#91 Über Trauer und Verbundenheit

Transformations - Inspiration

Trauer ist ein sehr tiefes und auch vielschichtiges Gefühl. Es ist ein großes Gefühl. Meist wird Trauer ausgelöst durch einen Verlust...

 

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In dieser Folge erfährst Du: 

  • welche Aufgabe Trauer erfüllt
  • dass Trauer ein Prozess ist, der niemals linear verläuft
  • welche Rolle traumatisierte Anteile bei einem trauernden Menschen spielen
  • was es braucht, damit ein Trauerprozess gelingen kann
  • Wieso Verbundenheit so wichtig ist

 

Zu betrauernde Verluste können sehr unterschiedlicher Ursache sein. Das kann der Verlust eines geliebten oder wichtigen Menschen oder Wesens sein. Trauer entsteht auch dann, wenn wir uns in dem Verlust eines Lebenskonzeptes wiederfinden, z.B. durch den Verlust eines Arbeitsplatzes, vielleicht eines unerfüllten Kinderwunsches oder wir betrauern das nicht gelingen eines Planes. Häufig finden sich Menschen zu irgend einem Zeitpunkt in ihrem Leben in einem Trauerprozess um ein nicht gelebtes Leben, wenn sie irgendwann einmal zurückschauen und spüren und sehen, was sie alles hätten leben können, was ihnen aber nicht möglich war. Trauer entsteht nach meiner Erfahrung besonders dann, wenn wir etwas loslassen müssen, das uns am Herzen lag, mit dem wir uns sehr verbunden gefühlt haben. Wenn etwas mit dem wir eine innere Verbundenheit spürten nicht zur Erfüllung kommt, wenn das Gefühl der Unerreichbarkeit sich einstellt. Ich werde in meinen weiteren Ausführungen den Verlust eines geliebten Menschen, mit dem man verbunden war als Ausgangspunkt nehmen, um das Gefühl der Trauer zu beleuchten. Die Prinzipien, die ich hier beschreiben werde, lassen sich im Grunde auf alle anderen Trauerprozesse auch anwenden. Also auf alles, was ich schon genannt habe und auf all das viele mehr, was es noch im Kontext mit Trauer zu beleuchten gibt.

Welchen Sinn hat Trauer?

Ich möchte gerne die Frage in den Raum stellen, wozu Trauer da ist. Was sie für einen Sinn hat. Was die Seele, was das Wesen des Menschen möchte, wenn Trauer stattfindet. Meinem Empfinden nach ist es so, dass die Trauer und ein Trauerprozess dafür da sind, einen Verlust zu integrieren. Dass Trauer den Prozess beschreibt, sich in ein neues Sein hineinzubegeben. Dass Trauer ein Gefühl ist, was der Verbindung und Verbundenheit, die gelebt wurde, Rechnung trägt und die uns gleichzeitig in einem tiefen, tiefen inneren Prozess darauf vorbereitet und dahin bringt in einem neuen Leben anzukommen. Das klingt groß und ich bin davon überzeugt es ist groß! Wenn wir wirklich trauern, dann befinden wir uns in einem Prozess der tiefer kaum sein könnte. Ich glaube, dass Trauer eines der tiefsten und aufrichtigsten menschlichen Gefühle ist. Ich glaube, dass Trauer eines der Gefühle und Erleben ist, das uns mit unserem tiefen Menschsein tief in Kontakt bringt. Wenn wir trauern, sind wir zutiefst soziale Wesen. In einem Gefühl der Trauer spüren wir auf große und starke Art und Weise, wie wichtig uns Verbundenheit ist. Wie viel wir uns über Verbundenheit mit anderen im Leben definieren und wie viel mit dieser Verbundenheit verbunden ist. Wie sehr sie in unserem Leben eine Rolle spielt, wie sehr sie in unserem Selbstgefühl eine Rolle spielt, in unserem Lebensgefühl, in dem Gefühl in was für einer Welt wir eigentlich leben. Die Tiefe eines Trauergefühls hat viel damit zu tun wie tief die Bindung zu dem Menschen oder Wesen, das wir verlieren, gewesen ist.

Zwischenmenschliche Verbundenheit und Identität

Wenn man mit einem Menschen sehr verbunden ist, dann gibt es viele Ebenen im Inneren, die über diese Verbundenheit genährt werden. Wenn wir z.B. mit einem Lebenspartner/in sehr verbunden sind, dann gibt es Anteile in uns, die sich in Verbundenheit mit dieser Person in einer ganz speziellen Art und Weise fühlen. Wenn die Verbundenheit groß ist, dann hat das sogar etwas mit Identität zu tun, mit dem Gefühl von Selbst. Nehmen wir an, wir sind sehr verbunden mit einer Lebenspartnerin. In ihrem Beisein, dadurch, dass sie in die Welt ist, fühlen wir uns als die Partnerin oder der Partner, der wir sind. Wir fühlen uns als ein anderer Mensch, wenn wir mit einem anderen Partner /Partnerin zusammen sind. In der Beziehung ist vieles so intensiv und so verbunden gewachsen, dass es innere Anteile gibt, die sich nur in Beziehung mit dieser Person so erleben, wie sie sich erleben. Das gilt auch für Familienangehörige. Wenn wir beispielsweise eine Großmutter/einen Großvater haben, der/die für uns wichtig ist in der Kindheit, dann erleben wir uns im Zusammensein und in der Verbundenheit mit dieser Person in einer speziellen Art und Weise. „So gut, so leicht, so unbeschwert habe ich mich nur bei Oma und Opa gefühlt.“, sind beispielsweise Erzählungen. Oder, „Meine Oma war diejenige, die mir das Gefühl gegeben hat, wichtig zu sein.“. Wenn du das hörst, dann wird klar, dass der innere Anteil, der sich wichtig fühlen kann und sich als wichtig in dieser Welt erleben kann, sehr mit der Oma verbunden ist. Wenn Oma dann geht, dann muss dieser Anteil einen neuen Halt finden. Ich spreche hier von den gesunden Bindungen, von einem gesunden Gebundensein, das nichts mit Abhängigkeit zutun hat, das einfach mit unserem sozialen Wesen zu tun hat und mit unserer Fähigkeit, tief verbunden zu sein. Wenn wir also Abschied nehmen müssen, einen Verlust betrauern müssen, von jemandem mit dem wir sehr verbunden waren, dann gibt es Anteile im Inneren, die dadurch in ihrer Identität tief berührt sind. Hier möchte ich also darauf hinweisen, dass Bindung und Verbundenheit sehr vielschichtig sind und dass wir im Moment des Verlustes, im Prozess der Trauer der darauf folgt, auf sehr vielschichtige Art und Weise gefordert sind. Das ist wichtig ins Bewusstsein zu bekommen, denn es gibt für Trauer und Trauerprozesse keine Pauschalrezepte, die einem doch aber immer mal wieder angeboten werden.

Trauer als vielschichtiger Prozess

Trauer ist so vielschichtig wie Bindung. Ein Trauerprozess ist also der Prozess, in dem unsere verschieden vielschichtigen Anteile, die eine Bindung zu betrauern haben, unseren Trost unsere Zugewandtheit und unseren Halt brauchen, damit sie sich in dieser Welt, in diesem Leben, in dieser Psyche, in dieser Innenwelt eines Menschen neu orientieren können. Das ist ein mächtiger Prozess, der auch ganz viel mit Wachstum und Reifung zu tun haben kann. Anders gesagt ist ein Trauerprozess ein Prozess der Integration. Die Erfahrungen der unterschiedlichen Anteile in unserem Inneren müssen integriert werden. Erfahrungen von so großer Tiefe wie jene, die durch einen Verlust ausgelöst werden, sind oft erst mal nicht einfach integrierbar. Sie erschüttern in der Tiefe und sie sind einmalig und einzigartig. Ich glaube, man kann sich nicht auf sie vorbereiten und wenn man in diese Situation kommt, wird man sich auf eine neue Art und Weise kennenlernen. Zumindest in einem gewissen Maße. Wenn wir also annehmen, dass ein Trauerprozess dazu dienen soll, ein neues Leben zu kreieren (unter ganz neuen Umständen im Inneren und Außen), neuen Halt zu finden und sich zurechtzufinden, dann wird die Größe und Tiefe dieses Erlebens deutlich.

Was Trauerprozesse erschwert und was sie unterstützt

Vorab noch ein Wort dazu, was es bedeutet, wenn ein Trauerprozess gut gelingt. Ich denke, ein gutes Gelingen drückt sich darin aus, dass man sich trotz eines Verlustes nach und nach wieder mit dem Leben tief verbunden fühlen kann. Dass man aus dem Gefühl des Verlustes, der Trennung, des Alleinseins, des Vermissens und des damit verbundenen großen, hohen Stresses nach und nach wieder im Hier und Jetzt tief verankert, verbunden und genährt fühlen kann. Das wäre ein Gelingen eines Trauerprozesses. Ein Trauerprozess wird dann erschwert, wenn die Beziehung zwischen den beiden Menschen, die voneinander Abschied nehmen müssen, belastet war. Das kann sehr komplex sein. Ein Gelingen eines Trauerprozesses wir dann erschwert, wenn die Umstände des Abschiednehmens sehr widrig und herausfordernd sind. Und er kann belastet sein durch die Vorerfahrungen und Prägungen, die man in sich trägt. Zum Beispiel frühe Verlusterfahrungen in der Kindheit, Bindungstrauma, Verlusttrauma, Entwicklungstrauma. Der Verlust eines geliebten, sehr verbundenen Menschen, kann traumatisch sein, er muss es aber nicht. Wenn die Umstände so sind, dass man friedvoll und in einem behutsamen Prozess voneinander Abschied nehmen kann, dann kann das Abschiednehmen oder das Sterben etwas segensreiches haben. Das erleben wir zumeist, wenn überhaupt, bei Menschen, die im hohen Alter sterben und die ohne intensive medizinische Behandlungen und große Ereignisse, die sie aus dem Alltag reißen, einfach gehen können.

Abschied mit Traumafolgen

Häufig ist es leider so, dass Abschiede und Sterbeprozesse und dementsprechend dann auch der Moment, in dem das Trauern beginnt, traumatisch belastend sind. Zum einen natürlich, wenn der Tod eines Menschen unerwartet und plötzlich eintritt. Wenn sozusagen das Schicksal uns plötzlich auseinanderreißt. Solch ein Erleben ist selbstverständlich so traumatisch, dass zunächst einmal Trauer überhaupt nicht stattfinden kann, sondern all das, was wir im Verlusttrauma kennen. Völliges Überfordertsein, absoluter Schock, ein bodenloses Stürzen in eine Haltlosigkeit. Ein Verlust, der schockartig stattfindet, braucht zunächst einmal sozusagen akute traumatherapeutische Interventionen. In einem solchen Fall braucht es zunächst einmal überhaupt wieder irgendeinen Halt in diesem ganz grauenvollen Moment. Auch wenn die Umstände des Abschiednehmens tragisch sind, kann das Traumafolgen nach sich ziehen. Wenn z.B. das ganze Geschehen durch eine schwere Krankheit ausgelöst ist und man viel Zeit im Krankenhaus verbringt oder häufiger todesnahe Zustände erlebt werden und all das Tragische, was sich in dieser Welt leider so häufig abspielt. Solltest du betroffen sein, sollten meine Worte dich an etwas erinnern, was du vor kurzem oder vor einiger Zeit erlebt hast, dann mag ich dich einladen, ganz liebevoll mit dir zu sein und vor allem die Wärme und den Trost zu spüren, den ich versuche mit in meine Worte zu legen. Ich beschreibe jetzt im Moment das Schwere, um dann bald in die Kurve zum Hilfreichen und Heilsamen zu kommen. Wenn also Schock und Traumaenergie einen Trauerprozess begleiten, oder das Loslassen-müssen, von einem geliebten Menschen, dann ist der Prozess in seiner Tiefe schwerer und komplexer als wenn ein friedvolles Abschiednehmen und friedvolles Sterben stattfinden können. Wenn Schock- und Traumaenergie im Trauerprozess beinhaltet sind, dann braucht es besondere Behutsamkeit und besonders viel Geduld und Raum für das Verarbeiten des Verlustes.

Halt und Co-Regulation als Antrieb für den Trauerprozess

Trauer ist generell etwas, was Raum braucht, um stattfinden zu dürfen, und zwar einen Raum, der Halt gibt. Haltlosigkeit ist ein Gefühl, das Trauernde Leute oft erleben, da Halt in dem, wovon man Abschied nimmt, mit gebunden ist und damit mit verschwindet. Das heißt, damit ein Trauerprozess gelingen kann, braucht es etwas, das Halt gibt. Was kann das sein? Halt geben können vor allem andere Menschen. Wenn wir in einem Trauerprozess sind, in Schock und Traumaenergie, dann brauchen wir Hilfe, uns zu regulieren. Wir brauchen Coregulation. Das gelingt vor allem im Kontakt mit wohlwollenden, zugewandten und liebevollen Menschen. Coregulation kann auch in einem gewissen Maße geschehen durch Umstände, die Halt geben. Wenn also etwas im Alltag übrig ist, was Halt gibt, was so ist wie immer, dann kann das sehr guttun. Häufig hilft es Menschen, die sehr im Trauerprozess und auch noch geschockt und im Traumastrudel sind, sich in die Natur zu begeben und wahrzunehmen, dass der Baum wie immer stabil und verwurzelt dasteht. Dass die Vögel wie immer zwitschern, dass die Natur in ihrer Fülle, in ihrer Schönheit, in ihrer Verbundenheit mit dem Göttlichen uns genauso umgibt, ob wir trauern oder nicht. Haltgebendes ist vor allem zu finden in Verbundenheit. Das liegt auch wieder in unserer sozialen, menschlichen Natur. Es ist wichtig, dass wir in Trauerprozessen mit Menschen in Kontakt sind, die haltgebend und wohlwollend und nährend zur Seite stehen. Das Schlimmste, was in einem Trauerprozess passieren kann, ist allein zu sein. Sich zurückgelassen zu fühlen und in die Energie von Haltlosigkeit und Nichts zu fallen. Leider ist es so, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie mit Trauernden umgehen können. Leider entsteht dann durch dieses Unvermögen, durch diese Befangenheit oft eine Distanz, die sehr schmerzlich sein kann für die Trauernden. Für diejenigen unter uns, die trauernden Menschen begegnen, möchte ich hier einen liebevollen Appell, an den man sich immer erinnern möge, aussprechen: Verbundenheit ist das heilsamste, tröstlichste und hellste, was wir in dunklen Stunden schenken können. Wenn du also jemanden begleitest oder jemandem begegnest der akut trauert, dann erlaube dir einfach da zu sein und dir bewusst zu sein, dass du nichts tun musst. Allein, dass du Verbundenheit anbietest ist haltgebend, nährend und macht einen großen Unterschied. Es braucht keine besonderen Worte, es braucht keine besonderen Handlungen, es braucht deine Bereitschaft mit deinem Herzen präsent zu sein und berührt zu sein von der Trauer des anderen. Einfach verbunden zu sein. Es klingt einfacher, als es oft ist, das weiß ich, aber das Prinzip sollte uns alles im Bewusstsein sein, damit wir uns gegenseitig in diesen Prozessen unterstützen können. Denn niemand von uns wird in diesem Leben davon verschont bleiben. Wir brauchen einander in solchen Momenten. Verbundenheit ist, wie gesagt, das heilsamste, was wir schenken und was wir empfangen können. Zusammengefasst sei gesagt, wenn wir akut in Schock und Traumaenergie sind, ist es sehr wichtig, dass wir uns ganz haltgebende Fürsorge von außen zukommen lassen. Dass wir versorgt werden mit dem, was uns hilft, diese tiefe, tiefe Empfindung zu überleben. Hier ist Verbundenheit das Allerwichtigste.

Traumatisierte Anteile im Trauerprozess

Ich möchte noch auf einen weiteren Punkt eingehen, der Trauerprozesse erschweren kann. Wenn wir, wie schon angedeutet, so etwas haben wie Verlusttrauma, Bindungstrauma, Entwicklungstrauma, dann kann das Trauerprozesse sehr erschweren. Trauer bzw. erstmal der Verlust eines Menschen löst selbstverständlich ein hohes Maß an Stress aus. Wie wir einen Trauerprozess gestalten können, hängt dementsprechend auch ein großes Stück weit mit unserer Resilienz zusammen. Je größer die eigenen Stresstoleranz, je weiter das eigene Stresstoleranzfenster, desto besser wird es gelingen, die tiefen Gefühle, die außerordentlichen Gefühle der Trauer zu halten und sich trotzdem im Hier und Jetzt wahrzunehmen und zu orientieren. Wenn es im Inneren Anteile gibt, die durch Verlusttrauma, Bindungstrauma oder Entwicklungstrauma ohnehin tief verunsichert sind, dann werden diese Anteile in einem akuten Trauerprozess in große Not geraten. Es ist wichtig, dass wir als Begleiter und auch als selbst Betroffene diese Anteile nicht vergessen. Ein Mensch trauert immer mit allen Anteilen. Ein Mensch fühlt immer als Ganzes. Das, was innerlich getriggert wird, was also unverarbeitet noch im Inneren vorhanden ist, wird dann auch aufgewühlt. Das heißt, manchmal müssen wir uns in einem Trauerprozess auch um kleine, kindliche Anteile kümmern. Vielleicht haben diese kindlichen Anteile in der Beziehung zu dem Menschen, von dem man Abschied nehmen musste, viel von diesem Menschen Halt bekommen und sind jetzt haltlos. Es ist wichtig, dass wir Heilarbeit mit den inneren Anteilen machen, die durch den Verlust erneut traumatisiert wurden. Das ist das, was einen Trauerprozess zu einem großen Entwicklungsprozess machen kann, der auch eine lange Zeit Raum brauchen kann. Es greift also definitiv zu kurz, wenn wir als Ziel oder Ergebnis eines Trauerprozesses sehen, dass jemand im Leben zurechtkommt und funktioniert. Ein Trauerprozess ist wie gesagt dann gelungen, wenn ein neues Leben beginnen kann. Wenn man Halt, Orientierung und Neuausrichtung fühlen kann, wenn Loslassen gelungen ist. Unter Umständen kann es auch wichtig sein, mit den Anteilen zu arbeiten, die in der Beziehung zu dem Menschen, den man verliert, in Schwierigkeiten waren. Beziehungen sind häufig komplex und manchmal gibt es durchaus Unausgesprochenes oder Ungelöstes, was über den Tod hinaus bestehen bleibt. Diese Anteile in uns, die diese Konfliktenergie noch tragen, brauchen häufig Aufmerksamkeit. Denn sie tragen oft Schuldgefühle, ein schlechtes Gewissen, Zweifel und Ängste. Sie haben oft keine Klarheit darüber, wie sie sich neu orientieren können ohne den anderen. Eben so wie all die anderen Anteile, die tief verbunden waren.

Trauern bedeutet immer auch Loslassen

Loslassen ist eine Form der Integration. Hierzu habe ich übrigens vor einiger Zeit eine Podcastfolge aufgenommen, du findest sie in den Shownotes verlinkt. Einen Menschen loszulassen gelingt am Besten dann, wenn man das Gefühl hat, mit ihm im Reinen zu sein. Es kann also sein, dass es in einem Trauerprozess noch einmal wichtig ist, ungeklärte Erlebnisse oder Empfindungen, die in der Beziehung eine Rolle gespielt haben zu reflektieren. Das geht natürlich leider nicht mehr mit dem Menschen, der nicht mehr da ist. Aber es geht mit einem Therapeuten/ einer Therapeutin, mit einem/einer Vertrauten, mit dem/der man reflektieren kann, was es braucht, damit man in sich mit dem Ungeklärten doch in Frieden kommen kann.

Verbundenheit reicht bis über den Tod hinaus

Ich habe nun einiges über die Komplexität von Trauerprozessen gesagt und möchte zum Abschluss auf die wichtigste Essenz eingehen, die wir brauchen, um Trauerprozesse gelingen zu lassen und mit einem warmen Herzen aus einem solchen Prozess hervorgehen zu können. Wie gesagt ist Verbundenheit in meinen Augen das Wichtigste, was es braucht, um durch einen Trauerprozess zu kommen. Ich möchte aber auf den Aspekt der Verbundenheit noch einmal eingehen, den wir zum verstorbenen Menschen gelebt haben. Es ist für mich im Laufe meiner Jahre in meiner Praxis, in denen ich viele Trauerprozesse begleiten durfte, sehr deutlich geworden, wie wichtig es ist, dass wir uns als Trauernde erlauben, die Verbundenheit zu demjenigen, der nicht mehr da ist, weiterhin zu fühlen. Es gibt das Empfinden von Verbundenheit über den Tod hinaus. Das gibt es vielleicht auch ohne ein Konzept von Reinkarnation oder einer religiösen Sicht auf den Tod. Es gibt die Möglichkeit, die Verbundenheit zu dem Menschen, der nicht mehr da ist, im Herzen aufrecht zu erhalten. Verbundenheit ist das absolute Heilungselixier gegen das Gefühl von Einsamkeit, Verlassenheit und Verlust. Das klingt erst einmal Paradox. Denn in dem Moment, in dem jemand nicht mehr da ist, Verbundenheit nicht mehr so gelebt werden kann, wie wir es kennen. Verbundenheit kann aber in den Momenten gelebt werden, in denen wir die Liebe spüren zu dem Menschen, der nicht mehr da ist. Liebe ist ein Ausdruck von Verbundenheit oder Verbundenheit ist ein Ausdruck von Liebe, wie rum auch immer du es sehen magst. Ich habe die schönsten Momente mit trauernden KlientInnen erlebt, in den Augenblicken, in denen sie sich mit ihrer Liebe zu dem Menschen, der nicht mehr da ist, verbunden haben und dadurch ein tiefes Gefühl von Verbundenheit entstanden ist. Häufig war das sehr emotional, aber niemals war es bodenlos oder haltlos. Ich bin überzeugt davon, dass Verbundenheit bleibt. Ich selbst, das ist meine persönliche Überzeugung, bin eben davon überzeugt, dass wir auch über den Tod hinaus verbunden sind. Dass die Seele nicht sterblich ist. Dass ein Licht, eine lichtvolle Energie von unbeschreiblicher Schönheit und Größe in diesem Universum erhalten bleibt, auch wenn eine Seele, einen Körper verlässt. Wenn jemand geht, wenn jemand seinen sterblichen Körper verlässt, dann verändert sich die Welt, weil diese Welt dann ohne diesen Menschen ist. Sie ist ohne seine physische Präsenz, sie ist ohne sein Strahlen, sein Leuchten, seine Energie die er ausstrahlt. Aber das Universum ist nicht ohne diese Energie. Nach meiner Überzeugung ist diese Energie im Universum nach wie vor enthalten. Es gibt die Möglichkeit sich mit dieser Energie nach wie vor zu verbinden. Ich finde das einen sehr tröstlichen Gedanken und ich vermute, dass er nicht für jeden greifbar sein kann, aber vielleicht doch für die meisten Menschen. In jedem Fall, egal welcher Überzeugung du selbst bist, kannst du immerzu über die Liebe, die du für einen Menschen, für ein Wesen empfindest, mit diesem Wesen in eine Art Verbundenheit gehen. Liebevolle Erinnerungen können Verbundenheit stiften. Liebevolle Gefühle zu aktivieren, aktiviert Verbundenheit in uns und damit erstrahlt, ich möchte es einmal so sagen, über der Trauer oder um die Trauer herum ein helles Licht. Die tiefste Wahrheit in Beziehungen ist die Verbundenheit. In der Verbundenheit sehen und fühlen wir uns wirklich, jenseits von den Bildern und Konzepten, die wir voneinander haben. Verbundenheit ist etwas Heiliges. Verbundenheit ist etwas so Wahrhaftiges, dass es über den Tod hinaus überdauert. Tatsächlich ist es so, dass die Trauer einen Halt und, um es einmal etwas pathetisch auszudrücken, einen heiligen leuchtenden Schein bekommt, wenn wir die Verbundenheit in unser Gefühl einlassen. Im Halt der Verbundenheit kann Trauer mit allen Gefühlen sehr tief sein und sie wird nicht bodenlos sein. Ich mag dich also, solltest du je betroffen sein oder solltest du begleitend zugegen sein, immerzu ermutigen und einladen, auf die Verbundenheit zuzusteuern. Die Verbundenheit und das Gefühl der Verbundenheit wird Schleusen öffnen, wird Tränen zum Fließen bringen. Aber es sind Tränen der Liebe, der Verbundenheit und der Wahrhaftigkeit der Beziehung. Diese Tränen sind heilsam. Ich mag zum Abschluss noch sagen, dass Trauer etwas ist, was sicher in Wellen stattfindet. Manchmal packt sie einen unvermittelt und manchmal ist es so als hätte man keinen Zugang zu ihr. Manchmal hat man das Gefühl man ist schon ganz viel weiter gekommen und dann reißt es einen doch wieder tief hinein. Es ist gut darauf vorbereitet zu sein, auch wenn man Menschen begleitet. Trauer ist kein linearer Prozess, sondern ein sehr kurviger. Und immerzu, und immerzu und immerzu ist Verbundenheit das hilfreichste, das heilsamste, was wir geben und empfangen können. Also mag ich dich in diesem Sinne einladen, dies in deinem Herzen mitzutragen und in dem Moment, wo Trauer in deinem Leben eine Rolle spielt, mit Verbundenheit integrierend zugegen zu sein und dich und andere zu begleiten. Verbundenheit für all die Anteile die trauern. Verbundenheit für die Anteile, die in einer Traumatisierung reaktiviert werden. Verbundenheit zwischenmenschlich, Verbundenheit die uns Halt gibt. Verbundenheit die uns in unserer Verletzlichkeit und Feinheit als menschliche Wesen achtet. Die es uns erlaubt tief zu trauern, diesen wichtigen Prozess zu erleben, um dann in einem neuen Leben nach und nach Fuß zu fassen. Trage die Verbundenheit im Herzen wie ein Licht, das auch das neue Leben erhellt um damit weiterzugehen.

 

Shownotes:

 

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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