#73 Trauma und Beziehung

Transformations - Inspiration

Ich glaube, dass es unglaublich wichtig ist, dass wir als Menschheit mehr Verständnis dafür entwickeln, wie Trauma auf Bindungsebenen und in Paardynamiken hineinwirkt. Sowohl in Beziehungen auf der partnerschaftlichen Ebene als auch zwischen Eltern und Kindern und in anderen Beziehungen...

 

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In dieser Folge erfährst Du: 

  • wie wichtig das Verstehen von Trauma-Dynamiken ist
  • wie Unterbewusstsein Kompensationsstrategien Beziehungen steuern
  • wie wichtig es ist, Trigger und automatischen Schutzreaktionen zu entschlüsseln
  • warum sich traumatisierte Personen eine/n traumatisierte/n Partner/in suchen
  • dass Beziehung auch Heilung bedeuten kann

Die Trauma -Dynamik verstehen

Ich glaube, dass es unglaublich wichtig ist, dass wir als Menschheit mehr Verständnis dafür entwickeln, wie Trauma auf Bindungsebenen und in Paardynamiken hineinwirkt. Sowohl in Beziehungen auf der partnerschaftlichen Ebene als auch zwischen Eltern und Kindern und in anderen Beziehungen. In meiner Praxis berate ich als systemische Paartherapeutin auch Paare. Im Laufe der Jahre habe ich immer mehr darüber gelernt, wie Trauma in die Beziehungsebenen hineinwirkt. Wenn man nichts von Trauma-Dynamiken weiß, wenn man die Psychodynamik von Traumafolgen nicht kennt oder grundlegendes darüber nicht verstanden hat, dann interpretiert man viele Dinge einfach anders. Leider bedeutet das dann häufig, dass man an der Verhaltensebene hängen bleibt. Dass man versucht über Verhaltensveränderungen Dinge zu lösen und Partnerschaften zu verändern. Doch das gelingt leider nie, wenn Trauma im Hintergrund schwingt. Denn um das zu verändern, was durch Trauma-Dynamiken in Partnerschaften passiert, braucht es ein wirkliches, tiefes Verstehen für die verletzte Seele, die verletzte Psyche, die ungelösten Emotionen und die Schutz- und Verarbeitungsstrategien, die sich daraus ergeben. Das klingt jetzt erst einmal kompliziert und es ist tatsächlich komplex, aber ich werde versuchen die einfachsten Prinzipien herauszuarbeiten, die wichtig sind, um diese Dynamiken zu verstehen. Zunächst nenne ich ein paar Symptome, die charakteristisch sind für Partnerschaften, in denen Trauma eine Rolle spielt.

Unlösbare Konflikte

Streit ist ein sehr wichtiges Symptom. Natürlich streiten im Grunde alle Paare. Alle Menschen streiten in irgendwelchen Kontexten. Aber der Streit, den ich hier meine, ist der, der von einer besonderen Qualität ist. Er führt zu keiner Lösung. Er wiederholt sich. Er hat eine Intensität, die enorm kraftraubend ist, und er führt immer wieder zu Verletzungen. Dazu gehören auch im weiteren Sinne unlösbare Konflikte über die häufig oder regelmäßig gestritten wird. Paare, die Trauma in ihrem „Keller“ haben, erleben sich oft in unlösbaren Konflikten. Sie sind mit Konflikten konfrontiert um deren Lösung sie sich bemühen, die aber nicht lösbar scheinen. Wo sich immer wieder eine Sackgasse auftut oder man gegen eine Wand läuft. Irgendwann tritt dann eine Verzagtheit oder ein verzweifelt sein in den Raum, was wiederum nicht selten zum Schweigen und Verstummen führt. Dort, wo unerlöstes Trauma im Hintergrund wirkt, verletzen sich Menschen häufig und das in einer hohen Intensität. Oftmals nicht bewusst, oftmals nicht beabsichtigt aber immer so, dass es wehtut. Häufig zeichnen sich solche Partnerschaften auch dadurch aus, dass es gewisse Schwierigkeiten gibt in der Regulation oder in der gemeinsamen Stimmigkeit und im gemeinsamen Fluss zwischen Nähe, Distanz und Grenzen. Oft ist es so, dass sich Menschen in Trauma-Dynamiken entweder ganz nah fühlen, sich fast wie verschmolzen wahrnehmen, in einer hohen Intensität miteinander schwingen und dann aber wieder Kontaktabbrüche geschehen. Man nimmt sich plötzlich weit weg, isoliert, einsam und vom anderen getrennt wahr. Wie du jetzt vielleicht schon merkst, all diese Symptome, die ich genannt habe, sind schon ein großes Feld für viele komplexe Zusammenhänge und Auswirkungen. Ich versuche Schritt für Schritt hier entlangzugehen. Ich würde dich auch gerne einladen, um dieses Thema tief und gut verstehen zu können, dir ein, zwei vorangegangene Podcastfolgen anzuhören. Ich weiß, ich sage das häufiger, aber tatsächlich möchte ich so gerne gut in die Tiefe gehen können und dazu hilft es, wenn du ein paar Dinge schon verinnerlicht hast. Ich möchte dich einladen, die Folgen „Bindungstrauma verstehen“ und „Wie Frühprägungen deine Beziehungen beeinflussen“ zu hören. Du findest die Podcastfolgen in den Shownotes verlinkt. Dort beschreibe ich wie sich frühe Traumatisierungen auf das Beziehungsverhalten und -erleben auswirken. Das ist an dieser Stelle sehr hilfreich zu verstehen. Ich spreche hier natürlich generell von unverarbeiteten Traumatisierungen. Die verarbeiteten Traumatisierungen wirken sich nicht mehr destruktiv aus, sondern im Gegenteil, oft tragen sie sehr zur Tiefe und Bewusstheit bei.

Trauma-Paar-Dynamiken

Eine Sache ist ganz wichtig und sehr wirksam in Trauma-Paar-Dynamiken. Menschen, die unverarbeitete Traumatisierungen in sich tragen, sind triggerbar. Das bedeutet, dass die unerlösten Gefühle, die unverarbeiteten Empfindungen und auch Erinnerungen in einer Partnerschaft getriggert werden können, und dadurch Verhaltensmuster abgefeuert werden, die früher gelernt wurden. Kompensationsstrategien, die schon früher zur Kompensation des Traumas gelernt wurden, greifen dann auch in einer Partnerschaft und das kann leider dazu führen, dass diese Kompensationsstrategien auch die Beziehung regieren. An dieser Stelle sei noch kurz eine Differenzierung eingefügt: Wenn ich von Traumapaaren spreche oder von Paaren, die Trauma-Dynamiken zu bewältigen haben, dann gibt es da natürlich verschieden Varianten. Zum Beispiel die Variante, dass eine Person unverarbeitete Traumatisierungen noch in sich trägt oder die, dass beide Personen unverarbeitete Traumatisierungen bewältigen müssen. Es ist nachvollziehbar, dass es natürlich umso komplexer wird, je mehr Trauma in einer Partnerschaft unverarbeitet ist. Wie sich das auswirken kann, zeige ich dir jetzt anhand von zwei Beispielen.

Schutzmechanismus nach Triggermoment

Beispiel

Mein erstes Beispiel handelt von einer Klientin, ich nenne sie an dieser Stelle einmal Hannah. Hannah war zu der Zeit als sie zu mir kam ungefähr Mitte 40 und zum zweiten Mal verheiratet. Sie hat eine unglaublich dramatische Biografie. Eine Traumabiografie, frühkindliche, schwerste Traumatisierung und dann in der Folge eine langjährige Beziehung mit einem hochgewaltvollen Ehepartner. Sie war zu der Zeit unserer gemeinsamen Arbeit gerade frisch verheiratet mit ihrem neuen Partner, nennen wir ihn Olli. Olli, ein sehr liebevoller, entspannter und in sich ruhender Mann, wie ein Bär. Hannah hatte zu der Zeit therapeutisch schon vieles für sich getan und einige ihrer Traumatisierung schon gut bewältigt, so dass ihr Maß an Selbstregulation ziemlich hoch war. Sie fühlte sich in ihrer neuen Partnerschaft sehr wohl und in einem ganz neuen Lebensgefühl. Nun kam es zu der Situation, dass die beiden ein Haus gebaut hatten und Olli für eine längere Weile beruflich pendeln musste. Das bedeutete, dass Hannah und Olli sich quasi in einer Wochenendbeziehung befanden und Olli nur am Wochenende in das gemeinsame Haus kam. Hannah beschrieb mir folgende Situation, die sie sehr verunsicherte und die sie gerne bearbeiten wollte. In großer Vorfreude befand sie sich freitags in den Vorbereitungen für das Zusammentreffen mit ihrem geliebten Olli und kochte etwas Schönes oder bereitete eine schöne Atmosphäre vor und war wirklich in offenem Herzen und Vorfreude auf ihr Wiedersehen. Vielleicht gab es kurz vorher noch ein kleines Telefonat oder eine nette Nachricht übers Handy. In jedem Falle war die Stimmung wunderbar. Dann passierte an drei Wochenenden hintereinander etwas, was Hannah nicht verstand. Sie beschrieb mir, dass sie in dem Moment, in dem Olli zur Tür reinkam, in eine ganz eigenartige Stimmung verfiel. Als würde sich ihr Herz plötzlich verschließen. Als würden in ihrem Inneren alle Rollläden runtergehen und die Schotten dicht gemacht werden. Sie konnte sich Olli nicht mehr zuwenden. Die Freude war wie weggepustet und ihr ganzer Körper verhärtet und abweisend. Sie konnte das beobachten, aber sie konnte es nicht erklären. Sie konnte nur äußern, dass sie ihren Raum, ihre Ruhe und Abstand bräuchte. Was für Olli natürlich völlig irrsinnig schien, da es überhaupt nicht zu dem passte, was noch eine kurze Zeit vorher kommuniziert wurde und was ihn natürlich extrem verunsicherte. Hannah und ich machten uns dann auf die Suche nach einer Erklärung wieso sie in dieser Art reagierte. Lange Rede, kurzer Sinn, wir stellten fest, in einer sanften Hinwendung zu Hannahs Innerem, dass Hannah einen Trigger erlebte, in dem Moment, in dem ihr Mann Olli nachhause kam. Es war das Geräusch des Schlüssels in der Tür. Hannah hatte in ihrer Traumatisierung viele Situationen erlebt, in denen sie nachdem jemand durch die Tür kam, die er aufschloss, schwere Gewalt erfahren hatte und schreckliche Situationen, die sie schwer geprägt hatten. Traumatische Situationen, sehr gewaltvoller Art. Diese Situationen lagen lange zurück und waren in keinster Weise in Hannas Bewusstsein mit dem Heimkommen ihres Mannes assoziiert. Aber Hannahs Unterbewusstsein erlebte in dem Geräusch des Schlüssels in der Tür einen Trigger, der zu einer automatischen Schutzreaktion führte. Es wurde automatisch ein schutzhaftes Verhaltensmuster hochgefahren. Eine Kompensationsstrategie auf die alte Situation wurde aktiviert und regierte in diesem Moment die Beziehung. Das klingt vielleicht schräg aber unser Unterbewusstsein funktioniert so. Wenn ein Trigger, ein Schlüsselreiz gesetzt wird und dadurch etwas unverarbeitetes innerlich heraufgeholt wird, dann passieren genau solche Dinge. Das was Hannah in dem Moment erlebte war eine Art emotionaler Flashback. Ein emotional, körperlicher Flashback. Sie konnte es nicht einordnen, aber es war mächtiger als ihr Bewusstsein. Nachdem sie das klar hatte, war das schon sehr, sehr erleichternd, da sie für sich sehen konnte, dass es nichts mit Olli zu tun hatte. Denn sie fragte sich natürlich, „Was reagiert in mir so? Was ist hier eigentlich los? Was ist vielleicht falsch?“. Vor allem konnte sie das in ihrer Art und Weise Olli vermitteln. Die beiden lösten das Thema zunächst einmal so, dass sie vereinbarten, dass Olli nicht mit dem Schlüssel in die Tür eintreten, sondern klingeln würde. So dass ihm Hannah mit ihrem freudestrahlenden Gesicht die Tür öffnen konnte. Dieses Beispiel soll zeigen und zeigt sehr plastisch, wie sehr eine unverarbeitete Traumatisierung sich in der Beziehungsebene ausbreiten kann. Wenn Hannah eine nicht so reflektierte Person wäre, mit einer gewissen Therapieerfahrung und einem Bewusstsein über ihre Traumatisierung, dann hätte diese Dynamik sicherlich eine große Beziehungskrise auslösen können oder sie vielleicht sogar gefährden können.

Schutzstrategien durch Bindungstraumatisierung

Beispiel

In meinem zweiten Beispiel tragen beide Beziehungspartner eine Bindungstraumatisierung. Vivien und Frank nenne ich sie an dieser Stelle. Vivien hat in ihrer Kindheit einen sehr wütenden Vater gehabt. Einen Vater der jähzornig war und sehr intensive Wutausbrüche täglich, immer wieder, unberechenbarerweise an den Tag legte. Und diese Wut, die Wut des Vaters war für Vivien immer sehr einschüchternd, sie hat sie geängstigt und ihr Not beschert. Frank, Viviens Partner, hatte eine sehr emotionale und sehr empfindsame Mutter, die sich selbst nicht sehr gut halten konnte. Frank hat in seiner Kindheit erlebt, dass die Intensität seiner Gefühle nicht willkommen war. Wenn er starke Gefühle äußerte wurde er dafür bestraft mit Liebesentzug oder anderen Strafen, die ihm ganz deutlich vermittelten, dass seine Gefühle in dieser Intensität hier überhaupt nicht erwünscht waren. In der Beziehung zwischen Frank und Vivien äußern sich diese Aspekte ihrer jeweiligen Bindungstraumatisierung, Entwicklungstraumatisierung folgendermaßen. Frank und Vivien sitzen zusammen im Auto, nehmen wir an, sie fahren Einkaufen oder einfach irgendwo hin. Irgendjemand schnappt Frank, der am Steuer sitzt, den Parkplatz weg. Daraufhin regt sich Frank auf und er flucht ein bisschen, vielleicht fällt auch ein Schimpfwort. Durch die Emotion Wut, die Frank in diesem Moment nach draußen lässt, wird Vivien augenblicklich getriggert. Denn sie hat eine ziemlich niedrige Toleranz für die Emotion Wut und Zorn aufgrund ihrer Erfahrungen. In ihr werden augenblicklich Schutzstrategien von damals aktiviert und sie reagiert zunächst einmal pampig auf Franks Äußerung und sie verschließt sich total. Die gemeinsame Unternehmung, die die Beiden angestrebt hatten und für die sie diesen Parkplatz suchten ist also von diesem Moment an ein bisschen vereist. Frank kommt nicht mehr an Vivien ran, Vivien ist verschlossen und meidet sogar den Blickkontakt zu ihm. Wenn die beiden nichts über die Dynamik im Hintergrund wissen, dann werden sie unter dieser Dynamik, die sich hier zeigt, sehr leiden. Aus dieser Dynamik, die Frank und Vivien hier erfahren, entwickelt sich in ihrer Beziehung ein Muster. Für Vivien ist Emotion, besonders  Wut oder nehmen wir einfach mal den Überbegriff intensive Gefühle, gefährlich. In ihrem Inneren liegen unverarbeitete Erfahrungen, die solche Gefühle als gefährlich einordnen. Für Frank bedeutet das, in dem Vivien so reagiert, dass er innerlich getriggert wird und er wieder bestätigt wird in dem Gefühl, dass seine Gefühle oder er mit seinen Gefühlen in dieser Beziehung nicht willkommen sind. Dass er in dieser Beziehung mit seiner Emotion wieder einmal falsch ist. Und so kann es sein, dass sich eine Menge unausgesprochener Gefühle in der Beziehung anstauen. Diese Dynamik ist ein Beispiel dafür, dass sich aus verdeckten Trauma-Dynamiken, unausgesprochene Regeln in einer Partnerschaft entwickeln. So etwas wie eine „Hidden Agenda“, die dann die Partnerschaft dirigiert oder regiert. Wenn ein Partner zum Beispiel eine Beschämung fürchtet, so wie hier Frank in unserem Beispiel, ob das jetzt real ist oder nur in seiner Erwartung, dann wird er eigene Impulse zurückhalten. Das gilt ebenso für die Angst vor überschießenden Emotionen. Wenn also ein Partner fürchtet, den anderen zu ängstigen oder wenn er fürchtet, selbst geängstigt zu werden, wenn er einen Impuls anbringt, dann wird er das meiden. Dann kann eine unausgesprochene, vielleicht ganz unbewusste, innere Vereinbarung lauten, dass dissoziierte und verdrängte, schattenhafte eigene Anteile in der Beziehung keinen Platz haben dürfen. Dass nicht nur keine Gefühle ausgesprochen werden oder unterdrückt werden, sondern, dass die Übereinkunft unbewusst ist: „Wir wenden uns unseren Schattenseiten, also den versehrten Anteilen in uns, die uns hier so zu schaffen machen, nicht zu. Wir werden sie einander nicht zeigen und wir gucken nicht hin.“. Das ist eine Schutzstrategie. Deshalb gelingt es PartnerInnen sich jahrelang aufzureiben und zu zermürben, weil unbewusst so etwas wie die Übereinkunft klingt: „Wir machen es so, wie wir es kennen und da fühlen wir uns sicher, auch wenn es zermürbend ist.“.

Sicherheit durch Reinszenierung

Häufig ist es so, darüber staunen immer wieder auch traumatisierte Personen, dass sie sich zielsicher und blind einen ebenso traumatisierten Partner oder Partnerin aussuchen. Das gibt erst einmal Rätsel auf, ist aber andererseits gut zu erklären. Etwas im Unterbewusstsein erkennt die Dynamik des anderen wie seismographisch. Denn gerade bei Bindungstraumatisierungen und Entwicklungstraumatisierungen, die in der Kindheit stattgefunden haben, entwickeln Menschen seismographische Wahrnehmungsfähigkeiten, so feine Antennen, dass sie andere Menschen in ihrer Dynamik unbewusst sehr gut erkennen. Dann sucht man sich nicht etwa jemanden mit einer ähnlichen Trauma-Dynamik aus, weil man sich selbst schaden möchte. Sondern, ganz im Gegenteil, weil etwas im Inneren weiß: „Darauf habe ich eine Antwort. Dafür habe ich Strategien entwickelt, dazu weiß ich wie ich mich zu verhalten habe.“. Also die Anteile im Inneren, im Unbewussten suchen sozusagen etwas, was sie kennen und worin sie sich dann in diesem ganz paradoxen Rahmen sicher fühlen. Das führt dann häufig zu dem was man Reinszenierung nennt. Das ist eine Ursache dafür, weshalb Menschen, die in der Kindheit viel Gewalt erfahren haben, sich überdurchschnittlich häufig mit PartnerInnen zusammentun, die dann auch wieder gewalttätig sind.

Bewusstsein als Schlüssel für Transformation und Heilung

Ich hoffe ich konnte in diesen zwei Beispielen deutlich machen, wieviel die Triggerbarkeit von ungelösten, traumatischen Erfahrungen, Empfindungen, Gefühlen, Verhaltensmustern in einer Beziehung für eine Rolle spielen können. Man könnte auch einfach sagen, dass jeder einzelne Mensch aus seiner Erfahrung heraus interpretiert. Dass also jeder das, was von außen nach innen gelangt mit seinen gewohnten Verarbeitungsmechanismen verarbeitet und interpretiert. So dass zum Beispiel Vivien die Wut ihres Freundes Frank auf den Autofahrer als bedrohlich für sich empfindet. Jeder interpretiert aus seiner Erfahrung heraus und das führt zu Verstrickungen, wenn es nicht reflektiert ist. Ein ganz, ganz, ganz großes Merkmal für ungelöste Traumatisierung ist, dass es nicht reflektiert ist und dass erst wenn es reflektiert ist ein Heilungsprozess beginnen kann. Deswegen ist auch natürlich einmal wieder der größte Schlüssel für Transformation und Heilung bei Trauma in der Partnerschaft das Bewusstsein. Es braucht ein Bewusstsein für das, was im eigenen Inneren unverarbeitet ist, und es braucht ein Bewusstsein dafür, was im Innern des anderen an unverarbeitetem Potenzial schlummert. Ohne Bewusstsein für die eigene Innenwelt wird eine Partnerschaft in der Trauma in der Biografie liegt, bei einem oder beiden der Beteiligten, fortwährend verletzend sein. Immer wieder und in wiederholender Art und Weise, manchmal aber auch sehr facettenreich. Also muss jeder einzelne für sich schauen, was braucht Heilung und Transformation in mir und jedeR einzelne muss schauen, was braucht das in Bezug auf die Partnerschaft? Was braucht unsere Partnerschaft? Dafür, dass wir beide heilen können. Dass der eine oder der andere heilen kann und wir uns zusammen entwickeln können zu den Menschen, die wir jenseits unserer Biografie und der gelernten Mechanismen sind. Erst dann kann eine Beziehung wirklich die Qualität entfalten, die sie eigentlich haben möchte.

Beziehung als Geschenk

Ich glaube, die beste Nachricht an dieser Stelle ist die, dass wenn beide reflektiert genug, bewusst genug, bereit genug sind, bei sich zu schauen und das dann in die Partnerschaft zu tragen, dass dann Beziehung, die Verbindung zwischen zwei Menschen das heilsamste sein kann, was es überhaupt in diesem Universum geben kann für traumatisierte Menschenwesen. In der Beziehung liegt die Chance, die alten Erfahrungen zu transformieren, weil sie sich nicht bestätigen, weil sie sich nicht wiederholen. Dazu braucht es Kommunikation, Offenheit, Ehrlichkeit, Transparenz und auch die Bereitschaft sich verletzlich zu zeigen und dem anderen zu zeigen: „Hier ist meine größte oder meine tiefste Wunde. Hier brauche ich deine Unterstützung, deine Achtsamkeit, deine Hilfe, mich selbst anders zu betrachten und mich Schritt für Schritt und Situation für Situation anders zu verhalten.“. Ich denke es wird deutlich, dass das eine hohe Qualität an Beziehung hervorbringt. Dass das auch eine hohe Qualität an Verbundenheit braucht, um das gemeinsam tun zu können, aber dass es wirklich das größte Geschenk ist, wenn das gelingt.

Traumasensible Paartherapie

Daher möchte ich alle die hier zuhören und sich vielleicht betroffen fühlen, ermutigen, sich dem zuzuwenden, in die Kommunikation zu gehen, sich selbst zu reflektieren und gemeinsam mit dem/der PartnerIn darüber zu sprechen. Außerdem ist es natürlich ab einem gewissen Maß an Intensität höchst anzuraten sich fachkundige Hilfe zu holen. Zum Beispel eine traumasensible Paartherapie zu machen, sich beraten zu lassen, in Einzeltherapie zu gehen oder gemeinsam in Therapie zu gehen, um die Traumatisierung klar zu kriegen, so dass man erkennt, was hilft und was man unterlassen sollte. An dieser Stelle noch eine ganz herzliche Empfehlung für ein Buch und eine Methode. Das Buch ist von Dr. Katharina Klees und heißt „Traumasensible Paartherapie“. Sie hat einige Therapeuten ausgebildet, die traumasensible Paartherapie geben. Sowohl ihr Buch als auch die Methode ist ganz wunderbar um sich rauszutransformieren aus diesen destruktiven Dynamiken. Vielleicht magst du dieses Buch lesen und dich schlau machen über diese Methode. Davon abgesehen, möchte ich dich, wie gesagt, ermutigen: öffne dein Herz für dein versehrtes Inneres, wende dich dir zu und schaue deiner/m PartnerIn mit einem anderen Blick an. Frage dich, was mag vielleicht schlummern, hinter einer überschießenden Reaktion oder einer Verschlossenheit, einem gewissen Unvermögen oder einem ständig wiederkehrenden Muster? Vielleicht bist du der Mensch, der hier eine Tür öffnet zur Heilung, die dann im Inneren deines Partners ihren Lauf nehmen kann. Es ist nie zu spät sich zu entwickeln zu einem Menschen, der eine wunderbar glückliche Beziehung leben kann und es ist nie zu spät zu dem Partner zu werden, der genau dieses Glück darstellt.

 

Shownotes:

 

 

 

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