#85 Schwierige innere Anteile verstehen

Transformations - Inspiration

Ich erlebe es immer wieder in der Praxis und sicherlich erleben es auch die meisten Menschen unter uns, ich eingeschlossen, dass es immer wieder im Leben so etwas gibt wie einen inneren Widerstreit oder das Gefühl, dass trotz größten Bemühens und trotz aufrichtigster Absicht manche Dinge einfach nicht gelingen, weil scheinbar im Inneren sich irgendetwas sperrt, blockiert oder sabotiert....

 

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In dieser Folge erfährst Du: 

  • was für Kategorien von Ego States es gibt
  • wie es dazu kommt, dass man Ego States entwickelt
  • welche Funktion sie haben
  • was Täterintrojekte sind
  • dass alle Anteile für Dich sind
  • was es braucht um Anteile heilsam zu unterstützen

 

Wie du in der Folge #30 gehört hast, oder wie dir vielleicht auch ohnehin schon vertraut und bewusst ist, ist es ganz natürlich, dass wir alle unterschiedliche Anteile in unserem Inneren tragen, die unsere Gesamtpersönlichkeit ausmachen. Ich vermute, dass dir dieses Modell oder diese Sichtweise ebenso oder ähnlich angenehm ist wie mir. Es ist tatsächlich so, dass ich es mir in meiner Praxis nicht vorstellen kann ohne die Ego State Sichtweise, ohne die Innere Anteile Arbeit zu arbeiten. Ganz besonders im Bezug auf Trauma und Traumatherapie ist es unglaublich hilfreich. Unter anderem weil es in die Lage versetzt, zu gewissen Gefühlen, inneren Mustern, Haltungen oder auch Symptomen eine ganz gesunde und hilfreiche Distanz zu bekommen, die es uns ermöglicht, mit den verschiedenen Anteilen zu arbeiten. Bevor wir in die Tiefe steigen, möchte ich dir zu Beginn dieser Folge einen kleinen Schnipsel aus der Folge #30 einspielen, in dem ich die Kategorisierungen von Ego States benenne. Und auch in dieser Folge möchte ich dich einladen, beim Lauschen gut für dich zu sorgen, zu schauen ob du‘s bequem genug hast, ob dir vielleicht etwas fehlt. Ich mag dich dazu einladen, gut für dich zu sorgen und auch immer wieder nachzuspüren wie es dir geht und darauf zu achten, was meine Ausführungen in dir berühren oder bewegen, um direkt beim Lauschen zu integrieren und bei dir zu bleiben auch wenn vielleicht etwas innerlich berührt oder aufgewühlt wird.

Rückblick #30 – Kategorisierungen von Ego States / Anteilen

„Nun noch einmal kurz zu den grundlegenden Kategorisierungen von Ego States. Man unterscheidet heute in der Ego State Therapie drei grobe Kategorien von Anteilen, die in einem Menschen vorhanden sind. Die erste Kategorie beschreibt die „grundsätzlich ressourcenreichen Anteile“. Also wohltuend, kraftvoll, unterstützend und stärkend. Die zweite Kategorie nennt sich „verletzte Ego States“ und die dritte Kategorie nennt sich „verletzende oder destruktiv wirkende Anteile“. Diese verschiedenen Anteile haben natürlich ganz unterschiedliche Wirkungen in unserem sogenannten Innensystem, innerpsychisch in unserem Inneren. Zu ressourcenreichen Anteilen gehören zum Beispiel Anteile der inneren Stärke, innere Helfer oder auch der innere Beobachter und das wohlwollende Gewahrsein von dem ich immer wieder spreche. Verletzte Ego States sind häufig sogenannt „symptomassoziiert“. Also sie drücken sich oft durch Symptome aus, durch Schmerzen, durch Muster, durch dysfunktionale Verhaltensweisen oder Gedankenmuster und auch Selbstbilder. Zu den verletzten Ego States gehören auch die traumassoziierten Ego States. Also Anteile in uns, die durch Traumatisierungen geprägt wurden bzw. sich vielleicht auch erst durch Traumatisierung entwickelt haben. Dazu später ein bisschen mehr. Zu der Kategorie der verletzenden oder destruktiv wirkenden Anteile gehörten Anteile wie der innere Kritiker bzw. destruktiv wirkende innere Kritiker oder auch täternahe Anteile. Also Anteile die sich in uns selbst ähnlich verhalten wie Täter, die wir in unserer Biografie irgendwann einmal im Außen erleben mussten.“ Das ist also der grobe Überblick aus Folge #30. Ich möchte jetzt gerne auf die schwierigeren Anteile eingehen. Die verletzten und die verletzenden Ego States, die vor allem aus Traumatisierungen entstehen. Ich erlebe es immer wieder in der Praxis und sicherlich erleben es auch die meisten Menschen unter uns, ich eingeschlossen, dass es immer wieder im Leben so etwas gibt wie einen inneren Widerstreit oder das Gefühl, dass trotz größten Bemühens und trotz aufrichtigster Absicht manche Dinge einfach nicht gelingen, weil scheinbar im Inneren sich irgendetwas sperrt, blockiert oder sabotiert. Genau auf dieses Phänomen möchte ich heute eingehen. Genau dieses Phänomen möchte ich gerne aus der Sicht der Ego State Therapie verstanden wissen, denn dann kann es gelingen, es zu verändern. Ein super wichtiges Prinzip ist essenziell für heilsame Arbeit mit dem eigenen Inneren und besonders mit eigenen inneren Anteilen. Das Prinzip, das in der menschlichen Psyche tief, tief verwurzelt ist. Das Prinzip, dass nichts geschieht ohne Sinn und ohne einen Zweck, der eigentlich dem Überleben dienen soll. Das bedeutet übertragen auf die Ego State Arbeit, dass jeder Anteil, den du in deinem Inneren trägst, irgendwann entstanden ist, um zu helfen. Das gilt ganz besonders für die verletzenden und verletzten Ego States, also für die traumanahen Anteile. Denn sie sind entstanden unter dem Druck einer traumatischen Erfahrung. Das heißt sie sind entstanden und sozusagen hereingekommen, um zu schützen und in dieser Situation etwas Sinnvolles, Hilfreiches oder Rettendes zu gestalten, zu geben. Genau deswegen haben diese Anteile und insbesondere diese Anteile unser Wohlwollen und unsere Anerkennung verdient. Das ist gar nicht leicht. Denn diese Anteile wirken eben oft im späteren Leben scheinbar destruktiv und dysfunktional. Ich werde das jetzt anhand eines Beispiels verdeutlichen.

Die Entwicklung von Anteilen anhand eines Beispiels

Nehmen wir an die kleine Ella hat eine Mutter, die leider nicht emotional zuverlässig verfügbar ist, sondern die unter einer ziemlichen Anspannung leidet, die häufige Wutausbrüche hat, die Ella manchmal alleine lässt oder dann wieder große Erwartungen und Ansprüche an sie hat. Ella wächst also mit einer Mutter auf, bei der sie nicht zuverlässig Schutz findet und für die sie sich in einer gewissen Weise verhalten muss, um Liebe und Zuneigung zu erfahren. Dementsprechend erlebt Ella in ihrer Kindheit, in ihrer frühen Kindheit und ihre ganze Kindheit hindurch eine Atmosphäre von Stress. Eine Atmosphäre die dauerhaft, sequenziell eine Traumatisierung darstellt, weil sie eben keine Sicherheit erfährt und immer wieder bedroht ist durch die Emotionen und das Verhalten ihrer Mutter, das sie einfach in existenzielle Not bringt. Da Ella als kleines Kind extrem angewiesen, regelrecht abhängig ist, von der Zuneigung und der Sicherheit ihrer Mutter, muss sich Ellas Psyche natürlich eine Lösung einfallen lassen um mit dieser unberechenbaren, unvorhersehbaren Situation im Alltag umzugehen. Ella beginnt also völlig unbewusst in ihrer kindlichen Psyche jetzt verschiedene Anteile zu entwickeln. Sie entwickelt sogenannte verletzte Ego States, also Anteile, die die Verletzung, die durch die Mutter auf sie einwirken, erleben und spüren und auch dementsprechend tragen. Zu den verletzten Ego States von Ella gehören symptomassoziierte Ego States und traumaassoziierte Ego States oder traumatisierte Ego States. In Ellas Innerem entwickeln sich diese Anteile, damit eine Art Dissoziation hier schützend greifen kann. Wenn Ella unterschiedliche Anteile entwickelt, dann ist es ihr unbewusst möglich sich in unterschiedlichen Anteilen aufzuhalten oder damit identifiziert zu sein, was je nach Situation hilfreich ist. Nehmen wir mal an, Ella entwickelt zwei traumatisierte innere Anteile. (Das sind dann später innere Kind Anteile) Einen Ego State der die ganze Not, die ganze hohe Erregung im Nervensystem, die ganzen Gefühle des Alleinseins und Verlassenseins trägt und dementsprechend hochalarmiert, ängstlich und schreckhaft ist. Sie entwickelt einen weiteren traumatisierten Anteil, der die Körperenergie, die innere Reaktion, das Erleben, der Unterwerfung, Ohnmacht und Starre trägt. Sie hat also zwei traumaassoziierte Anteile in sich entwickelt, die sehr unterschiedlich sind. Zudem entwickelt Ella unter dem Einfluss ihrer nicht berechenbaren, nicht Sicherheit gebenden Mutter, einen symptomassoziierten Ego State.

Der symptomassoziierte Anteil und seine Aufgabe

Das ist auch ein Ego State, der durch die Wiederholung in der Kindheit gelernt hat, ein Symptom auszubilden, mit dem er vielleicht etwas erreichen kann. Dieser innere Anteil von Ella leidet unter Bauchschmerzen. Das ist ein Anteil, der gelernt hat, dass wenn er Schmerzen hat und klein und krank ist, etwas mehr Zuneigung und etwas mehr Halt bekommt. Das könnte auch jedes andere Symptom sein. In meinem Beispiel jetzt wird deutlich, dass der symptomassoziierte Anteil von Ella im Grunde dem Versuch nachgeht etwas herbeizuführen, also eine Strategie aufzubringen, die hilfreich ist, die der großen Not, die die traumaassoziierten, die traumatisierten Anteile tragen, etwas entgegensetzt. Direkt an dieser Stelle möchte ich etwas erklären, was uns später im Leben häufiger Schwierigkeiten bereitet. Machen wir einen Zeitsprung und nehmen an, Ella ist erwachsen. Sie hat sich in Therapie begeben um ihre Symptome, die sie im Laufe des Lebens entwickelt hat zu heilen, um ihre Selbstregulation zu verbessern und um einfach ein anders Niveau an Zufriedenheit und Glück zu kreieren. In der Therapie wird deutlich, dass Ella immer wieder Bauchschmerzen bekommt. Immer wieder Phasen von Bauchschmerzen hat, die sie lahmlegen, die sie aus ihrem Prozess herausholen. Manchmal kommen diese Bauchschmerzen gehäuft vor der Therapie oder nach der Therapie. Aus unserem Blick, den wir schon auf Ellas Vergangenheit geworfen haben, können wir uns also vorstellen, dass ein symptomassoziierter Anteil, der mit den Bauchschmerzen, in dem Moment aktiviert wird, wenn Ella versucht, sich den traumatisierten Anteilen zuzuwenden. Dass also der symptomassoziierte Anteil in diesem Moment die Aufgabe eines Wächters erfüllt, der verhindern soll, dass Ella in Kontakt mit den traumatisierten Anteilen kommt, sodass es ihr schlecht gehen würde. Der Anteil, der die Bauchschmerzen trägt, der symptomassoziierte Anteil, hat also die Aufgabe, Ella davor zu schützen, in die Erstarrung zu fallen oder in die ganz hohe Aktivierung der Angst und der Not. Der symptomassoziierte Anteil von Ella versucht das darüber, dass er die alte Strategie nutzt, die ursprünglich geholfen hat mehr Sicherheit zu generieren. In dem symptomassoziierten Anteil von Ella mit den Bauchschmerzen, steckt auch die Aktivierung ihres Bindungssystems. Dieser soll nicht nur zum Abschirmen vor den traumatisierten Anteilen dienen, sondern nach außen hin eine Funktion erfüllen und den Versuch unternehmen, Zuwendung, Sicherheit, Halt und Geborgenheit zu kreieren. Ihr Bindungssystem ist in diesem Moment aktiv und die Bindungssuche wird über das Symptom ausgedrückt.

Verletzende und destruktiv wirkende Ego States

Die gleiche Funktion, die Funktion das Schützens vor dem was traumanah ist, erfüllen auch häufig die verletzenden Ego States, die destruktiv wirkenden Ego States. Destruktiv wirkende Ego States sind die Anteile, die unglaublich starke Überlebensstrategien beinhalten. Destruktiv bzw. verletzend wirkende Anteile haben häufig einen sehr hohen Grad der Aktivierung. Sie sind auch in der Lage Symptome auszulösen, sind oft sehr emotional und stellen tatsächlich eine Schutzschicht dar, für das was traumanah ist. All das passiert völlig unbewusst und ist allein dazu da, ein funktionierendes System aufrecht zu halten und mit der Traumatisierung, die im Inneren gespeichert ist, klarzukommen und trotz dieser hohen Spannung durchs Leben zu kommen.

Täterloyale Anteile

Ich spreche jetzt im Folgenden von täterloyalen Anteilen oder auch täternahen Introjekten und mag dich hier auch nochmal ganz liebevoll einladen: solltest du dich in irgendeiner Weise emotional berührt fühlen von dem was ich sage, dann drücke vielleicht zwischenzeitlich auf Pause und schaue, dass du dein Nervensystem fein regulierst, damit diese Folge nicht überfordert sondern unterstützt. Wie ist es Ella gelungen, einen täterloyalen Anteil zu entwickeln? Täterloyale Anteile sind Anteile, die die Aufgabe haben, dem Täter, das ist hier tatsächlich einfach der Begriff, also dem im Außen bedrohlich wirkenden Menschen, treu zu sein. Diese Treue dient allein dem Zweck sich etwas sicherer zu fühlen. Denn wenn man loyal sein kann, einem destruktiv wirkenden, äußeren Menschen, also einem Täter/Täterin, dann ist die Wahrscheinlichkeit dessen Wut oder Zorn zu erfahren, geschmälert.  Das heißt täterloyale Anteile sind Anteile, die gewissermaßendie Absicht haben, den Täter zu schützen. Das klingt erst einmal eigenartig aber genau so ist es. Ein täterloyaler Anteil ist ein Anteil, der nicht bewertet, was der Täter tut, sondern ihm treu ist. Also schützend die Werte des Täters für sich interpretiert. Ein täterloyaler Anteil den Ella entwickelt hat ist ein Anteil, der ein Stück Sicherheit und Klarheit generiert, indem er die destruktiv wirkende Art der Mutter nicht bewertet, sondern sie als gegeben hinnimmt oder eben nicht interpretiert. Dieser Anteil ist in einer gewissen Weise einverstanden mit dem, was die Mutter tut, weil er die Mutter schützen will. Weil er durch diese Loyalität eine gewisse Nähre herstellen will und eben auch in dieser Nähe wieder ein Stückchen Sicherheit generieren möchte. Dieser täterloyale Anteil von Ella wird später in ihrem Leben beispielsweise sagen „Ein kleiner Klaps hat noch niemandem geschadet.“. Der Täterloyale Anteil wird auch später in der Therapie sagen, dass er der Mutter ja schon verziehen hat, dass man der Mutter nichts vorwerfen sollte, dass die Mutter auch nur ein Opfer ihrer eigenen Umstände wäre. Dieser Anteil tut das nicht aus einer friedvollen und wirklich durchprozessierten, heilen inneren Haltung, sondern er tut es um die Mutter zu schützen, weil hier eine Bindung ist und weil es einfach ein Gefühl von Verbundenheit und Sicherheit geben kann, das sich andernfalls nie eingestellt hätte. Zusammengefasst und vereinfacht sind täterloyale Anteile dazu da, den Täter zu schützen in der eigenen inneren Wahrnehmung um sich nah zu fühlen und auch um in dem System, in dem man mit dem Täter/der Täterin verstrickt ist, mitlaufen zu können, ohne die ganze Zeit den Schmerz, die traumanahen, die traumaassoziierten Anteile zu spüren. Dem zugeordnet kann man auch täternahe Introjekte verstehen oder sogar Täterintrojekte. Das gilt natürlich auch für Täterinnen.

Täterintrojekte

Täterintrojekte und generell Introjekte sind hochinteressante Anteile. Auch hier noch eine Randnotiz: Um das Thema Introjektion besser verstehen zu können, kannst du dir einmal die Podcastfolge #16 anhören „Wie du deinen Selbstwert mit Sicherheit kleinkriegst“. Täternahe Introjekte oder Täteintrojekte/Täterinnenintrojekte sind Anteile, die die Eigenschaften des Täters/der Täterin nach innen aufnehmen. Die also in der Lage sind, genau so zu fühlen, zu erleben, zu denken und auch zu handeln, wie es der sogenannte der Täter/die Täterin im Außen tut. Täterintrojekte sind sehr wichtige Anteile, wenn die Gewalt im Außen sehr hoch ist. Sie haben eine sehr schützende Funktion, eine enorme Wächterfunktion, denn diese Anteile kommen nur dann ins Feld und entwickeln sich im Inneren, wenn sie nötig sind, um das traumatisierte im Inneren abzuschotten. Täterintrojekte, also Anteile, die sich genau so verhalten können, genau so denken und fühlen wie ein Täter damals im Außen, sind Anteile, die häufig auch mit einem hohen Maß an Dissoziation einhergehen. Die sich dann entwickeln, wenn das Trauma so groß ist, dass die traumatisierten Anteile weit nach innen zurückweichen müssen. Ella hat zum Beispiel einen Anteil in sich entwickelt, der sehr, sehr viel der Abwertung und der destruktiven Energie der Mutter verinnerlicht hat. Dieser Anteil ist entstanden, um in eine Haltung zu kommen die das Trauma nicht hochkommen lässt. Dieser Anteil wird für Ella dann spürbar, wenn sie sich derartig getriggert fühlt, dass sie in einer Situation, in einen inneren Zustand geraten würde, in dem das ganze Trauma getriggert würde. Wenn sich Ella also von außen getriggert fühlt auf eine Art und Weise, die sie an damals erinnert, dann wird ein Täterintrojekt aktiv um all das Zarte, Verletzte, Fühlende im Inneren weit nach hinten zu drängen. Ein Täterintrojekt, ein täternahes Introjekt trägt und drückt die ganze Härte des Täters von damals aus, der destruktiv wirkenden Person von damals. Das heißt dieser Anteil wendet natürlich auch Härte gegen die eigene Person selbst an. Täternahe Introjekte oder Täterintrojekte sind Anteile, die von außen betrachtet höchst destruktiv wirken, die aber im Inneren eine so wichtige Notfunktion, Notlösung erfüllen. Die täternahen Introjekte oder Täterintrojekte bringen die Person, in unserem Beispiel Ella, in die Situation bzw. in die Verfassung, sich selbst gegenüber hart zu sein, in die Perspektive des Täters/der Täterin von damals zu wechseln um sich so zu behandeln wie es der Täter/die Täterin damals tat, zu dem Zweck, dass die traumanahen und traumaassoziierten Anteile nicht nach vorne kommen. Das heißt in dem Moment, in dem ein Täterintrojekt aktiv wird, ist die innere Spannung so hoch, dass die Funktionalität des Gesamtsystems zu schwanken droht, bedroht scheint, wenn nicht ein solch harter Anteil wie ein Täterintrojekt jetzt die Regie übernehmen würde. Das bedeutet, selbst die Täterintrojekte, die scheinbar sehr destruktiv wirken und agieren, sind eigentlich in dem Moment nur Schutzstrategien, die das Innere aufbringt, um nicht in die Dekompensation und in den Zusammenbruch zu rasseln. Zu Täterintrojekten und dieser Eben geht es nochmal sehr in die Tiefe. Ich möchte es an der Stelle dabei belassen, es zumindest oberflächlich verstehen zu können um aus der Be- und Abwertung dieser Anteile herauszukommen und auch um zu verstehen, dass selbst wenn man solche Anteile in sich trägt und sich vielleicht gegen sich selbst hart und destruktiv verhält, dass selbst das anzuerkennen ist als eine Schutzstrategie und dass es wichtig ist, hier in einen Prozess hineinzugehen, der mit diesem Introjekt, mit diesem Anteil arbeitet. Der versucht, für ihn zu sein und für seine Entwicklung weg aus der Destruktivität, hinein in eine andere Art Schutz. Damit nehme ich jetzt die Kurve zur heilsamen Inspiration.

Ego States unterstützen um zu heilen

Vielleicht hast du jetzt schon nach all dem was ich gesagt habe ein Gefühl dafür, dass natürlich die Heilung von verletzten, verletzenden oder destruktiven Ego States darin besteht, sie zu unterstützen. Sie zu unterstützen in ihrer heilsamen Entwicklung. Wie du gehört hast, sind diese Ego States, die ich beschrieben habe in ihrer Entwicklung ziemlich eingefroren, in dem Zustand und dem Entwicklungsstand, in dem sie entstanden. Das bedeutet, in der Arbeit mit Ego States gibt man den Ego States Unterstützung sich zu entwickeln und mit dem in Kontakt zu kommen, was sich seit der traumatischen Situation im Leben verändert hat. Das heißt, die traumatisierten Ego States, die nach wie vor Schutzstrategien fahren, brauchen einen Kontakt zum wachen und beobachtenden Gewahrsein, das im Hier und Jetzt verankert ist. Diese Anteile brauchen Kontakt zu ressourcenreichen Anteilen. Diese Anteile brauchen mehr Verknüpfung zu anderen Anteilen, durch die sie sich weiterentwickeln können. Ella hat zum Beispiel im Laufe ihres Lebens sehr viel Kreativität entwickelt und sich zu einem Menschen entwickelt, der Freude daran hat, schöpferisch zu sein. Sie hat enorm viele Ressourcen. Ella gelingt es in der Therapie, ihre destruktiven und auch verletzten und verletzenden Anteile mit ihren kreativen Anteilen in Kontakt zu bringen, sodass sie nach und nach die Möglichkeit hat, statt in destruktive Verhaltensmuster zu fallen, ihre Kreativität zu nutzen, um sich zu regulieren. Das bedeutet, wenn du mit derartigen Anteilen zu tun hast, die müssen nicht in der Schärfe vorliegen wie bei Ella, dann ist es so wichtig für den heilsamen Prozess, für deine inneren Anteile, dass du all deine ressourcenreichen Anteile enorm stärkst. Dass du deinen ganzen Fokus auf die Bildung, die Stärkung, die Entwicklung deiner ressourcenreichen Anteile legst und dass du dadurch eine Kapazität bildest, mit der du dich dann den verletzten, den traumatisierten und auch den verletzenden und destruktiven Anteilen zuwenden kannst. Wenn wirklich destruktive und verletzende Anteile im Inneren vorhanden sind, ist es sehr empfehlenswert, sich einer Therapie zu unterziehen, das Ganze mit hilfreicher, fachkompetenter Unterstützung zu tun. Du kannst aber schon wahnsinnig viel für dich selbst tun, wenn du deine ressourcenreichen Anteile stärkst und dadurch den Raum schaffst, die Kapazität schaffst, deine verletzten und versehrten Anteile zu spüren und mit ihnen in Interaktion zu treten. Je mehr du das tun kannst, desto weniger müssen noch protektive Introjekte oder destruktiv wirkende Schutzstrategien aktiv werden. Es ist also nicht unbedingt nötig mit dem destruktiv wirkenden Anteil direkt zu arbeiten, das solltest du am besten sowieso, wenn dann mit Unterstützung tun. Sondern du erlebst schon viel Heilsames und viel Wandlung im Inneren, wenn du Kapazität schaffst indem du deine wohltuenden, ressourcenreichen Anteile stärkst. Dazu tue einfach alles, was dir guttut.

Wenn du magst, betrachte dich in nächster Zeit immer wieder mal aus dem Blick der Ego State Theorie, der Anteilearbeit. Betrachte dich und frage dich, was für Anteile sind hier aktiv? Wen habe ich hier gerade im Vordergrund? Was spüre ich? An was erinnert mich das? In den Shownotes findest du Literatur, die dich dabei unterstützen kann.

SHOWNOTES:

 

 

 

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Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration beim Lauschen. Ich freue mich riesig über Kommentare (z.B. auf Instagram @kreativetransformation), in denen Du teilst, was Dich in dieser Folge berührt hat. Ich freue mich sehr, dass wir verbunden sind!

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