#104 Wut, täterloyale Anteile und die eigenen Kinder

Transformations - Inspiration

In dieser Folge bewege ich, wie angekündigt, die offenen Fragen aus dem letzten Live-Webinar...

 

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In dieser Folge erfährst Du: 

  • dass unterdrückte Wut auch körperliche Symptome hervorrufen kann
  • warum wir Schutzmechanismen, auch wenn sie scheinbar blockieren, wohlwollend betrachten sollten
  • wie täterloyale Anteile Gefühle unterdrücken
  • was du tun kannst, wenn die eigenen Kinder dich triggern

 

In der letzten Podcastepisode hast du einen Ausschnitt aus meinem letzten Live-Webinar gehört, in dem es um das Thema unterdrückte Wut ging. Im Live-Webinar, das du, wie du vielleicht schon weißt, auf meiner Website kostenfrei nachschauen kannst, sind einige Fragen offengeblieben, von denen ich heute einen Teil beantworten möchte. Es wird in dieser Folge um spannende Themen gehen. Es geht um innere Anteile, die verhindern, dass Wut zum Ausdruck kommt. Hier weise ich auf eine wichtige Traumadynamik hin. Es geht um täterloyale Anteile. Es geht auch um körperliche Symptome, und es geht um die Angst, die eigenen Kinder zu schädigen mit übernommener oder nicht gelenkter und kanalisierter Wut. Ich habe es nicht geschafft, alle Fragen zu beantworten. Aber ich habe versucht, ein paar Cluster zu bilden, sodass ich hoffentlich viele interessante Antworten geben kann und möchte daher allen danken, die dabei waren und die Fragen gestellt haben.

Körperliche Symptome

Ich möchte mit einer Frage starten, die sich auf körperliche Symptome bezieht: „Ich habe seit einem Jahr Symptome, vor allem im Hals. Kloß, Atem- und Schluckprobleme. Ich habe gehört, es sei angestaute Trauer und/oder Wut. Ich habe schon so viele Themen bearbeitet aber die Symptome bleiben. Wie kann ich an die Ursache -angestaute Wut- herankommen, damit mein Körper mir diese Symptome nicht mehr schicken muss?“ Das ist eine sehr gute Frage und ich denke man könnte sie auch auf verschiedene andere intensive Gefühle und Emotionen übertragen. Wenn der Körper Symptome schickt, dann kann man vereinfacht zusammenfassen, dass er natürlich etwas sagen möchte. Wie die fragende Person hier auch schildert, scheint hinter den körperlichen Symptomen so etwas wie angestaute Trauer oder Wut zu stecken. Sie schreibt „ich habe gehört es sei…“. Das heißt, hier scheint noch nicht wirklich ein Kontakt zu dem Gefühl entstanden zu sein. Das ist immer ein bisschen schwierig, wenn wir eine Theorie hören, ein Angebot bekommen, wie wir Dinge sehen können aber nicht selbst den Zugang finden. Etwas darf uns ganz klar sein, was sehr hilfreich ist, um solchen Dingen auf die Spur zu kommen. Wir können generell davon ausgehen, dass in körperlichen Symptomen so etwas steckt wie eine nicht ausgedrückte, alte Überlebensenergie. Das ist eine Ur-Essenz von Trauma. Eine Traumafolge ist, dass die mobilisierte Energie, die in dem Moment oder in den Momenten aufgebracht wird, in denen das Trauma geschieht, nicht freigesetzt wird. Das hast du vielleicht auch schon gehört in einem meiner Podcasts. Häufig entstehen also Symptome, weil die Überspannung aus einem vorangegangenen, vielleicht ganz alten Geschehen noch nicht abfließen konnte. Manche Menschen sagen der Körper merkt sich diese Energie, andere sagen er speichert sie. Ich sage gerne, sie ist gehalten im Körper, wie eingefroren, manchmal wie abgekapselt. Manchmal dann eben in Symptomen spürbar. Hierzu kannst du viel nachhören in meiner Folge „Körper & Trauma“ und auch in der Podcastfolge in der es um chronische Erkrankungen und Trauma geht. (Links in den Shownotes)

Möglichkeiten Symptome zu befreien

In der Körpertraumatherapie geht man davon aus, dass man über das Symptom bzw. über den Körper einen Zugang finden kann zum Gefühl und der Emotion, oder besser gesagt der gehaltenen, noch nicht wieder befreiten Ladung. Das wäre auch hier vielleicht ein Ansatz für die Frage „Wie kann ich an die Ursache angestauter Wut herankommen, damit mein Körper mir diese Symptome nicht mehr schicken muss?“. Ich glaube in diesen Fällen brauchen wir eine sehr behutsame und achtsame Hinwendung. Diese kann sowohl über innere Anteilearbeit geschehen, als auch über körpertherapeutische Ansätze. Wunderbar ist natürlich eine Kombination. Wenn man sich also selbst hinwenden mag, um so ein Symptom zu befreien, ist es hilfreich, eine Verbindung herzustellen zwischen dem Anteil, der das Symptom trägt und dem Körpergefühl als solches, was wie eine Pforte zur ursprünglichen Energie führen kann. Ich rate hier wie immer zu einer Begleitung von einem fachkompetenten Menschen, damit man nicht in die Situation kommt, sich zu überfordern und damit man eine positive Erfahrung machen kann mit dem Gefühl, der Energie, der Intensität, die hinter einem solchen Symptom warten. Die Essenz jedoch ist Verbindung herzustellen zu dem, zu dem man Verbindung verloren hat und was sich über ein Symptom meldet. Wir brauchen sozusagen eine Verbindung über unser bewusstes Gewahrsein zu dem Anteil oder der Energie in unserem Körper, in unserem Inneren, die das Symptom aufbringt. Wenn wir körperliche Symptome haben, dann ist oft die Ursache für diese Symptome eine dissoziierte, nicht integrierte Energie in unserem „Psyche-Seele-Körper-Geist-System“. Ich hoffe, dass ich damit ein bisschen Anstoß geben kann, wie man sich sich selbst zuwenden kann. Ich hoffe, dass auch die genannten Podcastfolgen dazu hilfreich sind.

Täterloyale Anteile

Nun möchte ich mich einem komplexen Thema zuwenden. Hier geht es um innere Anteile, die gewisse Heilungsanliegen ein klein wenig erschweren. Auch hier lese ich erst einmal drei verschieden Fragen vor, die alle in diese Richtung gehen. Ich mag dich einladen beim Lauschen wahrzunehmen, was deine Assoziationen sind, was deine Ideen sind und was vielleicht deine Antworten auf diese Fragen wären. Die erste Frage: „Da ist so viel Wut und Trauer. Gleichzeitig aber ein Anteil, der es mir verhindert, diese Emotionen auszudrücken. Wie kann ich mit diesem Teil, der mich davor schützt, näher in Kontakt kommen?“ Die zweite Frage: „Ich fühle keine Wut. Auch nicht gegenüber dem Menschen, der mir schlimmes angetan hat. Was sagt das über meinen Heilungsweg aus? Wo stehe ich?“ Frage drei ist etwas länger: „Ich trage schwere Folgen von Entwicklungs- und Bindungstrauma. Ich bin höchstwahrscheinlich auch mit einem narzisstischen Vater aufgewachsen und fühle dadurch eine tiefe Verunsicherung in mir. Viele Gefühle wurden mir zudem abgesprochen, auch von meiner Mutter. Wenn ich nun etwas wie Wut verspüre, sie ein wenig zulasse, indem ich über den- oder diejenige fluche oder einfach töne über die Stimme, dann kommt da sofort eine Stimme die sagt „Und wenn ich ihm/ihr unrecht tue und die Wut gar nicht angebracht ist und ich nur ein Drama mache oder es mein Ego ist, das nun eingeschnappt ist“, diese Stimme kommt. Wie gehe ich damit um? Dann kommt Schuld. Ich habe das Gefühl als würde ich mir diese Emotion selbst absprechen, wie es bei mir als Kind auch gemacht wurde. So lebe ich dann immer in einem inneren Zwiespalt. Wut ist doch auch eine Kraft und ich erlaube sie mir somit nicht. Wahrscheinlich ist da auch Angst vor meiner eigenen Kraft.“. Diese drei Fragen haben eine Sache gemeinsam. In all diesen drei Fragen schwingen scheinbar Anteile mit, die etwas dagegen haben, dass man Wut empfindet oder Wut ausdrückt. Es ist naheliegend, dass selbstverständlich aus verschiedenen frühen Prägungen Ängste entstanden sind, die auch in der letzten Folge angesprochen wurden. Bspw. die Angst vor Bestrafung, vor ausgeschlossen werden, vor was auch immer. Das ist naheliegend. Das ist auch schon reichhaltig Grund dafür, sich in einem Zwiespalt zu befinden, wenn es um das Ausdrücken eigener, intensiver Gefühle, eigener Bedürfnisse oder auch Grenzen geht. Wenn ein Kind derartig behandelt wird, dass man ihm Gefühle abspricht, dass man es tief verunsichert, wenn ein Kind also unter Bedingungen aufwächst, unter denen es Entwicklungs- und Bindungstrauma erfährt, dann können wir in diesem Augenblick hier einmal das Elternsystem oder die Bindungspersonen als sogenannte Täter bezeichnen. Das ist an dieser Stelle wichtig für die Terminologie und stellt jetzt nicht zur Frage ob Eltern bewusst schädigend sind oder aus eigenem Unvermögen. Ein Kind wird hier also zum Opfer, eine Bindungsperson ist im Außen in einer Täterrolle. Kinder, deren Bindungspersonen an ihnen zu Tätern werden, von denen sie noch immer abhängig sind, müssen eine psychodynamische Hochleistung vollbringen. Sie müssen eine sehr starke Ambivalenz im Inneren balancieren. Nämlich zum einen den Reflex sich zu schützen und zu fliehen vor der Bedrohung und zum anderen in einem aktivierten Bindungssystem hinzustreben zu demjenigen, zu derjenigen, die oder den man braucht. Das ist eine sehr schwierige und spannungsgeladene Zwickmühle. Eine rettende und auf einer anderen Ebene kostspielige Möglichkeit diese Ambivalenz auszuhalten ist die, einen sogenannten täterloyalen inneren Anteil zu entwickeln. Zu dieser Dynamik kannst du übrigens tiefer einsteigen, wenn du meinem Podcast lauschst, der den Titel „Schwierige Anteile verstehen“ trägt. Auch diesen findest du natürlich in den Shownotes verlinkt. Was bedeutet das, einen Täterloyalen Anteil zu entwickeln? Kinder sind in der Lage, auch wir Erwachsenen sind in der Lage, innerlich Repräsentanzen zu entwickeln von dem was wir äußerlich wahrnehmen. Man kennt das auch im Bereich des sogenannten Modellernens. Kinder lernen das, was sie außen sehen. Kinder lernen alles über das, was sie im Außen sehen. Sie sind wie Schwämme, die aufsaugen, was die Umwelt ihnen an Impulsen, an Möglichkeiten, an Informationen zur Verfügung stellt. Man nennt das in der Psychologie Introjektion. Das heißt, das was von außen kommt wird über verschiedene Wege nach innen genommen. Wenn wir nun in einer solchen Situation sind, wie ich sie beschrieben habe, ist ein Kind oder auch ein erwachsener Mensch in der Lage, eine innere Repräsentanz zu bilden, von diesem Menschen der da draußen, bspw. wütet. Wenn also da draußen eine Bindungsperson ist, die ständig straft, abwertet, bedrohlich wirkt und entsprechende Sätze spricht, dann entwickelt das Kind einen inneren Anteil, der genau diese Inhalte in sich trägt als einen sogenannten inneren Anteil. Dieser Anteil nennt sich dann u. U. täterloyal. Denn er ist genau der Meinung, wie der Täter im Außen. Das heißt, es entwickelt sich ein innerer Anteil in der kindlichen Psyche, der genau die Worte des Täters im Außen spricht, der genau die Haltung hat, genau die Meinung, genau das Weltbild. Dieser Anteil ist im Inneren aktiv, damit eine Verbindung zur Bindungsperson aufrecht erhalten bleiben kann, indem man sich mit ihr solidarisiert. Das ist hier das Verbindende, damit das Kind im Inneren rechtzeitig Signale bekommt, wie es sich zu verhalten hat. Das heißt, wenn beispielsweise ein Bedürfnis, eine Emotion, wie z.B. Wut im Inneren auftaucht, dann wird, wenn ein Introjekt gebildet wurde, dieses Introjekt schnell schützend tätig und wird in entsprechender Sprache und Manier innerlich Impulse geben. So etwas wie die Sätze, die dann im Außen gesprochen werden: „Hab dich nicht so.“ „Steiger dich nicht rein.“ „Was fällt dir überhaupt ein.“ „Du störst!“, was auch immer die Sätze sein können. Diese Sätze werden dann, wenn das täterloyale Introjekt, der täterloyale Anteil getriggert wird, innerlich wahrnehmbar. Sie wirken auf die inneren Anteile, die Bedürfnisse haben, Gefühle haben, die eigentlich gerne im Außen wahrgenommen werden wollen. Ich hoffe, dass das nachvollziehbar ist, wie ich das gerade beschreibe. Ich mache das sehr einfach und kurz erklärt. Wie gesagt, in der genannten Podcastfolge „Schwierige Anteile verstehen“ gehe ich etwas dezidierter darauf ein. Wenn wir also davon ausgehen, es gibt solche täterloyalen Anteile, die im Inneren wirken und die im Inneren dafür sorgen, dass man sich so verhält, wie man es dem Täter gegenüber tun muss, damit es möglichst nicht zu heiß her geht, dann ist das eine gute Erklärung dafür, dass bspw. Wut nicht nach draußen dringt. Oder dass innerlich diese Stimmen hörbar werden. Ich wiederhole noch einmal, was in der Frage geschrieben wurde: „..da höre ich sofort eine Stimme die sagt: „Und wenn ich ihm oder ihr jetzt unrecht tue und die Wut gar nicht angebracht ist. Und ich nur ein Drama mache oder es nur mein Ego ist, das nur eingeschnappt ist…“. Das sind alles Sätze, Informationen und Botschaften von innen, schon ein bisschen kognitiv aufbereitet, die klar machen „Du bist mit deiner Wahrnehmung nicht richtig. Mit dir ist etwas falsch! Es ist nicht angebracht! Du machst nur ein Drama. Das ist nur ein eingeschnappt sein.“. Hier ist scheinbar, möglicherweise ein Anteil aktiv, der täterloyal ist und dementsprechend die Botschaften, die Meinungen der damals bedrohlichen Bindungsperson nach innen versprüht. Ähnlich ist das auch, was in der ersten Frage genannt wurde: „Da ist so viel Wut und Trauer. Gleichzeitig aber ein Anteil, der es mir verhindert, diese Emotionen auszudrücken. Wie kann ich mit diesem Teil, der mich davor schützt, näher in Kontakt kommen?“ Auch das könnte sein, dass das ein schützender Anteil ist, der täterloyal ist. Der also vielleicht noch das Anliegen verfolgt, in Sicherheit zu sein, in einer Bindung, die eigentlich nicht guttut. Es können auch andere Anteile sein, die hier schützend sind. Das können auch Anteile sein, die, wie gesagt, Angst haben vor negativen Konsequenzen. Es können aber eben auch so starke Anteile sein, dass sie wirklich verbieten in Kontakt zu kommen mit der Wut, mit der Trauer, mit der Emotion, wie auch immer sie heißt und sie auszudrücken. Diese Idee der täterloyalen Anteile könnte man auch auf diese zweite Frage beziehen. Ich wiederhole sie noch einmal: Ich fühle keine Wut. Auch nicht gegenüber dem Menschen, der mir schlimmes angetan hat. Was sagt das über meinen Heilungsweg aus? Wo stehe ich?“ Es kann hier sein, dass innerlich Anteile wirksam sind, die die Gefühle von Wut oder Abwehr, von Verurteilung von klarer Bewertung, vielleicht auch von Schuldzuweisung unterdrücken. Das können täterloyale Anteile sein. Täterloyalen Anteilen liegt alles an dem Erhalt der Bindung, an dem Erhalt einer Scheinharmonie, auf die man früher angewiesen war. Wenn man also fragt, was sagt das über meinen Heilungsweg aus und wo stehe ich, dann könnte man sagen, vermutlich stehst du an einer Schwelle, wo noch etwas mit viel Kraft verhindert, ins Fühlen zu kommen. Du stehst vielleicht an einer Schwelle, wo es darum geht, ganz sanft und bestenfalls mit Begleitung sogenannte dissoziative Barrieren sanft zu lösen. Also keine Wut zu fühlen, keinen Zugang zu haben zu gewissen Gefühlen bedeutet, diese Gefühle sind noch dissoziiert. Sie liegen hinter einer Barriere, die dissoziiert.

Die schützenden Anteile haben ihre Berechtigung

Diese dissoziativen Barrieren haben Sinn. Sie sind zum Schutz da und man sollte sie niemals mit Kraft, Gewalt oder unsanft entfernen, bspw. in nicht traumasensiblen Hypnosesitzungen oder mit irgendwelchen kathartischen Methoden. Darüber habe ich auch schon hin und wieder gesprochen. Es geht also immer darum, wenn etwas nicht zugänglich ist, wenn da das Gefühl ist, etwas im Inneren verhindert den Zugang oder wenn sogar Stimmen oder innere Impulse spürbar sind, die dagegen sprechen, die es verbieten, die es klein machen, was man fühlt, dann ist es immer wichtig, sehr, sehr sanft und wohlwollend zugewandt zu agieren. Denn das, was schützt, hat immer Berechtigung. Auch wenn es uns heute nervt, auch wenn es uns heute vielleicht gefühlt abhält davon in die eigene Kraft zu kommen oder an diese Kraft, die in bspw. einer Wut steckt, heranzukommen. Trotzdem ist immer davon auszugehen, dass dieser Schutzmechanismus noch immer aus gutem Grund besteht. Dass man sich mit diesen Anteilen immer als ein Team begreifen sollte. Diese Anteile, auch schwierige Anteile, verhindernde Anteile, blockierende Anteile, sind Teil eines wichtigen und ausgeklügelten inneren Systems, eines inneren Teams. Diese Anteile müssen lernen, sie müssen viel erfahren, man muss sich ihnen zuwenden, damit sie sich verändern können. Das ist also die Einladung und ich weise noch einmal darauf hin, weil das gerade in solchen Themen wichtig ist, wenn da dissoziative Barrieren sind, Wut oder Trauer oder anderes nicht erreicht wird und nicht ins Fließen kommt, dann nimm bitte, bitte keine Holzhammermethode, sondern wende dich viel eher jemandem vertrauensvoll zu, der dich in diesem Prozess begleiten kann. Es wäre so schade, wenn du dir Schmerz zufügen würdest, während du die gute Absicht verfolgst, dir eigentlich was Gutes zu tun. Das also zu den sogenannten täterloyalen Anteilen.

Wenn die eigenen Kinder zu Triggern werden

Als nächstes möchte ich mich gerne diesen so herzerwärmenden Fragen widmen, die auch in unterschiedlicher Form häufiger gestellt wurden. Nämlich die Frage, was man tun soll, wenn man Angst hat, die eigene ungelöste Wut auf die eigenen Kinder weiter zu geben. Hier mag ich dir kurz eine beispielhafte Frage vorlesen: „Da meine Mutter sehr aggressiv mit mir umgegangen ist (verbal und körperlich) habe ich Angst, auch solche Grenzen zu überschreiten bei meinen eigenen Kindern. Ich unterdrücke meine Wut dann in diesen Situationen.“ „Wie kann ich dieser Wut Herr werden, wenn ich Kinder bei mir habe und die dieser Wut noch Energie geben?“, „Wie geht man mit Wut und Aggressionen beim Triggern im Außen um, wenn beispielsweise die eigenen Kinder einen stark triggern?“. Drei Fragen auf einen Schlag, in denen deutlich wird, wie sehr die eigene Wut durch eigene Kinder getriggert werden kann und wie groß und vielleicht auch berechtigt dann die Angst ist, dass man unter Umständen seine ungeheilte Wut an den Kindern auslässt bzw. sie an sie weitergibt. Ich glaube das ist etwas, was sehr viele Eltern kennen, was sehr viele Mütter und auch Väter immer wieder als problematisch empfinden und wo sehr viele Eltern mit sich selbst überhaupt nicht zufrieden sind. In sich vielleicht beschämt sind, sich sorgen, ihre Kinder zu versehren und irgendwie dann doch nicht aus ihrer Haut können. Hier möchte ich etwas ganz Wichtiges aufgreifen, was im Grunde eine Ergänzung oder eine Weiterführung von dem ist, was ich vorhin über täterloyale Anteile gesagt habe. Wir haben, wenn wir selbst Gewalt erfahren haben, wenn wir es aus der Anteileperspektive betrachten, innere Anteile, die diese unglaubliche schwer zu beschreibende Angst, die Not, den Schmerz, all die Gefühle von damals tragen. Es gibt also kindliche Anteile im Inneren, die diese Ladung der damaligen Traumatisierung noch in sich tragen. Wenn es im eigenen Inneren noch versehrte, nicht versorgte Kindanteile gibt und man selbst Kinder hat, dann stellen diese Kinder, die man im Außen hat, selbstverständlich unter Umständen Trigger dar für das eigene ungeheilte Kind. Das heißt, wenn sich ein Kind im Außen in gewisser Weise verhält, kann es sein, dass das eigene innere, ungehaltene, ungeborgene noch nicht geschützte Kind dadurch getriggert wird. Meistens ist es ja so, dass man sich diese kindlichen Anteile mit ihren Inhalten ein Leben lang sozusagen vom Halse hält, damit man nicht in diesen alten Schmerz und die alte Ohnmacht hineinfällt. So auch wenn man getriggert wird durch die eigenen Kinder. Wenn also da draußen ein kleiner Wutwichtel zürnt, oder ein Kind mit viel Vehemenz seinen unbedingt zu erfüllenden Willen, also ein Bedürfnis oder seinen Willen durchsetzen will, dann kann es sein, dass im Inneren etwas getriggert wird, was man dann in sich unterdrücken muss. Es muss eine innere Abwehr stattfinden, die verhindern soll, dass die getriggerten eigenen Inhalte nach draußen kommen. Eine Abwehrstrategie ist die, das Kind im Außen zu „bekämpfen“. Wenn das Kind im Außen aufhört mit dem triggernden Verhalten, dann kehrt wieder Ruhe ein ins eigene System. Das ist eine mögliche Variante, die ich hier beschreiben mag auf diese Fragen hin. Wenn dein Kind dich massiv triggert in eine Wut hinein also in eine innere Abwehrreaktion, dann erlaube dir, dich zu fragen, was ist hinter der Wut getriggert worden. Wenn du die Wut als eine Abwehrreaktion begreifst, die dann aktiv wird, wenn alles andere nicht mehr einfach so geht, dann wäre es also interessant herauszufinden was für eine Emotion, was für ein Inhalt, was für ein Anteil in dir, wird durch deine Kinder eigentlich getriggert? Das wäre eine sehr gute Art und Weise damit umzugehen. Denn in diesem Moment übernimmst du die Verantwortung für deine Innenwelt und die Verantwortung dafür, dass sie sich nicht im Außen und in irgendeiner Weise unkontrolliert über deine Kinder drüberstülpt. Sei eingeladen, wenn du dich von deinen Kindern in deine Wut getriggert fühlst oder deine Kinder die Wut in dir anfachen, oder sie in einer gewissen Art berühren, dich ganz bewusst und verantwortungsvoll nach innen zu wenden, dich deinen kindlichen Anteilen zuzuwenden, die vielleicht immer noch allein sind und deswegen leicht durch Kinder im Außen getriggert werden können. Das waren die Fragen, die ich gerne beantworten wollte. Ich denke du kannst wahrnehmen, dass man auf all diese Fragen auch ganz andere Antworten hätte geben können. Ich habe versucht Psychodynamiken darzustellen, die sich auch aus Traumatisierungen ergeben und hoffe, dass du dadurch vielleicht gewisse Inspiration oder auch neue Denkanstöße für dich mitnehmen kannst. In jedem Falle, das kann man vielleicht zusammenfassend sagen, lohnt es sich immer zutiefst, das, was man fühlt, wohlwollend zu hinterfragen und das kann man wörtlich verstehen - hinter-fragen. Sich zu fragen was steht dahinter? Dann ist man ganz oft auf einer sehr guten Fährte, um sich selbst noch mehr in Frieden zu bringen und auch um die eigene Selbstregulation und damit die Selbstwirksamkeit im eigenen Leben zu erhöhen und aus all den aufgestauten, nicht ausgedrückten, nicht gelösten, unerlösten Gefühlen die Kraft herauszuschälen, die eigentlich in ihnen steckt und damit ein lebendigeres, gesünderes also leichteres und der eigenen Essenz näheres Leben zu leben.

Shownotes:

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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