#100 Die Jubiläumsfolge

Transformations - Inspiration

Ich freue mich so sehr, denn heute präsentiere ich Dir meine erste Jubiläumsfolge!
Die hundertste Folge! Sage und schreibe 100 Podcastfolgen! Wenn ich nicht mitgezählt hätte, wäre mir das nicht bewusst, denn es fühlt sich immer noch so an, als hätte ich sooo vieles noch nicht gesagt......

 

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Diese Folge ist eine ganz besondere Folge für mich, denn es ist die Jubiläumsfolge.

Es ist die 100. Podcastfolge, die ich in meinem Leben produziert und fabriziert habe. Ich bin glücklich und stolz darauf und darüber, denn in diesem Zeitraum, in dem die 100 Folgen entstanden sind, ist viel Schönes passiert.

Ich werde dich gleich mitnehmen, in ein schönes Gespräch, was ich mit der wunderbaren Kathie Kleff geführt habe. Kathie ist Moderatorin und Sprecherin bei Antenne Bayern. Sie ist eine wunderbare Sängerin und ein sehr feiner Mensch. Kathie ist gerade bei mir im Kreative Transformation Training und lernt traumatherapeutisch und traumasensibel zu belgeiten. Wir fühlen uns sehr verbunden, sodass ich sie gefragt habe, ob sie die zahlreichen Fragen, die mir Hörer*innen zugeschickt haben, in ein schönes Gespräch kleiden könnte, was Kathie glücklicherweise bejaht hat.

Bevor ich dich also mitnehme in dieses Gespräch, möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich einmal ganz, ganz herzlich zu bedanken. Bei dir, bei all den Hörerinnen und Hörern, die dem Podcast folgen, die schon länger dabei sind oder ganz frisch dabei sind. Bei allen, die sich auch ältere Folgen anhören und somit eintauchen in dieses große Thema, den Menschen zu verstehen und traumasensibel und wohlwollend hinzuschauen.
Ich habe vor 1,5 Jahren dieses Projekt gestartet mit dem tiefen Anliegen in meinem Herzen, so viele Menschen wie es nur irgendwie möglich ist, einzuladen, traumasensibel auf die Welt und sich selbst zu blicken. Es ist mir ein unglaublich großes Anliegen, Traumawissen in die Welt zu bringen, weil ich glaube, dass diese Informationen die Kraft haben, die Macht haben, dass wir als Menschheit wirklich heilen. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit diesem Wissen ein Verständnis entwickeln können, das uns zu Bewusstheit führt.
Ich bin davon überzeugt, dass wenn wir Verständnis entwickeln für unsere verletzliche, feine, reagible Innenwelt, dass wir dann in eine andere Haltung kommen. Uns selbst gegenüber und allen Wesen gegenüber. Dafür mache ich das alles.
Wenn du dieses Anliegen irgendwie auch in deinem Herzen resonieren spürst, mehr Frieden und mehr Bewusstheit in dieser Welt sehen zu wollen, dann lade ich dich ein, alles, was du je in diesem Podcast hörst, was dich berührt, weiter zu erzählen. Erzähle den Menschen, von dem, was du begreifst, von dem, was du lernst oder empfehle die Podcastfolgen weiter. Wichtig ist, dass du es erzählst, damit wir alle sensibler werden und anders miteinander umgehen können. Ich mag mich also bedanken, für deine Unterstützung, dass du lauschst, dass du es in dein Leben integrierst. Ich mag mich bedanken bei allen Menschen, die das tun und auch bei denen, die einfach nur still lauschen.
Ich freue mich darüber, was alles in diesen anderthalb Jahren gewachsen ist. Wir sind viele Hörer*innen inzwischen, es ist eine stetig wachsende Hörerschaft. Ich tue das alles mit großer Freude und freue mich auch auf alles, was daraus erwächst. Auf alle die wunderbaren weiteren Angebote, die noch mehr Menschen erreichen können. Ich freue mich auch darauf, dass im nächsten Jahr ein Buch von mir erscheinen wird. Darauf darfst du schon gespannt sein – ich bin es jedenfalls!

Jetzt nehme ich dich mit in das Gespräch mit Kathie. Ich wünsche dir fröhliches Lauschen, viel Leichtigkeit beim Zuhören und hoffe, dass dich das ein oder andere interessiert oder berührt. Danke, dass wir verbunden sind. Viel Freude beim Lauschen.

Kathie: Ich freue mich sehr und es ist mir eine Ehre, dass ich dich hier durchführen darf, durch diese 100. Folge. Als du angefangen hast mit deiner Arbeit in den sozialen Netzwerken, hättest du dir ausmalen können, wie schnell die Zeit verfliegt, bis du zur 100. Folge kommst?

Verena: Ne. Ich hatte überhaupt keine Vorstellung. Anfangs fühlte es sich an wie Kaugummi. Jetzt denke ich, „100 Folgen! Ich habe doch gerade erst angefangen.“ Das ist ein ganz eigenartiges Gefühl. Schwer zu greifen. 100 Folgen, 100 Wochen, das ist schon eine Menge.

Kathie: Jede Woche ein neues Thema. Ich glaube, ich spreche da im Namen deiner Follower*innen und der Menschen, die dir jede Woche aufmerksam an den Lippen kleben oder Lauschen, wie du immer so schön sagst. Man hat das Gefühl, man wird es nie über, es ist nie ein „Och ne, das habe ich schon einmal gehört. Das ist ein alter Hut.“, sondern man saugt es jede Woche wieder neu auf. Ist es für dich manchmal schwierig, jede Woche neu in so etwas ganz Tiefes einzutauchen?

Verena: Manchmal ja. Das sind die Momente, in denen ich genau das Gefühl habe, was du mir gerade genommen hast. Nämlich, dass ich das Gefühl habe, ich habe das schon gesagt. Dann finde ich es schwierig, in dem Moment der Annäherung ans Thema in dieses Gefühl zu kommen, dass ich jetzt noch einen Aspekt erwische, der vielleicht doch nochmal beleuchtet weerden könnte. Die Tiefe an sich ist eigentlich nicht das Schwierige. Aber so auf dem Schirm zu haben, was die feinen Facetten von einem Thema sind. Das finde ich manchmal herausfordernd.

Kathie: Eine Herausforderung, die du exzellent meisterst. Genau über die feinen Facetten werden wir in dieser Podcastfolge noch einmal sprechen. Du hattest vor einer Woche dazu aufgerufen, dass die Menschen dir Fragen stellen dürfen. Da ist einiges eingetrudelt. Ich habe die große Freude, ein paar Fragen deiner Follower*innen auch deiner Gruppenmitglieder von der wunderbaren Insel (Facebookgruppe: „Transformationsinsel“), in der wir alle miteinander verbunden sind, einmal an dich weiterzugeben. Es gibt Fragen, die sich wiederholen. Es gibt viele Menschen, die sich für das gleiche interessieren. Das ist jetzt eine klassische Einstiegsfrage: Wie kamst du zum Trauma, wie wurdest du Traumatherapeutin? Wann zog dieses Thema dein Interesse?

Verena: Diese Frage wurde mir auch schon öfter gestellt. Die Antwort fühlt sich immer wieder neu an, wenn ich sie ausspreche, weil das glaube ich etwas ist, was viele Menschen kennen, wenn sie selbst anfangen über Trauma zu lernen. Ich kam zur Traumatherapie oder zum Traumaverständnis in meiner Heilpraktiker für Psychotherapie Ausbildung, wo wir Störungsbilder besprochen haben. Ich hatte das Gefühl, dass es dafür doch irgendeine Erklärung geben muss. Es muss doch irgendwie Hintergründe geben, für so schwierige, komplexe Innenwelten, wie sie da beschrieben sind. Da kam das Thema Trauma so rein. Dann hatte ich 2, 3 Informationen über das erste Buch von Michaela Huber geschnuppert. Da hat es mich sofort erwischt. Ich hatte sofort das Gefühl, jetzt fange ich an Sachen zu verstehen, die mir vorher unverständlich waren. Die vorher irgendwie nur skurril wirkten oder auch irgendwie wirklich im wahrsten Sinne des Wortes unfassbar. Mit der Psychotraumatologie im Hintergrund werden so viele Dinge klar. Als diese eine kleine Initialzündung gezündet wurde, war das eine Dynamik, die sich entfaltet hat. Ich habe Informationen regelrecht inhaliert, aus diesem Hunger heraus zu verstehen. Es war schon immer mein Bedürfnis Menschen, die Menschheit zu verstehen. Mit dieser Sichtweise hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich es tue.

Kathie: Die Psychotraumatologie ist eine relativ junge Wissenschaft. Der Bereich ist noch nicht so wahnsinnig erforscht und leider, muss man sagen, noch nicht überall so richtig anerkannt, oder?

Verena: Ja, die Anerkennung ist noch ziemlich im Werden. Es gibt in diesem Feld sehr viele Methoden und viele Richtungen. Dadurch, dass es, bis etwas zur Anerkennung kommt, ganz viele Studien braucht, evidenzbasierte Ergebnisse, dauert so etwas lange. Bei einer solch jungen Wissenschaft geht es aus der Betroffenensicht unheimlich langsam. Auch aus der Sicht der Unterstützer, weil wir einfach so vieles fühlen können, was stimmig ist und greift, aber es ist noch nicht „State of the art“, was in meinen Augen ein großer Mangel ist in unserer therapeutischen Landschaft.

Kathie: Nicole fragt, ob du schon immer den Wunsch in dir verspürt hast anderen Menschen zu helfen?

Verena: Ich glaube schon. Helfen oder der Wunsch zu helfen, ist vielleicht ein Begriff, der sich erst später entwickelt hat. Interesse am Menschen war immer das spannendste. Es hat mich immer interessiert, Menschen zu verstehen. Es ist für mich auch immer noch das vordergründigste jemanden verstehen zu wollen. Wenn man dann feinfühlig ist und sich einfühlen kann in Menschen, kommt natürlich auch der Impuls helfen, unterstützen zu wollen. So habe ich ungefähr mit 13, 14 definitiv den Plan gehabt Psychologin zu werden und in diese Richtung zu gehen. Von da an war es eigentlich klar, dass das meine Berufung sein mag.

Kathie: Mit 13, 14 entschieden, du hast Psychologie aber gar nicht studiert. Wer sich mittlerweile mit dem Thema befasst hat, der weiß, für therapeutisches Arbeiten, ich weißt nicht ob du mir da zustimmst, ist ein Psychologiestudium auch gar nicht von Nöten. Da bist du wirklich der beste, lebende Beweis dafür. Stand das trotzdem irgendwann einmal auf der Agenda, hast du da mal drüber nachgedacht?

Verena: Ja, total. Erst einmal war der Begriff Psychologin/Psychologe das Einzige, was ich damit verbinden konnte mit, jemand hilft anderen Menschen und ihrer Seele. Während der Schulzeit wurde mir dann langsam klar, dass man für ein Psychologiestudium erst einmal einen NC brauchte. Das war jetzt nicht unbedingt das Angestrebte, ein 1,0 Abi. Denn 1,0 war der NC für Psychologie. Eine Freundin von mir, die 4 Jahre älter ist, hat angefangen Psychologie zu studieren. Da stellte sich sehr schnell heraus, dass das ganz viel Theorie ist und vor allem auch viel Mathe, Statistik usw. Da war für mich klar, das kann nicht der Weg sein. So wie die Tatsache, dass man erst einmal lange Jahre, viel lernt, was ja wunderbar ist, aber keine Praxiserfahrung sammelt, war für mich unschlüssig. Ich konnte mir das nicht vorstellen, mit meinem Anliegen, meinem Wunsch erst einmal jahrelang dazusitzen und zu pauken aber nicht ins Tun zu kommen. Deshalb war ein Studium für mich wirklich unattraktiv.

Kathie: Wobei ein Psychologiestudium auch nicht ausschließt, dass jemand ein guter Therapeut/eine gute Therapeutin wird. Aber würdest du sagen, es ist einfach keine Voraussetzung?

Verena: Das ist eine gute Frage, was einen guten Therapeuten ausmacht. Sicherlich ist es auch Fachwissen und ein gutes und tiefes Verständnis für die menschliche Psyche, Seele und Zusammenhänge. Das was aber auch Menschen berichten, die schon viel Therapieerfahrung gemacht haben, ist vor allem, dass der gute Therapeut derjenige ist, bei dem sie das Gefühl haben gesehen zu sein. Von dem sie das Gefühl haben verstanden zu sein und bei der/bei dem sie das Gefühl haben, da ist eine tragfähige Beziehung da, eine Bindung. Deshalb glaube ich auch, dass viele Menschen z.B. mit Coaching sehr weit kommen können. Wenn sie ein gutes soziales Umfeld haben, mit tiefen Gesprächen und mit dem, was wir Verbundenheit nennen können. Aber dass es natürlich bei manchen, in manchen Untiefen der Innenwelt professionelle Hilfe braucht. Der gute Therapeut muss nicht unbedingt ein studierter oder approbierter Psychologe/Psychologin oder Arzt/Ärztin sein. Es kann auch ein ganzheitlicher Therapeut/Therapeutin, ein*e Heilpraktiker*in sein. Einfach jemand, der sich mit der Materie, mit sich selbst und dem Mensch-Sein intensiv auseinandergesetzt hat.

Kathie: An dem Punkt sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, werden wir sicherlich auch noch einmal dran vorbeisurfen heute. Weil es ganz schön passt, auch diese Frage wurde öfter gestellt in deiner Facebookgruppe. Menschen sind natürlich neugierig: Hatte sie selbst mit schwerem Trauma zu tun in ihrer Biografie?

Verena: Glücklicherweise kann ich das schlicht verneinen. Wo ich mir bewusst bin, dass ich ein Glückspilz bin und auch eine Ausnahme unter den Traumatherapeuten/-therapeutinnen. Ich habe tatsächlich schon häufiger gehört, dass Menschen der Ansicht sind, man kann jemanden nur gut begleiten, wenn man selbst betroffen ist. Das ist meine Erfahrung nicht, auch aus meiner eigenen Perspektive. Natürlich habe ich auch ordentlich Prägungen erfahren und Phasen in meinem Leben gehabt, wo ich gelitten habe und wo ich weit weg war von mir oder meiner Mitte. Teilweise hatte das sicherlich auch Traumaintensität aber ich habe keine Folgen entwickelt, die mir das Leben schwer machen. Insofern würde ich sagen, ich kann das glücklicherweise verneinen. Es hat bestimmt auch damit zu tun, das ist auch etwas, was interessant ist für meine Hörerinnen und Hörer, dass ich sicher gebunden aufgewachsen bin. Dass ich zwar später im Leben einige Stürme und vielleicht auch manchmal Tsunamis erlebt habe, aber dadurch, dass ich aber kein Bindungs- oder Entwicklungstrauma erlebt habe, habe ich eine Resilienz, die es mir ermöglicht hat, tiefe Erfahrungen zu sammeln und trotzdem keine Traumafolge zu entwickeln.

Kathie: Das passt schön zur Frage von Manuela, diese Frage finde ich auch sehr schön. Jetzt machst du den Job nicht erst seit gestern, sondern wirklich schon ein paar Jahre und du machst ihn ganz, ganz toll. Fühlst du dich selbst noch auf dem Weg bzw. denkst du, dass man jemals ankommt?

Verena: Wenn ich es persönlich beantworte, ich fühle mich einerseits angekommen und andererseits auf dem Weg. Ich glaube, ich fühle mich immer auf dem Weg, auch weil ich lernhungrig, wissbegierig, neugierig bin, das wäre so das schöne Wort dafür und deshalb auch nicht einraste in so einer bequemen „Angekommenheit“ sozusagen. Gleichzeitig fühle ich mich aber so gut mit mir verbunden, dass das schon eine Qualität von angekommen sein hat. Die hatte ich nicht immer in meinem Leben. Dafür habe ich glaube ich auch einiges getan oder einiges konfrontiert in meinem Inneren. Ich finde, die Kombi wirklich schön. So ein Gefühl von guter Verbundenheit und angekommen sein, auch in meiner Ausrichtung, in meinem Anliegen, in meiner Lebensform. Gleichzeitig aber das Gefühl immer gefordert zu sein von neuen Aufgaben, die ich mir meistens auch selber suche und davon auch bewegt zu sein. Ich lerne und wachse jeden Tag.

Kathie: Das ist tatsächlich auch noch einmal ganz wichtig hervorzuheben auch für deine Hörer*innen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wenn man sich auf die Reise zu sich selbst macht, dann denkt man „Das mach ich jetzt XY Jahre und dann fange ich noch an zu meditieren, dann mache ich noch Yoga und dann bin ich irgendwann sowas wie erleuchtet. Und dann ist alles total fluffig.“ Ganz so ist es ja nicht. Die Reise im Grunde genommen, bleibt eine Reise.

Verena: Davon bin ich überzeugt. Ich glaube auch, dass das unsere menschliche Spezies so nicht anders kann und auch nicht anders soll. Also dass dieses Reisen auch eine stetige Weiterentwicklung bedeutet und ein, wenn es gut läuft, ein stetiges Wachsen von Qualität.

Kathi: Gehört Spiritualität für dich dazu?

Verena: Ja, auf jeden Fall. Spiritualität ist eine Basis für mich. Das war das womit ich angefangen habe. In meinem Interesse am Menschen oder mit mir selbst. Ich habe auf eine spirituelle Art und Weise angefangen mich mit mir und den anderen auseinanderzusetzen. Ich finde Spiritualität ist natürlich auch ein Begriff, den man unterschiedlichst definieren kann. Für mich bedeutet es sowas wie ein bewusstes verbunden sein mit etwas größerem Ganzen. Ob man das jetzt Gott nennt oder Spirit oder wie auch immer, ist eigentlich irrelevant. Dieses Gefühl von Verbundenheit und eingebunden sein in etwas größeres Ganzes, das ist für mich die Essenz für Spiritualität. Die ist für mich ganz wichtig. Das hat vielleicht auch was mit dem Bedürfnis nach Glauben zu tun oder nach einem inneren System, nach einer inneren Struktur, wo man sich verorten kann. Aber es ist für mich auch einfach ein inspirierendes Gefühl. Verbundenheit mit etwas Größerem, mit etwas sinnhaftem, mit etwas allem Verbindendem. Das inspiriert auch immer mich selbst in meinem Blick auf den Menschen und was hier so auf der Welt geschieht. Es gehört für mich definitiv dazu.

Kathie: Glaubst du an oder passieren dir Synchronizitäten? Also so diese kleinen Wunder des Alltags, wo man echt mal so schmunzelt und denkt „Ah ja, das ist wirklich ein erstaunlicher Zufall“. Passiert dir sowas?

Verena: Ich glaube, ich habe mich inzwischen daran gewöhnt. Denn es passiert echt richtig häufig. Nach einer Reise nach Hawaii, 2004 war das glaube ich, da hatte das eine Intensität, die war für mich unglaublich. Das war ein bisschen wie eine spirituelle Einweihungsreise, ich weiß nicht wie man so was nennen kann. Es war eine unglaublich intensive Zeit, 5 Wochen lang. Seitdem habe ich das Gefühl von Synchronizität in meinem Leben. Manchmal ist es sogar vom Gefühl her so, dass die schneller ist als ich es begreife. Dass ich merke, dass ich was unbewusst gedacht habe und es sich in irgendeiner Art in meinem Leben widerspiegelt. Da gibt es auch ein vielleicht ganz lustiges Beispiel dafür, dass ich das auch im Alltag häufiger spüre, und auch in der Tat in der Praxis. Als ich beschlossen habe Traumatherapeutin zu werden und als ich das erste Ausbildungsmodul hinter mir hatte, rief eine Frau an und wollte einen Termin. Ich sag‘s einfach mal genauso wie es war. Sie war zwei Wochen zuvor einer sexuellen Gewalttat zum Opfer gefallen. Ich hatte so ein Akuttrauma vorher noch nie in meiner Praxis. Es war so wie, okay, ich habe gesagt ich mache das jetzt und „schwups“ kamen Menschen mit diesen Themen. Es war vorher auch schon da, aber nicht in dieser Intensität. Das nehme ich in der Praxis immer wieder war. Die Themen, mit denen ich mich beschäftige, auch Fortbildungstechnisch, die werden direkt angesprochen, von Klientinnen und Klienten. Es gibt überhäufige Zufälle, wenn Neuklienten kommen, was diese für Themen mitbringen. Das ist wirklich abgefahren und das verbinde ich auch ein Stückweit mit Spiritualität. Diese Wahrnehmung, dass wir irgendwie connected sind.

Kathie: Das große kollektive Unbewusste. Da würde ich gerne kurz einen kleinen Ausflug machen, weil es so gut passt, in die sogenannte spirituelle Szene. Man macht die Erfahrung, dass die die auf der Reise sind, früher oder später, irgendwann immer an denselben Büchern, an den selben Filmen vorbeischrappen. Irgendwie greift man immer doch, vielleicht in unterschiedlicher Reihenfolge aber doch zu ähnlichen Tools. Aus eigener Erfahrung und die Frage an dich weitergegeben, warum funktioniert es nicht? Ich denke jetzt mal an Bücher wie „The Secret“ z.B. Da geht es auch viel um Synchronizitäten und dass tolle Dinge in dein Leben kommen, wenn du nur richtig denkst oder wenn du es nur richtig angehst. Warum funktioniert es nicht?

Verena: Nach meiner Erfahrung, ganz, ganz einfach gesagt, weil es eine wesentliche Ebene nicht einschließt, nicht integriert. Das ist die Ebene, aus meiner Sicht, wo wir Traumatisierung erfahren haben und wo es Schutzmechanismen gibt, die einfach Stärker sind als unser Wille, als unsere mentale Ausrichtung. Manchmal auch als unser emotionales Sehnen. Das wird in diesen Techniken nicht bedacht. Dass wir eine komplexe Innenwelt haben, auch unser Unterbewusstsein ist komplex. Das wird oft vergessen. Es werden so Botschaften vermittelt wie, „Du musst dein Unterbewusstsein trainieren, konditionieren oder programmieren.“. Da wird die Komplexität unserer Psyche, unseres Unterbewusstseins, unseres höheren Bewusstseins nicht geachtet. Gerade wenn wir Trauma erlebt haben, steigt die Komplexität im Inneren.

Kathie: Ja, sehr. Es erzeugt glaube ich bei vielen Menschen, so ging es zumindest mir, ich könnte mir vorstellen da bin ich nicht die einzige, irgendwann Frust. Wenn man die ganze Zeit sich jeden Abend hinsetzt und versucht zu manifestieren, dass der Mann deines Lebens jetzt erscheint oder du die Million im Lotto gewinnst, es passiert aber bei Jahren nichts. Dann fühlt man sich einfach fehlerhaft und denkt, alle anderen bekommen es hin aber ich scheinbar nicht.

Verena: Das ist eine der größten, ungünstigen Wirkungen. Diese eigentlich schönen Techniken, dass man bewusstwird, dass man selber Einfluss hat, dass man Schöpferkraft hat, dass man selbst gestalten kann. Es ist furchtbar frustrierend, auch wenn es um nicht mal ganz so außenorienteierte Anliegen geht wie, die Million oder ein*e Traumpartner*in, sondern auch um Veränderung von Mustern, von destruktiv wirkenden Mustern. Auch da verzweifeln Leute dran, wenn sie Gewohnheiten haben, die destruktiv sind oder vielleicht auch suchthaftes Verhalten kennen und sie kriegen sich nicht „umprogrammiert“. Dann gibt es einen echten Frust und die Entfernung von einem selbst wird größer und die Achtung, die man für sich selbst hat, nimmt ab. Das ist natürlich verstärkend für das Ungünstige.

Kathie: Es sind wieder so wunderbare Worte gefallen wie „Achtung“, „ungünstig“. Da möchte ich eine Frage von der Maike aufgreifen, an die ich mich auch dranhänge, weil ich staune jedes Mal darüber, wenn ich dir zuhöre: Wie hast du dir deine sprachlichen Fähigkeiten erworben?

Verena: Das ist echt spannend. Ich habe keine Ahnung. Ich habe wirklich keine Ahnung, weil ich war als Kind überhaupt keine Leseratte. Ich habe gar nicht gerne gelesen. Ich habe zwar einen Deutsch LK gemacht. Die Literatur, die wir da lesen mussten, war aber auch echt schräg. Was vielleicht ein Grund sein könnte war, dass mein Vater uns immer vorgelesen hat, lange Jahre. Keine „doofen“ Kinderbücher, sondern sowas wie Roald Dahl, wir haben Momo, Die unendliche Geschichte und solche Dinge gelesen. Vielleicht habe ich da einfach früh schöne Sprache kennengelernt. Wie ich sie mir erworben habe, kann ich echt nicht sagen. Ich lese auch heute Fachbücher, ich lese selten Romane, was auch ein Zeitthema ist. Aber ich lese eigentlich keine „schönen“ schön blumigsprachige Literatur. Aber ich liebe Sprache. Ich finde man kann so viel über Sprache, über Worte transportieren. Das hatte sogar auch etwas mit dem spirituellen Weg zu tun. Ich habe gespürt und darauf geachtet, was für eine Macht Worte haben und wie sehr ein Satz an Energie gewinnt, verliert oder eine Färbung bekommt, wenn man gewisse Worte verwendet. Ich glaube das ist einfach irgendwo in meinem Unterbewusstsein tief verankert, sodass ich gerne schöne Worte verwende und das gelingt scheinbar. Wieso weiß ich auch nicht. Vielleicht ist es was Genetisches. Meine Mama ist nämliche eine große Wortakrobatin, die auch gerne, sehr geistreiche Gedichte schreibt und zitieren kann aus ihrem ganzen Leben und Lieder singen kann und die Texte sich einfach merken kann. Ich glaube meine Eltern haben auch einfach eine sehr kultivierte Sprache.

Kathie: Was mir extrem auffällt, ist dein bewusster Umgang mit Worten. Ich glaube, ich habe dich noch nie auch nur eine abwertende Silbe sprechen hören. Ich finde das hochinteressant, weil ich kann mir vorstellen, dass in deiner Arbeit und auch im Verhältnis zu dir selbst eine bewusste Sprache essenziell ist.

Verena: Total. Vielleicht ist es auch Training. Ich höre genau zu. Ich spiegele meinen Klienten/Klientinnen häufiger auch ihre Worte. Wenn jemand vor mir sitzt und über sich selbst klagt beispielsweise, über seine Unzulänglichkeiten und vielleicht sogar abwertende Worte fallen, dann berührt mich das. Dann muss ich darauf auch hinweisen, weil Sprache so schnell gewaltvoll sein kann. Ohne, dass uns das so bewusst ist. Darauf achte ich sehr. Das ist ein Wert in meiner Arbeit. Ich empfinde das auch als einen Wert, für den ich stehe. Dass der Raum nicht nur tätlich gewaltfrei sein soll, sondern auch verbal.

Kathie: Ich glaube das ist uns meistens oder ganz oft gar nicht bewusst, mit wieviel Gewalt in der Sprache, wir auch mit uns selbst sprechen. Wir alle, die wir jetzt gerade zuhören.

Verena: Das trifft sicherlich auch für mich manchmal zu. Manchmal denke ich auch „Das würde ich niemals zu jemand anderem sagen.“. Aber ich bin dann auch schnell wieder bei mir und entschuldige mich quasi bei mir, wenn mir sowas mal passiert. Das hat nämlich „wumms“.

Kathie: Kathrin würde gerne wissen, was dir dabei hilft nach deinem Herzen zu leben?

Verena: Da muss ich ein wenig überlegen. Ich glaube zum einen ist es hilfreich, dass ich mich wie vorhin andersrum beschrieben, mit mir gut verbunden fühle. Vorhin war es das Wort ankommen. Das heißt, ich spüre mein Herz ganz gut. Ich fühle meine Bedürfnisse und auch die tiefen Anliegen meiner Persönlichkeit oder meines Wesens. Die sind mir sehr bewusst. Ich bin ein grottiger Verdränger. Das liegt mir überhaupt nicht. Da stach ich auch raus in meinem Umfeld und auch in meiner Familie, ich kann das nicht. Es wäre für mich schlimm gewesen, wenn ich traumatisiert worden wäre, denn ich kann nicht gut dissoziieren. Das heißt, ich bin sehr mit der Wahrheit in Kontakt, auch mit meiner inneren Wahrheit. Das hilft mir glaube ich. Dann habe ich auch einfach da wirklich, richtig gut was mitbekommen durch meine Eltern, weil sie immer und da muss ich sie nur für bewundern, immer an mich geglaubt haben. Auch auf diesem beruflichen Weg, der so unkonventionell war, haben sie vielleicht manchmal überhaupt nicht geahnt und verstanden, was ich da im Schilde führe, aber sie haben mich gelassen und haben mir das Gefühl gegeben, dass sie fest dran glauben, dass ich keinen Quatsch mache. Das ist natürlich eine Voraussetzung, die es wirklich erleichtert auch den wirklichen Bedürfnissen zu folgen, weil man nicht damit beschäftig ist, irgendwas zu tun, was man überhaupt nicht tun will. Irgendwas zu machen, weil man es gefälligst soll, etwas „gescheites“ zu lernen und so weggelenkt zu werden, von den eigenen inneren Impulsen. Ich habe die besten Voraussetzungen dafür bekommen und ich habe sie genutzt. Das ist vielleicht mein Teil daran, dass ich sie genutzt und wirklich nicht missbraucht habe, diese Möglichkeiten. Das sind vielleicht die 3 Elemente. Ich habe gute Voraussetzungen, ich kann nicht verdrängen, d.h. mein Herz quietscht, wenn ich ihm nicht zuhöre und ich bin sehr verbunden mit mir selbst. Das sind die drei Dinge, die dazu gehören.

Kathie: Das Thema Verbundenheit zu sich und das Thema Trauma sind zwei die Hand in Hand gehen, die einfach zusammengehören. Es ist ein wesentliches Wesen von Traumatisierung oder Traumafolgen. Du hast den Körper mehrfach in deinen Podcasts immer wieder zum Thema gemacht. Es spielt in der Traumatisierung auch eine ganz entscheidende Rolle. Der Jens hat eine gute Frage gestellt, nämlich ob Körpertherapie oder Körperarbeit so eine Art Universalschlüssel ist in der Traumatherapie?

Verena: Ich glaube, Universalschlüssel wäre zu viel gesagt, weil das so eine Sichtweise beinhalten würde, die wieder nicht weit genug ist. Wir neigen sehr dazu gerne zu vereinfachen, gerade wenn es sehr komplex zugeht. Weil wir komplexe Wesen sind, bin ich der Meinung, der Ansicht und es ist meine Erfahrung, dass wir multifaktoriell arbeiten müssen, wenn es um Trauma geht. Es ist definitiv so, dass der Körper ein Aspekt ist, ohne den es nicht geht. Er ist ein wichtiger Schlüssel. Vielleicht ist es auch so etwas wie ein Universalschlüssel, der Türen öffnet. Aber um sich dann wiederum in den Räumen bewegen zu können, die dadurch geöffnet werden, braucht man auch anderes als nur Körperansätze. Den Körper auszulassen aus der therapeutischen Arbeit ist ein Jahrhunderte alter Irrtum. Ein Jahrhunderte altes Versäumnis in unserer westlichen Kultur und ändert sich zum Glück nach und nach. Deswegen glaube ich wird er jetzt auch manchmal als Universalschlüssel empfunden, weil so viele Leute erst dann, wenn sie mit dem Körper beginnen zu arbeiten, wirklich spüren, es verändert sich was.

Kathie: Das Interessante ist, es hat so eine ganz komische Entwicklung genommen, dass der Körper wie ein Gefäß benutzt wurde, der Hauptsache hübsch auszusehen hat aber eigentlich wenig Wertschätzung erfahren hat, sondern eher das Gegenteil.  

Verena: Ja, total. Hübsch aussehen und funktionieren. Am Besten beides. Unser Körperwesen ist enorm unterschätzt in unserer Kultur. Immer noch. Sowohl in der Heilkraft, die darin liegt, als auch in dem Potenzial für Leid und Schmerz. Dass wir noch nicht verstanden haben, zumindest ist es nicht Konsens, wie sehr Körper und Geist verbunden sind. Wie sehr der Körper leidet, wenn wir seelisch, geistig leiden. Und auch umgekehrt. Das sind immer noch Randgebiete auch in der Medizin. Ich hoffe, dass sich das nach und nach und immer mehr verändert, dass wir ganzheitlicher werden.

Kathie: Aber es passiert, das hast du Eingangs schon gesagt, tatsächlich momentan so einiges. Die Neurowissenschaften sind ganz mannigfaltig auf ganz verschieden Art und Weisen unterwegs. Ob es durch eine Arbeit wie mit dir ist oder Joe Dispenza, den man jetzt mag oder nicht mag, er ist natürlich sehr, sehr amerikanisch. Im Grunde genommen geht es ja doch immer um ähnliche Themen. Um die Kraft unseres Gehirns, unseres Nervensystems, dieses verrückten Gebildes unter unserer Schädelplatte, was keiner bisher so richtig durchschaut.

Verena: Dieses unbeschreibliche, faszinierende und superkomplexe System. Dieses Universum in uns, was wir nach und nach besser verstehen. Ich bin so gespannt, was alles noch kommen wird. Im Moment leben wir in einer Zeit, wo wir live dabei sind bei wichtigen Entdeckungen. Ich glaube, dass wir in einer Weile, ich hoffe, ich werde das noch miterleben, ich weiß nicht wie schnell das gehen wird und auch nicht wie alt ich werde, dass wir Erklärungen kriegen für Dinge, die wir bisher nur phänomenologisch erklären können, empirisch erklären und auch für spirituelle und außersinnliche Phänomene. Ich bin mir sicher, dass sie neurobiologische Repräsentanzen haben. Dass das körperliche Erfahrungen sind, dass es nicht wirklich eine außerkörperliche Erfahrung gibt, sondern dass es immer auch in einem Kontakt steht, dieses Erleben, mit unserem Gehirn, unserem Körper, unserem Gesamtwesen. Ich bin so gespannt und hoffe, dass es trotzdem ganzheitlich bleibt. Denn auch da sind Tendenzen zu beobachten, dass man versucht auch mit diesen Erkenntnissen wieder ein bisschen mechanistisch zu denken und Techniken zu preisen, die sehr technisch sind und die nur mit dem Gehirn arbeiten. Es sind hochwirksame Techniken. Beispielsweise EMDR oder solche Dinge, die in der Traumatherapie eingesetzt werden, aber sie wirken am nachhaltigsten und nährendsten und sind am sanftesten in ihrer Wirkung, wenn wir sie verknüpfen mit den anderen Methoden. Mit den sanfteren, den emotionaleren, der Bindungsebene und alledem.

Kathie: Gibt es eine Therapieform, die dein Favorit ist?

Verena: Das ist eine schöne Frage. Ich habe so viele Favoriten. Am meisten favorisiere ich die Mischung. Das ist das was ich lebe in meiner Praxis und was ich vermittele in meinen Fortbildungen, dass es nach meinem Empfinden am Wirkungsvollsten ist, wenn wir Synthesen bilden aus unterschiedlich wirksamen Methoden und daraus was Eigenes kreieren. Nicht jeder Mensch ist dafür geeignet nach Protokoll eine EMDR Sitzung zu machen oder nur EMDR Sitzungen zu machen. Nicht jeder ist dafür prädestiniert mit imaginativen Techniken zu arbeiten und sich nur in inneren Bildern und Welten zu bewegen. Nicht alle Leute fassen gerne Leute an und arbeiten körperlich mit Berührung. Wenn man von allem etwas weiß, wenn man von allem etwas Essenzielles weiß, dann kann man etwas zusammensetzen, was zum einen dem eigenen Menschsein entspricht, ohne, dass man technisch wird, sondern immer im Verbundensein mit dem eigenen Ich oder Selbst. Dass man nicht nur eine Technik ausführt, sondern als Mensch präsent ist. Wenn das gelingt, kann man auch maßgeschneidert für den Klienten/die Klientin da sein und jenseits eines Protokolls oder eines klaren Behandlungsplans an dem Prozess entlangarbeiten. So eine wirkliche „Lieblingsmethode“ kann ich nicht singulär benennen.

Kathie: Das würde sich decken mit einer Aussage deines Kollegen Dr. Gunter Schmidt, dass die Therapie im Grunde genommen für jeden Patienten/Klienten neu erfunden werden müsste.

Verena: Schön, wunderbar formuliert. Das ist auch das, was als Therapeut so spaß macht. Dass man innovativ arbeitet, dass man nicht einschläft in einer Methode, sondern im Lauschen, im verbunden sein die Arbeit sich entwickelt.

Kathie: Genau, und nicht in Konzepten denken.

Verena: Man hat sie im Hintergrund aber nicht zu sehr.

Kathie: Sarah möchte wissen, was du von der „Idee“ der Hochsensibilität hältst?

Verena: Dazu habe ich ganz schön viel zu sagen. Ich werde das jetzt sehr abkürzen. Das ist ein super spannendes und ganz wichtiges Feld. Das Thema Hochsensibilität. Von der „Idee“ halte ich viel und von manchen Konzepten bin ich weniger überzeugt. Ich glaube, dass Hochsensibilität ein Begriff ist, für etwas, was wir häufig auch in Traumafolgen beschrieben sehen. Dass es auch hier nicht dienlich ist, das als singuläres Phänomen oder Symptom wahrzunehmen. Ich glaube, wir sind alle veranlagt dazu, hochsensibel, hochfeinfühlig, hochwahrnehmend zu sein und je mehr Grenzverletzungen in unserem Leben geschehen und je früher Grenzverletzungen in unserem Leben geschehen, desto strapazierter wird unsere Sensibilität. Desto belasteter wird unsere Feinfühligkeit. Desto komplexer muss sie entweder fragmentiert werden oder betont werden oder abgespalten werden. Dazu gibt es auch tatsächlich bald einen Onlinekurs zum Thema Sensibilität und Grenzsetzung, weil ich es für sehr relevant halte und weil ich den Eindruck habe, dass viele Angebote zum Thema Hochsensibilität nicht traumsensibel sind. Auch da kann es passieren, dass man sich in eine Schublade steckt oder, zwar nicht wissenschaftlich aber eine Art Diagnose identifiziert und dadurch nicht unbedingt ein heilsamer Prozess angestoßen wird. Sondern vielleicht ein sich besser akzeptieren können, ein sich einrichten können, mit dem was man erlebt aber nicht unbedingt etwas heilsames bewegt wird, gleichzeitig. Da könnte ich wirklich viel dazu sagen. Die kurze Antwort auf die Frage: Ich halte von der Idee viel und von manchen Konzepten weniger.

Kathie: Was machst du denn um dich abzugrenzen?

Verena: Das wichtigste, was ich tue, um mich abzugrenzen, ist eine gute Verbundenheit mit mir zu pflegen. Wenn ich mit mir gut verbunden bin, bin ich automatisch klar in meinen Grenzen. Das ist in der Interaktion wichtig. Wenn ich jetzt so etwas erlebe, wie dass mir Themen nahe gehen, dass ich das Gefühl habe ich nehme Themen, Geschichten, Situationen aus Therapiesitzungen mit, dann kümmere ich mich um mich. Dann ist Selbstfürsorge angesagt. Dann ist auch eine Auseinandersetzung angesagt, damit was ist da berührt, was für Anteile sind da berührt. Im Grunde ist es auch wieder die Verbundenheit zu mir selbst aufzubauen.

Kathie: Was sind deine Tools, deine Liebelingstools dafür? Du meditierst, machst Yoga…

Verena: Es kommt auf die Situation an. Ich versuche das innere Bedürfnis zu spüren, was da ist und versuche dem zu folgen. Dementsprechend sind es ganz unterschiedliche Tools. Meistens ist es gut rauszugehen, in die Natur. Es ist oft gut für mich zu schlafen. Tatsächlich ist Schlafen für mich ein Heiligtum. Oft ist es auch so etwas wie in Klausur gehen. Also mir in meinem schönen gemütlichen Raum eine Innenschau zu gönnen und meine inneren Anteile zu interviewen. Also Innenschau oder Bewegung. Meditation ist es selten, tatsächlich bei mir. Meistens dann ein meditatives mir selbst begegnen.

Kathie: Wunderbar. Du spielst auch Instrumente. Der Klaus würde gerne wissen, welche und welche Rolle Musik in einem Heilungsprozess spielt?

Verena: Ich spiele Percussions und Didgeridoo. Das sind echte Spaßinstrumente, die man sehr intuitiv spielen kann, ohne ihnen die Komplexität nehmen zu wollen. Das sind die Instrumente, die ich spiele. Ich habe jahrelang, fast zwei Jahrzehnte lang klassische Musik gemacht, an der Blockflöte. Ich würde heute keinen Ton mehr da rauskriegen. Das war nicht meine Leidenschaft, aber ich habe es trotzdem intensiv und auch auf eine schöne Art gemacht. Aber es ist kein Instrument mehr, was ich spiele. Musik ist in meinem Empfinden ein machtvolles Instrument auch für Heilungsprozesse. Mit Musik und mit Klängen erreichen wir viele Areale unseres Gehirns, die wir nicht gleichzeitig erreichen über andere Impulse oder Reize. Das heißt, wir können sehr leicht und intensiv Kontakt zu unserem Inneren kriegen durch Musik oder Klang. Es gibt auch tolle klangtherapeutische Interventionen. Ich hatte übrigens eine Aufnahmeprüfung für Musiktherapie vorbereitet, das war der Studiengang, den ich ausgewählt hatte, nachdem Psychologie für mich nicht in Frage kam. Aber das habe ich dann wieder über den Harz gekickt, auch das war es nicht. Aber es gibt da ganz, ganz tolle Dinge. Musik ist auf jeden Fall ein machtvolles Instrument, mit dem man sich aber auch natürlich in Stimmungen reinmanövrieren kann. Es ist also nicht empfehlenswert, wenn man schon den Blues hat, genau dann auch noch die traurigsten Lieder dieser Welt zu hören oder die Herzschmerzlieder, mit denen man dann auch wieder Anteile oder innere, neuronale Netzwerke aktiviert, die jetzt gerade vielleicht gar nicht so hilfreich sind.

Kathie: Zumindest sollte man besser vorher nachdenken, was man sich so auflegt, wenn man traurig ist. Wer dir aufmerksam zuhört, sowohl in deinem Podcast als auch jetzt hier im Gespräch, dem fällt auf, dass du sehr selten das Wort Liebe benutzt. Was ist Liebe in einer Zeit, in der es ja oft benutzt wird, was ja positiv ist - also ich finde das Wort Liebe kann man eigentlich inflationär gerade gar nicht benutzen. Liebe ist etwas Wundervolles. Aber es fällt mir auf bei dir. Was ist Liebe für dich auch im Hinblick auf deine Arbeit?

Verena: Was für eine schöne Frage. Das ist mir noch gar nicht aufgefallen, dass ich das selten sage. Liebe ist für mich etwas so Großes und so Wesentliches, dass ich es nicht fühlen kann, dass dafür ein Wort ausreichend sein kann. Liebe ist wie ein Konsens, ein Wort was ganz vieles beschreibt. Das was es eigentlich beschreibt, ist so groß, dass es jenseits von Worten ist. Ich würde sagen, reine Liebe ist für mich so etwas wie eine Erlebensqualität, in der wir so verbunden sind, dass alles sein darf, alles seinen Platz hat und alles im Herzen einen Platz hat. Um das nur ansatzweise zu versuchen zu beschreiben. Es fühlt sich schon wieder kläglich an, wenn ich es ausspreche. Auch in der Therapie, das ist vielleicht etwas was, wenn du es jetzt gerade so fragst, auch unbewusst, bewusst stattfindet, dass ich den Begriff Liebe oder Selbstliebe nicht häufig verwende, weil ich weiß, dass das unglaublich überfordernd sein kann, wenn jemand sagt, du musst dich einfach selbst lieben oder Selbstliebe ist die Lösung, der Schlüssel. Weil Elemente von Selbstliebe sind so wichtige Erlebensqualitäten und Zustände, Seinszustände, die nicht weniger wertvoll sind in meinen Augen, als ein Gefühl von Liebe oder lieben. Dazu gehört all das, was schon so angesprochen wurde hier und da. Achtung, Selbstachtung, Verbundenheit, das verzichten können von Abwertung, verzichten auf Abwertung, auf Urteilen, auf Trennung und all die niedrig frequenteren Gefühle. Es ist für mich wesentlicher den Weg zum Gefühl von Liebe ernst zu nehmen als immer nur zur Liebe zu streben.

Kathie: Das ist sehr klug und schön ausgedrückt. Ich kann mich erinnern, dass mich der Satz, „Wenn du dich selbst nicht liebst, dann kannst du auch keinen anderen lieben.“., sehr unter Druck gesetzt hat. Weil ich wusste überhaupt nicht was mein Gegenüber meint. Gerade wenn dir das jemand mit einer solchen Selbstverständlichkeit hinknallt, erzeugt das viel Druck.

Verena: Ja, und da könnte man sich sogar schon wieder ärgern! Das sind ja gut gemeinte Ratschläge, aber sie sind auch immer so ein bisschen wie Gaffa Tape über den Mund geklebt. Darin steckt wieder, in meinem Gefühl ein völliges Ignorieren unserer Komplexität und ein völliges Übergehen von Anteilen oder Aspekten in unserem Wesen, die es einfach nicht können, weil es nicht einfach geht. Vielleicht, wenn man sich gerade in die Superhochfrequenz meditiert hat oder sich einen LSD – Trip geworfen hat, vielleicht kann man das dann kurzfristig erreichen. Aber in einen Zustand zu kommen, der bedingungslosen Selbstliebe, dazu braucht es ein so hohes Maß an innerer Verbundenheit, Kohärenz, Bewusstheit über die eigenen Versehrtheiten und auch ein Heilen der eigenen Versehrtheiten, dass es einfach nicht einfach geht. Es ist gemein, wenn man Dinge, die sehr komplex sind, einfach darstellt. Nicht im Sinne von böse. Es weckt Erwartungen, denen wir nicht gerecht werden können. Das ist dann schmerzhaft. Gerade wenn man auch so etwas tief verinnerlicht hat durch frühe Traumatisierung, tiefe innere Gefühle von „Ich bin nicht liebenswert.“, spürt. Dann soll man erst einmal sich selbst lieben. Ich finde das schon ganz okay, wenn man dann erst einmal jemand anderes lieben darf und anfangen kann Anteile von sich zu lieben oder Aspekte an sich zu lieben. Dann geschehen auch schon die wunderschönsten Dinge im Leben. Es gibt kein erst wenn, dann. Es ist immer ein sowohl als auch.

Kathie: Diese, ich sag jetzt mal, Neuprogrammierungen, diese Glaubenssätze „Du musst dich doch nur akzeptieren, wie du bist“, „Du musst nur auf dein Herz hören.“, ich will jetzt nicht die ganze Branche dissen, aber es sind natürlich Sätze, die gerade in der Coachingszene, die irrsinnig gewachsen ist in den letzten Jahren, viel an der Tagesordnung sind. Es gibt bestimmt Menschen bei denen das super funktioniert, aber bei traumatisierten Menschen ist es eher, so empfinde ich das, kontraproduktiv.

Verena: Ganz bestimmt ist es kontraproduktiv, weil es wie du gerade sagtest, unglaublichen Druck erzeugt und weil diese angebotenen Techniken nicht wirksam greifen können in einem Innensystem, was Traumatisierung trägt. Die Coachingszene war mir bevor ich angefangen habe mit der Onlinegeschichte, überhaupt nicht vertraut. Ich habe teilweise Bauklötze gestaunt und war erschüttert auch über so manche Angebote. Das hat noch einmal mein Anliegen zugespitzt und meine Vision noch einmal geschärft sozusagen, was ich in dieser Welt gerne bewegen möchte. Es gibt da eine große Szene, in der die Bedürfnisse der Menschen sehr wahrgenommen werden. Also wichtige Bedürfnisse werden sehr wahrgenommen und gut benannt. Aber es werden Angebote gemacht, die eben für einen gewissen Teil dieser Menschen nicht hilfreich sind, weil diese speziellen Menschen mit ihren komplexen Innensystemen, mit ihren versehrten Anteilen überfordert werden und dadurch frustriert werden. Diese Überforderung spürt man meistens erst im Frust, weil man tut all das, was die anderen tun und man richtet sich nach den Vorschlägen und Herangehensweisen, die die anderen vorschlagen. Aber man erlebt, es funktioniert bei einem selbst schlechter als bei anderen.

Kathie: Wer uns jetzt zuhört und vielleicht gerade auf einer Reise ist aber noch ohne Begleitung. Also ohne Therapie oder ohne Coach, kannst du ihm/ihr vielleicht 3 oder 5 Tipps an die Hand geben, worauf man bei der Auswahl, auch vielleicht beim Kennenlernen, achten sollte?

Verena: Ich habe dazu sogar ein pdf. auf meiner Website liegen, was bei der Therapeutensuche helfen kann, weil ich natürlich sehr viele Anfragen kriege und keine Therapieplätze in diesem Ausmaß zur Verfügung habe. Um es kurz zusammenzufassen, es ist wichtig, dass die Person, gerade wenn es um Traumabearbeitung geht, traumatherapeutisch ausgebildet ist. Das ist wichtig. Es gibt Leute, die haben automatisch und naturgemäß ein gutes Verständnis für Trauma und können sich gut einfühlen. Es braucht trotzdem eine Sattelfestigkeit, um in wirklich tiefe Prozesse einzutauchen. Deshalb halte ich es für wichtig, dass man traumatherapeutisch weitergebildet ist, wenn man jemanden begleiten will, der Trauma erlebt hat. Also wenn man jemanden sucht, der einen begleitet, sollte das mit vorkommen in den Ausbildungen, die der Therapeut/die Therapeutin vorweisen kann. Das nächste was ganz wichtig ist, ist dass und das ist das was alles andere auch übertrifft in der Wichtigkeit, dass die Beziehung stimmt. Dass man das Gefühl hat, dieser Mensch ist ein Mensch, der das was ich sage innerlich aufnimmt und mich auf seine Art versteht. Also es muss ein Gefühl aufkommen von, man interessiert sich für mich und man will mich verstehen. Nicht, man hört mir zu, um eine Diagnose zu fällen und man will ein Schema anwenden. Das ist etwas, wo man ganz gut seinem Gefühl vertrauen kann in der Regel. Man sollte natürlich trotzdem auch der begleitenden Person eine Chance geben zumindest die probatorischen Sitzungen auszuschöpfen, wenn es ein/e Kassentherapeut/in ist. Es sind glaube ich 5 zurzeit. Wenn man bei jemandem Privat ist, dass man sich es gönnt, mindestens 3 Sitzungen zu nehmen, um zu spüren ob es vielleicht innere Anteile sind die sagen „Och nö, lass uns doch lieber nicht…“. Dass man da auch ehrlich ist und sich davor ein bisschen schützt vielleicht zu projizieren.

Kathie: Was hältst du von solchen Massenveranstaltungen, die sie ja auch in Deutschland stattfinden? Wo teilweise auch schwere Biografien vor 10.000 Menschen im Publikum besprochen und bearbeitet werden.

Verena: Das halte ich für höchst bedenklich, gefährlich und fahrlässig. Wobei man den Menschen, die so etwas ausrichten vielleicht gar keine „Schuld“ unterstellen kann, weil sie vielleicht keine Ahnung haben, was sie da auslösen können. Deswegen ist mein Anliegen traumasensible Arbeit zu vermitteln so wichtig. Vieles was ich gehört habe finde ich sehr gefährlich und es spiegelt ein Menschenbild wider, dem wir kollektiv ein bisschen zum Opfer gefallen sind. Dass wir uns in großen Hallen mit lauter Musik pushen und dann durch irgendein großes, essenzielles Thema durchgehen, indem wir Ängste überwinden oder Mauern durchbrechen. Es kann sein, dass das super gut ist, wenn Leute innerlich so aufgestellt sind, dass sie auf die Art wachsen können. Da drinnen steckt ein Menschenbild, was uns suggeriert „Wir müssten nur über eine Grenze gehen, dann wären wir weiter…“. So etwas wie, „Du musst nur aus deiner Komfortzone raus, diese Gewohnheit durchbrechen“ oder „den Dämon der Angst besiegen“, oder all diese martialischen Begriffe. Wo wir dann aber leider leben, dass ganz viele Menschen innerlich Grenzen überschritten haben, die danach zerrissen sind. Wo dann innerlich etwas durcheinander kommt, was vorher vielleicht in einer kompensierenden Art geordnet war, aber es war geordnet. Es war eine gewisse innere Struktur da. Solche Methoden können innere Strukturen zerreißen in einem Tagesseminar oder in einem Wochenende. Das fällt mir nur so nebenbei ein, sogar manchmal im ganzheitlichen, therapeutischen Bereich so. Wenn ich nur daran denke, trete ich möglicherweise dem/der ein oder anderen Hörer/Hörerin auf die Flossen, wenn ich an Veranstaltungen denke, die z.B.  Bert Hellinger gemacht hat. Einer der bekanntesten Vertreter der Aufstellungsarbeit. Auch da habe ich Berichte gehört von Situationen, die auf der Bühne ausagiert wurden, in einem Raum mit mehreren 100 Menschen, die dekompensiert sind im Publikum und wo eine Haltung geherrscht hat, die etwas Hartes, patriarchales hatte. „Lass ihn/sie in seiner Reaktion, das ist nur ein Muster, da muss sie/er jetzt durch und alleingelassen werden...“. Dem liegt ein Menschenbild zugrunde, das mit dem Verneinen von Trauma zu tun hat. Mit dem Verneinen unserer versehrten oder verletzlichen Psyche und Seele, wo wir selbst im Heilungsansatz davon ausgehen, wir müssten nur hart genug sein und dann wird es wieder ganz. Man hat noch keine zerbrochene Vase wieder geklebt indem man sie noch einmal heruntergeschmissen hat oder noch einmal draufgetreten ist, um es mal ein bisschen platt zu sagen. Das ist meine Antwort auf deine Frage, was halte ich von solchen Veranstaltungen.

Kathie: Wir haben schon einmal darüber gesprochen. Ich hatte nur diese Tony Robbins Doku gesehen auf Netflix und da wurde mir wirklich angst und bange. Wobei es sicher Bereiche gibt, in denen er seinen Erfolg zurecht hat. Aber bei Traumatisierung sollte man wirklich sehr vorsichtig mit sich sein, bevor man sich solchen Situationen aussetzt.

Verena: Unbedingt. Das ist mein Anliegen in diesem ganzen „Zirkus“, den ich veranstalte. Meine Podcastfolgen, Webinare, Onlineseminare und alles was noch kommen wird. Es ist das Anliegen, dass wir dafür sensibel werden. Es ist so schade, dass wir uns sogar auf Heilungswegen selber verletzen. Es ist schade und hilft uns nicht weiter. Es ist an der Zeit, dass wir Dinge tun, die uns helfen. Wir sind so schlau und so weit gekommen, dass ich finde, dass die Zeit reif ist. Noch dazu haben wir in unseren Breiten einen historisch langen Zeitraum ohne Krieg, sodass wir hier nicht akut traumatisiert sind in einer Schwere, wie sie unsere Eltern-, Großelterngenerationen und Urgroßelterngenerationen erlebt haben. Wo es spätestens alle 20, 30 Jahre einen Krieg gab, sodass wir, finde ich, auch ein klein wenig den Luxus der Verpflichtung haben.

Kathie: „Der ganze Zirkus, den du veranstaltest…“. Wer sich fragt, hat Verena Königs Tag eigentlich 36 Stunden? Den Zirkus veranstaltest du nicht allein, denn, das war eine Frage von Maria kurz vor Schluss. Du hast ein tolles Team, das dir hilft im Backoffice?!

Verena: Gott sei Dank. Ich habe vor gut 1,5 Jahren angefangen mit dem „Zirkus“ und alles allein gemacht anfangs. Das war ziemlich schnell klar, wenn es wachsen soll, kann ich das nicht alleine machen. Das sind alles Dinge, die ich mühsam lernen musste, weil ich 15 Jahre eine One-Woman-Perfomance gerockt habe und das auch gut ging. Ich habe eine Assistentin, die mir inzwischen hilft, meine E-Mails zu beantworten, die natürlich immer mehr werden. Und ich habe eine wunderbare Grafikerin und Web Designerin, die für mich meine ganzen Texte und Postings schön gestaltet und aufbereitet sozusagen. Das ist im Grunde mein Kernteam. Und ein Programmierer im Hintergrund, der für die ganzen technischen Dinge zuständig ist. Das sind Yvonne, Lori und Daniel. Das sind ganz wunderbare Menschen, wo ich mich hochgradig dankbar fühle, sie im Hintergrund zu haben. Nicht zu vergessen mein Joachim. Mein Lebenspartner, der mich auch unterstützt, indem er mich z.B. täglich mit leckerstem veganem Essen versorgt.

Kathie: Der kann kochen, sag ich euch! Jetzt hast du das letzte Thema selbst auf den Tisch gebracht. Um das wir auf keinen Fall, wenn es hier in der 100. Podcastfolge um die Person Verena König gehen soll, drum herumkommen wollen, ist das Thema Veganismus. Du bist seit 7 oder 8 Jahren Veganerin. Warum gehört Veganismus für dich zu Bewusstsein, Bewusstheit aber vielleicht auch zu einem Heilungsprozess?

Verena: Meine ganz persönliche Antwort, wo ich mir so sehr wünsche, dass sie zu einer Antwort für viel wird ist die: je verbundener wir sind, desto weniger können wir ausblenden. Das ist eigentlich eine Essenz, die alles was ich mache betrifft. Je mehr wir ausblenden, desto unverbundener sind wir. Wenn wir schwer traumatisiert sind, müssen wir wahnsinnig viel ausblenden, also sind wir unverbunden. Das Hauptleid von Trauma ist Unverbundenheit. Also Verbundenheit ist das zentrale Thema. Je verbundener wir sind, desto weniger können wir ausblenden. Es wird immer schwerer zu wissen, dass das was auf meinem Teller ist oder was in meinem Glas ist, nur ein Getränk oder nur etwas zu essen ist. Wenn wir Verbundenheit spüren, zum Tier, zur Umwelt, zum Lebendigen, dann lässt sich das irgendwann nicht mehr ausblenden. Deswegen hat das für mich wahnsinnig viel mit Bewusstheit zu tun. Aus meiner heutigen Sicht ist es eine Leistung, das auszublenden. Es ist nicht das Normale. Es ist eine Leistung. Wir müssen unseren Geist dafür anstrengen. Wir müssen etwas bewusst oder wir müssen etwas mit gewisser Energie ausblenden. Das kann „normal“ sein, es kann Normalität sein, weil wir so sozialisiert sind. Das gilt für alles Mögliche, für Veganismus, für Themen wie Rassismus, Sexismus, also alles, was wir als „normal“ bezeichnen kann für einen anderen Menschen oder eine andere Spezies die Katastrophe bedeuten. Je bewusster wir sind, desto weniger können wir das als normal hinnehmen und desto weniger können wir das Ausblenden. Bewusstsein ist für mich fast Synonym mit Verbundenheit. Es ist ein zweischneidiges Schwert manchmal, weil natürlich hat es auch den Effekt, je mehr Verbundenheit da ist, desto mehr müssen wir damit klarkommen, was für ein Leid in dieser Welt ist. Um aushalten zu können, zu spüren was in dieser Welt ist, z.B. Ungerechtigkeit, Krieg, Sadismus, Gewalt, Rassismus, Speziesismus, brauchen wir eine innere Haltung, die es uns ermöglicht zu spüren, dass das nicht unsere Natur ist. Da braucht es einen Zugang zu fühlen und in sich zu spüren, dass unsere wahre Natur, die ist, die in der Lage dazu ist, so zu leben, dass niemand leidet. Davon bin ich überzeugt, dass wir das können und dass wir so im Kern sind.

Kathie: Das möchte ich einfach so stehen lassen. Ich spreche jetzt 100%ig im Namen aller deiner Hörer*innen, Follower*innen, Gruppenteilnehmer*innen, du bist eine große Inspiration und du machst eine wahnsinnig tolle Arbeit. Es war mir eine große Freude, dass wir dieses Gespräch führen durften. Danke für deine wundervolle Arbeit, das Team im Hintergrund, ich freue mich auf die 200. Podcastfolge mit dir.

 

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