#97 Trauma - wie sensibilisiere ich mein Umfeld?

Transformations - Inspiration

Die Inspiration zu dieser Folge bekam ich durch die Zuschrift einer Podcasthörerin /eines Hörers (das obliegt hier ganz der Anonymität). Ich habe die Erlaubnis, diese E-Mail vorzulesen. Das möchte ich tun um dich mit der Fragestellung noch näher vertraut zu machen...

 

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In dieser Folge erfährst Du: 

  • wie dich deine innere Haltung zu deinen Traumafolgen unterstützen kann
  • wie du dein Umfeld sensibilisieren kannst, ohne zu überfordern
  • wie du dich zeigen kannst, ohne dich zu überfordern
  • wieso du immer einen Blick auf deine Anteile und deren Bedürfnisse haben solltest
  • wie du Raum für korrigierende Erfahrungen schaffen kannst
  • wie du erkennen kannst, ob jemand vertrauenswürdig ist

 

Ich zitiere:

„Eine Folge darüber, wie man jemanden mit Trauma unterstützen kann, hast du ja bereits gemacht. Auch interessant wäre, wenn du darüber sprechen könntest, wie man als Betroffene/Betroffener seinen lieben Menschen gegenüber damit umgehen sollte, um für wichtige Dinge im Umgang zu sensibilisieren ohne den anderen mit Informationen und dem eigenen Erleben zu überfordern, gleichzeitig aber auch die eigene Sicherheit nicht zu gefährden. Ich spreche beispielsweise nicht mehr über traumatische Ereignisse, und ich benenne Trigger nur, wenn es absolut notwendig ist. Da ich leider schon die Erfahrung gemacht habe, dass mich jemand, nachdem ich meine Trigger beschrieben habe, damit bewusst manipuliert hat. Trotzdem möchte ich versuchen, mich nicht völlig vor zwischenmenschlichem Kontakt zu verschließen und auch korrigierende Erfahrungen machen um dem Bedürfnis nach Kontakt, Nähe und Sicherheit nachkommen und das Alleinsein oder die Einsamkeit ein bisschen brechen zu können. Mir fehlt es dabei aber an Orientierung, was ich wann und wie kommunizieren sollte und wie ich schrittweise eine sichere Beziehung bzw. Bindung aufbauen kann. Gerade in Datingsituationen ist ein „erst mal Vorfühlen“ und Kennenlernen des anderen meist nicht möglich, weil das Thema aufgrund der Schwierigkeiten mit körperlicher Nähe meist sehr früh aufkommt. Auch wenn es nur um eigentlich harmlose Berührungen als Zeichen der Zuwendung geht. Ich denke, dass grobe Orientierungspunkte, so wie Warnzeichen dafür, dass jemand eher nicht vertrauenswürdig ist, für mich und viele Betroffene sehr hilfreich sein könnten. Deshalb würde ich mich sehr darüber freuen, wenn du über den Umgang mit dem eigenen Traumaerleben anderen gegenüber in bereits vorhandenen und entstehenden Beziehungen, freundschaftlich und partnerschaftlich sprechen könntest.“

In dieser Frage steckt einiges drin. Ich mag mich zunächst einmal verneigen vor dem Mut dieser schreibenden Person und auch vor ihrer Art und Weise, sich dem eigenen Bedürfnis nach gelingender Beziehung hinzuwenden. Vielleicht hast du es auch gehört, dass in dieser E-Mail sehr viel Selbstreflektion steckt. Dass hier jemand schreibt, der sich selbst ganz gut kennt und vor allen Dingen auch schon, trotz der hohen Bewusstheit und Reflektiertheit, schlechte Erfahrungen gemacht hat. Ich möchte jetzt im Einzelnen auf Fragen aus dieser E-Mail eingehen, um der betroffenen Person und auch allen, die mit betroffen sind, hilfreiches an die Hand zu geben.

Die Haltung gegenüber Traumafolgen

Zunächst einmal möchte ich auf das Feld der bereits bestehenden Beziehungen eingehen, wo die schreibende Person fragt, wie kann ich in meinem Umfeld sensibilisieren, ohne den anderen zu überfordern? Es geht hier also um die Frage, wie kann ich meine speziellen Bedürfnisse, meine speziellen Bedarfe kommunizieren, ohne, dass das Ganze unangenehme oder ungünstige Auswirkungen hat? Hier möchte ich erst einmal etwas ganz Allgemeines sagen. Ich finde es ist sehr wichtig, dass wir eine Haltung einnehmen gegenüber dem Phänomen der Traumafolgen. Es ist in meinen Augen, in meinem Empfinden ganz wichtig, dass wir das Ganze nicht im Sinne einer Krankheit oder einer Pathologie verstehen. Natürlich gibt es Traumafolgestörungen, also Symptome unter den Traumafolgen, die einen gewissen Krankheitswert haben können. Schon alleine im Ausmaß ihrer Belastung. Es gibt viele Menschen, die bedingt durch ihre Traumafolgen nicht mehr arbeitsfähig sind, frühberentet werden oder in ganz vielen Bereichen ihres Lebens sehr eingeschränkt sind. Natürlich könnte man dem allen den Begriff, und macht das rein medizinisch, rein fachlich auch, Krankheitswert zuschreiben. Aber ich finde, das sollte uns nicht davon abhalten, eine innere Haltung einzunehmen, die anerkennt und immer wieder ins Bewusstsein holt, dass all diese Symptome gesunde Reaktionen als Ursache zu Grunde liegen, die auf ungesunde Ereignisse erfolgen mussten. Traumafolgesymptome sind gesunde Reaktionen auf ungesunde Ereignisse oder es sind normale Reaktionen auf unnormale Ereignisse. Das wird oft vergessen, wenn wir in die ganze "Pathologisierungsschiene" reingehen, wenn wir das Ganze als Beeinträchtigung, Schwäche oder Makel sehen. Es ist hochbelastend, deshalb muss man dem Ganzen auch die Schwere zugestehen, aber es braucht eine innere Haltung, die anerkennt, mit dem Menschen, der Traumafolgesymptome trägt, ist nichts falsch. Ein Mensch, der Traumafolgesymptome trägt, der unter Traumafolgen leidet, hat große Schwierigkeiten, das, was geschehen ist, zu verarbeiten, weil es zu groß, zu komplex, zu schwer war. Aber er hat überlebt und auf die Art und Weise, wie sich Symptome entwickelt haben, konnte dieser Mensch überleben. Das heißt, wir brauchen eine Haltung, die ganz klar davon ausgeht, dass das, was wir heute als Symptome sehen, eigentlich die alten Strategien oder Lösungsversuche oder Überlebensmechanismen von damals sind und keine Krankheitssymptome. Das ist sehr wichtig! Das mag ich an dieser Stelle so deutlich betonen, damit das auch in der Kommunikation mit anderen oder anders betroffenen Menschen zum Tragen kommen kann. Wenn du dir die Frage stellen solltest, wie du mit den dir lieben Menschen oder Menschen, mit denen du eben in deinem Leben zu tun hast, kommunizieren kannst „was mit dir los ist“, dann möchte ich dich von Herzen einladen, wahrzunehmen bzw. dich in die Haltung zu begeben, dass du nicht über eine Krankheit, einen Makel, einen Fehler oder eine Schwierigkeit sprichst. Sondern dass du von dir sprichst als einem hoch empfindsamen Menschen, der gewisse wichtige Bedürfnisse hat. Der gewisse wichtige Bedarfe hat, die er versorgen muss, um in dieser Welt auf eine gute Art und Weise leben und bestehen zu können. Sei dir bewusst, begib dich in die Haltung, dass es niemals darum gehen muss, dich zu erklären, sondern dich verstehbar zu machen. Das ist ein Unterschied, ich hoffe das kommt rüber. Dass es also niemals darum gehen soll, dass du dich rechtfertigen musst, sondern dass es immer darum gehen soll, wie meine schreibende Person es benannt hat, zu sensibilisieren für spezielle Bedürfnisse oder Rahmenbedingungen, die wichtig sind. Man könnte auch sagen, dass es einfach wichtig ist, die eigene Würde in einer solchen Kommunikation voll und ganz zu schützen und zu wahren. Also würdevoll auch von dir selbst zu sprechen, eben nicht in einer latenten Scham oder einer latenten Selbstabwertung, sondern in dem Bewusstsein, dass du spezielle Dinge brauchst, dass bei dir spezielle Dinge so und so sind und dass das kein Makel ist, sondern einfach nur eine Seite von dir, deine Art oder einfach etwas was ist, ohne dass man es irgendwie benennen oder schon gar bewerten müsste. Ich denke, damit spreche ich wahrscheinlich schon eine Schwierigkeit an, weil es ganz häufig für Menschen mit Entwicklungstrauma oder schwereren, komplexeren Traumatisierungen in ihrer Biografie, nicht so einfach ist, sich überhaupt in Kontakt zu begeben und in das Gefühl zu gelangen wirklich verstanden, gesehen und gefühlt zu werden. Das ist einer der größten Schmerzen, die Menschen mit schweren oder komplexen Traumafolgen häufig spüren. Das Gefühl, nie ganz wirklich verbunden zu sein. Ich glaube aber das muss nicht so sein. Deswegen bin ich froh über diese Zuschrift, dieser fragenden Person, die in sich spürt, es gibt dieses Bedürfnis, diese Sehnsucht nach Kontakt, nach Nähe und nach Sicherheit, nach dem Überwinden der Einsamkeit und des Alleinseins und es ist wundervoll, dass dieses Bedürfnis so stark ist.

Wie kann man in bestehenden Beziehungen sensibilisieren für die eigenen Bedürfnisse, die aus Traumafolgen entstehen?

Ich glaube es kommt hier sehr auf die Art und Tiefe der Beziehung an, um die es geht. Bei Beziehungen, die eine gewisse Tiefe haben, eine gewisse Art Verbindung und Verbundenheit beinhalten, ist es ab einem gewissen Punkt wichtig, dass man wirklich verstanden wird. Die Notwendigkeit, über die eigene innere Dynamik zu sprechen, entsteht meist erst dann, wenn eine gewisse Beziehung besteht. Die Notwendigkeit taucht dann auf, wenn gewisse Dinge stattfinden. Zum Beispiel wenn eine innerliche Reaktion auf ein gewisses Maß an Nähe aufkommt und dadurch etwas irritierendes passiert. Die Notwendigkeit taucht dann auf, wenn etwas für den/die anderen Beteiligte/n irritierendes, in der Beziehung geschieht. Meist sind das Momente, in denen innere Anteile, Strategien oder Dynamiken getriggert wurden. Meine Empfehlung, wenn ich von solchen Dynamiken höre, geht tatsächlich fast immer in die Richtung, dass es hilfreich und lösend sein kann, diese innere Dynamik darzulegen. Also dem Partner/der Partnerin, dem Freund/der Freundin, dem was auch immer für nahestehenden Menschen, etwas über die eigene innere Dynamik zu beschreiben. Zum Beispiel von den inneren Anteilen zu sprechen, von dem auslösenden Moment, von dem, was da angesprochen bzw. getriggert wird. So dass die eigene Dynamik für den anderen nachvollziehbar wird und er spüren und hören kann, dass das nicht persönlich gemeint ist, was als Reaktion kommt, sondern dass etwas getriggert wurde. Ein optimaler Effekt einer solchen Erklärung, Beschreibung und "Transparentmachung" wäre, dass solche Situationen im Laufe der Zeit gar nicht mehr entstehen müssen, weil der Umgang miteinander achtsamer wird. Ich finde es daher hoch tragisch und so bedauerlich, dass die Person, die die E-Mail geschrieben hat, leider damit schlechte Erfahrungen gemacht hat. Dass sie erlebt hat, nachdem sie sich und ihre Trigger beschrieben hatte, damit manipuliert worden zu sein. Was bedeutet, dass sie an absolut falsche Menschen geraten ist. Die Person, die hier geschrieben hat, hat also das Erleben erlitten, sich gezeigt zu haben und dadurch Manipulation erfahren zu haben. Das ist natürlich schrecklich und kann selbstverständlich auch eine retraumatisierende Situation sein. Deswegen komme ich später auch noch zu der Frage: „Woran erkenne ich denn, dass jemand wohl vertrauenswürdig ist?“. Gehen wir erst einmal in meiner Empfehlung davon aus, dass in den bestehenden Beziehungen, die da sind, eine solche Toxizität nicht vorliegt, sondern Menschen hier sind, die grundlegend wohlwollend bzw. wohl gesonnen sind. In diesen Fällen also meine aufrichtige Empfehlung zu kommunizieren, wie die innere Dynamik geartet ist. Um das gut kommunizieren zu können ist der innere Ort wichtig, von dem aus du so etwas kommunizierst. Es ist also wichtig, dass der Gesprächsrahmen ein ruhiger, ungestörter, vertrauensvoller ist und dass die Stimmung gut ist. Es sollte keine vorangegangene oder schon bestehende Anspannung im Raum sein und es sollte vielleicht auch angekündigt sein, dass du etwas Wichtiges und sehr persönliches teilen möchtest und dass du auch um Achtsamkeit und um Respekt bittest für das, was du erzählen möchtest. Wenn du signalisieren und rüberbringen kannst, dass du das von dir preisgeben magst, um die Beziehung in eine neue Ebene zu hieven oder eine Transformation in der Beziehung herbeizuführen, dann kann ich mir vorstellen, dass das willkommen geheißen wird und einen schönen neuen Raum öffnet, für Begegnung und gegenseitige Unterstützung. An dieser Stelle ist mir ganz wichtig zu sagen, wenn du das tust, wenn du dich so verletzlich zeigst, wenn du so viel erklärst von dir selbst, von deiner inneren Dynamik, dann bist du jemand, der einem anderen ein großes Geschenk macht. Dieser andere, der dir in dem Moment lauscht, bekommt von dir ein so großes Geschenk der Aufrichtigkeit, der Verletzlichkeit, des Vertrauens, der Zugewandtheit und auch der Offenheit für eine positive Begegnung, dass es nur wertvoll sein kann. Jemand dem du das erklärst, kann unglaublich viel von dir lernen. Ich glaube, wenn wir so kommunizieren und uns gegenseitig so zeigen, dann unterstützen wir uns dabei, als Menschen zu wachsen und uns zu entwickeln und zu entfalten.

Beschreibe die Dynamik nicht das Geschehen

Ein generell wichtiger Aspekt in der Beschreibung oder der Kommunikation zum Sensibilisieren ist folgender. Es muss nicht sein und es ist wahrscheinlich sogar leichter und besser, wenn du nicht von den Inhalten sprichst. Solltest du also z.B. Gewalt in deiner Kindheit erfahren haben, dann genügt es, wenn du benennst, du hast Gewalt in deiner Kindheit erfahren. Du musst keine Details nennen, du musst keine Szenen beschreiben und du musst auch nicht unbedingt genau benennen, wer das getan hat. Wichtig ist, dass du die relevante Information gibst, was dir Grundlegendes geschehen ist. Damit machst du es dir leichter, weil du dich nicht in eine Erzählung, in ein inneres Erleben "hineintriggerst" und du vermeidest, dass andere Menschen überfordert werden, durch den „Wumms“ den deine Erzählung möglicherweise hat. Das heißt, du kannst einiges von dir zeigen, ohne dich dem Schrecken der Vergangenheit wieder in Gänze auszusetzen oder Menschen mitzunehmen in deine Vergangenheit und die Bilder mit ihnen zu teilen. Es kann sein, dass das auch sehr wichtig ist für gewisse innere Anteile in dir, die sich beschämt fühlen, wenn andere Menschen erfahren, was du damals erlebt hast. Es ist häufig in der Traumatherapie ein gewisser Schritt, für manche Menschen ein sehr großer Schritt, zu benennen, was in der Vergangenheit geschehen ist, weil es schambehaftet ist. Weil es Schuldgefühle hervorruft. Weil Schuld- und Schamgefühle getriggert werden und es viel kostet z.B. eine Therapeutin/ einen Therapeuten ins Vertrauen zu ziehen. Erlaube dir also die Dynamik zu beschreiben, ohne die Inhalte zu beschreiben.

Korrigierende Erfahrungen durch Wahrhaftigkeit

Damit wahrst du deine Sicherheit und schützt den anderen vor Überforderung. Zugleich öffnest du damit eine Tür für, ein Zitat aus der E-Mail, „korrigierende Erfahrungen“. Um korrigierende Erfahrungen machen zu können, also Erfahrungen, die besser sind als damals und vor allem die einen anderen Ausgang nehmen, als es aus der alten Erwartung heraus zu erwarten wäre, braucht es deinen Teil. Den Teil, den du dazu beitragen kannst, besteht genau in dem, was ich gerade beschrieben habe. Nämlich, dass du dich wahrhaftig zeigst. Damit meine ich nicht, dass du deine gesamte Traumabiografie en détail vor dem anderen ausbreitest. Sondern, dass du dich wahrhaftig zeigst, indem du deine Verletzlichkeit und deine Bedürfnisse kommunizierst. Ich weiß, das ist eine große Aufgabe. Indem du das tust, machst du die Tür auf für korrigierende Erfahrungen. Hier sei angemerkt, du musst das nicht in Gänze oder total tun, sondern Schritt für Schritt und stückchenweise. Immer ein bisschen mehr von einem Bedürfnis, deiner Dynamik kommunizieren, ist der Weg dorthin. Korrigierende Erfahrungen sind etwas sehr Heilsames. Damit sie korrigierend sein können, brauchen sie nicht nur den Moment in dem diese Erfahrungen stattfinden, sondern einen Rahmen in dem sie ihren Platz finden können. Damit meine ich, dass eine korrigierende Erfahrung z.B. ein Glücksfall sein kann, weil man einfach ein Ereignis erlebt, das die alte Erwartung, die alte Dynamik nicht bestätigt. Eine korrigierende Erfahrung in einem Rahmen, wo sie einen Platz finden kann, ist eine korrigierende Erfahrung in einem Gefüge, in dem du existierst. In einem System, in dem du einen Platz hast. Zum Beispiel in einem Freund/Freundinnensystem, einem Freundeskreis, einem vertrauten System oder auch beispielsweise in einem Arbeitsumfeld. Wenn du hier korrigierende Erfahrungen machen kannst, und seien sie noch so klein, dann sind das die Erfahrungen, die nach und nach das ganze System verändern. Die dir nach und nach die Möglichkeit geben, dich in diesen Kontexten anders zu erleben. Mehr in Kontakt, mehr in Nähe, mehr in Sicherheit. An dieser Stelle möchte ich einfügen, im Rahmen der bestehenden Beziehungen, dass es sein kann, dass du auf deinem Heilungsweg / auf deinem Entwicklungsweg an diese Stelle kommst, wo es nicht mehr anders geht, als mehr von dir zu zeigen und mehr von dir zu erzählen. Ab einem gewissen Punkt auf deinem Heilungs- und Entwicklungsweg ist so viel Veränderung in dir geschehen, die nach außen dringen möchte, dass Transparenz her muss. Es kann also sein, dass du in einem gewissen Moment auf deinem Heilungsweg dazu gewissermaßen gedrängt wirst, dich mehr zu zeigen als du es vorher getan hast, weil du z.B. auch erkennst, dass du nicht mehr so funktionieren kannst, wie du es bisher getan hast. Und du nicht ein neues Funktionieren etablieren möchtest, sondern Wahrhaftigkeit in deine Beziehungen bringen möchtest. Das ist auch wieder etwas für die innere Haltung. Erlaube dir, es so zu sehen: wenn du mehr von dir zeigst, mehr von deiner Dynamik erklärst, bringst du Wahrhaftigkeit in deine Beziehungen. Sollten deine „Beziehungsgegenübers“ auf diese Wahrhaftigkeit nicht gut reagieren können, dann kann es sein, dass diese Beziehung entweder in einer Entwicklungskrise steckt oder zu Ende geht. Erlaube dir auch, das in deine Betrachtung mit hineinzunehmen, dass sich die Wege möglicherweise auf einem gewissen Abschnitt deines Heilungsweges trennen können. Das soll jetzt keine Verlustangst triggern aber es soll dich einladen, in Betracht zu ziehen, dass du vielleicht, wenn du mehr zu dir kommst und mehr in deine Wahrhaftigkeit kommst, von manchen Menschen ganz natürlicherweise Abschied nehmen darfst.

Neue Beziehungen und Vertrauenswürdigkeit

Wie kann es funktionieren, neue Beziehungen zu knüpfen, dabei sich selbst zu zeigen und gleichzeitig zu erkennen, ob jemand vertrauenswürdig ist oder nicht? Hier gibt es vielleicht ein, zwei, drei Prinzipien, die ich benennen kann. Du erkennst, dass jemand nicht vertrauenswürdig ist, wenn er dich in irgendeiner Weise abwertet. Das ist das Warnzeichen, eine rote Fahne par excellence. Wenn du dich abgewertet fühlst, dann frage nach, wie ist das gemeint? Und wenn du das Gefühl bekommst, hier schwingt eine Art Wertung mit, dann vergiss die Geschichte. Investiere nicht weiter in diese sich entwickelnde Beziehung, sondern gib sie direkt auf! Abwertung ist ein ganz dickes Warnsignal. Ein weiteres Warnsignal ist das, wenn du das Gefühl hast, dass der andere dir nicht in einer Tiefe begegnen möchte. Wenn du also das Gefühl hast, es wird rosa gemalt, es wird auf Leichtigkeit und Schönheit und das Tolle abgehoben aber nicht Raum geschaffen oder Platz bereitet für die Tiefe, für das, was vielleicht unter der Oberfläche an Schwere, an Thematik, an Symptomatik sein könnte, wenn du also das Gefühl hast, jemand ist nicht bereit, dich zu sehen. Das wirst du schnell spüren, auch dann höre auf, gehe weiter. Natürlich ganz klar ein Warnzeichen, was vielleicht überflüssig ist zu erwähnen, aber ich mache das trotzdem gerne, wenn jemand deine Bedürfnisse nicht achtet. Wenn deine Bedürfnisse übergangen werden, wenn die Bedürfnisse des anderen übergeordnet über allem stehen. Wenn du das Gefühl hast, deine Grenzen werden überschritten. Auch dann prüfe, frage ob das bewusst ist. Stelle das zur Disposition in einem Gespräch. Wenn du das Gefühl hast, deine Bedürfnisse werden nicht ernst genommen, damit meine ich nicht sie werden gar nicht ernst genommen, sondern sie werden nicht genügend ernst genommen, dann ist das auch ein Warnsignal für mangelnde Vertrauenswürdigkeit.

Die Rolle der Anteile in neuen Beziehungen

Es gibt aber auch einen kritischen Punkt, der auch in der Frage mitschwingt. Es kann natürlich sein, dass es gewisse innere Anteile gibt, die sehr sensibel sind für gewisse Warnzeichen und die es ganz schwer haben, überhaupt in ein Vertrauen hineinzufinden und die ganz viel Klarheit und Transparenz brauchen. Diese Anteile sind sehr wertvoll, wertzuschätzen und du solltest dich mit solchen Anteilen niemals als überempfindlich, pedantisch oder irgendwie „zu dolle“ wahrnehmen. Du solltest anerkennen, dass das eines deiner wichtigsten Bedürfnisse ist, Sicherheit zu finden in dieser Beziehung und Vertrauenswürdigkeit zu prüfen. Es gibt diese Anteile die vielleicht am Anfang viel prüfen wollen. Das ist aber völlig in Ordnung und kann vielleicht auch kommuniziert werden. Wenn du wirklich daran interessiert bist, jemanden kennenzulernen und er an dir interessiert ist, dann wirst du offen dafür sein so etwas zu erfahren. Dann wirst du es gerne hören, dass dir jemand sagt „Es liegt nicht an dir, dass ich hier vielleicht etwas vorsichtig bin. Es liegt an meiner Geschichte und ich mag dich von Herzen einladen das zu respektieren und meine Feinheit zu respektieren.“. Dann gibt es auch Anteile die vielleicht, und das ist etwas ungünstiger, nicht sehen wollen, dass jemand nicht vertrauenswürdig ist. Das sind vermutlich bedürftige Anteile, die sehr im Mangel sind und die im Hunger nach Bindung, Beziehung, Gesehen-, Gehaltenwerden, ein bisschen blind werden. Auf diese Anteile musst du gut aufpassen, wenn du neue Beziehungen eingehen willst. Hier mag ich dich einladen immer wieder z.B. nach einem Treffen mit einer noch nicht so vertrauten Person in dich rein zu lauschen. Warst du gefühlt bedürftig oder in der Lage dich zu spüren? Dann forsche dem ein bisschen nach. Wenn du merkst, hier sind bedürftige Anteile am Werke, dann prüfe beim nächsten Mal, wie es sich anfühlt, wenn du nicht in einem bedürftigen Anteil schwingst.

Selbstreflektion

Ich habe ein paar rote Fahnen genannt und auf zwei Anteile hingewiesen, die vielleicht wichtig sind. Ich glaube, dass du mit diesem groben Regeln für dich gute Schritte machen kannst, um neue Beziehungen einzugehen. Wichtig ist, wenn es z.B. um Partnerschaft geht und du dir nicht sicher bist, mit dir vertrauten Menschen darüber zu reflektieren. Falls du in Therapie oder Coaching bist, dann bespreche das mit dir vertrauten Personen und reflektiere das, was du erlebst und dir gezeigt wird. Es hilft auch sehr in solchen Momenten Tagebuch zu führen und aufzuschreiben, was du erlebt hast und das immer wieder mal selbst zu lesen. Und dich selbst in eine Haltung zu begeben, das als 3. Person zu lesen. Dir also vorzustellen, du liest das Tagebuch einer anderen Person und dann bewertest du was du liest. Braucht diese Person mehr Schutz oder ist sie in dieser neuen, sich anbahnenden Verbundenheit gut aufgehoben? Ich habe vieles versucht zu beantworten. Es ging ein bisschen kreuz und quer, weil ich an vielen Punkten sehr in die Tiefe hätte gehen können. Ich hoffe aber, dass das was ich hier genannt habe, trotzdem schon ein wenig Inspiration und hilfreiche Impulse geben kann.

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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