Raum. Dadurch bekommt Verbundenheit eine andere Qualität. Grenzen zu setzen hat für uns als sehr empfindsame Menschen auch ganz viel zu tun mit dem was wir Individuation nennen können. Wenn ich nicht in der Lage bin Grenzen wahrzunehmen und sie zu setzen oder sie zu kommunizieren, dann ist es fraglich wie sehr mein Leben mein eigenes Leben ist. Oder wie sehr ich ein Leben für andere lebe oder aus Motivation, die eigentlich anderen dienen. Grenzen zu setzen hat auch viel mit Sicherheit zu tun, mit Transparenz und Klarheit. Klarheit gibt uns in Interaktion immer Sicherheit. Wenn Unklarheit in unserer Kommunikation, dann gehen bei dir Interpretationen los und bei mir gehen Interpretationen los und daran geknüpfte Assoziationen, Ideen, Strategien und Muster. Dann wird es „wischi, waschi“. Das gibt ein großes Potenzial für Verletzungen oder Reinszenierungen von alten Geschichten. Klarheit in die Interaktion zu bringen, gibt uns auf einer ganz tiefen auch neurobiologischen Ebene das Gefühl von Sicherheit. Dann können wir uns anders einlassen. Das heißt Grenze und Verbundenheit schließt sich in keinster Weise aus, sondern abgegrenzt zu sein, für sich als Einheit, als komplettes Wesen klar zu sein ist in meinem Empfinden eine Voraussetzung für wirkliche Verbundenheit und lässt uns anders präsent sein, wenn es uns gelingt unseren Raum mit unserer Energie zu erfüllen, dann sind wir einfach da, auch verkörpert und in unserer Energie.

Veit: Das finde ich eine ganz schöne Definition, weil ich höre immer wieder zu 80-90% von Frauen, dass das Thema Grenzen setzen mit Schuld behaftet ist. So nach dem Motto „Ich entziehe mich meiner Pflicht“, „Meine Grenze bedeutet ich liebe dich nicht mehr...“. Mir fällt da z.B. eine Situation ein, in meiner ersten Woche Kindergarten, ich bin weggerannt. Für mich war das gruselig aber als ich zuhause ankam, mich hat niemand gefragt, was das Problem ist. Sondern ich bin einfach zurückdeportiert worden, so hat sich das angefühlt. Wie schafft es also ein Mensch, der es gar nicht gelernt hat und dann noch zusätzlich in einer Gesellschaft lebt, die uns gerade so pusht und uns permanent über unsere Grenze wegbringt, diese überhaupt erstmal wahrzunehmen? Also bevor ich sie dir gegenüber äußern kann, muss ich sie erst einmal mitkriegen, dass ich hier eine Grenze habe.

Verena: Das ist ein ganz wesentlicher, neuralgischer Punkt. Diese Wahrnehmung von mir selbst und meinen Grenzen. Das ist ein großer Teil in meiner Arbeit, weil genau wie du es beschrieben hast, wir dazu nicht eingeladen werden, danach auf die Suche zu gehen und es einzubringen in unsere Interaktionen. Grenzen spüren zu können, hat ganz viel damit zu tun Verbundenheit mit sich selbst zu erleben. Häufig ist es so, dass wir Signale von Innen kriegen, die uns einladen oder auffordern uns abzugrenzen, wir interpretieren sie aber so als wäre etwas mit uns falsch und dass wir dann darauf reagieren mit alten Strategien, die uns eigentlich von uns wegführen. Das ist eine natürliche, menschliche Reaktion. Wenn innerlich etwas unangenehm ist, dann entferne ich mich, ich grenze mich quasi auf eine Art, durch Flucht von meinen eigenen Impulsen oder Gefühlen ab.

Veit: Z.B. ich fange einen Streit an über ein nichtiges Thema. Dann bist du doof und anstatt einfach zu sagen „Ich brauche Ruhe.“, habe ich eine Ausrede.

Verena:  Genau und habe es auch irgendwie projiziert und damit meine eigenen Grenzen missachtet und jemand anderen noch mit reingezogen in das eigene Thema. Oder ich spüre mir wird etwas zu viel, der Stress steigt und ich fange an mich abzulenken, statt mich zu fragen, was hilft mir, um mich wieder zu regulieren und wieder in Regeneration zu kommen. Damit wir Grenzen spüren können, brauchen wir so etwas wie eine Bereitschaft das zu spüren, wovor wir normalerweise fliehen. Das ist ein sehr spannender Punkt, weil das für viele Menschen, z.B. für Menschen die Trauma erlebt haben und Traumfolgen tragen eine der schwierigsten oder fordernsten Aufgaben ist, mit sich selbst wirklich in Kontakt zu sein. Weil da auch die geladene, die gehaltene Ladung, die Spannung von Früher noch sitzt und das deswegen ein Prozess ist, der häufig viel Zeit oder auch Begleitung braucht. Die Bereitschaft da hin zu fühlen ist Voraussetzung dafür, um eigene Grenzen wieder überhaupt ins Bewusstsein zu kriegen. Manchmal ist es auch ein bisschen wie ein spezielles Erwachen. Dass man, wenn man beginnt in die Richtung zu spüren und mit sich in Kontakt zu kommen, dass man merkt, wie viel Grenze man eigentlich bräuchte. Dass man merkt wie viel man die mangelnde Grenze kompensiert durch Ablenkung, durch gefallen wollen, durch vielleicht auch abhängige Muster, durch alles mögliche. Es ist in einer gewissen Weise schon Lebensverändernd sich auf diese Eben zu begeben aber auf einer transformierenden und heilsamen Ebene.

Veit: Jetzt hast du gerade gesagt, viele Menschen benötigen Begleitung. Wir haben dich ja expilzit gebeten einen Kurs dazu auf die Plattform zu bringen, weil viele Menschen keinen Therapieplatz bekommen, haben nicht das Geld dafür usw. und vielleicht auch gar nicht die Zeit. Aus meiner Sicht sehe ich auch wirklich ganz viele Beziehungen auseinander gehen oder gar nicht erst zusammenkommen, die vielleicht eine riesen Chance hätten. Wie ist es möglich das durch einen Kurs, durch deinen Kurs, noch zu transportieren?

Verena: Die Frage habe ich mir auch gestellt. Natürlich kann ein Kurs keine Therapie ersetzen und auch nicht in diese Tiefe führen, ohne dass er Menschen vielleicht verunsichern würde. Deswegen ist das Anliegen in so einem Kurs wie meinem, so wie ich ihn aufgesetzt habe, einen Raum zu schaffen, erst einmal durch Information und Bewusstwerdung, der so viel Sicherheit gibt, dass man sich ein Stückweit hervorwagen kann in die Selbsterforschung und in das Experimentieren. Ein ganz großer Teil, um in diese heilsamen Prozesse zu kommen, ist das was ich Verständnis nenne oder was man auch Bewusstwerdung nennen könnte und das hat viel mit Theorie zu tun. Es ist so unfassbar belastend, wenn wir uns selbst verstehen. Das ist die Hauptrückmeldung die ich bekomme zu meinen Podcasts, dass Leute merken „Ach du scheiße, jetzt verstehe ich mich zum ersten Mal, obwohl ich schon so viele Jahre Therapie gemacht habe / oder diese und jene Klarheiten vermittelt bekommen habe.“. Das bringt innerlich oft einen Shift in der inneren Haltung, weil man aufhört sich selbst als falsch zu empfinden und man beginnt sich selbst als richtig und berechtigt so zu empfinden. Da setzt der Kurs ganz stark an, dass ganz wesentliche Informationen transportiert werden und mit diesen Informationen dann sanfte Übungen und leichte und trotzdem tiefe Anstöße gegeben werden für einen eigenen Prozess.

Veit: Der Kurs heißt ein feiner Mensch braucht starke Grenzen. Jetzt kann ich mir vorstellen, dass es da draußen so ein paar Typen gibt, die sagen „Feiner Mensch? Bin ich nicht.“. Was verstehst du unter einem feinen Menschen und für wen ist der Kurs?

Verena: Unter einem feinen Menschen verstehe ich einen fühlenden Menschen. Ich gehe davon aus, wir sind alle fein und es gibt unterschiedliche Grade von empfundener Feinheit. Diese feinen Menschen, die ich gezielt mit dem Kurs anspreche, sind die Menschen, die mit ihrer eigenen Erlebensqualität, mit der Qualität ihrer Wahrnehmung manchmal überfordert sind. Die sich vielleicht als Hochsensibel bezeichnen, die vielleicht das Gefühl haben, sie sind schnell reizüberflutet, oder schnell so innerlich eingestellt, dass sie das Gefühl haben, sie können nicht so lange auf der Party sein wie die anderen, nicht so viel Sprechen, so viel Lautstärke oder wie auch immer, auf einmal aushalten. Der Begriff Feinheit deutet einerseits auf unsere Fähigkeit fein zu fühlen und wahrzunehmen hin und andererseits auch auf die vielleicht vorhandene Belastung durch diese Kompetenz. Ich glaube, dass oft, gerade in den hartschaligen, so nenne ich die mal, Menschen, das sind Frauen wie Männer, sehr viel Feines schlummert und dass manchmal etwas von den härteren eigentlich eine Schutzstrategie ist, für das Feine, was durch die Knopflöcher aber herausstrahlt. Und was vielleicht auch einen Platz haben möchte.

Veit: Es ist ein heikles Thema, aber Hochsensibilität ist ja auch ein bisschen so ein Modewort geworden und ich werde manchmal dafür angegriffen, weil ich mir erlaube hin und wieder einen Witz darüber zu machen. Ich nutze es mal, um etwas klarzustellen. Ich mache mich nicht lustig über Feinfühligkeit, im Gegenteil. Der Witz ist, wann immer ich so einen Test mache, schlägt der bei mir Meilenweit aus. Sondern darüber, das als Ausrede zu benehmen, nicht am Leben teilzunehmen, sich zurückzuziehen. Ja wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die im Augenblick sehr grob ist und ich persönlich, ganz ehrlich, wann immer ich so überlege, denke ich mir, ich kenne so gut wie niemanden, der nicht sehr feinfühlig wäre. Klar, manche legen sich etwas zu, z.B. Andrea ist eine Frau, die kann wie ein Orkan sein, aber ich kenne sie ja sehr gut. Ich weiß, wie feinfühlig sie ist. Woran merkt jemand, der jetzt z.B. zuschaut, dass er/sie sich bisher sehr tough empfunden hat aber irgendwas feines ist da?

Verena: Ich glaube die eigene Feinheit und Feinfühligkeit kann man häufig daran erkennen, wenn einem Dinge nachgehen. Dass man einfach spürt etwas klingt nach und ist noch am Wirken. Dass man abends im Bett liegt bspw. und sich denkt „Hmm, irgendwie bin ich noch nicht klar mit dem Thema, obwohl es mir vorhin klar schien“. Dass man also spürt, Ereignisse hinterlassen einen Geschmack, eine Färbung, die nicht einfach so weggesteckt wird. Alle, die nachts im Bett liegen und grübeln, sind feine Menschen. Alle die morgens aufstehen und denken „Ach gestern dachte ich noch, ich stehe heute fröhlich auf, heute Morgen geht’s mir aber komisch“, sind Menschen, die so fein sind, dass etwas über Nacht aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche kriecht. Das sind vielleicht so Kriterien. Oder auch Menschen, die sich immer wieder fragen „Wie nimmt mich der andere wohl wahr?“ und „Wie bin ich jetzt wohl verstanden worden?“.

Veit: Was ist mit suchtgefährdeten Menschen? Ich kann mir vorstellen, dass das auch eine Kompensation ist?!

Verena: Sucht ist aus der traumatherapeutischen Perspektive im Grunde immer eine Kompensationsstrategie für zu viel Gefühl. Zu viel intensives Gefühl, zu viel Emotion, die das Nervensystem in Übererregung bringen würde. Süchte sind meistens dazu da uns runter zu regulieren, das Nervensystem herunterzufahren. Dazu dienen die meisten Substanzen. Die pushenden Substanzen suchen sich Leute aus, die eher in der Flucht nach vorne sind.

Veit: Ich freue mich, dass der Kurs jetzt gerade herauskommt, denn ich mache mir in den letzten Monaten viele Gedanken darüber, was die Langzeitnachwirkungen sein werden, dieser Corona-Zeit. Ich bin da auch wieder in einer begnadeten Situation, denn ich habe Meditation, ich kenne bestimmte Techniken. Ich kenne aber so viele Menschen, die wirklich einen permanenten Stressmodus sind und den einfach nicht mehr wegkriegen, hoffen, dass es vorbei ist, dann geht es doch wieder weiter. Die ihre Kinder in die Schule bringen, am nächsten Tag müssen sie sie wieder mit nachhause nehmen. Viele Menschen sind ja gerade völlig überflutet mit Reizen. Hilft der Kurs Menschen auch mit einer solchen Situation besser umzugehen?

Verena: Ich würde das spontan mit Ja beantworten, weil es im Kurs auch sehr viel darum geht, sich zu regulieren, also mit den Informationen und den Übungen auch in eine Haltung zu kommen, sich selbst anders zu versorgen, mit z.B. Übererregungszuständen, innerer Unruhe und Ängsten. Der Kurs ist zwar auf 3 Wochen ausgelegt, aber das worum es geht ist ein tiefer Prozess, der im Grunde auch etwas was mit neu lernen zu tun hat. Wenn wir überfordert sind, mit Grenzsetzung, dann ist das keine Geschichte, die man mit einem Fingerschnipp wegbekommt. Sondern es ist ein tiefer Prozess, auf den man sich nach und nach einlassen kann. Es geht darum Dinge neu zu lernen und diese Situation, die wir im Moment haben, wo wir dauerhaft kollektiv in Überforderungssituation sind oder gestresst oder emotionalen Zuständen einrasten, gerade dann müssen wir manchmal auch neues lernen, weil unsere innere Referenz fehlt für sowas. Wir haben nichts, worauf wir zurückgreifen können.

Veit: Kannst du kurz zusammenfassen, was die feinen Menschen in dem Kurs erwartet?

Verena: Den feinen Menschen erwartet feine Interaktion durch Live Videos und Q&A Sessions, in denen viel Theorie rübergebracht wird, Theorie, die berührt. Keine Kopfkrampftheorie, sondern echt das was so drin landet und man denkt „Ah, genau das Puzzleteil hat gefehlt“. So erlebe ich die Wirkung dieser Informationen. Im Kurs erwartet die feinen Menschen in jedem Fall auch eine Begleitung durch Übungen, Meditationen und auch Audio-Übungen. Es gibt ein Workbook zum Kurs, wo man sich mit sich selbst hinsetzen kann, um Dinge aufzuschreiben, Übungen zu machen. Es gibt eine extra Facebook Gruppe zum Kurs. Weil Verbundenheit für Dieses Thema natürlich sehr wichtig ist und ich hoffe, dass Menschen Lust haben sich gegenseitig zu begleiten und zu unterstützen. Die Übungen sind alle so ausgelegt, dass man sie allein oder zu zweit machen kann. In der Facebook Community ist natürlich die Einladung sich auszutauschen, da werde ich auch immer wieder präsent sein. Es soll ein schönes Gefühl von Verbundenheit in diesem Kurs entstehen, was eben so verknüpft ist mit dem Thema Abgrenzung.

Veit: Ich möchte die Gelegenheit nutzen und auch nochmal wirklich die Männer einladen. Es sieht zwar an der Oberfläche so aus als wenn wir Männer leichter „Nein“ sagen können. Aber ich habe z.B. für mich gelernt, dass das Nein was ich dann oft laut und ruppig setze, eigentlich viel zu spät kommt. Einen Tag davor gab es eine Situation, in der ich nicht nein hätte, sage müssen, sondern nur hätte sagen müssen, „Ich wünsche mir das jetzt anders“. Ich glaube, dass gerade viele Männer in unserer Gesellschaft so zu Funktionsmaschinen erzogen worden sind, dass sie das gar nicht mitbekommen über wie viele Grenzen sie da hinweggehen.

Verena: Ja, das ist eine Beobachtung. Ich habe ja zum Glück das Glück, dass ich in meiner therapeutischen Praxis mit vielen Männern arbeiten darf. Das war früher nicht so. Inzwischen habe ich das Gefühl es kommen viel mehr Männer in therapeutische Begleitung und die sind so fein. Es ist so ein Universum was sich da offenbart, diesen Männern so tief ins Herz und in die Seele blicken zu können. Es sind häufig Männer, die sehr gut performen, die sehr funktional unterwegs sind und die auch eine neue Qualität von Verbundenheit z.B. in einer therapeutischen Sitzung erleben, wo der Raum dafür da ist, einfach so zu sein, wie man ist. Das erlebe ich als ein riesen Geschenk, wenn es Männern gelingt, sich das zu erlauben. Ich weiß auch, dass wir Frauen das sehr genießen. Dass wir zwar gerne eine starke Schulter zum Anlehnen haben aber nicht eine aus Beton, sondern eine die pulsiert, weil ein Herz schlägt. Deswegen freue ich mich über jeden Mann, der beim Kurs dabei ist und ich weiß, dass auch die Frauen sich freuen über Männer in diesen Kontexten. Denn es ist wichtig, dass wir uns austauschen.

Veit: Der Kurs beginnt am 04.10.2020. Man kann auch später einsteigen aber das besondere ist, dass du ihn beim ersten Durchlauf Live begleitest.

Verena: Genau. Es gibt jede Woche zwei Live Termine und es ist natürlich besonders schön, wenn wir zusammen Live unterwegs sind und dann auch die Fragen einfließen können in die weitere Gestaltung.

Veit: Gibt es noch irgendetwas was du den neugierigen Menschen da draußen sagen möchtest?

Verena: Ja, ich würde sie gerne auch neugierig machen für dieses neue Lernen. Gerade denen die vielleicht verzagt sind, weil sie das Gefühl haben es ist so schwer mit diesen Grenzen, oder es erleben, dass sie nicht gehört werden oder es schon versucht haben, oder vielleicht an dem Thema dran und verzagt sind. Den Menschen möchte ich gerne Mut machen und immer betonen, dass diese Themen Prozessthemen sind und keine Lösungsorientierten Strategien hier helfen, sondern wirklich eine tiefe innere Begegnung heilsam ist. Dazu mag ich generell, jenseits vom Kurs, inklusive dieses Kurses Menschen einladen, einfach dazu ja zu sagen, sich, sich selbst zu öffnen und achtsam mit sich in Kontakt zu sein.

Ich würde mich von Herzen freuen, dich im Kurs begrüßen zu dürfen und ich freue mich ohnehin, dass wir verbunden sind.

Shownotes:

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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