#93 Abgrenzung und Verbundenheit

Transformations - Inspiration

Das Thema Abgrenzung ist wohl ein Thema, das ziemlich viele Menschen auf diesem Planeten immer wieder oder vielleicht dauerhaft in verschiedenen Facetten beschäftigt...

 

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In dieser Folge erfährst Du: 

  • was Abgrenzung bedeutet
  • was eine gelingende Abgrenzung voraussetzt
  • was Bindungs- und Entwicklungstrauma damit zu tun haben
  • wie du erkennst ob du mit dir selbst verbunden bist
  • was du tun kannst, damit Abgrenzung gelingt

 

Ich denke, das liegt auch daran, dass besonders feinfühlige Menschen mit dem Thema eigene Grenzen und "Abgrenzung" häufig nicht ganz so unbefangen umgehen können, wie Menschen, die vielleicht nicht ganz so viel von ihrer Umwelt mitbekommen. Aus meiner Perspektive betrifft oder berührt das Thema Abgrenzung sehr viele Aspekte. Es berührt den Bereich der Hochsensibilität, es berührt selbstverständlich auch hier und da den Bereich der Traumafolgen und dementsprechend berührt es auch den Bereich früher Prägungen. Schwierigkeiten mit dem Thema Abgrenzung spiegeln sich in allen Bereichen des Lebens wider. Vor allem in Beziehungen, sowohl zu Partnerinnen und Partnern, aber auch zu Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten und allen möglichen Menschen, mit denen man beruflich zu tun hat. Selbstverständlich betrifft es auch Freundschaften und nicht selten auch den Bereich der Beziehung zu den eigenen Kindern und Eltern. In meiner Praxis treffe ich seit vielen Jahren sehr viele Menschen, die sich mit dem Thema Abgrenzung in einer großen Herausforderung wiederfinden. Dinge, die ich dann beschrieben bekomme, sind die unterschiedlichsten Auswirkungen von mehr oder weniger dauerhaften Grenzverletzungen und Grenzüberschreitungen. Oft ist das Erleben verbunden mit Ohnmacht und Hilflosigkeit. Ganz häufig auch mit Gefühlen der Abhängigkeit und der fehlenden Selbstbestimmung, Autonomie oder Freiheit. Leider ist das häufig verbunden mit einem echten Leiden, mit sehr destruktiven, unguten Mustern, die immer wieder zu tiefen Verletzungen und auch zur Reinszenierung von alten Situationen und Verletzungen führen. Ich möchte versuchen, in dieser Folge einiges Hilfreiches zusammenzufassen, was hier unterstützend sein kann, um derartige Muster zu transformieren.

Meine Definition von Abgrenzung

In meinem Verständnis, nach meiner Erfahrung, bedeutet Abgrenzung/sich abgrenzen können, bei sich sein und gleichzeitig verbunden sein mit einem anderen. Abgrenzung bedeutet, bei sich zu sein, während man verbunden ist. Das klingt vielleicht erstmal paradox, aber du wirst sehen und vielleicht schon jetzt spüren, vielleicht ist dir das sofort klar, dass das kein Widerspruch ist. Das bedeutet, in der Folge, dass eine Voraussetzung für Abgrenzung ist, mit sich selbst verbunden zu sein. Hier liegt eigentlich der Hase im Pfeffer, hier ist des Pudels Kern (um ein paar liebe Tiere zu bemühen). An dieser Stelle mag ich dich einmal wieder auf eine ältere Podcastfolge hinweisen, die sehr unterstützend sein kann, um dieses Thema zu begreifen. Die Folge heißt „Verbundenheit und Trauma“, du findest sie in den Shownotes verlinkt.

Unverbundenheit als Folge früher Prägung

Die Voraussetzung für gelingende Abgrenzung ist die Verbundenheit mit sich selbst. Die Art und Weise, wie wir mit uns selbst verbunden sind, hat unglaublich viel mit unseren frühen Prägungen zu tun. Eine Hauptfolge frühkindlicher Traumatisierung, besonders von Entwicklungs- oder Bindungstrauma ist die schwere Beeinträchtigung der Verbundenheit zu uns selbst. Ich mag das gerne an einem Beispiel beschreiben. Wenn ein Kind in seinem Umfeld einen Mangel an Bindungssicherheit erfährt, wenn also die Bezugspersonen nicht zuverlässig da sind, emotional und/oder körperlich, dann wird ein Grundbedürfnis dieses Kindes nicht erfüllt. Ganz einfach gesagt, das kennst du von mir schon, das Grundbedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit. Anders gesagt, das Grundbedürfnis nach Verbundenheit. Wenn ein Kind in einem solchen Umstand aufwächst, dann ist dieses Kind in seinem eigenen Erleben, in einer Notsituation, in einem großen Stress. Da Kinder in ihren frühen Jahren sehr darauf angewiesen sind, von ihren Bezugspersonen Co-Reguliert zu werden, sind sie also sehr angewiesen auf Verbundenheit, auf ein versorgt werden, das feinfühlig und zugewandt, also verbunden ist. Wenn das nicht gelingt, wenn das einem Kind nicht zur Verfügung steht, dann muss das Kind einen Überlebensmechanismus entwickeln, eine Strategie, um diese Sicherheit selbst irgendwie zu generieren. Infolgedessen wird das betroffene Kind all seine Energie und seine ganze Wahrnehmung darauf ausrichten, herauszufinden, wie es sich verhalten muss und was es tun muss, um der Bezugsperson nahe zu sein und so etwas wie Verbundenheit, Kontakt oder Nähe spüren zu können. Das bedeutet anders ausgedrückt, dass das Kind sich mit all seinen Antennen gewissermaßen auf die Erwachsene Bezugsperson ausrichtet und dadurch in der Folge von der Wahrnehmung für sich selbst ein Stück abrückt. Das Kind muss also einen Großteil seiner Lebensenergie darauf verwenden, im Außen zu sein. Es wird Kapazität blockiert, die es eigentlich bräuchte, um sich selbst zu spüren, um mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu sein. Eine weitere logische Folge ist, dass die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle in den Hintergrund gedrängt wird. Zum einen, weil das Kind Energie braucht, um ganz beim anderen zu sein und zum anderen, weil es sehr stressbeladen ist, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und sich dabei einsam, unverbunden und unversorgt zu fühlen. Aus diesem Erleben unter entwicklungstraumatischem Stress entwickelt sich also ein Muster in diesem Kind. Ein Überlebensmuster, eine Überlebensstrategie, die man ungefähr so formulieren könnte: „Verbunden zu sein mit einer anderen Person bedeutet, beim anderen zu sein und sich selbst dabei zu verlieren“. Vielleicht kennst du diese Art Verbundenheit. Das ist für Kinder eine sehr ungute Art, Verbindung und Beziehung zu lernen und natürlich dann auch im Erwachsenenalter häufig sehr ungünstig. Denn wenn wir ein inneres Muster leben, das bedeutet: verbunden zu sein bedeutet beim anderen zu sein, dann ist sehr klar, dass die eigenen Grenzen in dieser Beziehung verschwimmen. Wenn ich beim anderen bin und mich selbst nicht mehr spüre, bin ich nicht in der Lage meine Grenzen wahrzunehmen und nebenbei gesagt auch nicht die des anderen.

Verschmelzung und Abhängigkeit

Diese Art von Beziehung, von scheinbarer Verbundenheit hat häufig auch etwas mit dem Gefühl der Verschmelzung zu tun. Dann hat man ein inneres Modell, wo Nähe gleichbedeutend ist mit Verschmelzung. „Ich verschwinde im anderen“. Verschmelzung kann in manchen Momenten ein ganz wunderbarer Zustand sein, der etwas zu tun hat mit seelischer Verbundenheit oder vielleicht mit Ekstase. Aber wenn Verschmelzung die Grundenergie von Beziehung oder Begegnung ist, dann ist etwas nicht ausgewogen. Verschmelzung kann nur dann nährend sein, wenn es einen inneren Ort, eine klare innere Identität gibt, zu der man zurückkehrt. Andernfalls kann Verschmelzung sehr, sehr anstrengend sein, weil sie das Gefühl für dich selbst verwässert und irgendwann, wenn Verschmelzung zu sehr zu einem Beziehungsmodell geworden ist, das Gefühl von Identität beginnt zu verschwimmen. Es ist nicht mehr klar spürbar, es ist nicht mehr herauszufühlen, was eigentlich das Eigene, das ganz autonome, eigene Bedürfnis, Erleben und Empfinden ist. Vielleicht kommt dir auch das in eine Weise bekannt vor?! Vielleicht hast du auch schon mit jemandem Zeit verbracht, mit dem du das Gefühl hattest, er verschwindet in deiner Energie?! Manchmal äußert sich so etwas auch dadurch, dass Menschen selbst nicht mehr entscheiden, sondern nur noch folgen wollen und ihre eigene Impulsenergie oder ihre eigene Entscheidungskraft darin verschwindet. Das betrifft auch die Grenze zu abhängigen Beziehungsmustern, das ist ein fließender Übergang. (Hierzu gibt es auch eine Podcastfolge zu emotionaler Abhängigkeit, die du in den Shownotes verlinkt findest.) Wenn es ein inneres Beziehungsmodell gibt, das so lautet, dass verbunden sein bedeutet, beim anderen zu sein und sich selbst zu verlieren, zurückzustellen, nicht zu spüren, dann kann es sein, dass die eigenen Grenzen so weit verschwimmen, dass Verschmelzung eine Folge ist und daraus wiederum entstehen abhängige Muster, ein Verlust der eigenen Bewusstheit über eigene Bedürfnisse und Impulse und dergleichen mehr. Mit diesem Beziehungsmodell im Inneren, können wir keine wahrhaftige Verbundenheit spüren, weil keine Verbundenheit zum eigenen Ich spürbar ist. Vielleicht sogar das Gefühl von Identität, von „Ich bin eine eigenständige Person“, in Beziehung sofort verschwindet. Manchmal beschreiben das Menschen so, dass sie sich eigentlich ganz bewusst sind, dass sie sich gut kennen und sobald sich mit jemandem ein gewisses Maß an Nähe entwickelt, z.B. am Beginn einer neuen Beziehung, dass sie sich dann selbst verlieren. Das ist oft sehr angstbesetzt und häufig mit einem Gefühl der Hilflosigkeit verbunden, weil viele Menschen dann nicht wissen wie sie das vermeiden können. Hilfreiches werde ich am Schluss der Folge für dich zusammenfassen.

Abgrenzen bedeutet manchmal auch loslassen

Ich möchte noch einmal ganz explizit auf eine Essenz eingehen, in dem was ich gerade beschrieben habe. Bei früher Traumatisierung, Entwicklungstrauma, Bindungstrauma, ist es sehr schwer bzw. verhindert, dass ein junger Mensch, ein kleiner Mensch ein rundes Gefühl von Ich-Identität oder "Selbst" bekommt. Daraus entsteht die Notwendigkeit, mit dem anderen in eine enorme Nähe, verschmelzungsartige Nähe zu gehen, um sich selbst überhaupt verbunden fühlen zu können. Also "nur wenn ich mich mit meiner ganzen Energie zu einer anderen Person begebe, mit meiner ganzen Wahrnehmung und Energie, kann ich spüren, dass ich mich einigermaßen sicher fühle, kann ich wahrnehmen, dass ich den anderen spüre und dadurch ein wenig Entspannung fühlen.". Das ist besonders dann auch sehr schwierig, wenn wir das mit unseren eigenen Kindern erleben. Ich habe das schon häufiger in der Praxis begleitet, dass besonders Mütter sich sehr intensiv mit ihren Kindern verbinden und sich von ihnen sehr schwer abgrenzen können. Ich mag auf diesen speziellen „Fall“, einmal besonders eingehen, weil ich hierzu auch in letzter Zeit einige Anfragen oder Beispiele gehört habe. Wenn also eine Mutter eine Bindungstraumatisierung erlebt hat und dadurch das innere Beziehungsmodell entstanden ist „Verbundenheit geht nur, indem ich mich verlasse.“, dann wird sie das vermutlich auch ihren Kindern gegenüber leben. In einem gewissen Alter kann das für die Kinder noch nährend sein, weil die Mutter dann sehr beim Kind ist, sehr umhüllend in ihrer Energie, sehr näheschenkend und raumgebend. Es kann aber auch für Mütter sehr anstrengend sein, weil sie durch die intensive Verbindung mit dem Kind häufig gestresst sind, wenn das Kind im Stress ist. Dass sie häufig sehr mitleiden, wenn das Kind ein Leiden hat und dass sie sich also von dem Kind schwerer distanzieren können, um in ihrer Erwachsenenrolle zu sein. Es ist dann definitiv eine Aufgabe, das eigene erwachsene Ich zu stärken und zu nähren und die Mutterenergie, so mag ich es nennen, ganz bewusst in sich wahrzunehmen, um nicht zu sehr in der Verschmelzung mit dem eigenen Kind zu sein und im Schmerz oder im Mitleid die eigene Kraft und schützende Stärke zu verlieren. Es gibt auch die weitere Herausforderung, wenn die Kinder älter werden, dass es sehr schwer wird, loszulassen. Häufig haben Mamas dann ein großes Problem damit, wenn die Kinder autonom werden und ganz eigene Wege gehen, sich abgrenzen wollen, um sich selbst zu entwickeln und natürlich auch in eine Art Rebellion und Distanzierung gehen müssen. In diesen Momenten erleben häufig die Mamas so etwas wie ein Verlustgefühl. Es fühlt sich an, als wäre die Abgrenzung des anderen, in diesem Fall des Kindes, das größer wird, ein Bindungsabbruch. Wahrscheinlich ist auch das etwas, was die betreffende Mama aus ihrer Biografie kennt. Dass früher Bezugspersonen sich entzogen haben oder abgegrenzt haben und dadurch so etwas wie ein Bindungsabbruch gefühlt wurde. Wenn eine Mama, die Autonomieentwicklung ihres eigenen Kindes als Bindungsabbruch empfindet, muss sie darauf natürlich mit Angst, Stress und Not reagieren. Manchmal mit Kontrolle, manchmal mit dem Demonstrieren einer Verletztheit und mit einer Haltung oder Ausrichtung, die für das Kind und die Beziehung der beiden eher belastend ist. Spätestens, wenn ein Kind beginnt sich abzunabeln, ist es also eine Aufgabe für die Mama, sich mit der Verbundenheit zu sich selbst auseinanderzusetzen, damit sie im Erwachsenwerden ihres Kindes ein sicherer Hafen sein kann. Der Ort, der sichere Ort, zu dem das Kind immer zurückkehren kann, auch wenn es einmal schon 15, 16, 20, 25, oder sogar 30 Jahre alt ist. Als kleine Randnotiz an dieser Stelle: Die Verbundenheit mit sich selbst zu nähren ist ohnehin der Schlüssel, um gelingende Abgrenzung zu üben. Ich hoffe, dass ich mit dieser kleinen Ausführung all den Mamas etwas Hilfreiches geben kann, die sich mit dem Thema in letzter Zeit bei mir gezeigt haben. Abgrenzen bedeutet, an diesem Beispiel deutlich zu sehen, manchmal auch loslassen.

Wenn sich Verbundenheit mit sich selbst bedrohlich anfühlt

Ein weiteres Phänomen, von dem ich häufig höre und das ich beschrieben kriege von Klienten/Klientinnen, bringt den Betroffenen in ein Dilemma. Ich habe schon gesagt, dass Abgrenzung nur gelingt, wenn man mit sich selbst verbunden ist. Dass die Verbundenheit mit sich selbst die Voraussetzung für gelingende Abgrenzung ist. Nun gibt es durch gewissen frühe (traumatische) Prägungen nicht selten das Gefühl, dass Verbundensein mit sich selbst eher bedrohlich ist. Wie soll das dann also gelingen, mit sich selbst verbunden zu sein, wenn das als bedrohlich empfunden wird? Betroffene Menschen beschreiben als bedrohlich, dass wenn sie mit sich selbst in Kontakt kommen, alte Gefühle oder ungute Gefühle aufsteigen. So etwas wie innere Unruhe, Ängste, Gedankenkreise, Insuffizienzgefühle, alte Glaubenssätze, negative Überzeugungen und all das. Diese Art Bedrohung aus dem Inneren ist sehr typisch und auch kennzeichnend für Entwicklungstraumatisierung, für eine ganze Menge an aufgestauten Gefühlen, die im Inneren unverarbeitet sind. Wenn viele Gefühle im Inneren unverarbeitet sind, oder eben Entwicklungstrauma eine Rolle spielt, dann gibt es die Grundempfindung, dass das mit sich selbst in Kontakt sein, mit sich selbst verbunden sein, gefährlich ist. Das ist hier das tragischste Symptom, oder die tragischste Auswirkung von frühen Traumatisierungen, dass sie vor allem die Verbundenheit mit uns selbst unterbrechen, erschweren, zerfleddern oder einfach sehr beeinträchtigen. Verständlicherweise entwickelt sich aus diesem Erleben auch wieder ein Beziehungsmodell im Inneren, das viel damit zu tun hat, mit dem anderen übermäßig in Kontakt zu sein. Wenn ich bei mir selbst nicht sicher bin, dann brauche ich jemand anderen, um mich sicher zu fühlen. Wenn mit mir verbunden zu sein, mit mir in Kontakt zu sein, bedrohlich ist, ist es nur eine natürliche Reaktion, mit meiner Aufmerksamkeit und Energie nicht bei mir zu sein, sondern bei dem anderen. Auch hier nochmal ein Hinweis auf eine andere Podcastfolge – die Folge zu Entwicklungstrauma, in der du auch viel darüber hören kannst. Oder auch die Folge "Wie frühe Prägungen sich auf deine Beziehungen auswirken", auch diese findest du in den Shownotes verlinkt.

Merkmale für eine gute Verbundenheit mit dir selbst

Bevor ich gleich in die Heilungsschleife abbiege, um Hilfreiches und Positives mit auf den Weg zu geben, möchte ich noch einmal auf etwas eingehen. Ich möchte noch ein paar Aspekte nennen, wie man Abgrenzung noch definieren kann. Ich habe gesagt, dass die Voraussetzung von Abgrenzung die Verbundenheit mit sich selbst ist und, dass Abgrenzung bedeutet, bei sich zu sein und gleichzeitig verbunden zu sein. Nun möchte ich noch einmal sagen, was das bei sich Sein auch für Ausprägungen haben kann oder  woran du erkennen kannst, dass du bei dir und mit dir verbunden bist. Merkmale für eine gute Verbundenheit mit dir selbst und damit auch für gelingende Abgrenzung sind, dass du deine Bedürfnisse zeigen kannst. Dass du in der Lage bist, sie zu formulieren und deinem Mitmenschen zu zeigen. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich, dass du deine Bedürfnisse überhaupt spürst, was manchmal schon ein Weg sein kann, insbesondere wenn Entwicklungstrauma eine Rolle spielt. Dass du gut bei dir bist, zeigt sich darüber, dass du deine Bedürfnisse zeigen kannst. Dass du dich selbst wichtig nehmen kannst in einer Beziehung oder einem Beziehungsgefüge. Dass du nicht die ganze Zeit nur dabei bist, dich aufzuopfern und nur für die anderen zu leben, für die anderen deine Energie aufzubringen und sozusagen dein ganzes Leben anderen zu widmen. Es ist ein Merkmal von Verbundenheit mit dir selbst, wenn du dich selbst mit deinen Bedürfnissen und Impulsen wichtig nehmen kannst. Das hat nichts mit Egoismus zu tun oder mit harter Abgrenzung, sondern nur mit der Verbundenheit zu dir selbst. Ein weiteres Merkmal ist, dass du dir erlauben kannst, dass es dir gelingt, sichtbar zu sein, wahrnehmbar zu sein mit deiner eigenen Meinung und deinen eigenen Emotionen. Wenn du nicht nur deine Bedürfnisse zeigen kannst, sondern wenn es dir möglich ist, wirklich damit als Mensch sichtbar zu sein. Wenn es dir möglich ist, eine eigene Meinung zu haben, die auch kontrovers sein kann, z.B. zu der Meinung eines dir nahestehenden Menschen. Dass du dich mit deinen Emotionen zeigen kannst, also sichtbar bist mit deinen Emotionen, ist auch ein Merkmal für gute Verbundenheit mit dir selbst. Dieses sichtbar sein, ist ein anderer Ausdruck für abgegrenzt sein. Wenn du sichtbar, transparent mit deiner eigenen Meinung und deinen Emotionen, Bedürfnissen und Impulsen bist, haben andere die Chance, deine Grenzen wahrzunehmen. Denn selbstverständlich, beinhaltet dieses „nicht bei sich sein“ oder der Mangel an Verbundenheit mit sich selbst auch, dass andere Menschen einem sehr leicht zu nahe treten oder über die eigenen Grenzen drüber latschen, weil diese Grenzen nach außen wahrscheinlich gar nicht sichtbar sind. Das sichtbar Sein als ein Zeichen von innerer Verbundenheit, ist ein gesundes sich zeigen mit eigenen Grenzen. Das ist eine Art gesunder, selbstbewusster, Selbstschutz. Ein Selbstschutz, der nichts mit Trennung zu tun hat, sondern mit dem Vermögen, sichtbar zu sein und dadurch erkennbar Grenzen zu zeigen, die für den anderen wahrnehmbar sind und damit das eigene Innere schützen. Ein weiterer Aspekt, der Merkmal ist für die Verbundenheit mit sich selbst, ist die Fähigkeit, einem anderen Menschen zu vertrauen. In dem Moment in dem wir noch verschmolzen sind, wo wir uns selbst in den anderen "hineinmorphen" sozusagen, ist es schwer möglich, dem anderen zu vertrauen. Auch das ist dann Ergebnis, bzw. Inhalt der frühen Prägung, wo man sich selbst verlassen musste, um den anderen zu spüren. Das war kein vertrauensvolles Verhältnis. Diesem Kind, das das erlebt hat, war es nicht möglich, der Bezugsperson, der Bindungsperson zu vertrauen. Es musste ständig eine eigene Leistung, ein eigener Impuls gelebt werden, um Verbundenheit zu spüren, weil Vertrauen nicht möglich war. Wenn du mit dir selbst verbunden bist, dann ist es dir möglich, einen anderen Menschen klarer, viel klarer zu sehen. Dann ist es dir auch möglich, ihm vertrauen zu schenken. Zum Beispiel deinem Kind, das sich ab einem gewissen Alter autonom entwickeln möchte. Das Geheimnisse vor dir haben wird, das Dinge nicht mit dir teilen möchte, weil sie privat sind oder einfach Mama und Papa nichts angehen. In diesen Momenten ist es wichtig, dem anderen vertrauen zu können. Zum Beispiel auch einem Beziehungspartner/in der/die selbstverständlich auch das Bedürfnis haben darf, sich selbst eigene innere Räume zu bewahren. Nur wenn du mit dir verbunden bist, kannst du das anderen Menschen erlauben, weil du spüren kannst, dass Abgrenzung nicht bedeutet, dass die Bindung abgebrochen wird. Abgrenzung ist bei sich sein und gleichzeitig verbunden sein. Noch einmal kurz zusammengefasst, gelingende Abgrenzung entspringt aus der Verbundenheit mit sich selbst, die wiederum möglich macht, dass man eigene Bedürfnisse zeigt, sich selbst im gesunden Maße wichtig nimmt, sich selbst zeigen kann und sichtbar ist mit eigenen Meinungen und mit eigenen Emotionen und dadurch Grenzen für andere sichtbar werden. Und dass man dem anderen Vertrauen schenken kann, weil Abgrenzung nicht gleich Bindungsabbruch bedeutet und es damit auch möglich ist, die Grenzen des anderen zu wahren.

Die Heilungsschleife – was kannst du tun, damit Abgrenzung gelingt?

Es ist natürlich wichtig die Verbundenheit zu dir selbst zu stärken. Dazu gehört alles, was du bereits von mir gehört hast, in Bezug auf die Heilungsarbeit bei Entwicklungs- und Bindungstrauma. Kurz gesagt, alles zu tun, was dir Raum und Möglichkeit gibt, mit dir selbst in Kontakt zu sein und damit gute Erfahrungen zu machen. Natürlich hilft hier auch alles, was therapeutisch hilfreich auf dich wirkt. Unter Umständen eben auch eine traumatherapeutischen Unterstützung, denn die Verbundenheit zu dir selbst kann je nach deiner Geschichte ziemlich mit Inhalten beladen sein. Dazu möchte ich gleich mit anmerken, dass es natürlich wichtig ist, die Regulation deines Nervensystems zu üben, wenn zum Beispiel dieser Glaubenssatz für dich gilt, dass „bei mir sein bedrohlich ist.“. Wenn bei dir selbst zu sein also triggernd ist, dann übe dich in Nervensystemregulation. Hierzu habe ich vor einer Weile ein 7-teiliges Webinar gemacht mit Übungen, die du leicht und ganz entspannt lernen kannst. Du findest die Playlist auf meinem YouTube-Channel und in meinem Login-Bereich oder auch hier in den Shownotes verlinkt. Was du konkret tun kannst, um dir selbst auf die Schliche zu kommen und dich selbst gut zu begleiten in deinem Prozess der immer besser gelingenden Abgrenzung, ist folgendes: Versuche dich selbst zu reflektieren und rauszufinden, was dein Reaktionsmuster ist. Also was du befürchtest, unterbewusst, wenn du dich abgrenzt. Was steht dir im Weg, dich abzugrenzen? Ist es z.B. das Gefühl, dann den anderen zu verlieren, dass die Bindung abreißt, dass du bestraft wirst, dass du eben einen Verlust erleidest, dass du in Einsamkeit strandest, dass du bewertet oder abgelehnt wirst dafür? Reflektiere dich, gehe auf die Suche und frage dich, was du unterbewusst befürchtest, wenn du dich abgrenzt. Du kannst dich fragen (das ist eine sehr essenzielle Frage generell im Bezug auf Heilung und Integration von traumatisierten Anteilen) was braucht dein innerer Anteil, der das befürchtet? Wenn es einen inneren Anteil in dir gibt, der z.B. Verlust, Bindungsabbruch, Bestrafung befürchtet, dann kannst du dich diesem Anteil zuwenden und dich fragen, was braucht dieser Anteil von mir, um sich sicherer zu fühlen und zu entspannen? Diese Frage nach den Bedürfnissen von inneren Anteilen ist natürlich schon eine ziemliche Hinwendung und damit eine große Verstärkung innerer Verbundenheit. Anteilearbeit generell ist sehr hilfreich, um innere Verbundenheit zu stärken. Für meine Nussschale heute, ist das das, was du tun kannst und ich hoffe, dass diese Folge hilfreich für dich ist.

 

Shownotes:

 

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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