#86 Erleben wir gerade ein kollektives Trauma?

Transformations - Inspiration

Von meiner ganz persönlichen Warte aus gesprochen muss ich sagen, dass ich die gegenwärtige Situation als eine Situation erlebe, die definitiv das Potenzial hat zu einer kollektiv traumatisierenden Situation zu werden und die es vermutlich in gewissen Regionen dieser Welt schon ist...

 

button blog YT       button blog itunes 

In dieser Folge erfährst Du: 

  • wieso die gegenwärtige Situation „Coron Krise“ das Potenzial hat, ein kollektives Trauma zu werden
  • welche unbewussten Reaktionen wir mit Achtsamkeit im Auge behalten sollten
  • dass in dieser Zeit transgenerationale Traumata getriggert werden
  • was du wir tun können um ein kollektives Trauma zu verhindern

 

Was bedeutet kollektives Trauma?

Zunächst noch ein paar Worte zu dem Begriff „kollektives Trauma“ und was damit eigentlich gemeint ist. Wenn du meinem Podcast schon etwas länger folgst, dann kennst du dich mit dem Thema Trauma vielleicht schon etwas aus. Du wirst vermutlich ein Bild davon haben, was ein individuelles Trauma ist. Das Trauma, was man als Individuum, als eine einzelne Person erleidet. Das ist eine sehr individuelle Geschichte, ein ganz persönliches Erleben. Bei einer kollektiven Traumatisierung erleben viele Menschen unter den gleichen Einflüssen ihre individuelle Traumatisierung, wie z.B. in einem Kriegsgeschehen, wenn Menschen gemeinsam eine Naturkatastrophe erleben oder eben jedwede andere traumatisierende Situation, die mehrere Menschen, ein Kollektiv, gemeinsam erleben. Kollektive Traumatisierungen sind deswegen besonders wichtig zu verstehen und auch gewichtig für eine Gesellschaft, da sie eben so viele Menschen betreffen, dass die Aufarbeitung erschwert ist. Bei einem individuellen Trauma kann es möglich sein, dass ein Umfeld und dessen wohltuenden Umstände helfen können zu heilen oder Traumafolgen nach und nach abzubauen. Bei einer kollektiven Traumatisierung ist es so, dass alle im Umfeld Symptome tragen, dass alle im Umfeld oder zumindest die allermeisten selbst in ihrer Traumafolge stecken, ihre eigenen Strategien entwickeln und zum Beispiel nicht gesprochen wird über das traumatische Geschehen. So dass gewisse Verhaltensweisen Konsens werden, Verhaltensweisen der Vermeidung, Verhaltensweisen, die dazu führen sollen, nichts zu triggern, was mit der kollektiven Traumatisierung zu tun hat. Kollektive Traumatisierungen sind oft auch die Traumatisierungen, die transgenerational weitergegeben werden, was natürlich am Beispiel der Kriegstraumatisierung sehr, sehr deutlich wird. Wenn du dich dazu schlauer machen möchtest, dann lausche gerne in eine vergangene Podcastfolge rein, du findest sie in den Shownotes verlinkt, in der ich über transgenerationale Traumatisierung spreche.

Wann die aktuelle Situation potenziell traumatisierend wirkt

Nun also zu unserer gegenwärtigen Situation, sowohl hier in Deutschland als auch global betrachtet. Eine Situation entwickelt dann das Potenzial traumatisch zu werden, wenn die eigenen Bearbeitungsmechanismen nicht zum Verarbeiten und Bewältigen der Situation ausreichen. Wenn also die Situation nicht bewältigt werden kann und nicht verarbeitet werden kann, was geschieht. In der momentanen Situation erleben sehr viele Menschen diese Situation als derartig überfordernd, dass sie das Potenzial hat, zu einer Traumaerfahrung zu werden. Viele Menschen und wir als Kollektiv erlebten in den letzten Wochen ein plötzliches Wegbrechen von normalen Dingen. Von dem, was für uns gesetzt war, was dementsprechend auch stabilisierend war. Was vielleicht auch Identitätsstiftend war, was essenziell war um sich im eigenen Leben als die Person wahrzunehmen, die man ist. Es sind also plötzlich Dinge weggebrochen, die stabilisierend waren wie z.B. soziale Kontakte, die Möglichkeit Arbeiten zu gehen, die Möglichkeit sicher zu sein, dass wenn man Arbeiten geht, am Ende des Monats das Gehalt auf dem Konto ist. Oder Arbeiten zu gehen und durch seine selbständige Arbeit die Gewinne zu erzielen, die man braucht, um sich sicher zu fühlen. All diese Sicherheiten, dieses Normale, Stabilisierende ist in den letzten Wochen plötzlich weggebrochen. Auch wenn gewisse Maßnahmen erst entschieden werden mussten und gewisse Zeit vergangen ist bis Entscheidungen gefällt wurden, hat das doch eine enorme Geschwindigkeit. Dieses Geschehen entwickelte sich in einer Schnelligkeit, die Maßnahmen entwickelten eine Härte in einer gewissen Geschwindigkeit, die nicht zu erwarten war, die nicht überschaubar war. Das heißt, wir haben auch kollektiv mit einer Unberechenbarkeit und Unvorhersehbarkeit in dieser Situation zu tun. Niemand konnte genau sagen, was passieren wird. Niemand konnte genau sagen, wie sich Dinge entwickeln würden und niemand kann es bis jetzt. Wir warten im Grunde immer auf die nächsten Entscheidungen, die von oben angeordnet werden und diese sind relativ unberechenbar und relativ unvorhersehbar. Es gibt nicht wirklich eine Langzeitperspektive, ab wann Besserung oder Normalität sich wirklich wiederherstellen. Unvorhersehbarkeit ist eine Grundlage für traumatisches Erleben, denn Unvorhersehbarkeit in einer bedrohlichen Situation führt zu enormem Stress. Unvorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit zu erleben, führt zu einem Gefühl der Ohnmacht. Denn es gibt keine Parameter, nach denen man sich ausrichten könnte und wohin man seine Energie der Abwehr oder der Flucht oder eben der Bewältigungsstrategie richten könnte. Die Unvorhersehbarkeit macht planen unmöglich, so dass Planungssicherheiten wegbrechen, was wiederum zu Stress und Angst führen kann. Unberechenbarkeit, Unvorhersehbarkeit und das plötzliche Wegbrechen der Dinge, die wir kennen als stabilisierend und normal sind alles Aspekte, die so überlastend und so stressend sein können, dass wir in einer Kampf- oder Fluchtreaktion stecken bleiben und uns ohnmächtig fühlen, was die Voraussetzung für das Erleben von Traumafolgen ist. Wir müssen uns ohnmächtig und hilflos fühlen, damit eine Erfahrung traumatisch werden kann. Das schonmal als kleine Randnotiz zum Merken. Man muss sich ohnmächtig und hilflos fühlen um aus einer Situation traumatisiert hervorzugehen. Wir werden uns später anschauen was helfen kann aus Ohnmachtsgefühl und Hilflosigkeit herauszukommen.

Folgen von Fremdbestimmung

Ein Aspekt der gegenwärtigen Situation, der auch das Zeug hat, sich traumatisch auszuwirken, ist der Aspekt der Fremdbestimmung. Natürlich ist es wichtig in einer solchen Situation nichts Unvernünftiges zu tun und es ist auch sinnvoll, dass die Regierung gewisse Maßnahmen zur Pflicht erklärt, bzw. zur Orientierungshilfe formuliert. Leider ist es aber so, dass gewisse Aspekte dieser Entscheidungen und Verpflichtungen so einschneidend in unsere Persönlichkeitsrechte sind, dass es sich anfühlt wie Fremdbestimmung und es tatsächlich auch ist. Es sei nun einmal dahingestellt ob dies zum Schutz einer gewissen Personengruppe stattfindet oder zu einem anderen Zweck. Das, was erlebt wird, ist das Gefühl der Fremdbestimmung. Ich zähle hier einfach mal ein paar Beispiele auf, die beispielhaft sind für das Empfinden und Erleben von Fremdbestimmung und die Dramatik, die sich dadurch entwickeln kann. Ich meine mit dieser Art Fremdbestimmung nicht die Empfehlung sich nur auf einen Abstand von 2m einem anderen Menschen zu nähern oder keine Großveranstaltungen ausrichten zu dürfen. Sondern zum Beispiel die Situationen, in denen Angehörige nicht zu schwerkranken Personen gelassen werden, die vielleicht im Sterben liegen oder die in so angstvollen und traumatischen Situationen allein gelassen werden. Ich spreche hier von Situationen in denen schwerkranke Menschen nicht ihre anstehenden Operationen oder Therapien vornehmen können, auf die sie sich schon lange innerlich und äußerlich vorbereitet haben und die mit ihrer voranschreitenden Krankheit ohne Behandlung oder mit ungewiss verzögerter Behandlung in einer Warteposition gehalten werden. Ich spreche auch von den Menschen, die in den Altenheimen sitzen und ihre Angehörigen nicht sehen dürfen. Ich spreche von den Momenten, in denen Menschen, die es sich in einem Zweitwohnsitz eingerichtet haben, in dem sie vielleicht den großen Teil ihres Lebens verbringen, ausgewiesen werden, weil beschlossen wurde, dass das nicht rechtens sei, dort zu sein. Es werden also Persönlichkeitsrechte eingeschränkt, die essenziell sind, um nicht traumatisiert zu werden. Die Person, die im Krankenhaus liegt und nicht besucht werden kann, die Person, die vor dem Krankenhaus steht und nicht zum ihrem/ihrer geliebten Angehörigen hereinkann, die Menschen, die vereinsamen in ihrer Isolation, erleben in diesem Moment definitiv eine traumatische Situation. Das sind die Menschen, die in diesem Moment ohnehin die Gefahr erleben, oder Gefahr laufen, traumatisiert zu werden, weil sie ohnehin in einer Ausnahmesituation sind. Das sind ein paar kleine Beispiele wo einfach sichtbar wird, dass das Gefühl der Fremdbestimmung sich automatisch einstellen muss, wenn die natürlichsten Bedürfnisse und das naheliegendste was wir als fühlende Wesen tun würden, nicht mehr gestattet ist und wenn in diesen Momenten auch die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen nicht unbedingt so kristallklar wahrnehmbar ist, dass man sich mit Leichtigkeit fügen möchte. Man könnte jetzt vielleicht sagen, das sind ja Einzelbeispiele. Ich muss leider sagen, das stimmt nicht. Das ist ein absolutes Massenphänomen, weil das gesamte Gesundheitswesen von diesen Maßnahmen betroffen ist, wenngleich nicht das gesamte Gesundheitswesen von dem Coronavirus und seinen Auswirkungen direkt betroffen ist. Es geht mir hier nicht darum, Maßnahmen oder Verhältnismäßigkeiten in Frage zu stellen, das wäre ein anderes Thema. Sondern es geht mir darum zu schauen, was hier gesellschaftlich passiert. Der Aspekt der Fremdbestimmung ist ein Aspekt der traumatisierend wirken kann, weil natürlichste Impulse unterbunden werden.

Der Mensch als „Gewohnheitstier“

Etwas was sehr interessant ist, ist, dass wir inzwischen eine Art Gewöhnungseffekt beobachten können. Es ist ein sehr interessanter Aspekt zu sehen, dass viele Menschen das Gros der Gesellschaft in eine Art vorauseilenden Gehorsam eingerastet ist. Es gibt inzwischen kritische Stimmen, die Verhältnismäßigkeiten hinterfragen, es gibt aber auch sofortige Reaktionen auf die kritischen Stimmen. Dass es nicht solidarisch wäre, kritisch zu sein. Dass es nicht in Ordnung, herzlos, dass es in irgendeiner Weise nicht angemessen wäre und dass es der einzig richtige Weg wäre, den zu gehen, der vorgeschrieben ist. Wie gesagt, es geht nicht um die Kritik an dem was vorgeschrieben ist, sondern um das Phänomen was hier geschieht. Ich vermute mehrere Dinge hinter diesem Phänomen des „brav seins“ und „gehorsam seins“. Ich vermute, dass der Gewöhnungseffekt z.B. auf Umarmungen zu verzichten, seinen Teil dazu beiträgt. Es gibt eher Irritationen, wenn einem jemand die Hand hinhält als dass es einem passiert, dass man selbst noch die Hand ausstreckt zum Schütteln. Es ist ein Bestreben unseres Gehirns, Kohärenz zu erzeugen, also den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Den Weg des geringsten Energieaufwandes. Wenn Angst im System ist, ist es die einfachste und am wenigsten aufwendige Lösung, sich angstadäquat, furchtadäquat zu verhalten und dementsprechend ganz schnell das Verhalten zu adaptieren. Das bedeutet, dass wir in dem Gewöhnungseffekt im Grunde den Zweck erfüllen, unsere ängstlichen Gefühle zu managen und auch Gefühle, die vielleicht stärker sind, weg zu blenden. Es ist sehr anstrengend, kritisch zu sein. Es ist nicht leicht, den ganzen Tag das, was wir tun müssen, zu hinterfragen. Besonders dann nicht, wenn wir an einer Stelle im System sitzen, wo diese Verhaltensweisen sehr vordergründig sind. Es wird sehr anstrengend sein für die Kassiererin, darüber nachzudenken, ob das jetzt gerade Sinn ergibt oder ob das vielleicht unangemessen ist. Es wäre sehr anstrengend für Menschen, die irgendwelchen Maßnahmen unterliegen oder mit ihren Kindern im Home-Office sind, sich ständig zu fragen „macht das hier alles Sinn?“. Also hilft uns der Gewöhnungseffekt uns schneller anzupassen.

Druck – Trigger für transgenerationale Belastungen

Ich glaube aber auch, und das ist eigentlich der noch interessantere Punkt, dass jetzt im Moment sehr viele transgenerationale Belastungen wieder getriggert werden. Es ist quasi so, dass wir beobachten können, dass auf die Reaktion des Solidarischseins, wie wir es besonders in den ersten Tagen der Einschränkungen sehen konnten (Klatschen auf dem Balkon, gemeinsam musizieren um 18 Uhr, sich solidarisch verhalten in dem man sich schützend verhält) inzwischen ein Druck gelegt wurde. Dass also der Druck der Solidarität zu einer Art Unterwerfung führt. Das Gefühl der Solidarität weicht immer weiter zurück, weil das, was zu tun ist, inzwischen Zwang geworden ist, Zuwiderhandlung wird geahndet, wird bestraft. Das, was in dem Moment geschieht, wo auf das eigene Verhalten eine Strafe oder eine Ahndung gesetzt wird, ist der Verlust der Freiwilligkeit und deswegen kollektiv -und darauf will ich im Grunde hinaus- der Trigger all der Erfahrungen, die wir in der Vergangenheit gemacht haben mit totalitären Regimen. Einfach ausgedrückt: in totalitären Regimen, die in der Regel in Kriegszeiten an der Macht sind, muss sich der Mensch unterwerfen, denn sonst läuft er Gefahr, sein Leben zu verlieren. Hier haben wir die Situation, dass wir Gefahr laufen, wenn wir nicht solidarisch sind, die Schuld zugewiesen zu bekommen jemand anderen das Leben zu kosten. Diese Situation ist komplex und sie führt zu Einschüchterung, sie führt zu einer subtilen, tiefen Belastung, die uns auf einer Ebene, wo die kollektive Traumatisierung unserer vorangegangenen Generationen noch wirken, definitiv destabilisieren können. Wir sehen also in dieser gegenwärtigen Situation auch noch, wie stark die kollektiven Traumatisierungen in unserem Land und in unterschiedlichen Ländern dieser Welt immer noch wirken.

Solidarität und Denunziation

Es ist zu beobachten, dass die Solidarität Grenzen hat. Typisch für den Menschen, hat die eigene Solidarität Grenzen. Es ist leicht, sie abstrakt zu halten und mit gewissen Berufsgruppen solidarisch zu sein, aber wenn man in den eigenen Mangel gerät, wenn man selbst vor dem leeren Klopapierregal steht und nichts mehr bekommt, dann wird potenziell der Mitmensch zum Feind. Auch das ist eine Bewegung, die wir im Moment hier und da beobachten können. Es gibt die Beobachtung, die zum Beispiel von Soziologen oder auch von Traumatherapeuten inzwischen mit dem Begriff der Denunziation bezeichnet wird. Dass also die Polizei gerufen wird, wenn jemand, jemand anderen auf einer Parkbank sitzen sieht, wo das doch nicht mehr erlaubt ist. Oder wo sich mehr als zwei Menschen treffen und dann die Polizei gerufen wird, damit diese kleine Versammlung aufgehoben wird. Das ist ein interessantes Phänomen und es geht mir, wie du dir vorstellen kannst, nicht um eine Bewertung und auch nicht um eine Abwertung oder Schuldzuweisung der Personen, die hier die Polizei rufen. Sondern es geht mir darum, die Dynamik zu verstehen. Wenn das kollektive Trauma getriggert wird, dann ist ein Schutz vor Verlust der eigenen Existenz, von Verlust der eigenen Sicherheiten, der vorauseilende Gehorsam. Dann ist es sicher, wenn man sich darauf bezieht, alles richtig machen zu wollen. Dann entspricht ein „alles richtig machen wollen“, einer Angstreaktion. Einer tiefen, getriggerten, subtilen Angstreaktion. Das bringt  uns in die Gefahr, gesellschaftlich unser kritisches Denken, unser wirkliches Mitfühlen, unser demokratisches Wertegerüst, unser Ausgerichtetsein auf eine pluralistische und demokratische Gesellschaft, zu verwässern. Es mag sein, dass das jetzt doch ein bisschen politisch klingt, aber es ist primär nicht so gemeint. Wir können sehen, wir können kollektiv, global betrachten, dass in diesem Moment starke, autoritär auftretende Machtmenschen, Regierungsoberhäupter oder eben Menschen mit Macht populär sind. Dass Menschen, die stark führen, in diesem Moment Menschen sind, die stark lenken können, weil Angst dazu führt, dass man Sicherheit sucht. Wenn da ein Mensch ist, der sagt „So muss es gehen und so müssen wir es machen“, dann kann es sein, dass das für die Anteile in uns, die getriggert oder die in Angst sind, beruhigend wirkt. Darauf müssen wir ein bisschen achten. Auf der gesellschaftlichen Ebene müssen wir darauf achten, aus dieser Angstreaktion wieder herauszukommen.

Wie kann es gelingen, dass diese Situation nicht zu einem kollektiven Trauma wird?

Wie ich schon gesagt habe, glaube ich, dass die Situation für viele Menschen individuell schon traumatisierend ist und dass es eine große Aufgabe wird, diese Situation wieder zu heilen. Es steht noch in den Sternen, wie dies gelingen wird. Klar ist, dass uns gesellschaftspolitisch und auch als Menschen untereinander die große Herausforderung bevorsteht, all das, was jetzt gerade kaputt geht und Schaden nimmt, so wieder aufzubauen, dass es heilsam ist und nicht frustrierend. So dass wir also ohnehin einiges zu heilen haben. Dennoch gibt es noch ein paar Aspekte, auf die wir individuell achten können, damit wir das Potenzial für eine kollektive Traumatisierung möglichst minimieren können. Menschen, die resilient sind, die eine natürliche, gewachsene, vielschichtige Widerstandsfähigkeit haben, haben ein geringeres Risiko, traumatisiert zu werden. Wie können wir das auf die Gesellschaft übertragen? Jeder einzelne von uns trägt dazu bei, wie resilient wir als Gesellschaft sind, wie resilient wir als Kollektiv sind. Und jeder einzelne von uns, der für sich, für seinen Nächsten sorgt und damit eine Traumatisierung folgend aus dieser Situation hier vermeidet, trägt einen Teil dazu bei, dass diese Situation zu keinem kollektiven Trauma wird. Je weniger Individuen hier traumatisiert werden, desto weniger wahrscheinlich erleben wir ein kollektives Trauma. Je weniger Menschen, je weniger Individuen sich in automatischen Kampf-, Flucht- oder Überlebensreaktionen aufhalten über eine längere Zeit, desto geringer die Wahrscheinlichkeit der kollektiven Traumatisierung.

Verbundenheit und Werte

Nach meinem Empfinden gibt es zwei Ebenen, auf denen wir für uns, unsere Gesellschaft und damit unsere Zukunft sorgen können. Die eine Ebene ist die, unser Nervensystem zu regulieren, in einem Zustand zu verweilen und uns immer wieder zu regulieren, der nicht zu Dauerstress und Dauerüberlastung führt. Also sich um die eigene Energie, das eigene Erleben und das eigene Empfinden zu kümmern. Die andere Ebene ist die, auf der wir unsere Werte, die unsere Gesellschaft zu dem machen, was sie sein kann, nämlich eine pluralistische, kreative, demokratische, lebendige Gesellschaft, hochzuhalten und für sie einzustehen. Das bedeutet auf der Ebene wach zu bleiben, kritisch zu bleiben und auch im Nachhinein in einer Klarheit zu bleiben, welche Werte wir als Gesellschaft weiter nähren wollen und nach welchen Werten wir uns ausrichten wollen. Den eigenen Werten zu folgen, eigene Werte zu verfolgen und mit Energie zu erfüllen ist etwas, was Selbstwirksamkeit darstellt und was eine Ausrichtung ermöglicht. Den eigenen Werten zu folgen, den Werten, die wir für gesellschaftlich und natürlich auch für individuell wichtig halten, zu folgen, bedeutet eine Richtung zu haben, in die die eigene Energie fließen kann und eine Klarheit zu haben, wie die eigene Energie fließen soll. Das halte ich für sehr wichtig, denn es besteht die große Gefahr, dass wir besonders dann, wenn wir unter wirtschaftlichen, existenziellen Folgen leiden, in der Zukunftsplanung die eigentlich anders gedacht war usw., dazu neigen, höhere Werte zu opfern für das Wiederherstellen eines Status, der vorher vorhanden war. Deswegen finde ich es so essenziell wichtig, dass wir uns unserer Werte, individuell und als Gesellschaft bewusst sind. Dass du dir und ich mir bewusst bin für welche Werte ich auch im Nachhinein, nach den Folgen dieser „Krise“ oder während der Folgen dieser sogenannten „Krise“ bewusst sein und einstehen möchte. Das halte ich für einen sehr wichtigen Teil, für einen sehr wichtigen Aspekt zur Verhinderung von einer kollektiven Traumatisierung. Für die individuelle Ebene ist es ganz wichtig, das eigene Nervensystem reguliert zu halten, damit eigene Impulse, eigene kreative und schöpferische Kräfte fließen können. Dazu habe ich schon ganz viel in einer vorangegangenen Podcastfolgen gesagt, die sich darum dreht, wie wir in Balance durch die Krise kommen können. Vielleicht magst du sie dir noch einmal anhören. Ich möchte so gerne noch klarstellen, dass ich der Meinung, der Ansicht bin, dass Verbundenheit das allerwichtigste und wirksamste Tool, Werkzeug oder der wichtigste Zustand ist, den wir erreichen können, um Traumatisierung zu verhindern. Ob individuell oder kollektiv. Verbundenheit ist ein Zustand, der uns hilft, zu heilen, der uns hilft, aus der traumatischen Zange herauszukommen, der uns hilft, aus Ohnmacht und Hilflosigkeit herauszukommen. Verbundenheit nehme ich als den Schlüssel wahr, um kollektive und individuelle Traumatisierung in dieser Situation auffangen zu können. Ganz kurz zusammengefasst: Kümmere dich, wenn du deinen Teil beitragen möchtest, diese Situation so zu gestalten, dass wir sie meistern können, um die Verbundenheit zu dir selbst, zu dem was dir gut tut und dich unterstützt, reguliert zu bleiben. Sorge auf die bestmögliche Art für dich. Frage um Hilfe, tausche dich aus, bleibe verbunden. Auf der gesellschaftlichen Ebene verbinde dich mit den Werten, die du für wichtig hältst, für die du einstehen möchtest, damit unsere Gesellschaft gesund bleiben kann. Damit wir stärker sind als die kollektiven Traumatisierungen, die getriggert sind, damit wir stärker sind, als die Ideen und Möglichkeiten die uns vorgeschlagen werden, von Menschen die vielleicht Interesse haben an Macht oder der Wiederherstellung von irgendeinem Status, statt an der Wiederherstellung einer demokratischen, pluralistischen, lebendigen, blühenden, fröhlichen, kreativen, gleichberechtigten und sich entwickelnden Gesellschaft. Also Verbundenheit und Werte sind mein Senf zur Inspiration, um diese Situation meistern zu können.

SHOWNOTES:

 

 

 

button termine

Meinen Podcast findest du auch auf: iTunes

Auf meinem YouTube-Channel 

Spotify und allen weiteren kostenlosen PodcastApps

Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

Wenn Du künftig keinen Podcast mehr verpassen möchtest, melde Dich gerne zum kostenlosen Newsletter an.

 

LEBE KREATIVE TRANSFORMATION

Tausche Dich mit anderen kreativen, wachen Menschen in meiner Facebookgruppe aus: Transformationsinsel

Meditiere mit mir und anderen für Deine Kreative Transformation beim kostenlosen Online Mediabend:

 akademie header txt VK