#94 Wie du mit "Rückschritten" umgehen kannst

Transformations - Inspiration

Eines möchte ich gleich zu Beginn klarstellen: Das Wort „Rückschritte“ ist im Titel in Anführungszeichen gesetzt. Aus meiner Sicht als Therapeutin und vor allem als Traumatherapeutin gibt es keine Rückschritte!...

 

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In dieser Folge erfährst Du: 

  • dass aus Erkenntnissen der Wunsch nach Veränderung entsteht
  • warum Verstehen nicht gleich Können bedeutet
  • wie innere Anteile auf Veränderung reagieren
  • dass innere nicht gleich äußere Wandlung bedeutet
  • dass Wohlwollen und Vertrauen essenziell in Entwicklungsprozessen sind

 

(Wie so oft möchte ich hier gleich am Anfang auf eine vorangegangene Podcastfolge hinweisen, die in diesem Thema super ergänzend ist. Die Folge heißt „Vertraue dem Prozess“. Du findest sie in den Shownotes verlinkt. Wenn du magst, höre sie dir im Anschluss oder vor dem Lauschen dieser Folge einmal in Ruhe an.) 

Es ist ein ganz häufiges Phänomen, dass Menschen auf ihrem Heilungs-, Bewusstseins- oder Entwicklungsweg, ganz gleich wie du es nennen magst, immer wieder Phasen erleben, in denen sie sich überfordert fühlen oder auch plötzlich inkompetent, von alten Mustern gebeutelt und einfach auf eine ganz unangenehme Weise unzulänglich fühlen. Solche Phasen oder solche Momente sind normal. Das kann ich aus meiner gesamten Erfahrung als Therapeutin mit absoluter Sicherheit sagen. Ich kann dir auch sagen, sie gehören zum Prozess. Ohne solche Phasen ist ein Prozess vermutlich nicht authentisch, nicht wirklich ehrlich und auch nicht wirklich tief. Solche Phasen haben klare und sehr wichtige Botschaften, die ich heute gerne für dich und mit dir in dieser Folge entschlüsseln mag.

Erkenntnismomente

Meistens begeben wir uns auf einen Heilungs-, Entwicklungs- oder Bewusstseinsweg, wenn wir so etwas erleben wie einen Schmerz, ein Symptom oder eine innere Not. Das ist häufig die Initialzündung, um auf einen Weg zu kommen. Es gibt also ein inneres Gefühl, ein inneres Empfinden, was ganz deutlich die Botschaft trägt, so wie das jetzt ist, kann das nicht weitergehen. Dann beginnt ein Weg. Dann versuchen wir mit unserem Verstand auf der kognitiven Ebene Antworten zu finden, was wir verändern können. An dieser Stelle begeben sich Menschen häufig in Therapie oder in Beratung, vielleicht machen sie Coachings oder sie beginnen zahlreiche Bücher zu verschlingen, und sich einfach intensiv auf die Suche nach Antworten zu begeben. Vielleicht erinnerst du dich an diese Phase auf deinem eigenen Weg. Auf der Suche nach Antworten, um aus Symptomen, Schmerzen oder einer Not herauszukommen. Optimalerweise, wenn es gut läuft, kommen wir auf einem solchen Weg dann an Erkenntnisse. Das bedeutet, es gibt auf der kognitiven Ebene Erklärungen für das, was wir erleben und dadurch Gefühle von Erkenntnis, von Begreifen und Verstehen. Das sind so wichtige Momente und Augenblicke in der Therapie, zum Beispiel in meiner therapeutischen Arbeit mit traumatisierten Menschen und ganz besonders mit komplexen traumatisierten Menschen. Für Menschen, die beispielsweise Entwicklungstrauma erlebt haben, ist die Erkenntnisebene eine super wichtige Ebene. Deswegen mache ich so viel sogenannte Psychoedukation in meinen Sitzungen. Psychoedukation bedeutet im Grunde, zu erklären, wie ein Mensch in seiner inneren Dynamik „funktioniert“. Wenn wir unsere eigenen Dynamiken verstehen und dadurch Erkenntnisse schöpfen, dann passiert etwas so, so wertvolles. Nämlich, dass wir in die Lage kommen, den Blick auf uns selbst zu verändern, diesen Blick weit milder und wohlwollender zu gestalten und dadurch auch in eine Art friedvollere Haltung für den eigenen Prozess zu kommen. Das ist also etwas ganz, ganz wesentliches. Erkenntnismomente und Erkenntnisprozesse sind super wertvoll und ich genieße sie oft gemeinsam mit meinen Klientinnen und Klienten, weil sie einfach so guttun.

Verstehen heißt nicht können

Aus diesen Erkenntnissen wächst dann meistens ein Veränderungswunsch. D.h. wenn man etwas verstanden hat, dann wird auch viel schneller oder viel deutlicher klar, was man verändern möchte und was es braucht, um aus Symptomen, Schmerz oder Not rauszukommen. Gleichzeitig entstehen durch Erkenntnisse auch Erwartungen. Erwartungen an einen selbst. Vielleicht kennst du das, dass wenn du etwas verstanden hast, du unbewusst vielleicht die Erwartung an dich hast, dass du jetzt ab sofort die Sache anders machen müsstest. Dass du durch die Erkenntnis allein in die Lage versetzt sein müsstest, jetzt alles anders zu gestalten. Hier sind wir an diesem ersten kritischen Punkt in einem Heilungs- oder Entwicklungsweg. Denn bereits hier kann es sich so anfühlen, als würde man einerseits vorwärts kommen und andererseits feststecken. In dem Moment, in dem wir Dinge verstehen, entsteht oft eine innere Diskrepanz. Das Verständnis ist ein kognitives Begreifen, es ist eine Klarheit, die innerlich entsteht und gleichzeitig ist es aber noch nicht möglich, ganz und einfach anders zu handeln. Das bedeutet, in den Momenten, in denen man versteht, und diese Erwartung entsteht, braucht man dringend so etwas wie Geduld. So etwas wie Wohlwollen und so etwas wie das Zugestehen eines Raumes, den es braucht. Eines Raumes, in dem Zeit sein darf, in dem Möglichkeiten ausprobiert werden können und in dem Wiederholungen stattfinden dürfen. Anders gesagt, wenn du etwas verstehst, dann ist dir bewusst, was anders sein sollte aber, dass du es verstanden hast heißt noch nicht, dass du es kannst. Trotzdem entsteht die innere Erwartung es zu können. Diese Erwartung ist manchmal viel stärker oder viel größer als unsere Geduld oder unser Wohlwollen uns selbst gegenüber. Als erwachsene Menschen vergessen wir manchmal, dass wir genauso wie kleine Menschen Zeit brauchen, um etwas zu lernen. Lernprozesse sind super vielschichtige Prozesse. Alleine mit dem Verstehen ist etwas noch nicht gelernt. Stell dir vor du betrachtest einen Jongleur, der mit vielen Bällen spektakulär in der Luft herumwirbelt. Es ist ziemlich leicht zu sehen, wie das geht. Die Hände bewegen sich systematisch, die Bälle gleiten zwischen den Händen hin und her und werden in die Luft geworfen. Der Körper des Jongleurs bewegt sich geschmeidig, so dass die Bälle stabil in der Luft in ihrem Kreis oder ihrer Form wirbeln und eine wunderbare, wunderschön anzuschauende Sicherheit in diesem Schauspiel zu sehen ist. Es ist begreiflich, wie das geht. Aber wenn du jetzt 5 Bälle auf einmal in die Hand bekommst und noch nie jongliert hast, wie machst du das dann? Ich denke dieses kleine Bild macht deutlich, dass wir schrittweise lernen und dass wir nur, weil wir etwas verstanden haben, noch nicht gleich Meister in dieser Angelegenheit sind.

„Wir sind alle Meister*innen, die üben“

Ich betone das an dieser Stelle so deutlich, weil wir alle einfach so sehr und so schnell dazu neigen, an den Tagen, an denen Dinge nicht so gut gelingen oder in den Phasen und Momenten, in denen das, was wir verstanden haben, noch nicht umsetzbar ist, in Abwertung und in Frustration abzugleiten. Abwertung ist hier natürlich ein Muster, das viele Menschen in sich tragen. Es kann auch alles andere sein. In den Momenten, in denen nicht Gelingen erlebt wird, werden oft alte Muster getriggert. All die alten Muster und die dazugehörigen Selbstbilder und Gefühle und auch Verhaltensmuster, die z.B. mit dem Gefühl, nicht gut genug zu sein, zu tun haben. Denn etwas nicht zu schaffen oder wenn etwas nicht gelingt, triggert natürlich gerne genau dieses Gefühl. Das bedeutet anders gesagt, dass wir in unseren Wachstums- und Heilungsprozessen dringend so etwas brauchen wie eine gewisse Frustrationstoleranz. Dass wir so etwas brauchen wie Wohlwollen (darüber habe ich schon so viel und immer wieder gesagt), das es uns möglich macht, für eigene Unzulänglichkeiten, wenn man es so nennen mag, oder für die eigenen Übungsmomente tolerant zu sein. Vielleicht hilft auch das alte Bild oder der alte Satz „Wir sind alle Meister*innen, die üben.“. Wir sind alle in unserem Kern unversehrt. Unsere eigene ursprüngliche Kraft ist immer größer als die Versehrtheit, die wir in uns tragen. Das heißt, deine ursprünglichen unversehrten inneren Kraftquellen sind immer größer als die Verletzungen, die dir widerfahren sind. Das bedeutet in anderen Worten, dass in deinem Inneren genau die Kraft liegt, die du brauchst, um Traumatisierungen zu transformieren, zu integrieren und in das Gelingen deiner wahren Wünsche und in das Leben deiner wahren Natur hineinzuwachsen. In diesem Bild, dass du die Meisterin oder der Meister bist, der oder die übt, steckt die Sichtweise, die innere Haltung, dass du in jedem Fall auf dem Weg des Erfolges bist. Dass du in jedem Fall auf dem richtigen Weg bist. Dass auch jeder Schritt des sogenannten nicht Gelingens Teil einer Übung ist, die dich zur Meisterin, zum Meister macht. Jetzt möchte ich ein bisschen versuchen darauf einzugehen was eigentlich passiert, wenn wir uns in so etwas wie Rückschritten erleben.

Innere Anteile reagieren auf deine Wandlung

Ich denke es ist schon rübergekommen, dass Heilungs- oder Erkenntniswege komplexe Wege sind. Da ist die Ebene des kognitiven Verstehens und Begreifens. Es gibt auch eine sehr vielschichtige emotionale Ebene. Es gibt vielschichtige Inhalte im Unterbewusstsein und es gibt, darauf möchte ich in diesem Moment hinaus, auch verschiedene Anteile, die betroffen sind. Verschiedene innere Anteile, die verschiedene, gewisse Aufgaben in deinem Inneren erfüllen und die mit dem, was zu heilen ist, in Kontext stehen. Nehmen wir einmal an, du wärst gerade dabei, dich darin zu üben, deine eigenen Grenzen deutlicher wahrzunehmen und auch deutlicher zu kommunizieren. Du bist dann also in einem Prozess, der viele innere und äußere Themenfelder betrifft. Hier spielt dein Selbstwertgefühl eine Rolle, alte Glaubenssätze und Überzeugungen und auch die Umwelt, die dich umgibt und mit der du in Kontakt stehst. Auf einer inneren Ebene sind in so einem Thema wie der eigenen Abgrenzungsfähigkeit einige innere Anteile involviert. Zum Beispiel ein innerer Kindanteil, der sehr gut und sehr deutlich gelernt hat, dass er lieb, brav und folgsam sein muss, um geliebt zu sein. Der also gelernt hat, dass es keine Rolle spielt, was für eigene Bedürfnisse oder eben eigene Grenzen da sind. Der gelernt hat, dass eigene Grenzen und eigene Bedürfnisse sogar eher gefährlich oder hinderlich sein können. Vielleicht gibt es auch einen inneren Anteil, der unter einer großen Verlustangst leidet und der auf jeden Fall sehr alarmiert reagiert, wenn du in deinem erwachsenen, wachen Bewusstsein beginnst, dich abzugrenzen, weil dieser Anteil Abgrenzung gleichsetzt mit Bindungsabbruch, also mit Verlassenwerden oder alleine zurückbleiben. Vielleicht gibt es auch einen inneren Anteil, der in diesem Prozess der wachsenden und immer besser gelingenden Abgrenzung das Gefühl hat, er müsste sich immer und immer wieder entschuldigen. Der in dem Moment, in dem du dich einmal nach außen hin gut abgegrenzt hast, sich innerhalb kürzester Zeit in Form eines schlechten Gewissens meldet und dir ständig laut und ausdauernd suggeriert, du müsstest dich für deine Abgrenzung jetzt entschuldigen. In diesem Beispiel, habe ich drei Anteile genannt, die in dem Thema der gelingenden Abgrenzung eine große Rolle spielen und die allesamt von dir, von deinem bewussten, erwachsenen und wachen Ich lernen müssen. Diese Anteile können nicht einfach so tun, als würde sich in deinem Leben nichts verändern. Diese Anteile sind betroffen von dem, was sich in deinem Leben verändert. Sie haben ihre eigenen Reaktionen auf das, was du da draußen anders machst. Damit möchte ich die Komplexität von Wachstums- oder Heilungsprozessen deutlich machen. Ich will damit sagen, dass du mit deiner Kognition, mit deiner bewussten Entscheidung, dass du etwas anders machen möchtest, mit deiner bewussten Sehnsucht nach Veränderung, gleichzeitig die Aufgabe hast, dein Inneres zu schulen. Dein Inneres, was ängstlich, bedürftig oder schamerfüllt ist, an die Hand zu nehmen und sanft mitzunehmen in deinen Veränderungsprozess. Wenn du so etwas erlebst, wie einen „Rückschritt“, wenn du dich selbst also erlebst in deinem Vorankommen und plötzlich erlebst, wie du nicht mehr vorankommst, sondern wie du zurückfällst in alte Muster oder in Überforderung und dich einfach so fühlst, als hättest du noch nichts gelernt, dann ist wahrscheinlich in deinem Inneren einer der inneren Anteile überfordert worden. Dass du zurückfällst in alte Muster bedeutet im Grunde nichts anderes als dass ein alter Schutzmechanismus aktiviert wurde, weil der Stress oder die Herausforderung zu groß wurde. Vielleicht war das ein Moment, in dem du nicht ganz bei dir warst oder andere Faktoren auf dich eingewirkt haben, die deine Kraft, deine Konzentration, deine Sammlung und was du nicht alles brauchst, um zu lernen, unterbrochen oder gestört waren. In jedem Falle ist ein „Rückschritt“ nicht ein Zeichen dafür, dass es rückwärts geht oder dass du nichts gelernt hast. Sondern ein empfundener Rückschritt zeigt, dass du gerade dabei bist, auf eine neue Ebene deiner Entwicklung zuzusteuern oder vielleicht schon an der Schwelle stehst und etwas im Inneren sagt „Moment, ich bin noch nicht so weit. Ich brauche noch einen Moment / noch etwas.“.

Empfundene „Rückschritte“ bedürfen Wohlwollen

Das, was du in dem Moment als einen Rückschritt empfindest oder definierst, solltest du viel eher wahrnehmen als wertvolle, wertzuschätzende und ganz liebenswerte Impulse von innen, die wieder Sicherheit generieren wollen. Es ist also in diesen Momenten, die sich anfühlen wie Rückschritte oder rückschrittig ganz wichtig (das ist mit die wichtigste Botschaft in dieser Folge und zugleich wahrscheinlich für die Meisten die größte Herausforderung), nicht auch noch die Keule herauszuholen. Nicht in eine Selbstabwertung zu gehen. Sondern sich viel mehr in Wohlwollen zu üben und wahrzunehmen. Die Momente, in denen wir uns fühlen, als würden wir Rückschritte machen, sind die Momente, in denen wir uns selbst am dringendsten brauchen. In denen innere Anteile in uns unsere Hilfe aus unserer bewussten Ebene brauchen. Das sind die Momente, in denen wir uns definitiv nicht allein lassen sollten. Das sind die Momente, in denen wir mit unserem wachen Bewusstsein, das sich auf einer Ebene bewusst entschieden hat zu heilen und Dinge verändern zu wollen, selbstliebevoll begegnen müssen. Wir brauchen unser eigenes Wohlwollen und in solchen Momenten natürlich auch manchmal Hilfe von außen. Vielleicht sind das genau die Momente, in denen du Erholung brauchst, ein bisschen Regeneration, Hilfe von außen und ein bisschen Licht um dich herum, was dir Möglichkeit gibt, Kraft zu sammeln. Denn das Heilen, das sich Entwickeln, das Verändern von inneren und äußeren Lebensumständen ist nichts, was wir mit Leichtigkeit hinkriegen. Damit will ich keine Schwere in Prozesse bringen, die vielleicht gut gelingen können, sondern ich will Gerechtigkeit für das versehrte, verletzte und sanfte, feinfühlige Innere walten lassen. Die Momente, die sich anfühlen wie rückschrittig und nicht so gut, sind die Momente, in denen wir Liebe brauchen. Das sind die Momente, in denen alles, was Druck ausübt und alles, was Erwartungen schürt oder was Enttäuschung hervorruft, einfach nicht hilft. Ich mag dich also an dieser Stelle einmal ganz konkret einladen, deinen Blick auf sogenannte Rückschritte zu verändern und anzuerkennen, dass Gefühle der Überforderung oder des nicht Vorankommens Hinweise von deinem Inneren sind, dass etwas gerade mehr Sanftheit, mehr Behutsamkeit oder mehr Schutz braucht. Das sind Momente, in denen du dich mit deinem Wohlwollen ganz besonders brauchst. Die Momente, in denen es hilfreich sein kann, sich Hilfe von außen zu holen um Raum zu schaffen, zu regenerieren und wieder Schwung zu holen. Ich mag auch noch einmal sagen, dass die Momente, in denen wir das Gefühl haben, wir machen Rückschritte, meistens Schwellenmomente sind. Wo wir gewissermaßen als die Jongleure, die wir schon sind, den nächsten Ball reingeworfen kriegen in unsere Bewegung. Manchmal kann es dann passieren, dass in diesem Moment alle Bälle runterfallen und wir dann aufgefordert sind die Bälle wieder aufzuheben und weiter zu probieren. Vielleicht braucht es dann aber auch eine Pause und die Bälle wollen eine Weile auf der Erde liegen und wir setzen uns mal dazu.

Innere und äußere Veränderungen

Einen weiteren Faktor, der auch nicht unwesentlich ist, wenn wir in Veränderung-, Heilungs- oder Wachstumsprozessen sind, möchte ich noch nennen. Wir arbeiten dann enorm an unserem Inneren. Wenn du dich dir selbst schon so intensiv zugewandt hast, dass du dich auf einem Heilungsweg befindest, dann bist du meisterlich darin, innerlich zu arbeiten. Du wendest viel Energie dafür auf, du hast dafür vielleicht schon viel Zeit aufgewendet. Du kennst dieses Gefühl der inneren Arbeit und auch das Gefühl der damit verbundenen, immer einmal wieder auftauchenden, Erschöpfung. Du bist also vielleicht schon eine Expertin/ein Experte darin, deine Innenwelt zu betrachten und zu bewegen. Etwas, was nicht automatisch geschieht, wenn du dich innerlich veränderst, wächst und heilst, ist die Veränderung der Außenwelt. Die Welt da draußen verändert sich nicht automatisch mit dem eigenen inneren Veränderungsprozess. Äußere Umstände sind oft sehr solide und manchmal erleben wir große innere Veränderungen, während die äußeren Umstände gleich bleiben. Das führt dann wiederum zu Spannungsfeldern oder Herausforderungen. Häufig ist es so, dass Menschen, die dich schon lange kennen, nicht wirklich mitkriegen, was sich in deinem Inneren alles verändert. Sie begegnen dir mit dem Bild von dir, das sie schon eine lange Zeit haben. Dementsprechend richten sie ihre gewohnten Erwartungen an dich, ihre gewohnten Ansprüche, vielleicht auch ihre gewohnten Verhaltensmuster. Da ist es wichtig, ein Stückweit sensibel dafür zu sein. Denn, wenn wir innerlich Veränderung erleben, dann verändert sich zwangsläufig auch etwas in unserem Leben da draußen. Aber diese Veränderungen brauchen Kraft. Manchmal fühlt es sich rückschrittig an im eigenen Prozess, wenn man innerlich schon viele Schritte gegangen ist, aber immer wieder am Äußeren scheitert. Auch hier möchte ich dich einladen mit dir selbst fair zu sein und ganz klar und wohlwollend hinzuschauen, was gibt dir deine gegenwärtige Außenwelt für Möglichkeiten, wirklich voranzukommen? Was müsstest du vielleicht ganz liebevoll und dennoch ganz klar auf deinen „To-Do“-Zettel schreiben, in deinem Äußeren zu verändern, damit deine innere Veränderung Raum bekommen kann? Ich glaube, wenn du mit 3 Bällen jonglieren willst, kannst du den Radius, den die Bälle in der Luft zeichnen kleiner halten als wenn du mit 5 Bällen oder mehr jonglierst. Das heißt, du brauchst, je mehr du wächst, du heilst, dich entwickelst, in unserem Bild ein bisschen mehr Platz. Deine Umwelt muss sich ein Stückchen mit verändern. Auch hiermit möchte ich wieder zeigen, dass Veränderungsprozesse, Wachstumsprozesse, innere Heilungsprozesse komplex sind. Weil sich die Welt im Außen nicht automatisch mit verändert. Erlaube dir also bitte, wenn du dich selbst betrachtest, das mit einzubeziehen in deine Selbstbetrachtung. Dass du an dich selbst keine unmenschlichen Erwartungen stellen solltest, sondern dass du deine Erwartungen an die Möglichkeiten, die gerade da sind, anpassen solltest.

„Rückschritte“ sind Wachstumskrisen

Trotzdem solltest du natürlich deine Vision, deine Sehnsüchte und deine Wünsche pflegen. Ich möchte dir damit also nicht sagen, dass du deine Ansprüche runterschrauben sollst, sondern ich möchte damit nur sagen, dass es sehr wohltuend und unterstützend für einen Heilungsprozess ist, wenn du dich mit deinen Erwartungen an dich selbst nicht überforderst. Ich hoffe, dass jetzt deutlich geworden ist, was ich dir in dieser Folge so gerne ans Herz legen möchte. Ich möchte dich von Herzen einladen in eine Haltung zu gehen, die so wohlwollend ist mit dir selbst, dass du Rückschritte fortan nur noch in Anführungszeichen wahrnimmst. Ich möchte dich so sehr noch einmal von Herzen einladen, dich selbst wahrzunehmen als eine Meisterin/einen Meister, der oder die übt. Ich möchte dich so gerne daran erinnern, dass du in deinem unversehrten Innerem viel stärker und heller leuchtend bist als all die Verletzungen und Versehrtheiten, die du in deinem Leben bisher erfahren oder gesammelt hast. Ich möchte dir ganz bewusst machen, dass in den Momenten, in denen es sich anfühlt, als würdest du Rückschritte machen, du wieder einmal an einem kritischen Wachstumspunkt angekommen bist und dass es also ein Zeichen dafür ist, dass du ganz schön weitergekommen bist in der letzten Zeit. Ich möchte dich einladen, die Gefühle oder die Bilder von 'sich im Kreis drehen', loszulassen. Ich möchte dich einladen, dir bewusst zu sein, dass es keinen Moment in deinem Leben gibt, in dem du dich nicht entwickelt hast. Ich möchte dich einladen, zu sehen, dass du dich dein ganzes Leben lang schon immer nur vorwärts bewegt hast, dass es keine Rückschritte gibt, dass „Rückschritte“ im Gefühl häufig Wachstumskrisen, -schmerzen sind. In diesen Momenten brauchen verschiedene innere Anteile in dir einfach Hilfe. Ich möchte dich einladen, dir in der Tiefe deines Wesens Vertrauen zu schenken. Dir immer wieder bewusst zu machen, dass du dir und der Bewegung deiner Seele vertrauen kannst und dass es in Wirklichkeit keine Rückschritte gibt. Also ich mag dich einladen, übe Wohlwollen und Milde mit dir selbst und nimm dich in diesen Momenten ganz besonders herzlich in den Arm. Wenn es dir nicht gelingt, dann erkenne auch das an und hole dir vielleicht Hilfe, die dich unterstützt, dich in diesem Moment zu entspannen. Erlaube dir in jedem Falle immer für dich zu sein und immer und immer zu üben, dir selbst den Rücken zu stärken und dich selbst auf deinem Weg anzuerkennen. Ich bin mir ganz sicher, du bist schon viel weitergekommen als du es vielleicht glaubst!

 

Shownotes:

 

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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