#103 Wie du mit unterdrückter Wut umgehen kannst

Transformations - Inspiration

In dieser Folge hörst du einen Mitschnitt von einem Live-Webinar, das ich vor ein paar Tagen gehalten habe. Es geht um das Thema „Wie du mit unterdrückter Wut umgehen kannst“...

 

 button blog YT       button blog itunes 

In dieser Folge erfährst Du: 

  • was der Unterschied zwischen Aggression und Wut ist
  • warum man dazu neigt, Wut zu unterdrücken
  • dass hinter der Wut etwas anderes steht
  • was die Folgen von unterdrückter Wut sind
  • wie Du damit umgehen kannst

 

Ich habe nur den Theorieteil des Webinars in diese Podcastfolge gepackt. Wenn du gerne das ganze Webinar nachhören möchtest, mit dem Frage-Antwort-Teil und der wunderbar erfrischenden und wohltuenden Meditation, dann findest du diesen ganzen Mitschnitt im Video-Archiv, im Loginbereich auf meiner Website. Das alles ist vollkommen kostenfrei zugänglich. Die Podcastfolgen, auf die ich hinweise, findest du in den Shownotes verlinkt. Ich wünsche dir jetzt viel Freude und hilfreiche, wohltuende, heilsame Inspiration beim Lesen. Es ist mir ein großes Anliegen über dieses Thema „unterdrückte Wut“ zu sprechen, weil es meiner Erfahrung und meiner Meinung nach, ein Phänomen ist, das uns fast alle betrifft und das sehr starke Wirkung in unserem Leben hat. Ich werde darüber jetzt ein bisschen erzählen, auch wieder aus der traumatherapeutischen Perspektive. Also aus der Perspektive, die zum einen traumasensibel ist, aber zum anderen eben auch Erklärungen gibt, warum für Menschen mit traumatischen Erfahrungen unterdrückte Wut nochmal ein spezielles Thema ist. Ich werde auch Inspirationen geben, wie man mit unterdrückter Wut umgehen kann und in einen Transformationsprozess finden kann.

Was ist Wut eigentlich?

Darüber könnte man schon allein einige Stunden sprechen. Ich mache das hier jetzt ganz kurz und möchte zuerst mit dem Wort ‘Aggression‘ beginnen. Man geht in der Entwicklungspsychologie und in der Psychotraumatologie davon aus, dass Aggression eine natürliche Kraft ist, die dazu dienen soll, dass wir uns auf das, was wir wollen und brauchen, zubewegen können, um es uns zu "holen". Das ist auch das, was wir evolutionär in der Jagd wiederfinden. Mit einer natürlichen Aggression zu jagen, um Beute zu erlegen. Aggression dient als Urkraft dazu, auf etwas zuzugehen was man braucht und will. Aggression ist auch eine Kraft, die dazu dient, sich abzugrenzen, eine natürliche Abwehrreaktion hervorzubringen auf Angriff oder irgendeine andere Art von Bedrohung. Das sind zwei Aspekte der Urkraft Aggression, die in uns natürlich angelegt ist und die wir brauchen, um zu überleben. Das ist eine Kraft, die vollkommen unemotional ist, im Sinne von, sie ist in keinster Weise über den Moment hinaus relevant. Sie ist ein Zustand, der dazu dienen soll, etwas zu erreichen und dann, hat er seinen Zweck erfüllt, löst er sich auf. Wut entwickelt sich dann, wenn Aggression nicht zum Erfolg führt. Eine Wut ist die Energie, die sich aufbaut, wenn die Energie der Aggression nicht ins Fließen kommen kann. Wenn wir z.B. das, was wir wollen, nicht kriegen. Wenn wir das, was wir brauchen, nicht selbst erreichen können. Wenn unsere Selbstwirksamkeit, die durch die Aggression erreicht werden will, nicht entsteht, dann entsteht Wut. Auch wenn eine Abgrenzung nicht gelingt, dann kommt eine Emotion der Wut auf, die dann häufig gekoppelt ist an Ohnmacht. Wir kennen auch den Begriff der ohnmächtigen Wut. Das ist etwas, was sich entwickelt, wenn abgrenzen durch Aggression nicht gelingt. Das ist eine Definition, die ich hier anbieten möchte, dass wir Wut als eine Energie, der bereits ein Scheitern vorangegangen ist, verstehen können. Das Beispiel mit dem weinend und brüllend abgesetzt werden vorm Kindergarten ist da vielleicht ganz gut. Da war wahrscheinlich viel Energie im Vorfeld. Sich wehren, sich abgrenzen wollen, vor diesem „dorthin versetzt werden“, da war ein Bedürfnis bei der Bindungsperson zu bleiben, also sich das zu nehmen, was man braucht. Das wurde übergangen oder gebrochen, wie auch immer man es ausdrücken möchte. Dann kommt die schäumende Wut auf.

Warum man nicht so einfach aus der Wut herauskommt

Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit der Emotion Wut, mit diesem Gefühlszustand der Wut, weil sie eben anders als die Aggression nicht wieder einfach so verpufft, sich nicht wieder einfach so entspannt. Die Wut ist etwas, was in einer gewissen Art und Weise eine Sogwirkung oder eine Strudelwirkung hat, wo wir das Gefühl haben, es ist richtig schwer da wieder rauszukommen. Vielleicht kennst du das auch? Wenn man sich in einer Wut befindet, dann passiert es leicht auch mal, dass man sich "hineinsteigert", weil sie im Grunde nicht lösend ist. Die Aggression wäre die Energie, die zur Lösung führt. Die Wut ist eine Energie, die schon nicht mehr wirklich gerichtet oder geführt und gelenkt ist von einer inneren Kraft oder Klarheit.

Ursachen für unterdrückte Wut - Das eigene Innere wird zur Bedrohung für die Bindung

Einige haben in den Chat geschrieben, „Sie durfte nicht sein“, „Wut war nicht erlaubt“, „Ich musste sie nur über mich ergehen lassen“ usw. Sie war nicht erlaubt, sie war nicht geduldet, sie wurde bestraft. Wir haben das vermutlich alle in unserer Kindheit, irgendwann in unserem Leben erlebt, dass wir mit Wut und sogar mit Aggression, also mit der ursprünglichen Energie nicht erwünscht, nicht willkommen waren. Man kann das in einem gewissen Maß tolerieren, wenn es trotzdem eine Zugewandtheit und Verbundenheit in diesen Momenten gibt. Wenn aber das Gefühl entsteht, dass man mit der Emotion und in diesem Zustand abgelehnt wird, dann wird es zum Problem. Dann werden die eigene Emotion und der eigene Zustand zu einer Bedrohung für die Beziehung. Man erlebt den eigenen Zustand als etwas, was das Grundbedürfnis nach Verbundenheit bedroht. Das führt natürlich zu Reaktionen, weil wir nichts wichtiger brauchen und auf nichts mehr angewiesen sind, als auf Verbundenheit, wenn wir klein sind. Auf Verbundenheit, Zugewandtheit, damit wir Co-Regulation und Trost erfahren können, damit wir uns sicher fühlen. In dem Moment, wenn wir erleben, die eigene Wut, der eigene Zustand, die eigene emotionale Gemütslage wird abgelehnt, in dem Moment müssen wir beginnen sie zu unterdrücken, damit wir die Bindung nicht gefährden. Wenn wir mit diesem Empfinden, mit diesem Gefühl, in diesem Zustand fortwährend und immer wieder Ablehnung, Bestrafung oder in irgendeiner Art und Weise Konsequenzen, die schmerzlich sind, erfahren, dann haben wir gute Gründe zu beginnen, sie zu unterdrücken.

Angst vor der eigenen (intensiven) Wut

Es gibt noch einen anderen Grund, um Wut und generell intensive Emotionen und Gefühle zu unterdrücken. Nämlich wenn wir selbst Angst vor diesem Zustand und dieser Emotionslage entwickeln. Angst vor der Wut. Wenn wir erlebt haben, in diesen Zustand von Wut zu geraten und keine Hilfe erfahren haben, aus diesem Zustand wieder rauszufinden und das zu einem Muster wurde, dann ist dieses Gefühl im Inneren bedrohlich. Dann ist dieses Gefühl verbunden mit dem Erleben und deswegen auch der Erwartung von allein gelassen werden in einem Zustand, der sich bedrohlich anfühlt. Wenn wir es erlebt haben in einer intensiven Wut zu stecken, dann haben wir es erlebt in einem sehr dysregulierten Zustand einzurasten sozusagen. Das ist angsterzeugend. Wenn Gefühle so intensiv werden, dass man das Gefühl hat, man unterliegt ihnen und kann sie nicht mehr steuern, kanalisieren oder sich darin noch wahrnehmen, beobachten oder in irgendeiner Weise selbst halten, dann werden diese Gefühlszustände bedrohlich. Dann beginnt eine innere Distanzierung zu diesem eigenen Gefühl. Wir haben auch Angst vor der Wut, wenn wir erlebt haben, dass wir selbst in der Wut zerstörerisch sein können. Wenn wir also so etwas erlebt haben wie einen Filmriss oder einen Kontrollverlust und in dieser aggressiven Energie, in der angreifenden Wut, zerstörerisch oder bedrohlich zu sein. Das ist natürlich nichts, was wir wollen. Das ist wieder etwas, was unsere Beziehungen belastet, was unsere Bindungen bedroht und was tief im Inneren natürlich große Angst auslöst. Das ist dann ein weiterer Grund die eigene Gefühlslage weit, weit von sich im Inneren zu entfernen. Die Angst vor der Wut, der intensiven Emotion, die Angst davor, dass man selbstzerstörerisch oder bedrohlich wirken könnte und die Angst allein gelassen zu werden und die Bindung zu gefährden, das sind die Hauptgründe, um Wut zu unterdrücken. Schnaufe nun gerne einmal durch. Es kann sein, dass einiges, was ich gesagt habe, gewisse Verknüpfungen im Inneren anklingen lässt. Vielleicht spürst du ein innerliches nachdenklich sein oder dir kommen Erinnerungen oder Bilder in den Sinn. Sei deshalb eingeladen durch zu schnaufen, gut nach dir zu schauen und dich entspannt zurückzulehnen.

Welche Verletztheit steckt hinter der Wut?

Etwas, was wichtig ist zu verstehen und was wir ableiten können aus dem was ich eben beschrieben habe, ist folgendes. Wir können davon ausgehen, dass hinter der Wut, dieser heißen, glühenden Wut, eine andere Emotion wartet. Ich habe vorhin beschrieben, dass Wut dann entsteht, wenn die natürliche Aggression scheitert. D.h. wenn wir eben nicht erreichen was wir brauchen oder uns nicht schützen können vor dem, was uns bedroht. Das heißt, irgendetwas hat zur Wut geführt, das ist inzwischen klar geworden. Das, was zur Wut geführt hat, ist eine Situation, die eine gewisse Intensität gezeigt hat und die mit einem in der Regel wichtigen Bedürfnis versehen war. Wenn du z.B. brüllend im Kindergarten abgesetzt wurdest, wenn da ein Bedürfnis war nach Bindung, dann wird das Bedürfnis spürbar gewesen sein, was viel mit innerer Not, mit einer Ausrichtung zur Bindungsperson zu tun hatte und was tief gegangen ist. Also eine tiefe Emotion aus einem Grundbedürfnis stammend, was dann übergangen wurde. Das heißt, hinter der Wut steckt in diesem Beispiel das Urbedürfnis nach Verbundenheit, das Urbedürfnis nach geschützt sein und respektiert werden in den eigenen Bedürfnissen. Darin steckt auch schon wieder das nächste, was ich beschreiben möchte, nämlich, dass eine Grenzüberschreitung häufig zu Wut führt. Wir können danach forschen, wenn wir uns fragen, was für eine Grenze wurde überschritten und was wurde dadurch in uns verletzt? Welche Verletztheit ist durch die Grenzüberschreitung oder durch dieses unerfüllte Bedürfnis entstanden, die hinter der Wut verborgen liegt? Das sind wichtige Fragen. Hinter der Wut liegt oft so etwas wie ein tiefer Frust, ein tiefes Gefühl von mangelnder Selbstwirksamkeit, ein tiefes Gefühl von Leid und ein Empfinden von Schmerz. Wenn wir mit unterdrückter Wut umgehen wollen, dann geht im Grunde kein Weg daran vorbei, uns diesen versehrten Aspekten in uns zu widmen. Wir können eine Wut nicht loswerden, wir können eine Wut nicht rausbrüllen, wir brauchen, um Wut zu transformieren, einen Zugang zu dem Verletzten, was zu einer Reaktion von Wut geführt hat. Das ist ein anderer Denkansatz. Ich glaube wir haben ein Bild davon entwickelt, auch in unserer Gesellschaft, dass Wut etwas ist, was wir im stillen Kämmerlein halten müssen und dass Wut etwas ist, was grundlegend zerstörerisch ist und nicht salonfähig sozusagen. Dann entwickeln sich eben solche Strömungen, wo man genau das Gegenteil machen möchte. Man möchte Kissen klopfen und man möchte eine Dartscheibe mit dem Gesicht desjenigen auf den man wütend ist aufhängen und dergleichen. Man möchte in ein Ausagieren oder ein Abreagieren der Wut hineingehen. Das ist nicht das, was ich empfehle, weil wir damit nicht das zart und sanft versorgen, was innerlich versehrt wurde. Wir verstärken diese Energie, die im Grunde schon nicht mehr lösend wirkt. Darauf werde ich bei den Lösungsinspirationen später auch nochmal eingehen, denn das kann man natürlich auch falsch verstehen.

Folgen von unterdrückter Wut - Impulskontrollschwäche

Neben dem ganzen gehaltenen Schmerz, den ich schon beschrieben habe, sehen wir auch manchmal etwas subtilere Folgen der unterdrückten Wut. Etwas, was wir leider häufig sehen und was für viele Menschen sehr leiderzeugend ist, ist dass Menschen eine Impulskontrollschwäche entwickeln. Dass diese Wut, die unterdrückt ist, wenn sie getriggert wird, wie ein Vulkan in die Luft geht. Dass man dann in der Impulsivität so aggressiv, so wütend ist, also in einer Energie schwingt, die etwas durchaus Zerstörerisches und Bedrohliches hat, auch das ist eine Folge von unterdrückter Wut und Ohnmacht. Das ist leider für die Betroffenen furchtbar, weil man sich danach oft sehr schämt, gerne in einem Loch im Boden versinken möchte und weil es natürlich zu Verletzungen bei anderen führen kann und wiederum dadurch auch Beziehungen sehr belasten kann. Das ist das Ausagieren unterdrückter, aufgestauter Wut. Wir können natürlich auch mit unterdrückter Wut so etwas entwickeln wie Muster, die mit einer aggressiven Wut zu tun haben. Dass wir also bspw. Autoaggressionen entwickeln, uns selbst verletzen in unterschiedlichen Arten und Weisen, z.B. indem wir uns innerlich verbal attackieren, indem wir uns selbst wütend niedermachen, indem wir vielleicht gegen einen Gegenstand treten, uns dabei den Fuß verknacksen oder was auch immer. Es kann also zu Mustern führen, die ein Ausagieren von Wut beinhalten. Manchmal leider auch gegen andere oder vielleicht gegen Tiere -das ist eine große Schattenseite unterdrückter Wut.

Projektion

Ein bisschen subtiler und sehr häufig ist, dass wir unsere Wut, die unterdrückt ist, unbewusst nach Außen projizieren. Also dass wir bspw. da draußen ständig Leute sehen und Menschen begegnen, die uns wahnsinnig viel Grund geben, richtig sauer zu sein. Oder jemand sagt ein Wort und wir nehmen das mal direkt so persönlich, dass wir uns prima darüber echauffieren können. Diese Projektion erleben wir auch manchmal ganz unbewusst immer wieder im Alltag. Ein Beispiel dafür ist, ich lache inzwischen darüber auch wenn es mir passiert, dass man im Auto zum Wutwichtel wird. Dass einem die Mitmenschen in ihren Blechhüllen in irgendeiner Weise so schief kommen, dass man direkt mal an die Decke gehen, direkt aussteigen und losbrüllen könnte. Wahrscheinlich wäre das mit dem Aussteigen sofort verflogen, weil sich die Energie im direkten Kontakt sofort verändert. Es sei denn man ist schon so drüber raus, dass man sich nicht mehr regulieren kann. Ich glaube, wir haben ein kollektives Feld der Wut im Straßenverkehr. Das ist auch eine Art Projektion. Natürlich verhalten sich Leute nicht immer korrekt, sie fahren zu langsam oder zu schnell, aber das sind meistens bzw. oft menschliche Fehler. Und es ist vermutlich meistens nicht angemessen, deswegen so aus der Haut zu fahren. Denn vermutlich hat die Person, die diesen Fehler macht, das nicht gemacht um einen anzugreifen oder um jetzt gerade einen Streit vom Zaun zu brechen. Das ist ein gutes Beispiel für Projektion von aufgestauter Wut. Da ist dann so ein Vulkan, auf dem die ganze Zeit ein Deckel war und in dem Moment explodiert dieser Vulkan und es fliegt jede Menge heiße Energie durch die Luft.

Körperliche Symptome

Leider führen unterdrückte Wutzuständen oft zu körperlichen Symptomen, zu Spannungszuständen, zu Schlafstörungen, zu Zähne knirschen, der Kiefer ist sehr verspannt oder es ist Spannung in den Händen. In den Bereichen des Körpers, die mit Abwehr und Verteidigung zu tun haben, sitzt häufig gehaltene Wut. Es können natürlich auch alle möglichen anderen Symptome sein, die mit gehaltener, geladener Energie zu tun haben. Das sind auszugsweise Folgen von unterdrückter Wut. Es ist generell so, dass unterdrückte Gefühle und auch nicht gelebte, nicht ausgedrückte Emotionen innerlich immer Energie konsumieren. Wir müssen viel Energie aufwenden, um das, was fließen möchte, zurückzuhalten. Wenn wir dafür Kraft aufwenden müssen und das passiert im Unterbewusstsein sehr oft, dann kann das zu Erschöpfung führen. Zu einer erschöpften Gereiztheit zu einer gereizten Erschöpftheit. Darum ist es wichtig, dass wir auch abgesehen von Wut als Thematik, darauf achten, dass wir Möglichkeiten finden, unsere gesamte Gefühlswelt und unsere Emotionen in eine Bewegung zu bringen, damit wir nicht darauf sitzen bleiben und sie innerlich Kraft kosten, weil wir sie ständig runterdrücken müssen.

Kollektive unterdrückte Wut

Ich habe gerade schon ein bisschen im Spaß gesagt, dass wir ein kollektives Feld unterdrückter Wut und ausagierter Wut im Straßenverkehr haben. Ich glaube wir leben in einem kollektiven Feld unterdrückter Wut, weil wir tatsächlich in einer Gesellschaft, mit einer Mentalität, in einer Kultur leben, wo wir wenig Angebot kriegen, unsere natürliche Aggression entspannt und natürlich zu leben. Wir leben in einer Gesellschaft, in der es nicht besonders belohnt wird, wenn wir unsere Aggression oder unsere Bedürfnisse mit Nachdruck oder mit emotionaler Präsenz ausdrücken. Wir bekommen schnell beigebracht, dass wir angepasst, lieb, leise und brav sein sollen, um nur einiges zu nennen. Das schlägt sich natürlich auch auf solche Themen wie Wut und Aggression nieder. Noch dazu haben wir kollektive Traumatisierungen, die es uns nicht gerade leicht machen, kämpferische Energie, Kräftemessen, gegeneinander sein, Reibung, zuzulassen. Sie lassen es nicht zu, dass wir da in einen natürlichen, einfachen, fließenden Ausdruck finden. Das spielt alles mit rein. Umgekehrt gesagt, wenn du als Person anfängst, dich um deine unterdrückten Gefühle, wie bspw. Wut und die unterdrückten, nicht gelebten Emotionen, zu kümmern, dann veränderst du etwas in diesem kollektiven Feld und tust also nicht nur dir einen Gefallen, sondern im Grunde der gesamten Menschheit. Denn du trägst einen Teil dazu bei, dass ein Feld von anderen Möglichkeiten entsteht. Falls dir das noch ein bisschen Motivation sein kann, wenn es vielleicht nicht ganz reicht, es nur für dich zu tun, dann sei eingeladen es so zu sehen, dass du damit ganz vielen Menschen etwas wertvolles zur Verfügung stellst.

Umgang mit unterdrückter Wut

Ich habe vorhin schon angedeutet, dass es innere Anteile geben könnte. Zunächst möchte ich etwas sagen, zum Umgang mit unterdrückter Wut als einen Prozess, also sie wirklich zu transformieren und zu lösen. Dann möchte ich etwas dazu sagen, was wir tun können, wenn die Wut akut da ist. Wenn wir unterdrückte Wut transformieren wollen, dann hilft sehr die Anteile-Perspektive. Dass wir also davon ausgehen es gäbe innere Anteile, die diese Wut tragen, weil sie in gewissen Situationen diese Wut entwickeln mussten. Beispielsweise ein kleines Kind, das eine Wut entwickeln musste, weil man über die Bedürfnisse und die Grenzen hinübergegangen ist. Dann kannst du dir selbst, in deinem Inneren Fragen stellen. Wie kann dieser Anteil, der die Wut trägt, versorgt werden? Wie kann ich mich ihm zuwenden, damit er das bekommt, was ihn ursprünglich in die Wut geführt hat, was ihn in die Wut hat stranden lassen? Das wäre eine Frage, die man stellen kann, um dann in einen heilsamen Prozess zu kommen. Eine andere Frage wäre, wie kann ich diesem Anteil der so wütend werden musste, eine Stimme geben, damit das dahinterliegende Bedürfnis in meinem Leben einen entsprechenden, angemessenen Raum bekommt? Das ist dann der Part, wo es darum geht, auch das unerfüllte in uns in eine Erfüllung zu bringen. Also Bedürfnisse, die gekoppelt an die unterdrückte Wut immer unterdrückt wurden, endlich zu befreien, damit sie zu einer Erfüllung kommen können. Wenn ich sage du kannst Fragen wie du deinem Anteil eine Stimme geben kannst, dann meine ich: Wie kannst du üben als erwachsener Mensch, deinen ureigenen Bedürfnissen Stimme zu geben, Gehör zu verschaffen, dich also mit deinen Bedürfnissen auszudrücken, die vielleicht schon ganz früh nicht mehr gesehen wurden und du sie deshalb schon ganz früh angefangen hast nicht mehr in die Welt zu tragen. Selbstverständlich erfüllen wir die meisten Bedürfnisse am besten in uns selbst, aber es gibt definitiv Bedürfnisse, wo es unvergleichlich nährend ist, wenn wir sie gemeinsam mit jemandem nähren können, wie z.B. das Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit oder Verbundenheit. Diese Fragen möchte ich dir gerne an die Hand geben, um zu erforschen und in einen heilsamen Prozess zu kommen, der das Maß an unterdrückter Wut schmälern mag. Eine Frage aus dem Chat möchte ich kurz beantworten, nämlich ob unterdrückte Wut auch zu Depression führen kann? Definitiv. Dazu kann ich zwei Podcastfolgen empfehlen. Die eine heißt „Wut verstehen und transformieren“ und die andere „Warum Gefühle uns Angst machen“ (Links siehe unten). Unterdrückte Wut kann zu Depression führen, weil unterdrückte Wut zu einer Stagnation von Energie führt. In dem Moment, in dem wir dann nicht mehr im Fließen sein können mit unseren Emotionen und unseren Bedürfnissen, verstummt etwas in uns. Man kann das auch neurobiologisch erklären, in die Tiefe gehe ich jetzt nicht, das würde sonst vielleicht zu viel. Für alle, die da schon ein wenig Zugang haben eine kurze Erwähnung-  wenn Wut zu Depression führt, dann spielt häufig unser dorsaler Vagus eine Rolle, also unser Nervensystem, das in die absolute Resignation gekippt ist und dann zu einer Gefühllosigkeit und Empfindungslosigkeit führen kann.

Was tun, wenn die Wut da ist?

Wenn die Wut da ist und du das Gefühl hast, sie wird so heiß und der Körper wird so fest oder wie auch immer es sich für dich anfühlt, dann bist du bereits in einen unangenehmen Zustand geraten. Ich habe vorhin schon gesagt, das kannst du auch in den Podcastfolgen nochmal nachhören, dass ich nicht empfehle, dann in so eine extatische Situation zu gehen, wo man auf Kissen knüppelt, mit dem Teppichklopfer auf etwas draufhaut oder am Ende noch auf die eigenen Beine klopft, weil wir damit unser Stressniveau steigern. Aber es wäre so gut, wenn es uns gelingen könnte, die Energie wahrzunehmen und etwas davon aus dem Körper herauszulassen. Das kann gelingen, indem du beispielsweise etwas in die Hand nimmst, was weich ist, z.B. ein Kissen. Dann beginnst du es zu kneten und atmest dabei, in dieser Energie, die da ist und stellst dir vor, in dieser Bewegung, die langsam und intensiv geführt und nicht steigernd ist, kannst du etwas von der Energie rauslassen, ohne dass dein Stressniveau steigt. Oder du gehst schnell spazieren und stampfst dabei gelegentlich einmal auf. Oder du fängst an zu tönen, vielleicht zu brummen oder so etwas zu tun, wie in deiner ganz bewussten Wahrnehmung dieser Energie einen Ton zu geben, ohne dass es in ein Schreien mündet. Du merkst, in allem was ich sage, es ist wichtig, dass es reguliert bleibt. Vielleicht hast du so etwas wie ein Musikinstrument, auf dem du dich ausdrücken kannst. Vielleicht gibt es einen Klang, mit dem du deine Wut ausdrücken kannst, ohne dass es dein Stressniveau steigert. Das Wichtigste ist, dass wir die Energie nicht pushen, sondern wir können sie anfangen ein Stückweit auszuleiten, wenn wir geführte Bewegungen machen. Es kann auch sein, dass Rennen gut ist, dass solche Bewegungen wie Rennen oder auch Tanzen, sich auf der Stelle auszuschütteln oder abzuklopfen gut sind. Wichtig ist immer, dass es geführt ist. Dass du nicht die Energie im Sinne von „den Stress“ steigerst. Da ist weniger mehr, weil wir ein bisschen eine Toleranz entwickeln müssen für diese Intensität des Gefühls.

Shownotes:

 

button termine

Meinen Podcast findest du auch auf: iTunes

Auf meinem YouTube-Channel 

Spotify und allen weiteren kostenlosen PodcastApps

Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

Wenn Du künftig keinen Podcast mehr verpassen möchtest, melde Dich gerne zum kostenlosen Newsletter an.

 

LEBE KREATIVE TRANSFORMATION

Tausche Dich mit anderen kreativen, wachen Menschen in meiner Facebookgruppe aus: Transformationsinsel

Meditiere mit mir und anderen für Deine Kreative Transformation beim kostenlosen Online Mediabend:

 akademie header txt VK